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AN DIE WAND GEWORFEN


IMTEST - Das Test-Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 03.09.2021

9 Heimkino- Beamer IMTEST

Artikelbild für den Artikel "AN DIE WAND GEWORFEN" aus der Ausgabe 3/2021 von IMTEST - Das Test-Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: IMTEST - Das Test-Magazin, Ausgabe 3/2021

In den heimischen vier Wänden sind TV-Größen von 65 Zoll (164 Zentimeter Diagonale) keine Seltenheit mehr. Aber sie können nicht mit Bildschirmdiagonalen mithalten, die ein moderner Heimkino-Beamer leistet: Los geht es bei 2,50 m (100 Zoll) und endet erst bei rund 3,50 m (140 Zoll). Auch die Preise variieren stark: von 500 bis 5.000 Euro. 100-Zoll-TVs kosten hingegen noch so viel wie Mittelklasse-Autos. So gesehen sind Projektoren („Beamer“) also gar nicht so teuer.

Beamer müssen Distanz überwinden

Oftmals bedeutet solch eine enorme Bildgröße aber auch einen Verlust an Helligkeit und Bildqualität – schließlich müssen bei einem Beamer entweder Laser oder enorm helle Lampen über mehrere Meter projizieren. Letztlich geht es bei Projektoren also vorrangig darum: Wer kann diese Distanz möglichst verlustfrei und farbtreu überwinden? Um das herauszufinden, hat IMTEST Beamer in der ...

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... Einstiegs-Klasse (bis 1.500 Euro) und Mittelklasse (ab 1.500 Euro) genau unter die Lupe genommen.

Das Testfeld im Überblick

Unter den Testkandidaten sind je zwei Geräte von BenQ, LG und Epson. Sony und Samsung schicken die teuersten Modelle ins Rennen, während Acer mit einem günstigen Gerät dabei ist. Der Test verrät, wer das prächtigste Bild zaubert.

Testkriterien: Leuchtkraft überprüfen

Die Beamer müssen sich im Test nicht nur einem Sichttest, sondern genauen Messungen unterziehen: Per Kalibrierungskamera (SpyderX Elite von Datacolor ) und einem Luxmeter für präzise Lichtstärkenmessungen überprüfte IMTEST sowohl die Farbtreue als auch die auf der Leinwand ankommende Leuchtkraft der Projektoren. Über einen Testzeitraum von mehreren Wochen mussten sich alle Beamer zudem detaillierten Sichttests unterziehen: Abgespielt wurden Filme, von alten Klassikern in SD-Qualität (Auflösung wie beim analogen Fernsehempfang mit 720 x 576 Pixeln) bis hin zu aktuellen Blockbustern in UHD-Auflösung (mit 3.840 × 2.160 Bildpunkten). Auch Spiele wie das knallbunte „Cyberpunk 2077“ oder das düstere „Resident Evil: Village“ wurden ausgiebig getestet, um die Beamer auf die Probe zu stellen. Die Referenzwerte wurden durch Sonys VPL-VW890ES und VPL-VW790ES ermittelt, die aktuell zu den stärksten Projektoren im Luxus-Segment zählen und in Sachen Farbbrillanz, Helligkeit und Schärfe zu Hause ein Bild erzeugen, das vielen hochwertigen Kinoprojektoren und Fernsehern das Wasser reichen kann.

Enorme Qualitätsunterschiede

Eins muss jedem Käufer eines Projektors deshalb sofort klar sein: Wer die prächtigen Farben und enormen Helligkeitswerte eines aktuellen Fernsehers im Mittelklasse-Segment von Samsung oder gar eines OLED-Bildschirms beispielsweise von LG gewohnt ist, muss seine Anforderungen zurückschrauben. Einzig die von IMTEST getesteten Referenzmodelle von Sony kommen da ansatzweise ran – und selbst dann nur im abgedunkelten Raum.

Helligkeit: Die Beamer erreichen bauartbedingt nur einen Bruchteil der Leuchtkraft eines aktuellen Fernsehers. Selbst nachts sind besonders Projektoren unter 1.500 Lumen etwas leuchtarm. Kommt dann noch Restlicht hinzu, vergeht jeder Spiel-oder Filmspaß. Erst ab 2.000 Lumen sind Projektoren stark genug, um gegen Restlicht anzukämpfen.

Farbgüte: Bis auf Sonys VPL-VW290ES und Epsons EH-LS300W konnte man bei keinem der getesteten Geräte von einem wirklich farbenfrohen Bild sprechen. Wer kräftige Rot-, Gelb-, Blau-und Grüntöne vom Fernseher, Bildschirm oder auch aus der „echten Welt“ kennt, wird nach dem Einschalten der meisten Geräte vergebens am Farbrad drehen wollen.

