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ANLEHNUNG: Ein feiner BALANCE AKT


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 14.09.2018

Bestimmte Begriffe sind in der Reiterwelt zwarin aller Munde , dennoch werden sie häufigfalsch verstanden oder vermittelt. Ganz vorne dabei:die Anlehnung . Warum Anlehnung nicht nur auf den Kopf-Hals-Bereich des Pferdes begrenzt ist undwelche Rolle dabei das Gleichgewicht spielt , erklärt Dressurausbilder Ronald Roelans


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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 100/2018

Eine feine Verbindung zum Pferdemaul muss systematisch erritten werden. Auf den Bildern zu sehen: Marielle Lava mit dem neunjährigen Wallach Bellissimo Bill, ausgebildet von Ronald Roelans, auf der Reitanlage Gestüt Frielinghausen der Familie Heitz in Lindlar.


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RONALD ROELANS ist Pferdewirtschaftsmeister und Inhaber des Goldenen Reitabzeichens. 1978 kam der Belgier ins Rheinland und lernte unter anderem bei Paul Beck und Major Stecken. Nach vielen erfolgreichen Jahren im Turniersport und der Leitung eines eigenen Ausbildungsstalls konzentriert sich Ronald Roelans heute auf die Förderung einzelner Pferde und Reitschüler.

Der Duden definiert Anlehnung als: „das Sichstützen“ oder „Halt“. Weiter heißt es: „ Anlehnung an jemand Stärkeren, Größeren suchen oder finden“. So könnte man denken, das Pferd stütze sich also auf die Hand des Reiters und suche Halt. Anlehnung bekommt in diesem Fall das Image eines Kraftaktes, bei dem die Stärke des Reiters eine entscheidende Rolle spielt. Um diesen falschen Vorstellungen einen Riegel vorzuschieben, ist es wichtig, sich mit der Reitlehre auseinanderzusetzen. Die FN definiert Anlehnung als eine „stete, weich-federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul.“ Nimmt man nun die Begriffe „Kommunikation“ und „Kontakt“ hinzu, dann wird langsam klar, dass Anlehnung nicht mit einem konstanten Druck am Zügel verwechselt werden darf. „Eine korrekte Anlehnung kann nicht einfach durch Handeinwirkung erzwungen werden und ist nicht begrenzt auf den Kopf-Hals-Bereich des Pferdes“, betont der Dressurausbilder Ronald Roelans. „Kontakt entsteht, wenn das Pferd im Gleichgewicht ist, aktiv mit der Hinterhand untertritt, über den Rücken schwingt und an das Gebiss herantritt. Anlehnung erreite ich von hinten nach vorne.“ Die Energie und der Schwung der Hinterhand werden also über den Pferderücken und das Maul an den Reiter weitergegeben.

Reiten mit System

Anlehnung ist der dritte Punkt der Ausbildungsskala. Ihr voran gehen Takt und Losgelassenheit. Es folgen Schwung, Geraderichtung und Versammlung. Alle sechs Punkte beeinflussen sich gegenseitig und führen zu einer sich immer weiter entwickelnden Durchlässigkeit und einem immer sicher werdenden Gleichgewicht des Pferdes. Grundvoraussetzung für eine korrekte Anlehnung sind also Takt und Losgelassenheit. Doch auch die folgenden Punkte beeinflussen den Kontakt zum Pferdemaul. Ist das Pferd beispielsweise nicht geradegerichtet oder fehlt es an Schwung, dann spiegelt sich das in der Anlehnung wieder. Da die Skala nicht nur als Struktur für die Ausbildung des Pferdes dient, sondern auch einen Leitfaden für jede einzelne Trainingseinheit darstellt, ist eine Betrachtung der einzelnen Punkte für ein tieferes Verständnis der Anlehnung nötig. Die Basis jeder weiteren Ausbildung ist der Takt in allen drei Grundgangarten. Damit sich ein Pferd losgelassen unter dem Reiter bewegen und ihn tragen kann, muss sich die Muskulatur an- und abspannen können. Dabei arbeiten die einzelnen Muskeln in sogenannten Muskelfunktionsketten. Ein gleichmäßiges Anund Abspannen aller Muskeln ist jedoch nur möglich, wenn der Takt gesichert ist.

