Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 3 Min.

An das Gute glauben! (trotz allem)


myself - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 14.10.2020

Wie bleibt man in Krisenzeiten optimistisch? Eine kleine Anleitung für mehr Zuversicht


Reden wir nicht drum herum, die Weltlage ist zum Heulen. Was viele noch als Krise bezeichnen, fühlt sich eher nach Apokalypse an. Die Pandemie zerrt mit all ihren Beschränkungen und Unsicherheiten mittlerweile auch an Gesundgebliebenen, der Klimawandel lässt sich nur mit größter Ignoranz leugnen, in Teilen der Welt sind Despoten an der Macht, in anderen fehlt es den Leuten an Trinkwasser und Perspektiven. Und während man sich früher bei schlechten Nachrichten zu Hause einigelte, sind die eigenen vier Wände nicht nur ...

Artikelbild für den Artikel "An das Gute glauben! (trotz allem)" aus der Ausgabe 11/2020 von myself. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: myself, Ausgabe 11/2020

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von myself. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Horoskop. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Horoskop
Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Unsere Lieblinge im November. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unsere Lieblinge im November
Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Zwischen Gesetz und Glamour. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zwischen Gesetz und Glamour
Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Kinder? Kein Thema!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kinder? Kein Thema!
Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Die Homeoffice-Lüge. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Homeoffice-Lüge
Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Mehr Hirn, bitte!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mehr Hirn, bitte!
Vorheriger Artikel
Zwischen Gesetz und Glamour
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Kinder? Kein Thema!
aus dieser Ausgabe

... Kita, Klassenzimmer und Konferenzraum, sondern auch spätabendliches Tagungszentrum für Existenzsorgen geworden.

Wie bleibt man trotz allem zuversichtlich? Die schlechte Nachricht: Es erfordert ein wenig Fleiß. Die gute: Sie müssen es nur wollen. Und die beste: Jeder kann es lernen.
Zum Beispiel durch die Rückbesinnung auf alte Weisheiten. Auch vor dem Jahr 2020 haben die Leute schon schwere Zeiten erdulden müssen - und sich ihre Gedanken dazu gemacht. Das Gelassenheitsgebet des Theologen Reinhold Niebuhr etwa ist heute noch genauso gültig wie bei der Erstveröffentlichung nach dem Zweiten Weltkrieg: „Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Kann man als ollen Kalenderspruch abtun oder heimlich zweimal lesen. Fakt ist: Man muss nicht gläubig sein, um in Reinhold Niebuhrs Worten eine unumstößliche Wahrheit zu erkennen. Leben bedeutet leider (manchmal auch zum Glück!), jeden Tag wieder von vorn anzufangen. Der Physiker Harald Lesch nennt die auch in der Wissenschaft weitverbreitete Abfolge von Fehltritten: „Wir irren uns empor.“ Der Buddhismus hat sogar ein Wort für das unvermeidliche Auf und Ab des Lebens: Dukkha. Um Schicksalsschläge und Schmerz kommt man nicht herum, aber wer (sich selbst und anderen) verzeihen kann, minimiert sein persönliches Leiden enorm.
Wer jetzt an Sigmund Freud denkt und argumentiert, dass allein die frühkindliche Prägung das Schicksal des Einzelnen bestimmt, wird von der modernen Persönlichkeitsforschung eines Besseren belehrt. Zum Glück! Denn die sagt: Es gibt keine hoffnungslosen Fälle. Niemand ist aufgrund seiner schrecklichen Eltern bis ans Ende seiner Tage zum Apokalyptiker, Choleriker, Opfer, Trauerkloß oder Faulpelz verdammt. Beweise? In ihrem Buch „Individuation“ geht die Resilienz-Expertin Christina Berndt auf das Konzept des „variablen Selbst“ ein. Studien zeigen, dass man seine Persönlichkeit täglich neu zusammensetzt, gemeinsam mit der Umgebung. Jeder Reiz, jede Begegnung verändere einen. Auch die Lektüre eines positiven Textes (wie diesem) oder ein langes Gespräch mit einem zuversichtlichen Menschen haben diese Macht. „Selbsterfindung“, schreibt Christina Berndt, sei demnach „viel wichtiger als Selbstfindung“. Und mutlose „Ich bin halt so“-Haltung ein fataler Irrtum.

Wer also trotz des Grauens dieser Welt ab sofort positiver durchs Leben gehen möchte, kann das so effizient üben wie Italienischvokabeln. Das Totschlagargument „keine Zeit“ gilt nicht. Es ist nämlich eigentlich ganz einfach, den Prozess des Umdenkens in Gang zu setzen. Morgens nicht wie sonst mit dem linken Bein zuerst in die Hose steigen, sondern mit dem rechten. Den Kaffee (wie beim Schluckauf) vom gegenüberliegenden Tassenrand aus trinken. Einen anderen Weg zur Arbeit nehmen. Das Kreuzworträtsel rückwärts ausfüllen. Kleinigkeiten, die einem aber zeigen, dass man die Dinge anders angehen kann. Und damit den Beweis liefern, dass man ganz allein die Macht über sein Leben hat. Diese Erkenntnis lohnt sich gleich doppelt: Denn anders als die Momentaufnahme Glück ist Zuversicht ein Dauerzustand, der sich positiv auf den Körper auswirkt. Das Herz schlägt ruhiger, die Atemzüge werden tiefer, und durch das Glückshormon Serotonin nehmen unangenehme Emotionen wie Angst oder Aggressivität ab.

Denselben Effekt erzielt man übrigens mit einem Perspektivwechsel. Wer den Blick auf das eigene Leben umpolt und sich nur noch auf das konzentriert, was gut läuft, ist kein Realitätsverweigerer, sondern weiß um den Wert des Wesentlichen. Dabei hilft es, sich mit positiven Menschen zu umgeben und emotionale Großzügigkeit zu leben. Denn auch das weiß man längst: Geben macht mehr Freude als Nehmen. Weil neue Denkgewohnheiten sich aber deutlich langsamer umsetzen lassen als ein iPhone-Update - die Umgewöhnung dauert etwa zehn Wochen -, hier eine Abkürzung der US-amerikanischen Schauspielerin und Aktivistin Tracee Ellis Ross: „An wirklich harten Tagen halte ich mich an diese Tipps: Wechsle deine Unterwäsche, wasch dein Gesicht, schau einen Baum an.“ Damit kann man doch arbeiten, oder?

Vielleicht wird nicht alles gut, aber positive Menschen (und neue Perspektiven) machen das Leben leichter.


FOTO: ZACK SECKLER/GALLERY STOCK