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ANGETRETEN


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Bike Bild - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 24.02.2022

Fahrberichte

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Bildquelle: Bike Bild, Ausgabe 1/2022

Frischer Look und technisch gesehen State of the Art: Das QiO stößt in die oberste Liga der kompakten E-Bikes vor und wird Platzhirsch i:SY die Stirn bieten

TECHNISCHE DATEN

Preis: 3799 Euro

Rahmen: Aluminium

Motor/Akku: Bosch Performance Line/500 Wattstunden v. Bosch

Schaltung/Antrieb: Shimano Nexus, 5-Gang-Nabenschaltung/Gates Riemen

Bremsen: hydraulische Scheibenbremsen von TRP (180/160 Millimeter)

Laufradgröße: 20 Zoll

Reifen: Continental E-Contact, 62 Millimeter

Gewicht: 27 Kilogramm

QIO EINS P-5

Neuer König der Kompakten?

Selten wurde in letzter Zeit so viel getrommelt vor der Einführung eines neuen E-Bikes und schon gar nicht für ein E-Kompaktbike. Warum auch nicht? Zum einen bietet die verkannte Klasse eine Menge Vorteile, vor allem im Stadtalltag. So sind kompakte E-Bikes wie das neue QiO wendig, flink und mit dem richtigen Zubehör ungeheuer vielseitig. Das Potenzial der Minis ist riesig – ein Grund, warum Fahrradgroßhändler Hartje gleich eine ganze Plattform gelauncht hat flankiert von einer großen Marketingkampagne und einer ...

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... eigenen Website. Ein anderer Grund betrifft das Fahrradbusiness selbst: Platzhirsch und BIKE BILD-Testsieger i:SY wurde bis 2021 von Hartje produziert und vertrieben. Doch die Lizenz lief letztes Jahr aus, und die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG) sicherte sich das begehrte Recht ab 2022. Hartje nahm den Verlust sportlich und platziert jetzt das QiO im Markt. Viel Wind um nichts – oder neuer König der Kompakten? Wir wollten es wissen.

Das QiO Eins (gesprochen: „kio“) bietet Hartje in fünf Modellen und acht Farben an. Das Schlumpfblau unsere Testbikes macht den Mini im Alltag zum Publikumsmagneten. In puncto Antrieb machen die Entwickler keine Experimente und setzen auf die vielfach erprobten Bosch-Aggregrate – entweder Active Line oder Performance Line. Im Zweifel würden wir – wie bei unserem Testbike – zum Performance Line raten. Sie werden Leistungsreserven brauchen, sollten Sie mit Packtaschen oder schwer beladenem Rucksack unterwegs sein. Apropos: Die robuste Gepäckträgerkonstruktion des QiO schultert ein Ladegewicht von bis zu 27 Kilogramm. Kindersitze oder Körbe können leicht angeklickt und beladen werden. Passend zu den eigenen Vorlieben und Nutzungsverhalten bietet Hartje unter www.qio-bikes.com eine Fülle von zugeschnittenem Zubehör für Camper, Transporteure, Pendler, Einkäufer und Familien an.

Zum Fahrverhalten: Unseren Alltagstest hat das QiO bravourös gemeistert. Das Rad fährt sich dynamisch, bleibt dabei komfortabel – auf Augenhöhe mit i:SY-Bikes. Sollten Sie Interesse am QiO haben, greifen Sie unbedingt zur federnden Sattelstütze. Im Zusammenspiel mit den extrabreiten Reifen wird dadurch die nur auf den ersten Blick fehlende Federgabel egalisiert. Noch eine Kleinigkeit, die das Leben bequemer macht: Der Tragegriff über dem Tretlager erleichtert das Anheben und Tragen des ganz schön schweren Kompakten enorm.

