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ANGST MACHER: SCHUSSSCHEUE – ANGEWÖLFT ODER ANERZOGEN?


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 07.03.2019

Auf Prüfungen fallen immer wieder schussempfindliche oder schussscheue Hunde auf. Viele davon haben aber keine Wesensschwäche. Theodor Heßling zeigt, welche Fehler Hundeführer bei jungen Hunden vermeiden können.


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Foto: Desiree Schwers/shutterstock ,

Nach Angaben des Jagdgebrauchshundverbandes (JGHV) sollen fünf Prozent der Hunde die Wesensschwäche Schussscheue aufweisen (Veröffentlichung der Jägervereinigung Ulm, 2015). Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, da schussempfindliche Vierläufer meist gar nicht auf Prüfungen vorgestellt und somit nicht erfasst werden. Seit Generationen findet bei ...

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Nach Angaben des Jagdgebrauchshundverbandes (JGHV) sollen fünf Prozent der Hunde die Wesensschwäche Schussscheue aufweisen (Veröffentlichung der Jägervereinigung Ulm, 2015). Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, da schussempfindliche Vierläufer meist gar nicht auf Prüfungen vorgestellt und somit nicht erfasst werden. Seit Generationen findet bei Jagdhunden eine Selektion statt, um diese Phobie zu verringern, dennoch tritt immer wieder Schussempfindlichkeit oder -scheue auf. Diese ist zum Teil angewölft, zum Teil aber auch selbst gemacht. Auch Vierläufer, die im heimischen Revier während der Jagdausübung kein negatives Verhalten bei der Schussabgabe zeigen, können bei einer Prüfung anders reagieren – ein häufiger Grund für Unstimmigkeiten zwischen Hundeführern und Prüfern. Schussempfindlich sind Hunde vor allem aufgrund ihres – angewölften – sensiblen Wesens oder falscher Prägung. Einige Rassen neigen vermehrt zu dieser Phobie. Werden Vierläufer angepasst konditioniert, lässt sie sich meist beheben oder kommt gar nicht erst auf.

Was bedeutet Schussscheue?

(in Anlehnung an die JGHV-Kriterien)

Schussfest: Keinerlei negative Reaktion, keine Beeinträchtigung der Arbeit des Hundes

Leicht schussempfindlich: Ein Hund mit erkennbarer, allgemeiner Einschüchterung, ohne dass die Weiterarbeit gestört ist

Schussempfindlich: Ein Hund, der unter Zeichen der Ängstlichkeit Schutz bei seinem Führer sucht oder negativ beeindruckt die Weiterarbeit verweigert, aber innerhalb einer Minute seine Arbeit (Suche) wieder aufnimmt

Stark schussempfindlich: Ein Hund, der unter Zeichen der Ängstlichkeit Schutz bei seinem Führer sucht oder negativ beeindruckt die Weiterarbeit verweigert und erst nach mehr als einer Minute seine Arbeit wieder aufnimmt

Schussscheu: Ein Hund, der – statt bei seinem Führer Schutz zu suchen – wegläuft und sich damit der Einwirkung seines Führers und der Arbeit entzieht

Ein Hund, der bei seinem Führer Schutz sucht, wird je nach Dauer der Arbeitsverweigerung als schussempfindlich oder stark schussempfindlich bezeichnet.


Foto: Annette Schmitt

Soll der Vierläufer während der Jagd unter dem Sitz abgelegt werden, ist das Training mithilfe einer zweiten Person sinnvoll. Zuvor muss aber feststehen, dass der Hund auch schussfest ist.


Foto: Theodor Heßling

Vermeidbare Fehler: Wird während der Ausbildung in der Nähe eines ruhenden Hundes geschossen, nimmt dieser den Knall extremer wahr als ein Vierläufer, der in weiterer Entfernung von einem Hundeführer eine Suche absolviert. Der in direkter Nähe abgegebene Schuss kann ein „Knalltrauma“ auslösen.

Aus organisatorischen Gründen werden auch heute noch immer Hunde angeleint neben dem Führer abgelegt und in der „Gruppenarbeit“ auf die Schussfestigkeit überprüft. Das erschwert die Aufgabe. Fehler passieren auch bei der Wasserarbeit, wenn ein Vierläufer auf einen zu apportierenden Gegenstand zuschwimmt und gleichzeitig geschossen wird. Es ist durchaus möglich, dass der noch nicht ganz durchgearbeitete Hund direkt nach einem Schuss abdreht und nicht mehr dazu zu bewegen ist, erneut ins Wasser zu gehen. Auch sollte nicht in geschlossenen Kanzeln geschossen werden. Der Schall und die Druckwelle können sich hier besonders negativ auf das Verhalten des Hundes auswirken.

Es empfiehlt sich, zu Beginn der Ausbildung nicht gleich mit einer hohen Treibladung zu arbeiten, sondern möglichst mit leichterer Munition zu beginnen. Auch die Haltungsumstände des Vierläufers spielen eine Rolle: Zwingerhunde, die nur Revier und Hof kennen, oder solche mit wenig allgemeinen Sozial- oder Fremdkontakten sind häufig übersensibel. Umgekehrt können auch überbehütete Vierläufer sehr schnell schreckhaft werden.

Bei der Gewöhnung an den Schuss sollte der Hund anfänglich mindestens 100 Meter vom Schützen entfernt sein und möglichst gemeinsam mit anderen Vierläufern laufen, die schussfest sind. Dadurch ist die Schallwelle nicht so groß für den Auszubildenden, und die anderen Hunde geben ihm Sicherheit, da sie nicht negativ auf den Schuss reagieren.