Schärfe: Es ist eine große Kunst, Millionen von Bildpunkten (etwa Full-HD mit 1.920 x 1.080 Pixeln oder UHD mit 3.840 x 2.160 Pixeln) über mehrere Meter auf eine Leinwand zu werfen und dann scharf darzustellen. Bei den meisten getesteten Projektoren sind leichte Unschärfen im Bild oder verfranzte Schriften keine Seltenheit. Nur im hochpreisigen Premium-Segment werden hochwertige Prozessoren und Linsen verwendet, deren Kostenpunkt allerdings oftmals den Preis der getesteten Projektoren weit überschreitet.

Vorsicht: Manche Hersteller versprechen „Real 4K“ oder „True4K“, auch wenn der Chip lediglich Full-HD unterstützen kann. Die restlichen Bildpunkte werden über ein sogenanntes „Pixel Shift“-Verfahren dazugerechnet. Der Unterschied ist teilweise deutlich sichtbar. Aus dem Testfeld warteten einzig Sonys VPL-VW290ES und LGs HU810PW mit wirklich nativen 4K-Auflösungen auf.

Bedienung fast wie bei Smart-TVs

Bis auf wenige Ausnahmen, wie etwa BenQs Gaming-Projektor oder auch Sonys VPL-VW290ES, sind die meisten Beamer heutzutage mit einem Betriebssystem wie WebOS oder Android TV ausgerüstet – die auch bei aktuellen Flachbildfernsehern etwa von LG oder Sony im Einsatz sind. Das ermöglicht eine einfache Steuerung, etwa per „Magic Remote“ bei LG, und die Installation von bekannten Apps wie VLC. Damit sind sie schon fast wieder Fernseher.

Heimkinofans stöpseln den Beamer jedoch besser an einer speziellen AV-Anlage mit Lautsprechern an, über die dann Quellen wie eine Spielekonsole oder ein FireTV-Stick angewählt werden.

Lampe vs. Laser

Bei den beiden BenQs-Projektorn, Sonys VPL-VW290ES und Acers H6800a wird für die Beleuchtung auf recht kurzlebige Lampentechnik gesetzt. Diese kann schon nach wenigen Hundert Stunden an Helligkeit verlieren. Die anderen Projektoren im Testfeld bieten hingegen Laser- oder

Beamer: Darauf müssen Sie achten

Wer einen Heimkino-Projektor anschaffen möchte, muss nicht nur auf das richtige Gerät achten. Wichtig sind außerdem:

Aufstellung des Beamers

Position, Abstand und Restlicht beachten Nicht jedes Wohnzimmer ist für Heimkino geeignet: Ausreichend Abstand zwischen Beamer und Leinwand muss gegeben sein, etwa 4 Meter für ein 120 Zoll großes Bild (die Herstellerseiten helfen weiter). Der Beamer sollte zudem mittig positioniert und idealerweise an die Decke gehängt werden können.

Passende Surroundanlage

Mit 5.1 oder Dolby Atmos kommt Spaß auf Bei viel Bild darf der Ton nicht zu kurz kommen: Eine Surroundanlage mit fünf Lautsprechern (3 vorne, 2 hinten) sorgt für Heimkinofeeling. Noch besser ist Dolby Atmos: über neun Lautsprecher, die auch nach oben strahlen, sorgen für perfekten Raumklang.

Die Wahl der Leinwand

Die wichtigsten Kriterien Bei der Projektion auf eine weiße Wand oder ein einfaches Leintuch gehen Helligkeit und Kontrast verloren. Greifen Sie also zu einer speziellen Heimkinoleinwand, etwa von Projecta. Sie sollte im Kinoformat 16:9 geschnitten sein. Für ein helles Bild sollte ein Gain-Faktor von 1.0 bis 1.2 gewählt werden.

LED-Technik, die mit bis zu 20.000 Stunden deutlich langlebiger sind.

Auch günstige Beamer können „gut“

Diese genannten Schwächen meistern manche Hersteller mal besser und mal schlechter: So bieten Epsons EF-12 Kubusprojektor, LGs HU70LS und BenQs TK850i keine überzeugende Bildqualität: Zu dunkel, zu wenig Kontrast und zu farbarm werden Inhalte auf die Leinwand geworfen. Überraschend hierbei: Teuer muss nicht gut sein, und günstig heißt nicht zwangsläufig schlecht. So zeigte etwa Acers Winzling H6800a für einen UVP von 799 Euro ein durchweg gutes Bild, das farbenfroher und heller war als Epsons EF- 12. Der Kubus-Projektor ist mit 1.299 Euro doppelt so teuer. Epson Ultrakurzdistanzprojektor EH-LS300W projizierte hingegen ein farbenfrohes und größtenteils scharfes Bild auf die Leinwand. Bei einem UVP von knapp 3.000 Euro sollte das allerdings auch zu erwarten sein.