Den Grundstein legen

Über den geregelten Takt und die entsprechende Zusammenarbeit der Muskelfunktionsketten kann der Reiter das Pferd zu einer Dehnungsbereitschaft bringen. In diesem Moment ist es möglich, das Pferd von hinten nach vorne an das Gebiss heranzutreiben und dadurch den Grundstein für eine feinfühlige Anlehnung zu legen. Diese ist wiederum Voraussetzung für die weitere Ausbildung. Im Idealfall sucht das Pferd den Kontakt zur Hand, und der Reiter gestattet diesen. Anlehnung variiert sowohl im Laufe der Ausbildung als auch innerhalb einer Trainingseinheit. Ronald Roelans erklärt: „Ein junges Pferd lasse ich zunächst mit einer leichten Verbindung den Takt finden. Dabei darf die Hand die Remonte nicht stören. Erst wenn das Pferd gelernt hat, sich unter dem Reiter auszubalancieren, und anfängt zu schwingen, kann eine gute Anlehnung entstehen.“ Gleichgewicht ist etwas, dass sich entwickeln muss. Regelmäßige Pausen, ein abwechslungsreiches Training und ein Gespür des Reiters für Kraft, Ausdauer und Konzentration des Pferdes sind dabei wichtig. Leider sieht man immer wieder Reiter, die versuchen, das Pferd durch eine entsprechende Einwirkung im Gleichgewicht zu halten. Doch eine starke Hand führt nicht zu einer guten Anlehnung, sondern bringt weitere Probleme mit sich. Führen Sie sich also immer wieder vor Augen, dass Anlehnung Zeit braucht und systematisch erritten werden muss.


„ANLEHNUNG IST IMMER MIT GLEICHGEWICHT VERBUNDEN.“
Ronald Roelans


Die Energie und der Schwung der Hinterhand werden über den Pferderücken und das Maul an den Reiter weitergegeben


In kleinen Schritten zum Erfolg

Die Anlehnung muss und kann nicht immer konstant sein, besonders in der Gewöhnungsphase. Kurze Phasen, in denen das junge Pferd im Gleichgewicht ist und den Kontakt sucht, sind immer ein Erfolg. Schließlich muss auch das Pferd erst lernen, was von ihm verlangt wird, und die entsprechenden physischen und psychischen Voraussetzungen mitbringen, um in konstanter Anlehnung zu gehen. Ronald Roelans unterscheidet generell zwischen drei Arten von Anlehnung: „Ideal ist eine gleichmäßige, leichte Anlehnung. Sie ist zwar leicht, aber stetig. Eine besonders leichte Anlehnung ist hingegen manchmal auch unbeständig.“ Zu wenig Kontakt kann dazu führen, dass die Verbindung fehlt, um das Pferd von hinten nach vorne über den aufgewölbten Rücken in die Hand hineinschwingen zu lassen. „Du kannst die Hinterbeine deines Pferdes nur dann beeinflussen, wenn du sie auch in deiner Hand hast“, sagt der Dressurreiter gerne zu seinen Schülern. Bei einer starken Anlehnung hat das Pferd diese nicht vertrauensvoll gesucht und gefunden, sondern der Reiter hat die Kopf-Hals-Haltung mit der Hand beeinflusst. Leider sieht man nicht wenige Reiter, die sich darauf konzentrieren, den Kopf des Pferdes mithilfe der Zügel in eine bestimmte Position zu bringen und ihn dort zu halten. So wird Reiten zum Kraftakt, und eine reelle Anlehnung rückt in weite Ferne.

