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Ambulante Pflege


Guter Rat Spezial - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 06.06.2019

ZU DIENSTEN Die meisten Pflegefälle werden zu Hause allein von ihren Angehörigen betreut. Das ist auf die Dauer nicht nur körperlich sehr anstrengend, sondern kann die Helfer auch einsam machen, weil ihnen die Zeit für Freizeit mit Freunden fehlt. Professionelle Hilfe von außen kann allen Beteiligten das Alltagsleben leichter machen


B is sich Pflegende dazu durchringen, einen ambulanten Dienst mit der Versorgung von Angehörigen zu beauftragen, kann es dauern. Gerade Eheleute brauchen manchmal Jahre, bis sie sich eingestehen, dass sie mit der Versorgung des Partners überfordert sind. Vor allem wenn sich ...

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... Krankheiten über einen langen Zeitraum langsam steigern, etwa bei Demenz oder multipler Sklerose. Dann sehen sich Angehörige nicht nur in der Pflicht, den Alltag allein zu regeln, sondern müssen auch lernen, mit Wesensveränderungen oder zunehmenden körperlichen Einschränkungen des Pflegebedürftigen entspannt umzugehen. Das klappt besser, wenn komplexe Aufgaben wie die Morgenroutine – Aufstehen, Körperpflege, Anziehen und Frühstücken – an eine gelernte Pflegerin vom ambulanten Dienst abgegeben werden können. Wichtig sind für Angehörige auch verlässliche Auszeiten für eigene Arzttermine, Einkäufe oder Verabredungen mit Freunden – ehrenamtliche Helferinnen oder Angebote der Tagespflege machen’s möglich. Gerade für Alleinlebende bieten ambulante Pflegedienste die Chance, den Umzug in ein Pflegeheim weit hinauszuzögern.

Hilfestellung Zu den Aufgaben eines ambulanten Pflegedienstes gehören neben der Medikamentengabe auch Unterstützung bei der Körperpflege und beim Essen


28 Welche Hilfsmöglichkeiten gibt es für Angehörige?
AMBULANTE PFLEGE Unterstützt Hilfsbedürftige in ihren eigenen vier Wänden. Das Angebot reicht von kontrollierter Tabletteneinnahme für weitgehend selbstständige Menschen bis hin zur Rundumversorgung.TAGESPFLEGE Zeitweise Betreuung in einer Einrichtung. Abends kommt der Pflegebedürftige wieder nach Hause.NACHTPFLEGE Unterstützung für Angehörige während der Nacht.BETREUTES WOHNEN Barrierefreies Wohnen mit Notruf und Hausmeisterservice. Pflege, Putzdienst und andere Dienste wie Mahlzeiten können individuell zugebucht werden. Zielgruppe sind rüstige Menschen mit leichten Einschränkungen.PFLEGEHEIM Professionelle Rund-um-die- Uhr-Betreuung für Pflegefälle, die nicht mehr allein zu Hause leben können.WOHNGRUPPEN (WG) Betreuung und Pflege in kleinen Gruppen, die individueller auf die Bedürfnisse der Bewohner eingehen können. Der Alltag wird weitgehend gemeinsam gestaltet. Teilweise wird als Unterstützung der professionellen Kräfte von Angehörigen hohe Einsatzbereitschaft erwartet. Es gibt Pflege- WGs beispielsweise auch speziell für Demenz oder für stationäre Pflege.

29 Was können ambulante Pflegedienste leisten?
Ob mit steigendem Alter, bei schwerer Krankheit oder nach einem Unfall, Pflegedienste entlasten bei Betreuung und Pflege von Angehörigen. Zum Angebot gehören: medizinische Grund- und Behandlungspflege, hauswirtschaftliche Versorgung, Begleitung bei Spaziergängen, Arzt- oder Kulturbesuchen. Hinzu kommen Beratungsangebote für Pflegebedürftige, Anwesenheit beim Besuch des MDK-Gutachters und Pflegekurse für Angehörige.

Ehrenamt Für eingeschränkt mobile Menschen, die aus Angst vor Stürzen nicht allein rausgehen, sind Begleiter bei Spaziergängen eine willkommene Hilfe


30 Was umfasst Grund- und Behandlungspflege?
Zur Grundpflege gehört Hilfe beim Waschen, Duschen oder Baden, Anund Auskleiden, bei der Lagerung, beim Essen oder beim Treppensteigen. Zur Behandlungspflege gehört das Wechseln von Verbänden, die Versorgung von Wunden, regelmäßige Medikamentengabe, Injektionen oder die Kontrolle von Blutdruck oder Blutzuckerwerten.

31 Was gehört zur hauswirtschaftlichen Versorgung?
Alle regelmäßigen Arbeiten im Haushalt: Einkaufen, Kochen, Putzen oder Waschen. Können Senioren oder Kranke dies nicht mehr allein schaffen, kann der Pflegedienst helfen.

