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Anna, Dominik, Carolina, Saran, Sarah, Petra – für uns seid ihr Helden! „Ich pflege Alte – und zwar gern“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 40/2018 vom 28.09.2018

Ihr Traumjob hat ein schlechtes Image: Mäßig bezahlt, anstrengend, stressig, belastend. Warum sie sich trotzdem ganz bewusst für diesen Beruf entschieden haben, erzählen sechs junge Menschen hier. Und dabei geht einem das Herz auf!


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 40/2018

Einfach mal die Hand halten: Altenpflegerin Carolina nimmt sich Zeit für eine Bewohnerin


„Wenn Senioren aufblühen, das ist das Schönste“

Carolina Hellmich (26) ist seit 2017 examinierte Altenpflegerin, macht gerade in Mainz ihren Bachelor in Gesundheitsmanagement:

Mir war es wichtig, einen Job zu haben, in dem ich eng mit Menschen arbeiten kann, der mich körperlich und geistig ...

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... fordert. So wie meine Mutter es erlebt, sie ist auch Altenpflegerin. Ich bin auf 450-Euro-Basis angefangen, im Seniorenpflegeheim St. Bilhildis und wusste schnell: Das ist es. Dort betreue ich jetzt in erster Linie Demenzkranke. Klar, es sind Verbesserungen nötig, um den Beruf attraktiver zu machen. Doch da bewegt sich ja politisch gerade was. Ich habe auf jeden Fall meinen Traumberuf: Den Bewohnern ein würdevolles Zuhause zu geben, das erfüllt mich. Oft erlebe ich, wie sie sich von ihrer Krankheit erholen und noch einmal aufblühen. Das ist das Allerbeste!

„Wir geben ihnen ein Zuhause“

Saran Traore (37), Berlinerin mit Wurzeln in Guinea, steckt gerade im 2. Ausbildungsjahr:

• Seit ich denken kann, wollte ich alten Leuten helfen. In der Altenpflege kann ich genau das tun. Ich finde diese Arbeit wichtig und sie macht mich glücklich. In Guinea gibt es diesen Beruf nicht, da werden die Senioren zu Hause von der Familie gepflegt – meist bis zum Tod. Hier ist das selten der Fall. Umso wichtiger finde ich, dass diese Menschen – wenn sie schon kein Zuhause im eigentlichen Sinn mehr haben – sich in einem Pflegeheim wohlfühlen. Wir Altenpfleger sorgen im besten Fall dafür, dass sie noch schöne Jahre erleben dürfen. Darin sehe ich meine Aufgabe – und die gibt meinem Leben einen Sinn.

Zuhören: Pfleger Dominik von Stosch mit Bewohnerin Ingrid Haller


„Man kann so viel von den Bewohnern lernen“

Dominik von Stosch (27) ist im 2. Lehrjahr in einem Seniorenheim in Frankfurt:

Kfz-Bereich, Service-Kraft, Verkauf: Ich hatte schon viele Jobs. Doch immer hat mir was gefehlt. Dann kam ich zur Altenpflege. Das ist zwar auch eine Dienstleistung, aber sie berührt mein Herz! Es ist toll, was du mit den alten Menschen erlebst, und du kannst von ihnen lernen, zum Beispiel nicht so durchs Leben zu hetzen und auch auf die kleinen Dinge zu schauen. Ich bin echt glücklich! Viele denken, dass wir den Alten nur den Po abwischen – doch Intimpflege macht vielleicht fünf Prozent unserer Arbeit aus. Wir sind Arzt, Freund, Helfer, einfach alles für die Bewohner. Wenn ich sehe, dass sie sich wohlfühlen, dann ist das für mich der schönste Lohn!

