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ANDREAS KIELING: Neue Abenteuer in der Wildnis: NATUR


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 08.03.2019

Für drei neue Dokus reiste Tierfilmer Andreas Kieling rund um die Welt. Sein Erlebnisbericht – exklusiv in HÖRZU


Artikelbild für den Artikel "ANDREAS KIELING: Neue Abenteuer in der Wildnis: NATUR" aus der Ausgabe 11/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 11/2019

DURSTIG In den Nationalparks von Simbabwe finden Elefanten genügend Wasser


Eisige Gipfel, grüne Inseln, dichte Regenwälder: Seit fünf Jahren begeistert Tierfilmer Andreas Kieling mit der „Terra X“-Reihe „Kielings wilde Welt“ (siehe TV-Tipp S. 11). Jetzt war er für drei neue Folgen auf Expedition. Er erlebte Familienglück im Gorillaland, Balztänze der Kraniche in Japan und Islands Papageitaucher beim Fischfang. Für HÖRZU berichtet er exklusiv von seinen abenteuerlichen Dreharbeiten.

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... Irgendwo hier muss er stecken, der mächtige Elefantenbulle. Aber wo? Wir haben ihn nur aus der Luft gesehen, als wir mit einer Maschine der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt den Gonarezhou-Nationalpark überflogen. Jetzt wollen wir ihn auch aus der Nähe filmen. Erst nach stundenlanger Fahrt mit dem Geländewagen und anstrengendem Fußmarsch entdecken wir den Riesen wieder. Unfassbar! Das muss der größte und stärkste Dickhäuter der Welt sein. Elefanten wachsen ihr Leben lang, dieser dürfte mehr als 70 Jahre auf dem Buckel haben. Lautlos pirschen wir uns bis auf 20 Meter an ihn heran. Der rechte Stoßzahn ist abgebrochen, im linken steckt eine Kugel. Man sieht genau, wo das Elfenbein weggeplatzt ist. Auch im mächtigen Schädel und im Knie erkennen wir Einschusslöcher. Menschen haben ihn verfolgt, gejagt und angeschossen. Trotzdem ergreift der Elefant nicht die Flucht. Er steht entspannt da und frisst weiter. So etwas erleben zu dürfen ist für mich ein großes Geschenk. Einer der emotionalsten Momente, die ich je in Afrika erlebt habe!

KATZENGLEICH Die Fossa ist das größte Raubtier der Insel Madagaskar


ELEGANT In Japan führen Mandschurenkraniche ihre Balztänze auf


SKURRIL Lemuren wie Kattas mit ihren typischen Ringelschwänzen leben nur auf Madagaskar


Bei den Affen vonMadagaskar

Um einen solchen Dickhäuter in der Savanne zu entdecken, braucht man als Tierfilmer viel Erfahrung, Instinkt und Glück. Noch viel schwieriger ist es, kleine Wesen zu finden, die nur im Dunkeln munter werden und hoch oben in den Bäumen leben.
Mit Stirnlampe und geschulterter Kamera kämpfe ich mich durch den nächtlichen Urwald Madagaskars. Ich bin auf der Suche nach einem Mausmaki, dem kleinsten Affen der Welt. Gerade einmal neun Zentimeter Länge erreicht dieser Winzling. Da sitzt einer! Direkt im Lichtkegel meiner Lampe. Mit seinen langen Fingern krallt er sich am Stamm fest. Ein Anblick, der leider immer seltener wird. Einige Arten der Mausmakis haben nur noch lokale Verbreitung, eine lebt nur hier, in diesem Wald. Er ist so etwas wie eine letzte Arche. Wenn er gerodet oder abgebrannt wird, dann ist es auch mit der hier lebenden Art vorbei.

Madagaskar ist sowieso ein Kontinent für sich. Vor rund 150 Millionen Jahren hat sich die Insel von Afrika abgelöst. Seitdem entwickelt sich hier eine komplett andere Tierwelt. Lemuren wie etwa die Kattas gibt es nur auf Madagaskar. Auch die Fossakatze, deren Lieblingsbeute wiederum Lemuren sind, lebt nur auf dieser Insel. Ich habe noch nie in meinem Leben so eine Kreatur gesehen. Die Fossa wirkt auf mich wie ein urzeitliches Raubtier. Dieser starre Blick, die geschmeidigen Bewegungen! Sie kommt mir erstaunlich nahe, brummt und faucht. Was passiert als Nächstes? Doch so plötzlich die Fossa aufgetaucht ist, verschwindet sie auch wieder im Urwald.