32 Wie können niedrigschwellige Angebote abgerechnet werden?
Hilfe im Haushalt, die Begleitung zum Arzt oder beim Spazierengehen können von Pflegegeldbeziehern über die Kasse abgerechnet werden. Bleibt nach Abzug der Kosten für den Pflegedienst noch Geld übrig, darf es für sogenannte niedrigschwellige Angebote ausgegeben werden. Reicht das nicht, besteht ab Pflegegrad 1 Anspruch auf den sogenannten Entlastungsbetrag, 125 Euro pro Monat. Auch dieses Geld darf für Hilfe im Alltag eingesetzt werden.

33 Welche Möglichkeiten haben Bedürftige ohne Pflegestufe?
Kunden ohne Pflegestufe müssen sich Helfer ihres Vertrauens suchen und selbst bezahlen. Weil speziell im Betreuungsbereich ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis wichtig ist, sollten Arbeitgeber ihre Haushaltshilfen als Minijobber mit Mindestlohn über die Minijob-Zentrale anmelden. Für Privatpersonen gibt es vereinfachte Anmeldeverfahren mittels Haushaltsscheck.

34 Wie können sich Ehrenamtliche einbringen?
Viele Bürgerinnen engagieren sich unentgeltlich oder gegen eine niedrige Aufwandspauschale für pflegebedürftige Menschen in ihrem Umfeld. Meist vermittelt ein Wohlfahrtsverein oder die Kommune die Kontakte. Die Helferinnen unterstützen bei Antragstellungen, gehen mit aufs Amt, zum Arzt, einkaufen oder einfach eine Runde durch den Park. Auch Spiel-, Basteloder Gesprächsrunden sind möglich.

35 Wie finde ich online einen guten Pflegedienst?
Eine Möglichkeit ist der AOK Pflege- Navigator (pflege-navigator.de ). Die Eingabe von Postleitzahl oder Ort plus eine variable Umkreissuche bis maximal 50 Kilometer reichen, um eine Liste ambulanter Pflegedienste zu generieren. Die Vorschläge sind sortiert nach Entfernung vom Ausgangsort und enthalten eine Gesamtnote sowie den Transparenzbericht zum Anklicken.

36 Worüber informiert der Transparenzbericht?
Der Transparenzbericht, erstellt auf Basis der seit Anfang 2017 gültigen Pflege- Transparenzvereinbarung, vergibt Noten für die Bereiche »pflegerische Leistungen «, »ärztlich verordnete pflegerische Leistungen« sowie »Dienstleistung und Organisation«. Bewertungsgrundlage sind Ergebnisse der Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes (MDK) und des Prüfdienstes des Verbands der Privaten Krankenversicherung.

37 Welche ambulante Pflege ist die richtige?

ÜBERSICHT SCHAFFEN Pflegedienste unterscheiden sich bei Leistungen, Preisen und Service. Mit der Checkliste finden Sie den richtigen

38 Können Angehörige und Profis zusammen pflegen?

Je nach Pflegedienst sind sehr individuelle Lösungen möglich: eine Aufteilung zwischen Tag- und Nachtdienst, zwischen unterschiedlichen Aufgaben oder ein tageweiser Wechsel der Zuständigkeiten. Besprechen Sie mit dem Pflegedienst vor Vertragsunterzeichnung Ihre Wünsche zur Arbeitsteilung und wie die Kommunikation untereinander bei Ausnahmefällen schnell und zuverlässig funktionieren kann.

Gute Pflegedienste können sogar kurzfristig sehr flexibel auf veränderte Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen.

39 Was zeichnet einen guten Pflegedienst aus?

Auf jeden Fall muss der Dienst zugelassen und vom MDK überprüft sein. Er sollte eine 24-Stunden-Rufbereitschaft für den Notfall haben, die komplette Grundpflege anbieten und für Angehörige eine Kranken- und Urlaubsvertretung anbieten.

Wünschenswert sind Kontinuität beim Pflegepersonal und verbindliche Absprachen zur Uhrzeit für die Hausbesuche. Vor Vertragsunterzeichnung sollte entsprechend den vereinbarten Leistungen ein Kostenvoranschlag vorliegen.

40 Wie trenne ich mich von einem schlechten Pflegedienst?

Wenn ein Pflegebedürftiger mit der Arbeit des Pflegepersonals nicht zufrieden ist, kann der Vertrag sogar fristlos gekündigt werden. Das gilt auch dann, wenn in den allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Kündigungsfrist vereinbart worden ist. Allerdings sollte vor der Kündigung klar sein, welcher Dienst künftig die Pflege übernimmt. Im Gegensatz dazu muss der Pflegedienst eine vereinbarte Kündigungsfrist einhalten, wenn er den Vertrag beenden möchte.

41 Was leisten örtliche Pflegestützpunkte?

Die Berater kennen die Möglichkeiten vor Ort und bieten Unterstützung für jeden, unabhängig von der Krankenkasse. Sie wissen, wer Anspruch auf welche Leistungen hat, und helfen beim Ausfüllen der Anträge. Sie suchen mit nach Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege, nach Kurzzeit- oder Verhinderungspflege. Vorteil: Die Berater im Pflegestützpunkt kennen ihre Stammkunden teilweise über Jahre und können so Bedürfnisse von Pflegebedürftigen besser einschätzen als anonyme Anlaufpunkte.

