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ANALYSE: T.J. WARREN


Basket - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 26.08.2020

Seine 53 Punkte gegen Philadelphia ließen aufhorchen - doch T.J. Warren ist schon seit Jahren ein begnadeter Scorer, der immer noch zu Unrecht unter dem Radar fliegt. Deshalb hat C-BAS den bulligen Pacers-Forward einmal genau unter die Lupe genommen.


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Bildquelle: Basket, Ausgabe 10/2020

Anthony T.J. Warren wurde am 5. September 1993 in North Carolina geboren.


Fotocredit: Getty Images

Wenn man als NBA-GM per Trade einen jungen Scorer, der jede Nacht für 20 Punkte gut ist und mit Mitte 20 noch massig Entwicklungspotenzial aufweist, verpflichten will, muss man normalerweise tief in die Tasche greifen. Mindestens ein gleichwertiger Ersatz wird ...

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... gefordert, je nach Ausrichtung der Franchise auch andere, junge Spieler oder gleich mehrere Draftpicks. So verwunderte es auch, als die Phoenix Suns im Juni 2019 Small Forward T.J.

Warren und den 32. Pick damaligen Drafts für die so oft zitierten „Cash Considerations“ nach Indiana verschifften. Der Flügelspieler war 2014 von den Suns mit dem 14. Pick gedraftet worden, hatte in der Spielzeit 2018/19 gerade 18,0 Punkte, 4,0 Rebounds und 1,5 Assists pro Spiel aufgelegt.

Und das bei starken Wurfquoten von 48,6% aus dem Feld und fantastischen 42,8% von der Dreierlinie! Im Jahr davor hatte er mit 19,6 PPS die beste Scoring- Saison seiner Karriere gespielt.

„Sie haben Mist gebaut!“

Doch die seit Jahren bemitleidenswerte Franchise aus Arizona setzte keine großen Stücke auf ihren damals erst 25-jährigen Forward und tat mit diesem Deal praktisch alles, um Warren loszuwerden - ohne Gegenwert einzustreichen. Die Gründe schienen damals sogar noch ein Stück weit nachvollziehbar: Ein Point Guard sollte in der Free Agency verpflichtet werden, um das gravierende Playmaking-Problem zu lösen - was mit Ricky Rubio letztlich auch gelang. Dazu wollte man Cap Space schaffen, außerdem galt Warren als verletzungsanfällig, da er 2018/19 nur 43 Spiele machte. Sein Motor wurde in Frage gestellt, Warren galt als Scorer, der „leere“ Statistiken auflegt. „Ich bin bereit, der ganzen NBA, nicht nur den Suns, zu zeigen, dass sie die falsche Entscheidung getroffen haben“, so der Flügel nach Bekanntgabe des Trades. „Und, Warren mit zwölf Mio. Dollar Jahresgehalt über vier Spielzeiten im NBA-Kosmos nun auch kein Topverdiener ist, den Kopf - auf der anderen Seite gilt das Front Office in Phoenix seit langem als eines der miesesten der NBA, viele Draft-Entscheidungen der vergangenen Jahre sorgen auch heute noch für Kopfschütteln. Warren jedenfalls machte in Indiana vor dem Corona-Break da weiter, wo er in Phoenix aufhörte: 18,7 Punkte, 4,0 Rebounds und 1,4 Assists standen im Schnitt für den ehemaligen NC State-Schützling zu Buche. Seinem Ex-Team, den Phoenix Suns, bewies er dabei dass die Pacers mit diesem Deal alles richtig gemacht haben. Ich bin mehr wert als „Cash Considerations“.

Es liegt jetzt an mir, das zu beweisen - aber ich sage euch, die Suns haben echt Mist gebaut!“ Tatsächlich kratzt man sich angesichts der Tatsache, dass miesen Teams lange unter dem Radar flog - dessen Fähigkeiten als Scorer allerdings bereits früh in der NBA anerkannt wurden.

Galt er lange als Mittedistanz- Spezialist, erweiterte er Jahr für Jahr sein Offensivarsenal und steigerte sich von 23,8% von Downtown in seiner Rookie- Saison auf aktuell 40,1%. Mit 81,8% legt er ein neues Career High bei der Freiwurfquote auf, auch beim True Shooting erreichte er in seiner Laufbahn nie zuvor einen höheren Wert (61,2%). Mit einem Player Efficiency Rating von 18,67 bewegt er sich in Sphären von Pascal Siakam, D‘Angelo im Januar dieses Jahres: Beim deutlichen Auswärtssieg der Pacers über Devin Booker und Co. schrieb Warren 25 Punkte, drei Rebounds und drei Steals in den Statistikbogen.

Den Pacers fiel ein Spieler in den Schoß, der aufgrund seines Russell oder Donovan Mitchell, sein Offensivrating ist mittlerweile auf 117 Punkte gestiegen. Statistiken, die zeigen, dass Warren die 50 Millionen Dollar, die er über vier Jahre einstreicht, gerade zu heutigen Verhältnissen wert ist! Natürlich besitzt der 26-Jährige in seinem Spiel auch noch schwächen.

Er ist kein überragender Playmaker, seine Übersicht mit Ball ist noch deutlich ausbaufähig.

Zwar zeigt er in dieser Spielzeit bereits Verbesserungen am defensiven Ende des Parketts, ist allerdings noch immer trotz guter Maße kein Verteidiger, vor dem NBA-Flügel zittern müssen. Seine Kernkompetenz ist das Scoring, einen Aspekt, den die Pacers gerade in Abstinenz von Victor Oladipo dringender benötigten als einen defensiven Stopper. Zumal Warren nun mit dem wiedererstarkten Allstar-Guard eines der offensivstärksten Flügel-Duos der Association bildet!

Nur Reggie Miller (57) und Jermaine O’Neal (55) machten für die Pacers mehr Punkte in einem Spiel als Warren!


„Getan, was ich kann“

Wozu Warren an machen Abenden fähig ist, zeigte er vor allem gegen die Philadelphia 76ers Anfang August.

In der NBA Bubble fing der Small Forward Feuer, explodierte für 53 Punkte und traf dabei 20 von 29 Würfen aus dem Feld sowie neun von zwölf Dreierversuchen.

In der gesamten Partie nahm Warren gerade einmal vier Freiwürfe! „Ich habe heute Abend einfach das getan, was ich am besten kann: Den Ball in den Korb befördern. Ich wollte offensiv ein Anführer für dieses Team sein“, so der bescheidene Shooter im Interview nach dem Spiel. Seine Teamkameraden rasteten auf der Bank bei jedem Treffer mehr aus, schenken Warren so die Wertschätzung, die er eigentlich bereits bei den Suns verdient gehabt hätte. Doch auch für ihn selbst war der Deal ein Segen: Erstmals läuft der 26-Jährige in diesem Jahr in den Playoffs auf. „Ich frage mich, wie sich „Cash Considerations“ jetzt fühlt, nachdem er diese Performance gesehen hat“, twitterte Pacers-Teammate Myles Turner nach der Partie gegen die Sixers.

Und in Phoenix werden sie sich in Zukunft wohl noch den ein oder anderen Spruch zum Thema „Cash Considerations“ anhören müssen. Spätestens dann, wenn T.J. Warren in „Indy“ einmal mehr beweist, dass es eine falsche Entscheidung war, ihn ohne Gegenwert aus der Stadt zu jagen.