Eine Frage des Exterieurs

Während sich manche Pferde mit feinen Hilfen in konstanter Anlehnung reiten lassen, fällt es bei anderen schwer, eine gleichmäßige, leichte Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul aufzubauen. „Die Anlehnung wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst und kann von Pferd zu Pferd unterschiedlich aussehen“, sagt unser Experte. Lassen wir zunächst Sitz und Einwirkung des Reiters außen vor. „Eine sehr große Rolle spielt das Exterieur des Pferdes“, so Ronald Roelans. Denken Sie beispielsweise einmal an den Halsansatz und die Ganaschenfreiheit: Ein Pferd mit einem eher kurzen, dicken Hals wird die Stirn-Nasen-Linie in korrekter Anlehnung eher deutlich vor als an der Senkrechten haben müssen. Einem überbauten Pferd, das von Natur aus vermehrt auf die Vorhand fällt, wird eine konstante Anlehnung schwerfallen, da die Hinterhand nicht aktiv untertritt und die Balance fehlt. Neben dem Körperbau beeinflusst also auch das Wachstum die Anlehnung. Beide Faktoren bestimmen zudem den Ausbildungsweg mit. Fällt das Pferd auf die Vorhand, dann müssen die Ursachen gefunden und daran gearbeitet werden. Erst wenn sich Takt, Losgelassenheit und Balance verbessert haben, wird sich auch der Kontakt zum Pferdemaul bessern. Exterieurbedingte Probleme lassen sich bis zu einem gewissen Grad reiterlich beeinflussen, dennoch setzt der Körperbau dem Pferd auch Grenzen, die erkannt und beachtet werden müssen.

Sowohl das Interieur und Exterieur des Pferdes als auch die Ausrüstung, wie das Gebiss, können die Anlehnung beeinflussen


Bellissimo Bill bleibt beim Überstreichen im Trab in guter Selbsthaltung und folgt vertrauensvoll der Reiterhand. Takt und Tempo bleiben erhalten


Für das Foto gestellt: Bei zu starker Handeinwirkung kommt das Pferd beim Überstreichen aus dem Gleichgewicht und wird eng im Hals


Im Vorwärts-Abwärts soll das Pferd weiter aktiv mit der Hinterhand untertreten und den Hals fallen lassen, ohne sich auf den Zügel zu legen


Für das Foto gestellt: Billy kommt zu tief, fällt auf die Vorhand und tritt weniger aktiv mit der Hinterhand unter


Eine korrekte Dehnungshaltung in guter Anlehnung und Selbsthaltung


Auch die inneren Werte zählen

So mancher Schleifensammler auf dem Turnier hat es auch ohne das perfekte Exterieur geschafft. Zum Glück spielen nämlich auch Interieur und Temperament des Pferdes eine Rolle. Selbst wenn ein Pferd nicht mit den besten Gängen ausgestattet ist und mit dem ein oder anderen Gebäudefehler das Viereck betritt, kann es motiviert und in korrekter Anlehnung eine Prüfung absolvieren und dabei glänzen. Ist das Pferd hingegen eher phlegmatisch, schreckhaft oder unkonzentriert, dann spiegelt sich das auch in der Anlehnung wieder. Ronald Roelans erinnert sich an die Anfänge mit seinem Ausbildungspferd Bellissimo Bill. Der als Hengst aufgezogene Oldenburger-Wallach kam fünfeinhalbjährig zu ihm. „Er hat einen sehr starken Charakter, ist selbstbewusst und neugierig“, so der Dressurreiter. „Als Jungpferd ist er gerne mal seinen eigenen Weg gegangen, beispielsweise wenn er etwas Interessantes gesehen hat. Dann war die Konzentration dahin und damit auch die gute Anlehnung.“ Für Ronald Roelans war es wichtig, nicht mit Billy zu kämpfen, sondern Kompromisse einzugehen und langsam auf die korrekte Anlehnung hinzuarbeiten. „Ich möchte nicht den Charakter des Pferdes brechen, sondern einen Ausbildungsweg wählen, der langfristig zum Ziel führt.“ Billy hat erfolgreich alle Jungpferdeprüfungen bis zur Klasse M gewonnen und war achtjährig Jungpferde-S-platziert. Ronald Roelans arbeitet mit dem heute neunjährigen Wallach weiter an der sportlichen Laufbahn.

Veranlagung und Erfahrungen

Je nach sportlicher Veranlagung des Pferdes, wird es ihm leichter oder schwerer fallen, aktiv mit der Hinterhand unterzutreten und über den Rücken in die Hand des Reiters zu schwingen. Dennoch ist eine gute Veranlagung kein Freifahrtschein für eine Ausbildung ohne System. Unabhängig davon, wie talentiert ein Pferd ist und wie gut es sich unter dem Reiter bewegt, Takt und Losgelassenheit stehen immer an erster Stelle. Doch auch das talentierteste Pferd kann durch schlechte Erfahrungen das Vertrauen zur Reiterhand verlieren. So kann eine harte Einwirkung dazu führen, dass sich das Pferd hinter dem Zügel verkriecht oder widersetzlich wird. Anlehnung hat auch immer mit Vertrauen zu tun. Verbindet das Pferd den Kontakt zur Reiterhand mit Schmerzen und Angst, dann wird es weder im Takt gehen, noch loslassen können.