Die Umkonditionierung eines schussempfindlichen oder -scheuen Hundes erfordert sehr viel Zeit, Geduld sowie Wissen und Feingefühl. Vertrauen zum Führer muss dabei neu aufgebaut und die vorhandenen Triebanlagen des Jagdhundes genutzt werden. Die Schussreize dürfen auf keinen Fall zu häufig trainiert werden, sonst wird die Phobie verstärkt. Ein Schuss sollte höchstens alle drei Tage während der freien Suche des Vierläufers – möglichst noch im Beisein eines anderen schussfesten Hundes – abgegeben werden.

Für viele Vierläufer ist es bereits ein Problem, wenn der Hundeführer ein Gewehr trägt. Der Hund verknüpft oft den Knall mit der Flinte oder Büchse und zeigt beim Anblick ein Angstverhalten. Dies kann aufgelöst werden, wenn der Führer bei jedem Gassigang im Revier die ungeladene Waffe mitnimmt und so einen positiven Reiz schafft.

Auch das Erlegen von sichtig flüchtendem Raubwild kann die Angst vermindern oder gar auflösen. Dabei rückt für den Hund der Aggressionstrieb und das Beuteverhalten in den Vordergrund. Bei allen Lösungsansätzen ist zu beachten, dass anfänglich nur ein Schuss abgegeben wird. Selbst bei positiver Reaktion sollten nicht mehrere Schüsse in kurzen Abständen abgegeben werden.

Wird der Hund mit auf die Kanzel genommen, ist er einer hohen Geräuschbelastung durch den Schuss ausgesetzt. Besonders in geschlossenen Kanzeln bricht sich der Schall im Inneren.


Als vorbeugende Maßnahme kann auf der geschlossenen Kanzel ein Gehörschutz verwendet werden. Dies erfordert selbstverständlich eine vorherige Gewöhnung, denn nicht jeder Vierläufer findet sich sofort damit ab, einen solchen zu tragen.

Hunde, die bei Schussabgabe unter der Kanzel abgelegt sind, müssen diese Aufgabe erst erlernen. Auch hier ist eine vorab festgestellte Schussfestigkeit unabdingbar. Verweigert er sich, ist das eher dem Ungehorsam als der Schussempfindlichkeit geschuldet und kann durch unterschiedliche Ausbildungsstufen im Schuss günstigenfalls mit Einsatz einer Hilfsperson konditioniert werden. Hierbei ist die Reaktion des Hundes auf den Schuss genau zu beobachten. Der Vierläufer darf weder schussempfindlich noch schusshitzig reagieren, sondern soll lernen, sich jagdlich angepasst ruhig zu verhalten.

Ein gutes Hilfsmittel ist auch der „Dummy Launcher“, ein Einstecklauf für die Flinte, mit dem Dummys unterschiedlich weit und mit verschieden starken Treibladungen abgeschossen werden können. Hier wird der natürliche Spiel- und Beutetrieb eines Hundes genutzt. Bevor der „Dummy Launcher“ zum Einsatz kommt, wird der Hund spielerisch auf den Dummy konditioniert, indem dieser mehrfach von Hand geworfen wird. Der Vierläufer muss bei maßvollem Spiel aufgeregt und freudig auf das Werfen des Dummys reagieren. Erst dann sollte die Arbeit mit einer geringen Treibladung, die stufenweise erhöht wird, beginnen. Auch hier kann unter Umständen der Spiel- und Beutetrieb in Zusammenarbeit mit einem anderen schussfesten Hund gefördert werden.

Ein sinnvolles Hilfsmittel zum Training ist der sogenannte „Dummy Launcher“, der mit verschiedenen Ladungen unterschiedlich weit und laut Dummies wirft. In dem gezeigten Fall wird der Junghund durch einen erfahrenen schussfesten Hund begleitet.


Fotos: Theodor Heßling

Ein speziell für Hunde entwickelter Gehörschutz ist der „Mutt Muffs“. Er ist ab 59 Euro in verschiedenen Größen erhältlich und bietet geräuschempfindlichen Vierläufern Schutz.


Foto: Hersteller

Bei sachgerechter Förderung und Ausbildung werden genetisch bedingt schussempfindliche oder -scheue Jagdhunde nur sehr selten in Erscheinung treten. Sollte das doch der Fall sein, darf ein Hund mit einer derartigen Wesensschwäche nicht zur Zucht verwendet werden. Ebenso wie ein Hund mit fehlender Wildschärfe nicht im Jagdbetrieb eingesetzt werden kann.

Foto: Archiv

SEMINARTIPP: Fehler beheben beim Jagdhund

Referent: Theodor Heßling

Termin: 1. Juni 2019, 10 bis 17 Uhr

Ort: 26939 Ovelgönne

Preis: 169 Euro(für Abonnenten 149 Euro)

Das Seminar richtet sich an Jagdhundetrainer oder interessierte Hundeführer. Probleme in der Jagdhundearbeit treten schnell auf und können sehr verschieden und vielfältig sein. Sei es die Verweigerung auf der Schleppe, Schussempfindlichkeit am Wasser oder an Land, kein Interesse an der roten Fährte, um nur einige Beispiele zu nennen. Alles Schwierigkeiten, mit denen Jagdhundetrainer konfrontiert werden können. Profitieren Sie vom Erfahrungsschatz des Hundeexperten. Heßling gibt Lösungsansätze und beleuchtet den systematischen Aufbau der Ausbildung sowie die Auswahl von Ausbildungshilfsmitteln und deren Anwendung.

Infos:pareyshop.de/seminare