Fazit: Das kleine QiO hat das Potenzial, ganz groß rauszukommen. Es ist keine Kompaktrad-Revolution, bringt aber zu einem sehr fairen Kaufpreis alle Raffinessen mit, die ein zeitgemäßes kompaktes E-Bike bieten sollte. Mit dieser Mischung wird es sicher zum i:SY-Ärgerer avancieren. Lassen Sie sich daher nicht vom unschuldigen und schnuckeligen Auftritt täuschen – das QiO hat es faustdick hinter den Ohren und will sich für lange Zeit in Ihr Herz fahren.

POSITIV

+ Ausstattung

+ Komfort

+ Zubehörauswahl

+ Design

NEGATIV

- kein Leichtgewicht

KREIDLER VITALITY ECO 6

Mit Augenmaß

Das Wettrüsten auf dem E-Bike-Markt ist in vollem Gange: Kaum ein Mittelklasse-Pedelec kommt noch ohne weitreichende Gangschaltung, Mountainbike-Motor und Saft für bis zu 100 Kilometer aus. Braucht man das alles? Kreidlers Vitality Eco 6 Comfort ist die unaufgeregte Alternative für alle, die aus dem Rennen um den potentesten Komponentenmix aussteigen möchten.

Angetrieben wird das Bike von Boschs Performance-Motor ohne „CX“ – selbst mit Zuladung und bergauf absolut ausreichend in puncto Leistung. Im abnehmbaren Akku stecken 500 Wattstunden Kapazität. Zwar ist der Energiespeicher nicht so modern ins Unterrohr integriert, dafür lässt er sich kinderleicht zum Lagern und Laden herausnehmen.

Herausragendes Merkmal dieser Vernunftoffensive ist die Fünfgang-Nabenschaltung von Shimano. Speziell für den E-Bike-Einsatz entwickelt, bietet diese die notwendigen Gänge für den Stadteinsatz und leichte Touren, ohne unnötige Ritzel, die eh so gut wie nie angesteuert werden.

Fazit: kaum Schwächen. Das Kreidler Vitality Eco 6 Comfort ist ein zu Ende gedachte City-Pedelec.

POSITIV

+ praktisch

+ bequem

+ voll ausgestattet

+ top Rahmenqualität

NEGATIV

- vernünftig, nicht cool

TECHNISCHE DATEN

Preis: 3199 Euro

Rahmen: Aluminium mit Suntour-Federgabel

Motor/Akku: Bosch Performance Line/500-Wattstunden-Akku v. Bosch

Schaltung: Shimano Nexus, 5-Gang-Nabe

Gewicht: 25 Kilogramm

Zulässiges Gesamtgewicht: 140 Kilogramm

MOUSTACHE LUNDI 20.5 DUAL

Verlässlicher Packesel

Hauptsache sicher – das denken die meisten Eltern beim Transportieren der eigenen Kinder durch den Straßenverkehr. Der E-Bike-Hersteller Moustache aus Frankreich hat darum das Lundi 20.5 mit Augenmerk auf maximale Transportfähigkeit ohne Abstriche für die Sicherheit der Mitreisenden entwickelt.

200 Kilogramm Gesamtgewicht und allerlei passendes Zubehör bieten viel Spielraum für die individuelle Nutzung. Der hintere Gepäckträger – anders als der Frontgepäckträger im Kaufpreis enthalten – bietet mehrere MIK-Befestigungsmöglichkeiten für Kindersitze oder Körbe.

Der umlaufende Bügel am Heckgepäckträger schützt Ladung und Passagiere – auch Erwachsene sind erlaubt – bei Stürzen. Zudem verhindert der Bügel, dass die Fracht rausfällt. So wird das E-Bike mit langem Heck zur sicheren Transportkutsche.

Der leistungsstarke Bosch-Cargo-Line-Motor, konzipiert für Lastenräder, unterstützt mühelos auch bei hohen Zuladungen. Die Kraftübertragung an die Hinterradnabe erfolgt mittels Gates-Carbonriemen über die stufenlose Enviolo-Schaltung. Das etwas günstigere Einsteigermodell Lundi 20.3 (5599 Euro) ist mit einer Zehngang-Kettenschaltung von Shimano ausgestattet.

