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ANALOG/DIGITAL-DRUMCOMPUTER: MFB BERLIN: TANZBÄR 2


Keys - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 04.04.2019

Berlin ist nicht nur Regierungssitz, Heimat zahlreicher Clubs und Ausflugsort unzähliger Touristen, unsere Hauptstadt ist auch ein weltweites Zentrum von Herstellern elektronischer Musikinstrumente. MFB gehört zu den dienstältesten Anbietern, der uns diesmal den Tanzbär in der zweiten Ausgabe beschert.


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Artikelbild für den Artikel "ANALOG/DIGITAL-DRUMCOMPUTER: MFB BERLIN: TANZBÄR 2" aus der Ausgabe 5/2019 von Keys. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Keys, Ausgabe 5/2019

Mit dem analogen Drumcomputer Tanzbär landete Manfred Fricke einen echten Erfolg (KEYS 11/13). Das Nachfolgemodell ist ein üppig ausgestattetes Instrument in dekorativem Blau, das nunmehr sowohl analoge als auch digitale Schlaginstrumente off eriert, eigene Samples laden kann, über einen ...

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... analogen Bass-Synthesizer verfügt und dessen Pattern-Sequenzer nochmals aufgemotzt wurde. Der Tanzbär 2 wartet mit einem robusten und kompakten Metallgehäuse (33 x 17 x 6 cm) mit Seiteneilen aus Holz auf. Wie im Vorgänger gibt es etliche Regler und Taster zum direkten Zugriff auf Klangerzeuung und Sequenzer. Hinzu kommt ein Instrumentenmixer mit kurzen, beleuchteten Fadern für zwölf Sounds. Die Verarbeitung fällt hochwertiger als in der ersten Version aus, allerdings missfällt mir der etwas wackelige Anschluss des Steckernetzteils über Mini-USB, wenngleich dieser verpolungssicher ist.

Die Rückseite bietet ein MIDI-Duo, USB, einen Stereosummenausgang (TRS für Y-Kabel) sowie zwölf Einzelausgänge im Eurorack-tauglichen 3,5-mm-Miniklinkenformat, die bei Nutzung von der Summe subtrahiert werden. CV-/ Gate-Buchsen gibt es im Unterschied zum Vorgänger nicht mehr, ebenso wie einen separaten MIDI-Sync-Eingang.

Analoge Sounds

Die analogen Drumsounds im Tanzbär 2 sind Kick 1/2, Snare 1/2 sowie je drei Toms und Congas, wobei sich die beiden letztgenannten Gruppen die Klangerzeugung teilen.
Die Instrumente sind in unterschiedlicher Tiefe editierbar: Ein Teil der Parameter ist in Reglerform direkt zugänglich, zwei weitere lassen sich über die Encoder unterhalb des Displays verändern. Bis zu zwei weitere Parameter sind schließlich über die Taster Data 3 und 4 erreichbar. Sie werden dabei über die 16 Steptasten justiert. Kick 1 ist direkt in der Stimmung, Abklingdauer und dem Attack-Geräusch regelbar. Eine modulierbare Tonhöhenkurve erreicht man über die Encoder.

Dazu lässt sich über Noise und Transient das Attack-Geräusch (16 Samples) definieren. Auch Kick 2 verfügt über eine modulierbare Tonhöhenhüllkurve und ein regelbares Attack, das aber nicht variabel ausfällt. Die Snaredrums bieten einen regelbaren Abgleich zwischen tonalen und geräuschhaften Komponenten, während die Toms und Congas stimmbar und im Decay regelbar sind. Schließlich gibt es auf analoger Ebene einen monophonen Synthesizer mit variabler Wellenform und AD-Hüllkurve. Dieser ist über die Step-Klaviatur programmierbar.