Nicht immer ist daran ein Reiterfehler schuld. Auch ein unpassendes Gebiss oder eine zu eng verschnallte Trense verhindern eine gute Anlehnung. „Das Gebiss muss zum Pferd passen und darf weder zu hoch, noch zu tief verschnallt sein“, erklärt Ronald Roelans. „Dabei kann es sein, dass ein Pferd im Laufe der Ausbildung verschiedene Gebisse braucht. Manchmal muss man einfach ausprobieren und sich Zeit lassen.“

Die Einwirkung des Reiters

„Letztendlich wird die Anlehnung vom Reiter beeinflusst“, sagt Ronald Roelans und erklärt: „Wenn der Reiter nicht unabhängig von der Hand sitzen kann, ist keine stetige, leichte Verbindung zum Pferdemaul möglich.“ Reitschülern wird oft beigebracht, das Pferd aktiv beizuzäumen. Während des Unterrichts wird die Einwirkung mit Hand und Kreuz erklärt, während der Schüler weit davon entfernt ist, ausbalanciert zu sitzen und feine Hilfen zu geben. So wird Anlehnung schnell mit Zügelspannung verwechselt, doch anhaltender Druck führt früher oder später zum Gegenhalten oder zu Widersetzlichkeiten. Es kommt Frust auf, und den weiteren Verlauf kann man sich denken. Doch wie kann man das Gefühl für die richtige Anlehnung erlernen? Die besten Lehrmeister sind meist ausgebildete Pferde und ein guter Trainer, der unterrichtet. „Anlehnung soll sich für Pferd und Reiter gut anfühlen“, betont unser Experte. „Die Zügel dienen dabei zur Kommunikation und nicht als Zwangsmittel.“ Denken Sie an eine Lektion, die Sie gelernt haben, zum Beispiel das Schenkelweichen. Durch das einfache Lesen einer Beschreibung werden Sie vielleicht erste Schritte reiten können, aber Sie wissen nicht, wie sich ein flüssiges Schenkelweichen in korrekter Haltung anfühlt. Sie müssen Bewegungsabläufe verinnerlichen und wissen, wann Hilfen verstärkt oder verfeinert werden. Ähnlich ist es mit der Anlehnung: Wer nicht weiß, wie sich eine leichte, stetige Verbindung anfühlt, versucht, einen unbekannten Zustand herzustellen.

Ein feiner Kontakt zum Pferdemaul ist nur möglich, wenn der Reiter unabhängig von der Hand sitzen kann


Für das Foto gestellt: Eine korrekte Anlehnung kann nicht durch Handeinwirkung erzwungen werden


DIE SKALA DER AUSBILDUNG

Sie ist das Herzstück der klassischen Reitlehre und dient nicht nur als Leitfaden für die gesamte Ausbildung eines Pferdes, sondern auch als Orientierung für jede einzelne Trainingseinheit. Dabei beeinflussen sich alle sechs Punkte gegenseitig und sind nicht isoliert zu sehen. Die FN definiert die einzelnen Pun kte folgendermaßen:

Nachgeben und Annehmen

Wie viel Gewicht darf ich in der Hand haben? Diese Frage stellen sich viele Reiter, und sie lässt sich nicht wirklich beantworten. Ronald Roelans sagt seinen Schülern dann: „Ein gesundes halbes Kilo. Das kann manchmal nur 200 Gramm und kurz auch mal mehr sein.“ Der Ausbilder gibt zu bedenken, dass man sich nicht nur auf das Annehmen konzentrieren sollte. Er erinnert sich an einen Satz eines seiner Lehrmeister, Paul Stecken: „Ich spreche bewusst nicht von annehmenden und nachgebenden Zügelhilfen, sondern von nachgebenden und annehmenden, denn das Annehmen hat noch nie jemand vergessen.“ Die Intensität der Anlehnung kann innerhalb des Trainings und innerhalb einzelner Lektionen variieren. „Wenn ich einen Übergang reite, und mein Pferd nimmt die Hilfen nicht richtig an, dann verstärke ich den Kontakt zum Maul nicht, um den Kopf in eine Position zu bringen, sondern um mein Pferd vorwärts einzurahmen und die Parade vorzubereiten“, sagt Ronald Roelans. „Ich verstärke den Zügeldruck also nur kurz, bleibe aber mit der Hand nicht starr oder ziehe. Würde ich die starke Anlehnung halten, ohne nachzugeben, dann müsste ich für den nächsten Übergang unter Umständen noch mehr Kraft aufwenden, was nicht Sinn der Sache ist.“ Paul Stecken hat dazu gesagt: „Geben Sie nach, damit Sie wieder annehmen können. Wenn Sie nicht nachgeben, haben Sie bald nichts mehr zum Annehmen.“