Das 20.5-Modell aus unserem Test ist neben dem Riemenantrieb mit zwei 500-Wattstunden-Akkus bestückt – bietet also auch für längere Touren ausreichend Laufzeit.

Fazit: Zwar ist das Lundi 20.5 keine Neuerfindung in Sachen Longtail-E-Bike, gut durchdacht ist es indes allemal. Wer bereit ist, tief in die Tasche zu greifen, bekommt mit dem Moustache-Bike mehr Spaß auf die tägliche To-do-Liste.

POSITIV

+ hohe Zuladung

+ lange Akkulaufzeit

+ reichlich Zubehör

+ sicheres Fahrgefühl

NEGATIV

- teure Anschaffung

TECHNISCHE DATEN

Preis: 6599 Euro

Rahmen: Aluminium

Motor: Bosch Cargo Line, Mittelmotor

Akku: Bosch PowerPack, 2x 500 Wattstunden

Antrieb: Enviolo Heavy Duty, Gates-Carbonriemen, 22 Zähne

Reifen: Schwalbe Pick-up, 20 Zoll

Gewicht: 35 Kilogramm

Zulässiges Gesamtgewicht: 200 Kilogramm

COWBOY 4 ST

Gezähmter Wildfang

Cooles Design, nur die allernötigste Ausstattung, dafür viel smarte Technik: So lautete bislang das Rezept von Cowboy, um junge Stadtbewohner für ihre elektrischen Fahrräder zu begeistern. Das neueste Modell 4 ST (ST = Step Through) erweitert die Zielgruppe um Menschen, die nicht nur cool, sondern auch komfortabel durch die City radeln möchten.

Wesentliches Merkmal ist, klar, der Tiefeinsteigerrahmen. Dieser macht das Pedelec nicht nur für Fahrerinnen mit Rock interessant, sondern erleichtert auch allen anderen das Auf- und Absteigen. Besonders für E-Bike-Neulinge ist so ein Tiefeinsteigerrahmen eine Super-Sache, weil diese im Fall einer Notbremsung nur nach vorn rutschen müssen, um mit beiden Beinen sicher zu stehen.

Mit 360 Wattstunden Akkukapazität kommen die meisten Anwender problemlos durch eine Arbeitswoche, lange Touren sind jedoch nicht drin. Der Motor unterstützt dynamisch und macht somit ein wenig die nicht vorhandene Gangschaltung wett. Schade, dass für Ständer und Gepäckträger insgesamt 99 Euro zusätzlich fällig werden. Verbesserungswürdig auch, dass das Frontlicht starr im Steuerrohr sitzt und Kurven nicht ausleuchtet.

Fazit: Nicht zu teuer, einfach zu bedienen und komfortabel während der Fahrt – das Modell 4 ST ist wie gemacht für Einsteiger. Wir empfehlen allen, die Alltagsausstattung mitzunehmen, erst damit ist das Cowboy 4 ST wirklich komplett.