Digitale Sounds

Die digitalen Sounds sind Voice 1–3, Open und Closed Hi-Hat, Clap, Rimshot, Percussion 1–3, Ride und Crash 1/2. Hinter jedem dieser Klänge steht eine Bank von 16 Samples, die sich pro Schritt wählen lassen. Entsprechend lassen sich beispielsweise bis zu 16 Closed- und Open-Hi-Hat-Sounds in einem Pattern nutzen.
Die Funktionalität ist auch hier wechselnd. So verfügen die Hi-Hats über Decay-Potis, während sich die Crash-Becken sowie die Percussions, Clap, Rimshot und Rimshot paarweise einen Decay-Regler teilen. Die „Voices“ verfügen über je drei Regler (Tune, Cut-off, Decay). Diese Slots bieten eigene analoge Resonanzfilter! Über Display und Encoder hat man Zugriff auf weitere Parameter: Im Fall von Voice 1–3 sind das eine regelbare Resonanz, eine Umschaltung zwischen Tief- und Bandpass, ein Haltewert (Hold) und ein Bitcrusher. Die Hi-Hats sind in der Stimmung und Hold justierbar und verfügen ebenfalls über einen Bitcrusher. Clap, Rimshot, Becken und Percussion beschränken sich hingegen auf Tune und Hold. Das gilt auch für Clap, Rimshot, die Percussions und Becken, die zusätzlich noch in Pegel und Panorama einstellbar sind, weil sie im Onboard-Mixer fehlen.


>> Der Tanzbär 2 ist ein üppig ausgestattetes Instrument, das sowohl analoge als auch digitale Schlaginstrumente offeriert, eigene Samples laden kann und über einen analogen Bass-Synthesizer sowie einen aufgemotzen Pattern-Sequenzer verfügt. <<


Eigene Sounds

Der Tanzbär 2 lässt sich mit eigenen Samples bestücken. Hierzu wird das Gerät per USB mit dem Rechner verbunden. Eine zugehörige Win/Mac-Software erlaubt nun den Transfer eigener WAV-Samples. Dabei werden puristisch, langsam und recht unkomfortabel ohne Sample-Verwaltung einzelne Sample-Slots im Flash-ROM befüllt – bis zu 208 Samples mit einer Gesamtlänge von 300 Sekunden. Dennoch erweitern eigene Samples die Flexibilität immens. Seine volle Stärke spielt der Tanzbär 2 meines Erachtens aus, wenn man den Analogteil um seine Lieblings-Samples ergänzt und diese fortan als Teil des Gerätes betrachtet. So stellt sich mit der Zeit ein sicheres Gefühl dafür ein, an welcher Stelle die gewünschten Sounds zu finden sind.

Sequencer

Der Sequencer bietet 100 Patterns, die sich bei Bedarf für längere Strukturen verketten lassen. Es gibt 24 Spuren für die Instrumente, eine Spur für die Bassline und zwei MIDI-Tracks zur Steuerung externer Geräte. Jede Spur kann eine eigene Laufzeit aufweisen (leider ohne automatisches Zurücksetzen). Den Umgang muss man sich erarbeiten. So gibt es bei der Aufnahme mehrere Betriebsarten: eine schrittweise Eingabe per Lauflichtanzeige mit Akzenten, möglichen Flams/Rolls und eine Echtzeitaufnahme, die auch per MIDI erfolgen kann.
Die Metrik des gesamten Patterns lässt sich in fünf Stufen umschalten, dazu ist ein Shuffle ergänzbar. Statt A/B-Patterns oder Fill-ins gibt es vier Bar-Taster. Diese schalten zwischen eintaktigen Patterns um, können aber auch beliebig kombiniert werden. So lassen sich viertaktige Patterns erstellen, aber auch Live-taugliche Einwürfe einstreuen. Live ebenso nützlich ist mögliche Stummschaltung von Instrumenten per Mute-Taster.
Zeitgemäß gibt sich der Tanzbär 2 durch eine Parameterautomatisierung pro Schritt. Dieser Modus erlaubt umfassende Klangveränderungen innerhalb der Patterns, die klassischen Drumcomputern funktional haushoch überlegen sind. Dazu gibt es pro Instrument einen temposynchronen LFO, der zur Modulation eines Parameters (meist Tune) herangezogen werden kann – eine weitere Möglichkeit, Bewegungen in den Klang zu bringen. Vorsicht aber: Im Tanzbär 2 müssen Patterns vor dem Wechsel immer gespeichert werden. Den entsprechenden Kurzbefehl sollte man also unmittelbar verinnerlichen.

Praxis

Die zahlreichen Funktionen bringen mit sich, dass der Tanzbär 2 nicht immer selbsterklärend ist. Immerhin steht erstmals in einem MFB-Drumcomputer ein Display für Klartextinformationen bereit. Eine Phase der Einarbeitung sollte man sich dennoch unbedingt gönnen – es lohnt sich. Hat man sich die Parametersteuerung sowie die Logik des Sequencers erarbeitet, hat man ein leistungsstarkes, computerunabhängiges Werkzeug zum Schaffen flexibler Grooves unter den Fingern. Die Regler für den Echtzeitzugriff sind wie im Vorgängermodell ein Segen, zumal diese hier auch allesamt als MIDI-Controller gesendet und empfangen werden können. Auch das neue Mischpult ist praktisch, selbst wenn es nicht alle Klangquellen umfasst.