Wenn der Kontakt fehlt

Wenn sich ein Pferd hinter dem Zügel verkriecht und jeder Verbindung zur Reiterhand aus dem Weg geht, kommt keine Anlehnung zu Stande. Viele Pferde werden dabei auch noch regelrecht phlegmatisch und gehen nicht mehr vorwärts. „Wenn ich die Hinterbeine nicht in der Hand habe, kann ich sie auch nicht nach vorne bewegen“, erklärt Ronald Roelans und fügt hinzu: „Es ist kontraproduktiv, ein Pferd planlos vorwärts reiten zu wollen. Ich kann es nicht an die Hand heranreiten, wenn die Verbindung fehlt.“ Der Ausbilder empfiehlt Übergänge und lösende Übungen, die das Pferd dazu bewegen, das Gleichgewicht zu verändern und in Balance zu kommen. „Im richtigen Gleichgewicht nimmt das Pferd vermehrt Gewicht auf der Hinterhand auf, die Kruppe senkt sich, ich bekomme eine höhere Aufrichtung und eine feinere Anlehnung, weil sich das Pferd von selbst besser trägt.“ Dabei gilt es zu beachten, was in der jeweiligen Trainingseinheit vom Pferd gefordert werden kann, ohne dass es überfordert wird. In korrekter Anlehnung zu bleiben ist für manche Pferde anfangs nur kurz möglich.

Die Anlehnung im Vorwärts-Abwärts

„Egal ob ich ein Pferd tief oder in Aufrichtung, mehr vorwärts oder versammelt reite – es muss im Gleichgewicht sein und darf nicht vom Reiter festgehalten werden“, betont unser Experte. Die Stirn-Nasen-Linie sollte dabei an oder leicht vor der Senkrechten sein und die Nase des Pferdes nicht tiefer als auf Höhe des Buggelenks. „Damit das Pferd im Gleichgewicht gehen kann, darf der Widerrist nicht tiefer als die Hüfte sein, sonst läuft es regelrecht auf der Schulter, kann nicht mehr aktiv untertreten und sich nicht selbst tragen“, beschreibt Ronald Roelans. Um Verspannungen vorzubeugen, können unterschiedliche Halslängen geritten werden. Nach vermehrter Aufrichtung ist ein entspanntes Dehnen sinnvoll. Bei jungen Pferden sollten die Reprisen kurz sein und regelmäßige Pausen eingelegt werden. Ein gutes Mittel, um die Selbsthaltung des Pferdes zu überprüfen ist das Überstreichen. In diesem Moment zeigt sich auch, ob der Reiter unabhängig von der Hand sitzt und das Pferd im Gleichgewicht ist. Dabei werden beide Hände ruhig und gleichmäßig nach vorne Richtung Pferdekopf bewegt. Auch wenn die Anlehnung leichter wird, sollten Takt, Gleichgewicht, Schwung, Tempo und Selbsthaltung erhalten bleiben.

Anlehnung ist ein komplexes Thema und nicht in einem Artikel abzuhandeln. Halten Sie sich immer vor Augen, dass sich die Anlehnung nicht auf Kopf oder Maul beschränkt, und setzten Sie sich für ein tieferes Verständnis weiter mit der Anatomie und Biomechanik des Pferdes auseinander.

Für das Foto gestellt: Eine zu starke, durch die Hand erzwungene Anlehnung, bei der Pferd und Reiter nicht in Balance sind


Für das Foto gestellt: Eine zu leichte Anlehnung ist oft unbeständig und verhindert eine feine Verbindung zum Pferdemaul