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An den See! An den See!


GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 90/2021 vom 16.08.2021

GENFERSEE

Artikelbild für den Artikel "An den See! An den See!" aus der Ausgabe 90/2021 von GOLF MAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 90/2021

Evian Resort Golf Club

In den See! In den See!« Dieser Ruf aus »Asterix bei den Schweizern« – wenn mal wieder das Fleisch in den Fonduetopf gefallen war – wird bei manchen Lesern vielleicht die erste Assoziation sein, wenn sie an den Genfersee denken. Denn ansonsten tun sich viele deutsche Golfer schwer, diese hinreißend schöne Landschaft in Frankreich und der Schweiz mit ihrem Lieblingssport zu verbinden.

Doch warum eigentlich? Weil wir die Sprache nicht sprechen? Pardon, aber das ist in den meisten anderen Ländern doch auch nicht der Fall. Weil es zu teuer ist? Pardon, aber objektiv betrachtet, sind viele Plätze in Spanien, Portugal und den USA sicherlich nicht preiswerter. Weil es rund um diesen See zu abgehoben ist? Pardon, aber die ganzen British-Open-

Plätze wollten wir doch auch spielen. Und es liegt doch gerade an der Exklusivität, dass einige Regionen dieser Welt eben nicht so überlaufen sind.

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... diesem Argument trumpft der Lac Léman auf. Der Großteil der von uns besuchten Golfanlagen sind traditionelle Member-Clubs. Und hier sind Greenfee-Spieler zwar willkommen, die Clubs aber nicht auf sie angewiesen. Die opulenten Jahresbeiträge der Mitglieder reichen aus, um den hohen Pflegezustand und die hervorragende Infrastruktur auch so zu erhalten.

Letztendlich spricht für diese äußerst liebliche und gleichwohl spektakuläre Region außerdem, dass sich hier gemäß nationalen und internationalen Rankings zwei der drei besten Plätze der Schweiz befinden – und dazu kommt noch ein echter Kracher am französischen Ufer des Sees.

ZWEI SCHWEIZER TRADITIONSCLUBS

Das Eingangstor für Urlauber wird in der Regel Lausanne sein. Die »Hauptstadt« des Sports ist seit 1915 Sitz des IOC und mittlerweile Heimat von 55 internationalen Sportverbänden und -organisationen. Dass das Olympische Museum zu den Hauptsehenswürdigkeiten zählt, verwundert daher kaum. Aber auch La Cité, die Altstadt mit der Kathedrale Notre-Dame und dem Château St.-Maire, lohnt ebenso einen Besuch wie der Hafen und die Promenade rund um das alte Schloss Ouchy.

Lausanne mag nicht so mondän wie Genf, Montreux oder Vevey sein, doch die Stadt punktet bei den Schweizern mit einer erstaunlich hohen Lebensqualität. Und Qualität bietet auch der Golf Club de Lausanne – vom ersten bis zum letzten Loch und ohne weitere Abzüge im eleganten und trotzdem äußerst gemütlichen Clubhaus. Zwar ist das Jacket nicht mehr zwingend, aber die kurze Hose sollte man nach der Runde schon wechseln, bevor man die exquisite Küche hier probiert.

Der klassische, altehrwürdige Parkland-Kurs liegt, fast schon etwas versteckt, hoch oberhalb der Stadt. Er war 1982 Schauplatz der Eisenhower Trophy und feiert 2021 sein hundertjähriges Bestehen. Das Design von Georges Narbel wurde lediglich zwei Mal mit viel Fingerspitzengefühl überarbeitet, 1960 von Donald Harradine und 1996 von Jeremy Pern, ohne auch nur annähernd seinen Gesamtcharakter zu verändern. Die idyllische, abgeschiedene Ruhe darf jedoch keinesfalls davon abhalten, jeden Schlag und jedes Risiko sorgfältig abzuwägen, sonst könnte das grüne Paradies zur Hölle werden.

Mondäne alte Hotelpaläste, eine kilometerlange, blumenübersäte Promenade, Ausblicke auf die Weite des Genfersees und den 3.257 Meter hohen Dents du Midi, die Weinberge und das berühmte Montreux Jazz Festival, all das hat dem Kurort zu weltweitem Ruhm verholfen. Es gibt nur wenige lieblichere Flecken zum Verweilen, wo die Schönheit und Einzigartigkeit des Lebens reizvoller und attraktiver in Szene gesetzt werden, wo Frieden, Ruhe, leichte Geschäftigkeit, Kultur, aber auch Selbstzufriedenheit, Reichtum und Dekadenz im Einklang stehen.

Wer einmal in den Bann der Waadtländer Riviera gezogen wurde, kam sein Leben lang wieder oder setzte sich hier gleich zur Ruhe, sei es Charlie Chaplin in Vevey oder Freddie Mercury in Montreux. Doch die Topographie mit den steil aufragenden Bergen hinter dem Seeufer gab der Stadt nie die Möglichkeit für einen citynahen Golfplatz. So fand der bereits 1900 gegründete Golf Club Montreux seine Heimat im 15 Kilometer entfernten Aigle, kurz bevor die Rhône in den Genfersee mündet.