Klang

Abseits der Samples, die unterschiedlichste Klangfarben annehmen können, würde ich den Tanzbär 2 als warm und rund beschreiben. Sein analoges Soundset ist gut abgestimmt, rauscharm und druckvoll. Seine Klänge weisen eine erfreuliche Eigenständigkeit auf. Gleichwohl liefert er klassische analoge Beats, die sich mit herrlicher Klangfülle ihren Weg durch die Mischung bahnen, insbesondere in weniger ruppigen elektronischen Genres. Vorrausetzung hierfür ist eine gewisse Vorverstärkung, denn der Line-Ausgang gibt einen recht niedrigen Pegel aus und ist aufgrund seiner hochohmigen Auslegung zudem für Kopfhörer ungeeignet. Kick 1 gibt sich klanglich flexibel. Sie liegt zwischen 808 und 909 und ist vielfältig editierbar.
Das Angebot reicht von extrem tiefen Sounds mit langem Decay bis hin zu holzigen, schnellen Kicks mit modulierter Tonhöhe mit variabler Attack-Phase. Explizit aggressive Varianten, wie man sie etwa von Jomox kennt, lassen sich weniger erzielen. Kick 2 fällt weicher aus. Auch hier sind tiefe und lange Klänge möglich, während die Attack-Sektion fehlt. Die Snare-Sounds sind klar elektronisch und gerade deshalb schön. Snare 1 klingt „patschiger“, während Snare 2 teils congaartig warme Klänge liefert. Die Toms verfügen über ein klares Attack und variables Decay, das sich bis zu mittleren Längen als praxisgerecht bewährt. Simmonsartige Pitchsweeps sind leider nicht umsetzbar. Dafür könnte Tom 1 durchaus als weitere Bassdrum herhalten. Die Congas fallen weicher aus und gehören für mich zu den Highlights des Tanzbär 2. Sie klingen herrlich rund und sind ebenfalls stimmbar. Auch hier ließe sich Conga 1 als weitere Bassdrum nutzen. Die Bassline empfinde ich als nette Zugabe, weniger als großes Kaufargument. Der Synthesizer tendiert bei reduzierten Filtereinstellungen in Richtung TB-303. Das verbaute SSI2144-Tiefpass-Filter klingt prinzipiell gut, weist aber bei höheren Resonanzen für diesen Einsatz eine zu prägnante Note auf, die sich umgekehrt aber für perkussive Effekte eignet. Die digitalen Sounds passen in der Grundaustattung gut zum analogen Kit. Die Klangauswahl ist dank der umschaltbaren Samples hoch. Obwohl dem Tanzbär 2 klassische Sounds wie Cowbell, Shaker oder Bongos fehlen, lassen sich diese in die Sample-Slots nachladen, ebenso aber auch Add-Libs oder Industrial-Geräusche. Die Nachbearbeitung ist Slot-abhängig.

FAZIT

Der MFB Tanzbär 2 ist ein leistungsstarker Drum- und Percussion-Synthesizer mit analogen und digitalen Sounds auf Sample-Basis. In Kombination mit einem leistungsstarken Sequencer mit Parameterautomation und LFOs sowie eineranalogen Bassline entstehen animierte Grooves, die die meisten Klassiker alt aussehen lassen. Sogar eigene Samples finden ihren Weg in Manfred Frickes neuestes Werk, zu dessen flüssiger Bedienung man sich eine Einarbeitungsphase gönnen sollte.
Klanglich ist der bisher aufwendigste MFB-Drumcomputer sehr vielseitig. Auf analoger Basis hat er die nötige Wärme, den gewünschten Druck und die Eigenständigkeit, um zu überzeugen. Dabei ist das Gerät dank der zahlreichen Regler und des Mixers durchaus Live-tauglich sowie über Einzelausgänge ein idealer Zuspieler für das modulare Studio.
Mögliche Mitbewerber sind die ebenfalls hybriden Modelle Jomox Alpha Base, Elektron Analog Rytm Mk2 und DSI Tempest, die allesamt eigene Konzepte und Klangrichtungen verfolgen – hier entscheidet vor allem der Geschmack. Gleiches gilt für den Vergleich zur ersten Version: Der Tanzbär 2 kann nicht alles, was sein Vorgänger konnte, dafür aber jede Menge mehr.