TRITTSICHER Heimat der wilden Dallschafe sind Nordamerikas Berge, hier im Denali-Nationalpark


LIEBEVOLL Gorillamutter Malui trägt ihre Zwillinge huckepack. Erst nach drei bis vier Jahren werden die Kleinen nicht mehr gestillt


ABENTEUERLICH Im dichten Regenwald trifft Andreas Kieling nicht nur auf große Tiere


GESCHICKT Die Papageitaucher auf Island halten ihre fangfrischen Fische fest im Schnabel


Bei den Gorillas imBabyglück

Die meisten Begegnungen in der Wildnis verlaufen ähnlich gefahrlos – sogar mit Flachlandgorillas im Dzanga-Sangha-Schutzgebiet der Zentralafrikanischen Republik. Silberrücken Makumba ist bereits 38 Jahre alt und wacht über eine Gorillamutter mit Zwillingen. Wir können uns der jungen Familie problemlos nähern, da wir stets nur als kleines Team filmen: der zweite Kameramann Frank Gutsche, meine Kamerassistentin Lea Goldberg und ich. Wir wollen die Tiere keinesfalls durch zu viel Aufwand stören. Ohne uns zu beachten, kümmert sich die Mutter Malui liebevoll um ihre Prachtexemplare. Mit festem Griff klammern sich die beiden an ihr Fell. Zwillinge sind bei Gorillas seltener als bei Menschen, eine besondere Laune der Natur. Trotz aller Vorsicht läuft Makumba plötzlich auf uns zu. Drei, vier Meter vor uns bleibt er stehen und bricht einen großen Ast ab. Das ist in der Gorillasprache ein deutliches Zeichen: „Hey, ihr stresst uns jetzt!“ Wenn ein Silberrücken näher kommt, darf man nicht flüchten. Das ist oberstes Gebot. Man muss sich klein und devot verhalten. Doch Makumba will nur drohen. Sofort zieht er sich wieder zurück. Maluis Kinder wachsen zum Glück gut behütet auf. Über die Sicherheit in Dzanga-Sangha wachen WWF-Ranger, strenge Hygienemaßnahmen sorgen dafür, dass keine Krankheiten eingeschleppt werden. Denn Gorillas sind uns genetisch so ähnlich, dass ihnen menschliche Keime zum Verhängnis werden können.

Bei den Grizzlys imFressrausch

Nördlichstes Ziel unserer Reise ist Alaska, meine zweite Heimat. Schon 1993 habe ich mit einer Schweizer Expedition den Gipfel des 6190 Meter hohen Denali bestiegen, der damals noch Mount McKinley hieß. Für die neuen Dreharbeiten haben wir den September gewählt. Dann herrscht hier Indian Summer – und seiner Magie kann sich keiner entziehen. In der offenen Landschaft tummeln sich Tundragrizzlys. Mit der Kamera halten wir fest, wie die Bären in einen Fressrausch geraten. Im Denali gibt es keine Flüsse mit Lachsen. Vegetarische Kost ist im Herbst die einzige Chance, sich viel Winterspeck anzufressen. Also machen sich die Grizzlys über Wurzeln und Heidelbeeren her – praktisch nonstop. Die Symboltiere des Denali-Nationalparks sind dagegen vor den Bären sicher: Dallschafe leben weit oben im felsigen Gelände, sind äußerst flink und können gut klettern. In der Ferne liegen die schneebedeckten Berge, und direkt vor uns knabbern die weißen Schneeschafe an ihrer kargen Kost. Im Gegensatz zu vielen anderen Tieren bleiben sie auch im Winter in dieser eisigen Region. Zwei Monate lang wird es hier komplett dunkel. Dann ernähren sich die Dallschafe mit ihrem gewaltigen Gehörn von Moosen und Flechten, die sie mit den Hufen freischarren. Die Landschaft des Denali steht jetzt seit 100 Jahren unter strengem Schutz. Sie lässt mich immer wieder staunen, aber zum Teil auch schaudern, weil sie dem Menschen ganz klare Grenzen aufzeigt. Eines der letzten Gebiete der Erde, in denen noch die Natur die Hauptrolle spielt.


FOTOS: S. 8-9: ALAMY (GR.), ANDREAS KIELING/ZDF; S. 10-11: ALAMY (2), ANDREAS KIELING/ZDF (3), WIGGERS/VISUM, GOLDBERG/ZDF