Die Lage erscheint bei der Anfahrt überaus spektakulär, wird doch das Tal beidseitig von über 3.000 Meter hohen Bergen eingerahmt. Doch nicht nur die Augen staunen mit, manchmal leider auch die Ohren. Denn der überaus verzeihliche, immer faire, auch für Anfänger perfekt geeignete Parcours wird an drei Seiten von stark befahrenen Straßen eingerahmt, im Westen sogar von der Autobahn ins Wallis. Aber egal, es wartet eine nette Greenfee-Runde mit der Möglichkeit eines erstaunlich niedrigen Scores.

ABSTECHER NACH FRANKREICH

Beim Stichwort Evian denken Nichtgolfer vermutlich sofort und fast ausschließlich an Mineralwasser, Golfer dagegen glänzen im Sportquiz noch mit dem Wissen um das Evian Masters, zusammen mit der Women‘s British Open das wichtigste Damengolfturnier in Europa. Die Weltspitze, insbesondere aus Asien, kommt gerne zum fünften Major an den milden Genfersee mit seiner Bilderbuch-Alpenkulisse. Auch hier wird Golf bereits seit 1904 gespielt, den reichen Briten sei es gedankt.

Von den Anfangszeiten ist im Evian Resort Golf Club aus designtechnischer Sicht allerdings kaum etwas übriggeblieben. Cabell B. Robinson hat 1990 den Platz weit oberhalb des Lac Léman fast völlig neu gestaltet. Von den Bahnen rund um das hölzerne Clubhaus im alpenländischen Stil blickt man vielfach im Panorama über den See – übrigens zum einzigen Mal während der ganzen GM-Reise!

Das Layout ist modern, anspruchsvoll, mal offen, mal eng, mit vielen trickreichen Wasserhindernissen und guter Bebunkerung. Dass Bestnoten nicht erreicht werden liegt daran, dass sich ein nicht unwesentlicher Anteil der Löcher durch ein Wohngebiet mit Einfamilienhäusern zieht und manchmal sogar Zufahrtstraßen die Fairways queren. Hier erkennt man recht schnell, dass der ehemalige 9-Löcher-Kurs irgendwie in eine Richtung ausgeweitet werden musste.

In jedem Fall sollte noch eine Stunde auf dem nagelneuen Lake Course mit sechs Par-3-Bahnen eingeplant werden. Kaum ein Kurzplatz mit einer Länge von unter 1.000 Metern stellt den Spieler vor so trickreiche, anspruchsvolle und kurzweilige Herausforderungen. Und natürlich darf auch ein kleiner Rundgang durch Évian-les-Bains nicht vergessen werden, durch die Altstadt des Seebads und entlang der Promenade. Denn irgendwie wirkt hier, auf der französischen Seite des Sees, alles etwas weniger glatt, ursprünglicher, authentischer, lebendiger und unruhiger.

Keine Fahrstunde später hat uns das scheinbar so reiche, exklusive, ja distinguierte Leben wieder. Genf, der Ort mit der zweithöchsten Millionärsdichte der Welt nach Monaco, Sitz von über 100 internationalen Organisationen wie UNO, WHO, WTO, EFTA und IATA, um nur einige zu nennen, beherbergt Abgesandte aus aller Herren Länder, was der Stadt ein einzigartiges internationales, weltoffenes und friedliches Flair gibt.

Als ehemaliges Zentrum der Aufklärung unter Rousseau und Voltaire sollte sie dafür aber auch prädestiniert sein.

Genf wollte die Werte der französischen Revolution, aber ohne den Staat Frankreich, drängte in die tendenziell konservative, katholische Eidgenossenschaft und erarbeitete am Ende der welschen Westschweiz ein weltoffenes Image. Nur die Hälfte der Einwohner besitzt hier übrigens einen Schweizer Pass.

An der Stelle, wo die Rhône wieder den See verlässt und sich Richtung Mittelmeer windet, teilt sie Genf rasch noch in Rive Droite und Rive Gauche. Im Norden säumen Hotelprachtbauten und Parks das Ufer, haben die Organisationen ihre Sitze gefunden. Am Südufer sorgt die Cité, die überraschend eindrucksvolle, verwinkelte Altstadt, für einen ebenso beeindruckenden Gegensatz. Natürlich fehlt an der blumengeschwängerten Promenade nicht einer der namhaften und sündteuren Designerläden – doch Rousseau scheint von seinem Denkmal auf der nach ihm benannten Insel mitten im Fluss durchaus zufrieden auf diese vielleicht nur scheinbar perfekte Glückseligkeit zu schauen.

Sucht man das perfekte Unterkunftsgegenstück zum Hotel Royal in Évian, und das natürlich auf ebenso hohem Niveau, kommt man um das Jiva Hill Resort nicht herum. Die relativ kleine, ultramoderne Edelherberge, etwas außerhalb von Genf und bereits wieder in Frankreich, punktet mit Designraffinessen. Dezent und überall im Resort verteilt, sodass das Entdecken der Details eine wahre Freude ist. Sei es in der Lobby, der Bar, der Bibliothek, im Spa-Bereich oder auf den Zimmern – hier hat sich jemand verdammt viel Mühe gemacht und dabei noch ganz viel Geschmack und Stil mit in die Wiege bekommen.