42 Was lernen Angehörige in den Kursen der Krankenkassen?

Wer viel guten Willen, aber keine Ahnung von Pflege hat, bekommt in einem Pflegekurs der Krankenkasse einen ganz neuen Blick auf seine selbst gewählte Aufgabe. Geschulte Fachkräfte vermitteln meist in einem Krankenhaus Basiswissen für den Pflegealltag: Krankenbeobachtung, rückenschonendes Heben und Tragen, Hilfe bei der Körperpflege, richtiges Betten und Umbetten gegen Druckgeschwüre, angemessene Ernährung sowie ernährungebedingte Störungen. Hinzu kommt Beratung über Hilfsmittel und Reha- Maßnahmen.

Für spezielle Pflegefragen nach einem Schlaganfall, bei Demenz, multipler Sklerose oder Parkinson können sogar individuelle Schulungen zu Hause stattfinden – kostenlos.

43 Lohnt es sich, ein Pflegetagebuch zu führen?

Wer als pflegender Angehöriger täglich schriftlich protokolliert, was er wann und wie mit dem Pflegebedürftigen tut und wie viel Zeit er dafür benötigt, ist klar im Vorteil, wenn es darum geht, den Pflegeaufwand präzise zu beschreiben. Das hilft auch bei der Begutachtung durch den MDK.

44 Was ist bei der Begutachtung durch den MDK wichtig?

Damit der Gutachter möglichst realistisch einschätzen kann, wie es um die Fähigkeiten zur Alltagsbewältigung beim Pflegebedürftigen steht, sollten Angehörige sich auf den Termin vorbereiten. Rund zwei Stunden sollten für die Begutachtung eingeplant werden, sodass kein Zeitdruck entsteht. Damit kein Punkt vergessen wird, sollten Angehörige auf einem Zettel alle Einschränkungen, über die gesprochen werden soll, notieren. Alle Unterlagen, die den Gesundheitszustand dokumentieren, bis hin zum Pflegetagebuch, sollten griffbereit liegen. Der Pflegebedürftige sollte auf den Termin vorbereitet sein und ermutigt werden, ehrlich über seine Einschränkungen zu sprechen. Wer sich gegenüber dem MDK fitter darstellt, als er ist, schadet nur sich selbst. Ein Angehöriger und am besten ein Mitarbeiter vom ambulanten Pflegedienst sollten anwesend sein, um auch ihre Sicht auf den Pflegealltag ausführlich zu beschreiben. Abgefragt werden beim Neuen Begutachtungsassessment (NBA) insgesamt 64 Kriterien. Der Gutachter sollte am Ende alle Einschränkungen erkannt haben, damit sie in seine Bewertung einfließen können.

Pflegestützpunkte Sie helfen Angehörigen und Betroffenen bei den Anträgen auf Leistungen und informieren über den Ablauf der Begutachtung durch den MDK


Schulung Das Projekt »PfiFf – Pflege in Familien fördern« der AOK Nordost unterstützt durch Schulungen Familien und Angehörige bei der Pflege zu Hause


45 Was bedeutet das Neue Begutachtungsassessment (NBA)?

Mit dem neuen Prüfverfahren NBA ermittelt der MDK den Grad der Selbstständigkeit bei Pflegebedürftigen. Aus den erreichten Punkten leitet die Pflegekasse den Pflegegrad 1 bis 5 ab (siehe Übersicht bei Frage 4, Seite 13). Das Grundprinzip: je höher die erreichte Punktzahl, desto höher der Pflegegrad. Einen kostenlosen Pflegegradrechner, der einen möglichen Pflegegrad anhand einer Selbsteinschätzung ermittelt, gibt es beispielsweise aufpflege.de

46 Wie bekomme ich einen Rollator oder Rollstuhl?

Diese Mobilitätshilfen müssen vom Arzt verordnet und so präzise wie möglich begründet werden. Dann übernimmt die Krankenkasse die Kosten, und für den Pflegebedürftigen fällt beim Standardmodell lediglich die gesetzliche Zuzahlung an. Andere Modelle oder Zusatzausstattungen kosten extra. Vertragslieferanten der Krankenkasse liefern direkt nach Hause.

Wer spontan im Internet den Rollator seines Vertrauens kauft, muss in der Regel die Kosten selbst tragen, hat dafür aber ein topaktuelles Modell mit individueller Ausstattung.

47 Wer zahlt fürs Pflegebett und andere Hilfsmittel?

Mit einer Verordnung vom Arzt und entsprechendem Pflegegrad tragen Kassen die Kosten für Pflegebett, Matratze, Toilettenstuhl oder sogar wandmontierte Patientenlifte – abgesehen von der gesetzlichen Zuzahlung. Sogar diese gesetzliche Zuzahlung sparen können Pflegebedürftige, die sich die Hilfsmittel bei ihrer Kasse leihen.

