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Andreas Ulmer: DER LEISETRETER


The Red Bulletin-Österreich Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 11.09.2019

HEROES

Genügsamkeit statt Glamour. Harte Arbeit statt harter Worte. Red Bull Salzburg-Kapitän Andreas Ulmer beweist, dass man nicht laut sein muss, um gehört zu werden –und obendrein zum erfolgreichsten Fußballer Österreichs aufzusteigen.


Artikelbild für den Artikel "Andreas Ulmer: DER LEISETRETER" aus der Ausgabe 10/2019 von The Red Bulletin-Österreich Ausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: The Red Bulletin-Österreich Ausgabe, Ausgabe 10/2019

Andreas Ulmer, 33, FC Red Bull Salzburg-Legende und zehnfacher österreichischer Fußballmeister


Endlich. Es ist geschafft. Nach insgesamt elf Anläufen hat der FC Red Bull Salzburg sein erklärtes Ziel erreicht. In der Spielsaison 2019/20 wird sich Österreichs Serienmeister erstmals in der Gruppenphase der UEFA Champions League mit Europas absoluten Top-Klubs messen. Aufs ...

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... Feld geführt werden die Bullen dabei von einem Mann, der allerdings nicht so recht ins Glamour-Bild eines modernen Profikickers passt: Andreas Ulmer.

Er ist kein Star, keine Diva, kein Enfant terrible. Während andere mit teuren Markenklamotten auf der Kühlerhaube eines 500-PS-Sportwagens posieren, postet Ulmer Bilder von seiner Mutter, seinem Hund und seiner Lederhose. Scharmützel in der VIP-Area angesagter Szenelokale? Fehlanzeige. Künstlich am Köcheln gehaltene Transfergerüchte? Auch kein Treffer. Frauen? Ja, seine. Kurz gesagt: Andreas Ulmer ist für Medien das exakte Gegenteil eines gefundenen Fressens – für seinen Klub hingegen ist er Gold wert. Denn der 1985 in Linz geborene Kapitän des FC Red Bull Salzburg, dessen Profi-Karriere von der Wiener Austria über den SV Ried im Jahr 2009 schließlich an die Salzach führte, verkörpert Führungsqualitäten, die weit über das Sportliche hinausgehen: Bescheidenheit und Beständigkeit. Und ganz nebenbei ist er mit zehn Meistertiteln österreichischer Rekordhalter.


„Das Wichtigste in unserem Team? Dass jeder offen seine Meinung sagen kann.“


„Ich bin, wie ich bin“, sagt Ulmer, der seine 2018 übernommene Rolle als Mannschaftskapitän genauso anlegt wie seine bisherige Karriere: leise und unaufgeregt. „Es macht mich in erster Linie stolz, und ich habe großen Respekt vor diesem Amt. Was aber nicht bedeutet, dass die Kapitänsschleife mich zu einem anderen Menschen macht.“ Seine Hauptaufgabe als Führungsspieler sieht der bald 34-jährige Routinier, der unter Franco Foda in seiner Stammposition als linker Außenverteidiger auch wieder ins Nationalteam berufen wurde, als Ruhepol und – salopp ausgedrückt – Gleich gewichtsheber. Auf und neben dem Spielfeld. „Es geht um die Balance. Wenn die Stimmung in der Mannschaft ausgewogen ist, wenn jeder offen und ehrlich reden kann, dann verkraftet die Mannschaft auch locker das eine oder andere böse Wort, das natürlich in der Hitze des Gefechts schon mal fallen kann. Und natürlich hat man als älterer Spieler auch abseits des Spielfelds eine Vorbildwirkung. Du kannst den jüngeren mit deinen Erfahrungen im Umgang mit alldem, was sich im modernen Fußball so rundherum abspielt – Medientermine, Autogrammstunden –, helfend zur Seite stehen.“ Von Star-Kapitänen, die sich am Rasen wie Live-Trainer inszenieren, hält Andreas Ulmer indes wenig. „Man muss jetzt nicht groß am Platz herumwinken und ständig Anweisungen brüllen. Während des Spiels ist das nicht sehr sinnvoll.

Ulmer in der Umkleidekabine des FC Red Bull Salzburg. Im Herbst steigen in der Red Bull Arena (mindestens) drei Champions-League-Spiele gegen europäische Topteams.


Noch schlimmer ist, wenn man einen Mitspieler – sollte etwas nicht so gut klappen – zur Sau macht. Es bringt einfach nichts, wenn der dann fünf Minuten am Platz steht und damit beschäftigt ist, über seinen Fehler nachzudenken. In fünf Minuten kann man eine Menge Tore kassieren, wenn einer nicht da ist.“

Ulmer ist kein Wortführer. Sein Credo: Wenn man zu allem seinen Senf abgibt, verliert er an Schärfe. „Ich rede nicht viel, weil ich nichts davon halte, einfach nur zu reden, um zu reden. Aber wenn es wichtig und nötig ist, sage ich meine Meinung. Deutlich und klar. Und meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass diese dann umso mehr Gewicht hat.“ Noch deutlichere Worte findet Andreas Ulmer, wenn es um gegenseitigen Respekt geht. „Respekt ist das Allerwichtigste – innerhalb der Mannschaft, aber auch gegenüber allen anderen, die für unseren Erfolg arbeiten, vom gesamten Betreuerstab bis hin zum Reinigungspersonal. In dieser Hinsicht konnte ich sehr viel von Marco Rose(Trainer 2017 bis 2019; Anm.) lernen.“ Bescheidenheit und Beständigkeit, okay. Aber mischt sich da nicht auch eine Spur Bequemlichkeit hinein? Immerhin steht Andreas Ulmer seit nunmehr fast elf Jahren in Diensten des FC Red Bull Salzburg und hat nie den Weg ins Ausland gesucht. „Natürlich ist es für jeden Fußballprofi immer ein Thema, irgendwann in einer ‚großen‘ Liga zu spielen, aber für mich war Salzburg immer das Beste. Und man darf eines nicht unterschätzen: Wenn man sich in einer Umgebung richtig wohlfühlt, dann ist das die Basis für gute Leistungen.“


„Fühlt man sich in seiner Umgebung wohl, ist das die Basis für gute Leistungen.“


Und was die internationalen Erfahrungen betrifft, hat Ulmer außerdem ein weiteres, bei genauerer Betrachtung durchaus stichhaltiges Argument im Köcher: „Wenn ich mir unsere Trainer der letzten Jahre anschaue, kann ich nur sagen: Viel internationaler geht nicht. Holländer, Deutsche, Spanier und jetzt Jesse Marsch aus den USA. Natürlich hat da jeder seine ganz eigenen, oft auch von seiner Heimat geprägten Ideen und Spielphilosophien. Und das Gleiche gilt für die Spieler unterschiedlichster Nationalitäten, die wiederum ihre Erfahrungen in unsere Mannschaft getragen haben. Eines ist sicher: Langweilig ist mir bei Red Bull Salzburg nie geworden.“

Alle Infos zum FC Red Bull Salzburg in der Champions League: redbullsalzburg.at; Andreas Ulmer auf Instagram: @andreasulmer


OLIVER JISZDA