Dass der hoteleigene Par-62-Golfplatz mit neun Bahnen und 18 Abschlägen erst an zweiter Stelle genannt wird, überrascht daher nicht. Das moderne Layout ist aufgrund der fehlenden Länge angenehm zu spielen, doch an Herausforderungen fehlt es nicht. Die Lage am Fuß des Col de Crozet verwöhnt das Auge, und letztlich wartet auch noch ein Unikum – die Grüns sind aus Kunstrasen. Das Putten auf diesen Flächen ist aber gar nicht so gewöhnungsbedürftig, wie man zunächst vielleicht vermutet.

Wem diese Runde zu kurz oder gar zu verzeihlich erschien, den erwartet keine fünf Kilometer entfernt dann abermals Championship-Niveau. Kein anderer Platz auf diesem Trip bescherte mehr Spielspaß und Abwechslung als der Kurs Les Sources im Golf & Country Club de Maison Blanche. Mag das Design von Peter Harradine und Olivier Dongradi auf den ersten vier Bahnen noch etwas verschlafen wirken, was danach kommt, sorgt für pure Freude. Spektakuläre Tee- Shots, permanente Höhenunterschiede und reizende Putt-Flächen machen Lust auf eine zweite Runde. Selbstverständlich kommen viele verschiedene Herausforderungen ins Spiel und sorgen immer wieder für Gefahr, trotzdem bleibt der Parcours stets fair.

Golf Magazin TOP 5 GENFERSEE

Schippern: Die Compagnie Générale de Navigation (CGN) bietet ein riesiges Netz von Fährfahrten an, sei es als Halb-oder als Ganztagesausflug im Rahmen einer Rundfahrt oder nur als Verbindung zur nächsten Stadt.

Bilderbuchburg: Das Schloss Chillon, eine Wasserburg südlich von Montreux, ist das Wahrzeichen der Region, thront auf einem Felsen, ist im Kern mehr als 1.000 Jahre alt und verfügt über Fähr-, Bahn-und Busanschluss direkt vor der Tür.

Panoramafahrt: Von Montreux aus windet sich die Bergbahn mit grandiosen Blicken in einer knappen Stunde zum Rochers de Naye auf 2.042 Meter in eine beeindruckende Gebirgswelt inklusive Alpengarten.

Schlendern: Es wird vermutlich neben dem Golfen die Hauptaktivität sein – die blumengeschwängerten Uferpromenaden in Lausanne, Vevey, Montreux, Évian-les-Bains und Genf laden zu stundenlangen Spaziergängen und Cafébesuchen ein.

Altstadt: Die hügelige Cité in Genf bietet weltstädtisches Flair, enge Gassen wie die Rue de Granges und viele sehenswerte Gebäude wie die Cathédrale de St.-Pierre, das Hotel de Ville und das Maison Tavel.

FINALE FURIOSO IN DER SCHWEIZ

Der krönende Abschluss dieser Rundfahrt um den Genfersee bleibt dann dem Golf Club du Domaine Impérial vorbehalten, zweifellos seit Jahrzehnten die Nummer eins der Schweiz. Schon die Anfahrt zum Platz in Gland im Kanton Vaud lässt einen kurz innehalten. Denn die kleine Straße zum See führt direkt auf ein riesiges Holztor zu und biegt dann kurz vorher rechts ab. Hinter dem Tor befindet sich das Anwesen von Michael Schumacher...

Natürlich hat Pete Dye mit diesem Platz 1987 ein tendenziell sehr amerikanisches Design kreiert. Er hat aber davon abgesehen, seine berühmt-berüchtigten Eisenbahnschwellen zu verwenden, hat Bunkereskapaden wie in Whistling Straits unterlassen und sich Waste-Areas in Fußballplatzgröße à la Kiawah Island verkniffen. Daher kommt der gesamte Parcours überraschend natürlich herüber und integriert in eine wundervoll ruhige Kulisse.

Auf weitere typische Dye-Elemente – wie etwa grandios verteidigte, stark ondulierte und höllisch schnelle Grüns – wurde nicht verzichtet. Das sehr intelligente Layout zieht sich in der ersten Hälfte durch dichten Wald, bevor es sich auf den Back-Nine weit öffnet. Den See sieht man dennoch leider nur vom Clubhaus aus, jener beeindruckenden Villa de Prangins, die von Prince Napoleon, Sohn von Jérôme Bonaparte, einem der Brüder des berühmten Eroberers, gebaut wurde.

Wer nun vielleicht doch »Appetit« auf den Genfersee bekommen hat, der sollte seinem Herzen und seiner Kreditkarte ruhig mal einen Ruck geben und sich etwas Besonderes gönnen. Schließlich haben wir alle doch schon 2020 auf die ein oder andere Golfreise ersatzlos verzichten müssen und so Geld gespart. Also: »An den See! An den See!« t