www.bike-bild.de/cowboy4st

TECHNISCHE DATEN

Preis: 2590 Euro

Rahmen: Aluminium

Motor: Cowboy, Hinterradnabenmotor

Akku: Cowboy, 360 Wattstunden

Antrieb: Singlespeed mit Gates-Carbonriemen, 57 Zähne vorn, 21 Zähne hinten

Beleuchtung: integriert

Reifen: Cowboy, 47 Millimeter, 27,5 Zoll

Gewicht: 21 Kilogramm

Zulässiges Gesamtgewicht: 140 Kilogramm

POSITIV

+ toll für Einsteiger

+ kein Schnickschnack

NEGATIV

- Alltagsausstattung nur gegen Aufpreis

- starres Licht

M83 Vagabund Enthusiast Classified

Reisebegleiter

Reisende soll man nicht aufhalten, nicht wahr? Doch auch so wird ein Schuh draus: Wer mit dem M83 Vagabund auf Reisen geht, ist nur schwer aufzuhalten. Denn die fetten 50er-Pneus walzen über fast alles, was sich ihnen in den Weg legt und nicht für Mountainbikes bestimmt ist. Die Schmiede aus Sarstedt bei Hannover hat gute Arbeit geleistet, an Innovationskraft scheint es der noch wachsenden Fahrradmarke nicht zu mangeln. So setzten die Niedersachsen bei unserem Testrad aufs Classified-Getriebe und koppeln es mit Srams Kettenschaltung Force. Funktioniert gut zusammen, trotz dieser Differenz: Während die Sram- Schaltvorgänge hörbar laut sind, geht die Classified-Nabe lautlos zu Werke.

Fazit: Robustes Bike für Waldautobahnen und leichte Trails. Aber Finger weg bei zu viel Asphaltstrecke!

TECHNISCHE DATEN

Preis: 5499 Euro

Rahmen/Gabel: Carbon/ Carbon

Schaltung: Sram Force, 1x 11, Classified

Übersetzung: 40 Zähne vorn, 11-34 Zähne hinten

Bremsen: Sram Force, hydr. Scheibenbremsen (160/160 mm)

Laufräder: Classified Carbonlaufräder CF30

Reifen: Schwalbe Ultrabite, 50 Millimeter

Gewicht: 9,6 Kilogramm

POSITIV

+ präzise Schaltung

+ Sicherheit im Gelände

+ komfortabler Lenker

NEGATIV

- stockend auf Asphalt

- hochpreisig

Rose Backroad Classified 2x11

Geländesportler

Rose ist als eines der ersten Unternehmen eine Kooperation mit Classified eingegangen und hat das beliebte Backroad mit dem neuartigen Antriebssystem aufgewertet. Viel ist also nicht neu an diesem Gravelbike, das wir schon zur Genüge gelobt haben. Mit Ausnahme der Classified-Nabe. Während der Mallorca-Reportage (Seite 104) haben wir das Bike getestet, getestet, getestet, viele Kilometer, im Regen, Matsch und ruppigen Geläuf. Ergebnis: nicht ein unsauberer Schaltvorgang! Besser als der Schaltknopf (siehe M83) hat uns die Integration in die GRX-Welt gefallen. So kann man direkt am Schalthebel, wie beim Umwerferkonzept, die Getriebenabe bedienen. Alles perfekt? Bergan lief es nicht ganz so leicht wie sonst. Wegen des Zusatzgewichts der Nabe? Oder wegen der müden Beine? Wir können es nicht wissenschaftlich bestimmen. Nur so ein Gefühl.

Fazit: Wiederholt fürs Protokoll: Das Backroad ist ein herausragendes Gravelbike. Mit der Classified-Nabe noch mal eine Nummer vielseitiger.

TECHN. DATEN

Preis: 5299 Euro

Rahmen/Gabel: Carbon/Carbon

Schaltung: Shimano GRX Di2, 1x 11, Classified

Übersetzung: 46 Zähne vorn, 11-34 Zähne hinten

Bremsen: Shimano GRX, hydr. Scheibenbremsen (160/160 mm)

Laufräder: Rose R Thirty Disc, Aluminium

Reifen: Continental Terra Speed, 40 mm

Gewicht: 8,6 Kilogramm

POSITIV

+ Geometrie, Laufruhe, Montagepunkte, geringes Gewicht

+ Classified-Update: verlässliches Schalten, top Integration

NEGATIV

- leider nicht unseres

Classified Powershift

Au revoir, Umwerfer!