48 Was ist, wenn die pflegende Person krank oder im Urlaub ist?

Wird ein pflegender Angehöriger krank oder möchte Urlaub machen, kann natürlich eine andere Person aus der Familie oder Nachbarschaft, Freunde oder eine professionelle Pflegekraft einspringen und in vertrauter Umgebung pflegen. Klappt das nicht, wird der Pflegebedürftige solange stationär untergebracht, meist in einem Altersheim. Finanziell unterstützt werden diese Auszeiten über Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege.

49 Wie funktioniert die Verhinderungspflege?

Brauchen Angehörige stunden-, tageoder wochenweise eine Vertretung bei der Pflege, bekommen Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 auf Antrag bei der Pflegekasse sogenannte Verhinderungspflege. Darüber werden für maximal sechs Wochen im Jahr bis zu insgesamt 1 612 Euro erstattet. Der Antrag kann auch rückwirkend gestellt werden.

50 Gibt es sofort Anspruch auf Verhinderungspflege?

Nein, Anspruch auf Verhinderungspflege besteht erst, wenn der Pflegebedürftige bereits mindestens sechs Monate zu Hause von einem Angehörigen versorgt wurde. Personen ohne Pflegegrad oder mit Pflegegrad 1 erhalten keine Verhinderungspflege.

51 Was bekommt ein Ersatzpfleger?

Pflegebedürftige, die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen, erhalten weiter die Hälfte ihres bisherigen Pflegegelds, am ersten und letzten Tag der Verhinderungspflege sogar den vollen Satz. Zusätzlich bekommen sie für die Vertretung das volle Pflegegeld, also insgesamt den 1,5-fachen Satz. Mit dem zusätzlichen Geld können dem Ersatzpfleger entstandene Fahrtkosten erstattet oder Verdienstausfall ausgeglichen werden.

52 Für wen passt Betreutes Wohnen?

CHECKLISTE

Senioren-WG Alle sollten gut miteinander auskommen und noch so fit sein, dass sie gemeinsam etwas unternehmen können


UMGEBUNG Wie weit ist es bis zum Arzt, zur Apotheke, zum Supermarkt? Gibt es eine Haltestelle für Bus oder Straßenbahn in der Nähe? Befinden sich Grünflächen, Parks oder ein Wald zum Spazierengehen in der Nähe?

WOHNUNG Ist die Wohnung groß genug, um den gewünschten Teil der eigenen Möbel unterbringen zu können? Sind die Türen breit genug für einen Rollstuhl, ist das Bad behindertengerecht? Gibt es einen Balkon? Hat das Haus einen Fahrstuhl?

ANGEBOTE Werden den Bewohnern im Haus gemeinsame Unternehmungen angeboten? Gibt es einen Raum für gemeinsame Sportübungen und geselliges Beisammensein? Kommen regelmäßig Friseur und Fußpflegerin ins Haus? Kann man Mittagessen in Gemeinschaft dazubuchen? Gibt es im Bedarfsfall einen Reinigungsund einen Wäscheservice?

KOSTEN Wie hoch ist die normale Miete für die Wohnung, welche Kosten kommen für Betreuungsleistungen hinzu? Hier wird unterschieden zwischen der Grundservicepauschale, die jeder Bewohner bezahlen muss, und möglichen Wahlleistungen.

PFLEGE Welche Hilfe gibt es im Krankheitsfall? Bedarf es eines gesonderten Betreuungsvertrags?

LEISTUNGEN

Bei den Betreuungsleistungen wird zwischen Grundservice und zusätzlichen

Wahlleistungen unterschieden.

ZUM GRUNDSERVICE GEHÖREN:

• regelmäßige Betreuung durch

• einen Berater

• feste Sprechzeiten von

Betreuungskräften vor Ort

Vermittlung und Organisation von Hilfsdiensten bei Bedarf

Hausnotruf mit 24-Stunden-

Bereitschaft

Bereitstellung von Gemeinschaftsräumen

Förderung von Kontakten zu anderen Mietern

WAHLLEISTUNGEN KÖNNEN SEIN:

Mahlzeitenservice (Essen auf

Rädern oder Mittagstisch in der Anlage)

Reparaturdienste durch

Hausmeister oder Haustechniker

Hilfe im Haushalt

Begleitservice zu Ärzten,

Therapeuten und Behörden

Fahrdienst pflegerische und therapeutische

Hilfen (ambulante Pflege)

Angebote zur Freizeitgestaltung

53 Was ist Kurzzeitpflege und für wen ist sie gedacht?

Kurzzeitpflege ist eine vollstationäre Pflege auf Zeit – häufig nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn häusliche Pflege vorübergehend nicht möglich ist. Das kann der Fall sein, wenn beispielsweise die Wohnung für die neuen Bedürfnisse des Pflegebedürftigen umgebaut werden muss. Für höchstens vier Wochen im Jahr bezuschusst die Kasse die Pflegekosten, insgesamt mit 1 612 Euro. Unterbringung und Verpflegung, meist in einem Altersheim nahe des eigenen Wohnorts, müssen Pflegebedürftige selbst zahlen. Anspruch darauf haben Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 sowie Menschen, die durch Unfall oder Krankheit plötzlich pflegebedürftig werden.