In welchen Bereichen sich die getesteten Beamer aus den beiden Testfeldern bewähren, steht in der Testtabelle ab Seite 82.

Das bieten die Geräte bis 1.500 Euro

BenQ TH685: Der „Gaming“-Projektor richtet sich mit gewaltiger Helligkeit, 120 Hertz (Hz) und niedrigen Reaktionszeiten an Spieler. Zwar ist die Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Bildpunkte) nicht mehr zeitgemäß, dennoch beeindruckte der kompakte und nur 2,8 Kilo schwere Beamer durch eine hohe Helligkeit von gemessenen 2.816 Lumen – Spielen und Filme schauen ist also auch mit Restlicht im Wohnzimmer kein Problem. Zudem erscheinen die Farben sehr knallig, bleiben dennoch realistisch und nicht überstrahlt. Zum Preis von nur 699 Euro eine beeindruckende Leistung.

Acer H6800a: Knappe 100 Euro teurer ist Acers H6800a, der im Vergleich zum BenQ bei einer ähnlich hohen Helligkeit etwas mehr an Schärfe liefert. Allerdings wird der gute Ersteindruck bei der Farbdarstellung beim Heimkinoerlebnis und beim Spielen durch einen sichtbaren Grünstich getrübt. Außerdem ist das Kontrastverhältnis zu schwach, was besonders bei dunklen Szenen zu einem eher mageren Bild führt, auf dem sich nicht alle Details gut erkennen lassen. Wer gern auf großer Leinwand spielt, freut sich hingegen über eine Bildwiederholrate von 240 Hz, womit absolut butterweicher Spielspaß möglich ist.

LG HU70LS: Dank Android TV und Magic Remote lässt sich der LG-Projektor mit verständlichen Menüs und der Möglichkeit zur App-Steuerung wie ein Flachbild-Fernseher bedienen. Im wichtigsten Punkt, der Bildqualität, schwächelt der HU70LS aber: Die Farbdarstellung ist zu ungenau, die Helligkeit lässt mit gemessenen 1.411 Lumen zu Wünschen übrig, und die Schärfe nimmt zu den Leinwandrändern sichtbar ab.

Sandro Villinger IMTEST-Experte

»ICH BIN FAN VON ULTRAKURZDIS- TANZ-BEAMERN. SIE SORGEN BEI MINI-ABSTAND ZUR WAND FÜR EIN GROSSES BILD.«

Epson EF-12: Mit einer kompakten Kubusform hebt sich Epsons EpiqVision Mini EF-12 vom gesamten Testfeld ab. Die ansehnliche Optik und eine auf Android TV setzende und damit komfortable Bedienung sind aber auch schon die Highlights des Beamers. Bei der Bildwiedergabe leistet sich der kleine Würfel nämlich mächtige Patzer: Trotz langlebiger Lichtquelle per Laser-Projektion werden Farben nicht originalgetreu wiedergegeben, und es fehlt schlicht an Brillanz und Farbkraft.

Mit nur 1.000 Lumen ist er zudem viel zu dunkel, und selbst in einem vollständig abgedunkelten Raum war die Leuchtkraft des Epson schlicht zu niedrig. Ein fehlender Zoom oder Lens-Shift, mit dem sich das Bild verschieben oder vergrößern lassen kann, fehlt ebenso. Film- und Spiele-Fans werden mit dem EF-12 nur wenig Spaß haben.

Geräte über 1.500 Euro

Sony VPL-VW290ES: Sony wendet sich mit dem VW290ES an pure Cineasten, die den Projektor in der Regel an einen hochwertigen AV-Receiver anschließen, über den dann alle Geräte und Surroundlautsprech er gesteuert werden. Aus di esem Grund verzichtet der Hersteller beim Premium-Projektor auf ein Betriebssystem wie Android TV, vorinstallierte Apps oder WLAN-Verbindung. Der Fokus des Sony-Beamers liegt nur auf der Bildqualität. Zwar ist das Bild des Sony-Projektors mit zu schwachen 1.500 Lumen etwas zu dunkel und kann daher nur im völlig abgedunkelten Heimkino genossen werden, dafür spielt er die Konkurrenz in Sachen Farbechtheit und Kontrastwerte mühelos an die Wand. Hier punktet er durch die mit sichtbarem Abstand beste Farbgüte: Rot, Gelb, Blau, Grün werden allesamt sehr naturgetreu wiedergegeben. Die Projektoren von Acer, LG oder Epson sind zwar heller, doch nur Sony zaubert ein sauberes und natürliches Bild auf die heimische Leinwand. Für alle, die Filme authentisch und mit einem homogenen Bild genießen möchten, ist Sonys Projektor eine gute Wahl – sofern sie von seinem sehr hohen Preis nicht abschreckt werden.