Stellen Sie sich vor, Sie haben die gesamte Bandbreite eines übersetzungsstarken Zweifachantriebs, aber keinen Umwerfer mehr am Fahrrad? So oder so ähnlich könnte die Antriebszukunft nämlich aussehen, wenn sich das niederländische Unternehmen Classified mit seiner innovativen Getriebetechnik durchsetzt. Die Chancen hierfür stehen nicht schlecht, wenn man Ex-Radprofi André Greipel (Interview unten) glaubt. Denn die Powershift-Hinterradnabe ist nicht nur mit gängigen Kettenschaltungen kompatibel, sie verbessert auch die Schaltperformance, da der „Umwerfer“, der streng genommen gar keiner ist, unter sehr hoher Last sehr präzise und schnell betätigt werden kann. Die Schaltung an der Nabe erfolgt elektronisch, beim Testrad von Rose via elektronischer Shimano GRX Di2 wie gewohnt am Schalthebel. Beim Vagabund-Gravelbike kommuniziert ein externer Schaltknopf am Dropbar mit der via Micro-USB-Port aufladbaren Classified-Steckachse (Smart Thru Axle), um den Schaltprozess direkt an der Getriebenabe einzuleiten. Das Nabendesign stellt besondere Anforderungen ans Laufrad. Daher können Sie das Classified-System nicht mit jedem x-beliebigen Laufrad kombinieren, sondern müssen neben dem Schaltsystem auch ein Hinterrad-Laufrad der Niederländer erwerben. Das System kostet 2399 Euro.

Sie haben bereits mehr als 6000 Kilometer mit dem neuen Classified-System abgespult. Können Sie uns Ihre Eindrücke schildern?

Es ist vom ersten Schaltvorgang an ein ganz anderes Gefühl, wenn man vom kleinen aufs große Blatt wechselt – oder umgekehrt. Neu ist: Man kann, ohne den üblichen halben Tritt auszulassen, unmittelbar den Gang wechseln. Ich habe schon unabsichtlich mit rund 1400 Watt den Schaltvorgang eingeleitet. Mir gefallen die Ästhetik der neuen Nabe und das sehr direkte Schaltgefühl.

Welche Vorteile bringt das neue Schaltsystem Ihrer Ansicht nach?

Ich denke, das Classified-System wird ein Gamechanger in puncto Aerodynamik, also speziell im Zeitfahren, weil dort die aerodynamischen Vorteile durch den fehlenden Umwerfer überwiegen. Das trifft auch auf Klassikerrennen und Sprints zu. Und beim welligen Zeitfahren, wo man ein kleines Blatt benötigt, dürfte das neue System ebenfalls im Vorteil sein.

Wären Sie noch als Profi aktiv und hätten die Wahl: Für welches Antriebssystem würden Sie sich Stand heute entscheiden?

Wenn ich als aktiver Radprofi die Möglichkeit gehabt hätte, wäre ich gern mit Classified in die Rennen gegangen.

TECHNISCHE DATEN

Preis: 2999 Euro (Serienmodell mit Rudy-Federgabel)

Rahmen: Carbon

Federgabel: Rockshox Rudy AXS, 40 mm (735 Euro)

Schaltgruppe: Sram Red Etap AXS, 1x 12 mit Eagle-Schaltwerk, 40 Zähne vorn, 10-50 Zähne hinten

Laufräder: Zipp 101 (1840 Euro)

Reifen: Zipp G40, 28 Zoll, 40 Millimeter

Sattelstütze: Rockshox Reverb AXS (599 Euro)

CANYON GRIZL CF

XPLR im Abenteuermodus

Mit der XPLR-Serie (sprich: explore) hat der US-Komponentenhersteller Sram erstmals eine speziell für den Gravelsport entwickelte Produktlinie vorgestellt. Dazu gehören nicht nur Schaltkomponenten von Sram, sondern auch Dämpfungselemente von Rockshox sowie Reifen, Laufräder und Lenker von Zipp.