54 Lassen sich Verhinderungs- und Kurzzeitpflege kombinieren?

Ja, nicht beanspruchte Leistungen der Verhinderungspflege können komplett auf die Kurzzeitpflege übertragen werden. Dann stehen insgesamt maximal acht Wochen oder 3 224 Euro im Jahr zur Verfügung. Umgekehrt kann die Hälfte des Betrags der Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege übertragen werden.

So steigt der Betrag für maximal sechs Wochen auf bis zu 2 418 Euro. Für die Kurzzeitpflege bleibt ein Rechtsanspruch von 806 Euro.

55 Können sich Angehörige Entlastungszeiten schaffen?

Jedem Pflegebedürftigen stehen im Monat 125 Euro zur Unterstützung im Alltag zu. Dieser sogenannte Entlastungsbetrag wird nicht automatisch ausgezahlt, sondern gegen Vorlage von Rechnungen erstattet. Erstattungsfähig sind Hilfsleistungen im Haushalt, bei Behördengängen, Spaziergängen oder auch Besuche von ehrenamtlichen Betreuern.

Darüber hinaus kann der Entlastungsbetrag genutzt werden, um Tages- oder Nachtpflege zu finanzieren. Der Betrag kann auch auf maximal 1 500 Euro im Jahr angespart werden, um eine Kurzzeitpflege mitzufinanzieren.

57 Worauf kommt es bei der Senioren-WG an?

CHECKLISTE

Mietvertrag und Pflegevertrag sollten getrennt sein Mitbestimmung des Einzelnen beim Zuzug neuer Bewohner in die Wohngemeinschaft Barrierefreiheit der Immobilie und Einzelzimmer für jeden Mieter das Vorhandensein von mindestens zwei Bädern (bei sechs bis acht Mietern) das Vorhandensein einer großen (Wohn-)Küche ein großes zentrales Wohnzimmer sowie ein Platz im Freien (Garten, Terrasse, Balkon) Rücksichtnahme auf die Gewohnheiten und den Rhythmus der Bewohner bei der Gestaltung des Tagesablaufs die größtmögliche Einbeziehung der Bewohner bei alltäglichen Verrichtungen die regelmäßige Abstimmung mit Angehörigen

KOSTEN

MIETE Es werden die normalen Mietkosten für den Wohnraum einschließlich Heizung und Betriebskosten verlangt.

PFLEGE Kosten bemessen sich nach dem individuellen betreuerischen und pflegerischen Bedarf des Einzelnen und den Pflegeverträgen. Kümmert sich ein ambulanter Pflegedienst um mehrere Bewohner, können Leistungen zusammengelegt werden. Durch das sogenannte Poolen werden Anfahrtszeiten und -kosten gespart.

BETREUUNG Kosten entstehen für die 24-Stunden-Präsenz von Servicekräften, die nicht über Pflegeverträge vergütet werden.

HAUSHALTSGELD Kosten für gemeinschaftliche Verpflegung und hauswirtschaftliche Materialien. Die Höhe richtet sich nach dem Bedarf der Wohngemeinschaft.

56 Welche Freiräume kann Tagespflege schaffen?

Pflegende Angehörige brauchen auch Zeit, um eigene Angelegenheiten in Ruhe zu erledigen. Pflegebedürftige, die nicht unbeaufsichtigt allein zu Hause sein sollten, können in diesen Zeiten in der Tagespflege betreut werden. Einrichtungen der Tagespflege sind meist zwischen 8 und 17 Uhr für mindestens sechs Stunden geöffnet. Pflegebedürftige können zu Hause abgeholt, stunden- oder tageweise beschäftigt und rundum versorgt werden. Zum Angebot gehören: Betreuung, Pflege und medizinische Behandlung.

In welcher Höhe Kosten übernommen werden, richtet sich nach dem Pflegegrad. Das monatliche Budget liegt zwischen 689 und 1 995 Euro. Kosten für Verpflegung und Räumlichkeiten zahlt der Tagespflegegast selbst.

58 Wann beteiligt sich die Kasse an Pflegekosten?

Alle Leistungen der Krankenkasse müssen vom Arzt verschrieben und von der Krankenkasse genehmigt werden. Sobald die Pflege mit einer medizinischen Behandlung in Verbindung steht und keine andere Person im Haushalt die Aufgabe übernehmen kann, übernimmt die Krankenkasse die tatsächlich für die häusliche Krankenpflege anfallenden Kosten. Abgezogen wird der Eigenanteil, wenn die individuelle Belastungsgrenze noch nicht erreicht ist.

59 Was gehört zur häuslichen Krankenpflege?

Es gibt im Wesentlichen drei Formen: Zur Grundpflege gehört Hilfe bei der Körperpflege oder beim Essen. Behandlungspflege umfasst unter anderem das Versorgen von Wunden oder das Wechseln von Verbänden. Unter hauswirtschaftliche Hilfe fallen Einkaufen, Zubereitung von Mahlzeiten oder Putzen der Wohnung. Der Arzt muss eine entsprechende Verordnung ausstellen. Wenn die Kasse diese genehmigt, zahlt sie bis zu vier Wochen lang – meist nach einem Krankenhausaufenthalt.