Samsung The Premiere LSP9T: Der schicke Ultrakurzdistanz-Projektor von Samsung wird direkt vor der Leinwand aufgestellt. Er kann sich so ins moderne Wohnzimmer einschmiegen, ohne groß aufzufallen. Mit 6.299 Euro ist der The Premiere gleichzeitig aber auch der teuerste Strahlemann im Test. Seinen Preis kann der Samsung-Projektor aber nicht rechtfertigen: Versprochen werden 2.800 Lumen, gemessen hat IMTEST auf der Leinwand nur 1.611 Lumen. Ein zwar noch guter Wert, der jedoch nur für Unterhaltung in abgedunkelten Räumen geeignet ist.

Die Farben Rot, Gelb und Blau werden knackig und originalgetreu wiedergegeben, allerdings litt auch dieser Projektor unter einem sichtbaren und kaum korrigierbaren Grünstich. Die Bildschärfe ist zudem im unteren Leinwandbereich (nahe des Objektivs) sehr hoch, nimmt aber zum oberen Rand sichtbar ab. Gut: Die auf Laser-Technologie basierende Lichtquelle des Samsung soll über 15.000 Stunden durchhalten.

Epson EH-LS300W: Der zweite Ultrakurzdistanz-Projektor im Test kostet zwar weniger als halb so viel (2.899 Euro) wie der Samsung-Konkurrent, ist aber bei der Bildqualität sogar noch besser: Die Farbtreue, Schärfe und besonders die Helligkeit des Epson EH-LS300W zeigten sich im Test dem teureren Samsung minimal überlegen. Jedoch litt auch er unter einen nach oben stärker werdenden Unschärfe.

Bei Filmen ist das nur minimal sichtbar, bei Schriften oder Spielen ist der Effekt hingegen sehr störend. Trotzdem: Die Farbbrillanz und die Helligkeit sorgten für einen „Wow“-Effekt – ganz gleich ob es sich um alte Filmklassiker oder neue Blockbuster in UHD und Spiele handelte.

LG Cinebeam Forte HU810PW: Mit cleverer Fernbedienung (Magic Remote), Android TV, Doppel-Laser und erstmals echter nativer 4K-Auflösung will LGs Premium-Projektor punkten. Das schafft er auch, fast: Die Bedienung des edel verarbeiteten LG-Projektors gelingt dank der Magic Remote äußerst flüssig, und die wichtigsten Apps wie Amazon Prime, You-Tube und Netflix sind blitzschnell eingerichtet. Die Helligkeit liegt mit gemessenen 2.088 Lumen im oberen Mittelfeld und erlaubt auch den Filmgenuss mit etwas Restlicht. Leider sind Farben nicht originalgetreu: Knackig helles Rot stellt der LG beispielsweise eher dunkelrot dar, und helle Hauttöne leiden unter Grünstich. Das fällt allerdings nur bei sehr farbenprächtigen Filmen oder Spielen ins Gewicht.

BenQ TK850i: Mit seinen Daten macht der BenQ einen guten Eindruck: 3.000 Lumen, Android TV, HDR-Unterstützung und die Abdeckung des originalgetreuen Farbraums (REC 709). In der Praxis stellt sich allerdings schon beim Auspacken Ernüchterung ein: Die Verarbeitung wirkt etwas unsauber, die Materialqualität lässt zu Wünschen übrig. Zudem verbaut BenQ lediglich eine Lampe, statt zeitgemäß auf Lasertechnik zu setzen. Bei der Bildqualität macht der TK850i wenig Freude: Sein niedriger Kontrast und die zu geringe Bildschirmhelligkeit sorgen insgesamt für ein zu mageres Bild. Saftig grüne Sommerwiesen wirken daher wie verdorrte dunkelgrüne Herbstwiesen, und das Fell von Simba in „Der König der Löwen“ hatte eine dunkle Orangennote (siehe Bild oben), während er in Disneys Original hell und kräftig gezeichnet wurde.

FAZIT

Äußerst knapp entscheidet Acers H6800s das Rennen bei den Geräten für unter 1.500 Euro: Der Beamer bietet hier das insgesamt beste Bild und liefert weitgehend originalgetreue Farben. Im Testfeld über 1.500 Euro holt sich der Sony VP-VW290ES dank des insgesamt besten Bildes mit naturgetreuen Farben und einer hohen Bildschärfe den Testsieg.