Die XPLR-Welt ist kein geschlossenes System für den einen Einsatzzweck. Genau wie das Gravelbiken selbst lassen sich die jeweiligen Teile für unterschiedliche Spielarten des Gravelns nutzen. Für unseren Test haben wir von Sram deshalb zwei mögliche XPLR-Set-ups bekommen: einen geländeorientierten Komponentenmix am Canyon Grizl und einen Rennaufbau am Santa Cruz Stigmata. Zwei extreme Ausprägungen, zwischen denen viel Spielraum ist.

Das Gelände-Grizl treibt ein Einfach-Kettenblatt an (40 Zähne), am Hinterrad steuert das Eagle- Mountainbike-Schaltwerk eine 10-50-Zähne (!)-Kassette an. Alles funkelektronisch.

Über Funk wird auch die absenkbare Sattelstütze bewegt. Die Idee dahinter: Auf der höchsten Stufe sitzt man auf der Reverb wie auf einem Rennrad. Senkt man die Sattelstütze ein bis zwei Zentimeter ab, ergibt sich eine etwas entspanntere, tiefere Position für mehr Kontrolle im Gelände. Dann ist die Reverb auch nicht mehr starr, sondern dämpft Stöße auf ruppigem Untergrund. Geht es zuletzt auf einen Trail, kann man die Reverb-Sattelstütze wie bei einem Mountainbike komplett absenken.

Noch mehr Komfort bringt die Rudy-Federgabel. Kein Federweg wie bei einem Cross-Country-MTB, dafür ein Dämpfer, der grobe Unebenheiten im Boden zuverlässig schluckt.

Fazit: Sram zeigt, was alles möglich ist, die Technik begeistert und funktioniert tadellos. Die Frage ist nicht, ob man das braucht, sondern inwieweit diese XPLR-Komponenten das Wesen von Gravelbikes in den kommenden Jahren beeinflussen.

www.bike-bild.de/xplr

POSITIV

+ ausgereifte Technik

+ mehr Komfort im

+ Gelände großer Fahrspaß

NEGATIV

- kostspielig

SANTA CRUZ STIGMATA

XPLR im Rennmodus

Am Santa Cruz sind die XPLR-Komponenten etwas weniger offensichtlich. Die Laufrad-Reifen-Kombination von Zipp sticht zuerst ins Auge und sorgt schon beim ersten Antritt für Geschwindigkeit und Leichtlauf.

Die eigentliche Neuheit ist die XPLR-Schaltgruppe: Das Zwölffach-Schaltwerk der Force-Serie kann die extraweite Kassette mit maximal 44 Zähnen ansteuern, vorn kann man Kettenblätter mit 38 bis 46 Zähnen fahren. Damit bringt Sram weitere mögliche Übersetzungsoptionen auf den Gravel-Markt, wo sich schon zahllose Mountainbike-, Cyclocrossund Rennrad-Antriebskomponenten in verschiedensten Kombinationen und Bandbreiten tummeln.

Interessant überdies, dass der US-Hersteller für diesen Einsatz Direct-Mount-Kettenblätter verwendet: Das Kettenblatt wird wie eine Ritzelscheibe oder eine Centerlock-Bremsscheibe direkt auf die Kurbelwelle gesetzt und nicht wie gewohnt mit einer Vier-Loch-Spinne verschraubt.

Fazit: Das XPLR-Ökosystem hat am Santa Cruz ein schnelles und dennoch vielseitiges Set-up hervorgebracht. Perfekt, um Rennen auf unterschiedlichsten Untergründen zu bestreiten.

POSITIV

+ präzise Elektronik

+ Gravel-Übersetzung

NEGATIV

- neue Standards oft inkompatibel mit alten Komponenten

TECHNISCHE DATEN

Preis: 5575 Euro (Serienmodell mit Sram Force)

Rahmen: Carbon

Schaltgruppe: Sram Force AXS, 1x 12, 40 Zähne vorn, 10 bis 44 Zähne hinten

Laufräder: Zipp 303S (1100 Euro)

Reifen: Zipp G40, 28 Zoll, 40 Millimeter

Bremsen: Sram, hydraulische Scheibenbremsen, 160 mm