60 Wer bekommt von der Kasse Unterstützungspflege?

Pflegebedürftige, die maximal Pflegegrad 1 haben, bekommen nach einem Krankenhausaufenthalt bis zu vier Wochen Unterstützungspflege. Dabei übernimmt die Kasse Kosten für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung – sofern sonst niemand im Haushalt diese Aufgaben übernehmen kann. Sollte eine Unterstützungspflege daheim nicht ausreichen, kann die Kasse Kurzzeitpflege für maximal acht Wochen und bis zu 1 612 Euro pro Jahr übernehmen.

61 Welche Obergrenze hat der Eigenanteil?

Obergrenze für den Eigenanteil bei Verordnungen ist immer die individuelle Belastungsgrenze. Sie ist bei zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens festgesetzt worden. Bei chronisch Kranken sind es nur ein Prozent des Bruttoeinkommens.

Wer die Grenze erreicht, kann bei der Krankenkasse einen Antrag auf Zuzahlungsbefreiung für den Rest des Jahres stellen. Eingereicht werden müssen dafür alle Belege für die bereits geleisteten Zuzahlungen. Zuzahlungsrechner der Kassen ermöglichen übers Internet einen schnellen Überblick, ob die Grenze schon erreicht ist.

62 Kann man mit Pflegebedürftigen verreisen?

Pflegehotels und Ferienheime stellen sich auf die steigende Nachfrage nach barrierefreien Übernachtungsmöglichkeiten ein – mit Pflegekräften im Haus, elektrisch verstellbaren Spezialbetten, unterfahrbaren Waschtischen und bodengleichen Duschen. Einige Pflegehotels bieten die Kombination von Kurhotel und angeschlossener Pflegeeinrichtung. Es gibt spezielle Angebote für Reisende im Rollstuhl (behindertenreisen.de ) oder Pflegebedürftige (urlaub-und-pflege.de ).

63 Was zahlt die Kasse für Urlaub mit Pflegebedürftigen?

Wenn der Pflegebedürftige einen anerkannten Pflegegrad hat, beteiligt sich die Pflegekasse an den Urlaubskosten: Der Anspruch auf Pflegegeld bleibt erhalten. Bei einer Kombination aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen müssen Angehörige im Urlaub auf die Hälfte des Pflegegelds verzichten, Pflegesachleistungen können sie über einen Pflegedienst vor Ort erbringen lassen. Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie der Entlastungsbetrag dürfen genutzt werden.

64 Kann ich einem Pflege-Burn-out vorbeugen?

Am besten, indem nicht eine Pflegeperson die komplette Betreuung allein schaffen möchte, sondern Hilfe annimmt. Pflegende, die von Anfang an die Familie einbeziehen und Aufgaben an Pflegedienste delegieren, schaffen sich Freiräume zum Auftanken. Finanzielle Unterstützung dafür gibt es ab Pflegegrad 2 durch Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Als Warnsignale für Überforderung gelten Nervosität, Schlaflosigkeit und Stimmungsschwankungen.

65 Zimmervermietung gegen Pflegeleistung – wie geht das?

Menschen mit kleinen Handicaps und großer Wohnung können gegen Hilfe im Alltag – wie einkaufen, Fenster putzen, sauber machen, Tiere versorgen, gemeinsam spazieren gehen oder kochen – beispielsweise ein Zimmer an Studenten kostenfrei vermieten. Sobald Pflege notwendig ist, sollten Profis ran.

66 Wie bekomme ich legal eine Vollzeit-Pflegekraft?

Agenturen wie die Deutsche Seniorenbetreuung (deutsche-seniorenbetreuung.de ) vermitteln in Deutschland Pflegepersonal, das mit im Haushalt wohnt und bei Bedarf sogar rund um die Uhr einsatzbereit ist. Die Kosten für Pflegekräfte aus Osteuropa sind meist geringer als die entsprechende Beschäftigung örtlicher freiberuflicher Pflegerinnen. Rechtlich möglich sind: Entsendemodell, Arbeitgeber-/ Arbeitnehmermodell, selbstständige Pflegekraft aus Osteuropa (EU) und selbstständige Pflegekraft aus Deutschland. Agenturen beraten ihre Kunden, um eine geeignete Pflegekraft und die gewünschte Rechtsform zu finden, und übernehmen die komplette Organisation bis hin zur Abrechnung.

67 Was kostet eine ausländische Pflegekraft?

Die Kosten für legale 24-Stunden-Pflege beginnen bei rund 2 100 Euro pro Monat. Die Pflegerinnen werden meist zum Mindestlohn angestellt, inklusive gesetzlicher Unfallversicherung, Sozialversicherung und Steuern. Wichtig: Ausländische Pflegekräfte können nicht wie ein ambulanter Dienst abgerechnet werden, sondern nach den Pflegesätzen,

Reisen Auch mit Rollstuhl lassen sich fremde Länder bereisen. Um die Organisation und Hilfe vor Ort kümmern sich hierauf spezialisierte Veranstalter


Ausländische Pflegekraft Sie kümmert sich oft rund um die Uhr. Die Arbeit wird aber von der Pflegekasse nicht wie die eines ambulanten Pflegedienstes honoriert


68 Welche privaten Absicherungen schließen finanzielle Lücken?

Wer als Pflegefall gut versorgt sein will, muss trotz gestiegener Leistungen der Pflegekasse immer noch aus eigener Tasche zuzahlen. Dafür kann individuell über die Jahre Geld angespart oder eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen werden. Möglich sind reine Privatabsicherung oder staatlich geförderte Tarife (Pflege-Bahr).

69 Wer kann bei der Steuer den Pflegepauschbetrag nutzen?

Wer einen stark pflegebedürftigen Angehörigen bei sich zu Hause oder im eigenen Haushalt pflegt und dafür keine Gegenleistung erhält, kann bei der Steuer einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro pro Jahr geltend machen. Auch wenn die Pflege nur sechs Monate dauert, gibt es den Betrag in voller Höhe. Werden mehrere Personen gleichzeitig gepflegt, können mehrere Pauschbeträge beantragt werden. Teilen sich mehrere Personen die Pflege und Betreuung, muss der Pauschbetrag bei der Steuer entsprechend aufgeteilt werden.

70 Wie kann ich Pflegekosten von der Steuer absetzen?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, häusliche oder stationäre Pflegekosten steuersparend einzusetzen: Entweder kann alles, was über der individuellen Belastungsgrenze liegt, beim Finanzamt als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Oder die Kosten werden als haushaltsnahe Dienstleistung angesetzt. Dann können pflegebedürftige Rentner 20 Prozent der Kosten für ihre Pflegekraft direkt vom steuerpflichtigen Einkommen abziehen.

71 Pauschbetrag oder Einzelnachweis bei Behinderung?

Anstelle einer Steuerermäßigung wegen außergewöhnlicher Belastungen können Behinderte, je nach Grad der Behinderung, einen steuersparenden Behindertenpauschbetrag geltend machen. Dieser steigt mit dem Grad der Behinderung und beträgt pro Jahr zwischen 310 und 1 420 Euro. Blinde und hilflose Personen können sogar 3 700 Euro jährlich in Anspruch nehmen.

Zumutbare Eigenbelastung zieht das Finanzamt davon nicht ab. Wird der Pauschbetrag genutzt, können allerdings typische außergewöhnliche Belastungen, die durch die Behinderung entstehen, nicht mehr angerechnet werden.

Untypische Belastungen wie Kur-, Operations- oder Krankheitskosten können berücksichtigt werden. Sind die Aufwendungen laut Einzelnachweisen höher als die Pauschale, kann sich der Einzelnachweis lohnen. Allerdings zieht das Finanzamt bei dieser Variante eine zumutbare Eigenbelastung ab.

72 Bringt die Pflege von Angehörigen Rentenpunkte?

Ab zwei Tagen Pflege pro Woche (mindestens 10 Stunden) von einer Person mit mindestens Pflegegrad 2 zahlt sich die Pflege bei der Rente der pflegenden Person aus. Ein Antrag bei der Pflegekasse muss nicht gestellt, sondern nur ein Fragebogen ausgefüllt werden. Wie hoch der Rentenanspruch ist, hängt vom Pflegegrad ab, vom Wohnort und davon, ob und wie viel Pflege ein ambulanter Dienst übernimmt. Wird die Pflege aufgeteilt, berechnet sich der Anteil für die Rente anteilig. In jedem Fall zahlt die Pflegekasse die Rentenbeiträge des pflegenden Familienmitglieds.

73 Wie hoch ist der Rentenanspruch?

Beim Rentenanspruch wird immer noch zwischen Ost und West unterschieden. Bei Pflegegrad 2 und alleiniger Versorgung durch einen Angehörigen (Pflegegeld) gibt es für ein Jahr Pflege etwa 8,34 Euro/7,96 Euro (West/Ost) Rentenanspruch. Pflegt ein ambulanter Dienst und bezieht das pflegende Familienmitglied nur Pflegesachleistungen, liegen die Werte bei 5,84 Euro/ 5,57 Euro. Bei Pflegegrad 5 gibt es 30,90 Euro/29,48 Euro (West/Ost), wenn der Angehörige allein pflegt, und 21,63 Euro/20,63 Euro, wenn der ambulante Dienst den Job komplett übernimmt.

Menüservice Ein Helfer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) liefert Essen auf Rädern an Senioren in Leipzig aus. Auch andere Wohlfahrtsverbände sind beim Essen auf Rädern engagiert, es lohnt sich daher, verschiedene Angebote einzuholen


74 Was tun, wenn es mit dem Kochen nicht mehr klappt?

Wenn der Bedürftige im Prinzip noch gut allein leben kann, aber sich nichts mehr kochen möchte oder kann, haben Angehörige mehrere Möglichkeiten: Sie können über einen ambulanten Dienst Hilfe organisieren, die nach Bedarf beim Bedürftigen frisch kocht – mit mitgebrachten oder vorhandenen Zutaten aus dem Kühlschrank. Für den Bedürftigen kann online per Lieferdienst bestellt werden, oder er wählt aus den unterschiedlichen Angeboten für Essen auf Rädern seinen Favoriten aus.

75 Welche Unterschiede gibt es bei Essen auf Rädern?

Es gibt große Anbieter und kleine lokale Lieferanten. Die Auswahl besteht zwischen vorgekochtem, warmem Essen in der Warmhaltebox und einem wöchentlichen Vorrat an Tiefkühlkost, die selbst erhitzt werden muss. Am Ende hilft nur eins: Durchprobieren.

76 Worauf sollte man bei Fertiggerichten immer achten?

In erster Linie sollte das Essen abwechslungsreich, schmackhaft und vitaminreich sein. Falls Allergien auf bestimmte Lebensmittel bestehen oder Diät gehalten werden muss, sollte der Lieferservice dies berücksichtigen können. Wichtig ist auch zu klären, ob am Wochenende warmes Essen kommt.

77 Welche Hilfen gibt die Kasse beim pflegegerechten Umbau?

Die Pflegekasse zahlt für eine wohnumfeldverbessernde Maßnahme bis zu 4 000 Euro pro Person mit Pflegegrad im Haushalt, für beide Eltern zusammen wären das bereits bis zu 8 000 Euro. Voraussetzungen sind, dass der Umbau die Pflege zu Hause erst ermöglicht, sie erleichtert oder eine selbstständigere Lebensführung des Pflegebedürftigen erlaubt. Zuschussfähig sind: Treppenlift, rutschsichere Stufen, Geländer, barrierefreie Dusche, WC oder Küche, Haltegriffe und -stangen.

Wichtig: auf jeden Fall erst beantragen und nicht bauen, bevor die Maßnahme bewilligt worden ist. Nur dann fließt auch der Zuschuss.

78 Wie oft gibt es diesen Zuschuss?

Als eine Maßnahme gelten alle Umbauten, die zum gleichen Zeitpunkt für eine Wohnung beantragt werden. Der Eigenanteil, der privat gezahlt werden muss, ist der Betrag, um den die 4 000 Euro überschritten werden. Es kann sinnvoll sein, mit akuten Maßnahmen zu starten und weitere Anträge zu stellen, wenn sich die Pflegesituation verändert.

79 Welche Unterstützung gibt die KfW für altersgerechten Umbau?

Die staatliche KfW-Bank unterstützt Eigenheimbesitzer auch beim altersgerechten, barrierearmen Umbau von Wohnraum – entweder per Kredit (Programm 159) oder mit einem Investitionszuschuss (Programm 455-B). Ein Pflegegrad eines Bewohners ist dafür nicht erforderlich. Wichtig: Das Geld muss vor Beginn der Maßnahmen beantragt werden.

80 Welche Umbauten sind im Eigenheim möglich?

Eigenheimbewohner sind frei in ihrer Entscheidung. Sie dürfen Außenanlagen und Wohnraum entsprechend dem Baurecht umbauen. Neben den Klassikern wie Rampen, Treppenlift, bodengleicher Dusche, rutschhemmenden Bodenbelägen oder breiten Türen können ebenfalls sinnvoll sein: Hängeschrank mit Liftsystem, höhenverstellbare Küchenarbeitsplatte, umfahrbarer Waschtisch mit integrierten Haltegriffen oder eine höhenverstellbare Toilette.

Infos beispielsweise untermyhandicap.de

81 Kann der Vermieter Umbauten in der Wohnung ablehnen?

Mieter brauchen auf jeden Fall die Zustimmung ihres Vermieters, bevor sie mit dem Umbau beginnen wollen. Maßnahmen innerhalb der Wohnung, die die Pflege ermöglichen oder erleichtern, dürften grundsätzlich aber kein Problem sein.

Schwieriger könnte es bei einer Rampe zum Hauseingang oder einem Lift im Treppenhaus werden. Hier besteht, je nach Hausgemeinschaft, das Risiko, dass sich andere Mieter gestört fühlen.

82 Müssen Mieter beim Auszug Umbauten rückgängig machen?

Auch wenn es in Deutschland einen großen Mangel an altersgerechtem und barrierefreiem Wohnraum gibt: Der Vermieter kann verlangen, dass die Bewohner zum Auszug die Umbauten wieder rückgängig machen. Deshalb entscheiden sich bisher nur wenige Mieter für einen barrierefreien Umbau ihrer Wohnung. Schließlich zahlen sie eventuell doppelt: erst die Baukosten und später dann den Rückbau. Mieter, die ihren Hauseigentümer von den Vorteilen des Umbaus überzeugen können, sollten sich als Zusatz im Mietvertrag bestätigen lassen, dass ein Rückbau bei Auszug nicht nötig ist.

83 Wann kann sogar ein Umzug gefördert werden?

Wenn sich die eigene Wohnung nicht barrierefrei umbauen lässt, bezuschusst die Pflegekasse auch den Seniorenumzug in eine barrierefreie Wohnung – als Maßnahme der Wohnraumanpassung für Senioren.


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