Miteinander lachen: Sarah Rupsch und Bewohner Ernst Siering


„Ich liebe meine Arbeit – dabei kriege ich so viel zurück“

Sarah Rupsch (26) ist mit der Ausbildung fast fertig: Ab 1. Oktober ist sie examinierte Altenpflegerin in Frankfurt:

Erst wollte ich Arzthelferin werden, ging auf eine Berufsschule für Gesundheitswesen. Doch nach einem Praktikum im Altenheim habe ich umgesattelt. Mich hat es umgehauen, wie einem das Herz bei dieser Arbeit aufgeht. Man kriegt so viel zurück von den alten Menschen, sei es ein Lächeln, ein Händedruck oder einfach, dass man sieht, wie es einem Menschen viel besser geht als an dem Tag, als er ins Heim kam. Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit! Es macht mich so froh, was ich einem Menschen geben kann. Natürlich ist nicht jeder Bewohner immer guter Laune, aber man lernt, damit umzugehen. Diese Leute haben eine Geschichte, vielleicht Leid erlebt. Ihnen Respekt und Fürsorge zu geben ist für mich ein wichtiger Beitrag zur Gesellschaft. Auch deshalb braucht die Pflege mehr Anerkennung. Altenpflege ist so viel mehr als Waschen und Füttern.

„Eine größere Ehre kann ich mir nicht vorstellen“

Anna Wilhelmine Trost (20) ist im 2. Lehrjahr, arbeitet in einer Pflegeeinrichtung in Frankfurt:

• Die Leute denken nur deshalb schlecht über unseren Job, weil sie zu wenig darüber wissen. Ich habe bei einem Praktikum gemerkt, wie erfüllend Altenpflege sein kann. Einen alten Menschen auf seinem letzten Weg zu begleiten – eine größere Ehre gibt es nicht! Ich erlebe täglich, wie Bewohner mich dankbar anlächeln. Da weiß ich einfach, was ich tue, nämlich das Richtige. Eine Frau zum Beispiel konnte nichts mehr essen und trinken, wir mussten sie wochenlang mit verdickter Flüssigkeit ernähren. Doch wir haben ganz viel geübt – und jetzt kann sie das alles wieder. Wenn jemand stirbt und ich weiß, er hat noch am Tag vorher Späßchen gemacht, ist das ein gutes Gefühl für mich – denn ich war die ganze Zeit für ihn da. Mit meiner Arbeit entlaste ich auch Angehörige, die sich überfordert fühlen. Durch mich können sie abschalten, sich auch mal um sich selbst kümmern. Das alles gibt meinem Job Sinn. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen.

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FAKTEN-CHECK

→ Die Ausbildung zur examinierten Altenpflegekraft dauert drei Jahre. Voraussetzung: Realschulabschluss, erweiterter Hauptschulabschluss.

→ Das mittlere Einkommen beträgt ca. 2620 Euro brutto im Monat. Es gibt keine verbindlichen Tarifverträge.

→ Aktuell fehlen in Deutschland 25 000 Pflegekräfte.

→ Die Bundesregierung hat gerade das „Sofortprogramm Pflege“ verabschiedet: 13 000 neue Pflege-Stellen sollen eingerichtet werden, finanziert durch die Krankenkassen. Das Gesetz gilt ab 1. Januar 2019.

→ Infos zu Ausbildung und Jobs: www.campus-berlin.de www.schervier-altenhilfe.de www.ethiknetzwerkaltenpflege.de

Verständnis schaffen: Petra Börchers will Brücken zwischen Jung und Alt bauen


„Alte gehören in unsere Mitte – wie die Jungen“

Petra Börchers (39) beendet gerade ihr 1. Lehrjahr in einem Seniorenheim in Berlin:

•Schon mit 14 stand mein Berufswunsch fest, ich ging auf eine Sozialpflegeschule. Dann wurde ich schwanger. Über zehn Jahre habe ich als Helferin in der Altenpflege gearbeitet, dann bekam ich das Ausbildungsangebot. Die Arbeit macht mir Spaß. Es ist spannend, was die Senioren erzählen – wenn man sie lässt. Und es ist traurig, dass bei einem älteren Menschen oft nur noch die Erkrankung gesehen wird und nicht der Mensch, der er mal war. So geraten sie ins Abseits. Meine Erfahrung ist: Nimmt man sie ernst, in die Mitte, lässt sie mehr am Leben teilhaben – dann bringen alle viel mehr Verständnis füreinander auf.


Aufgezeichnet von: Claudia Kirschner; Fotos: Andreas Friese (2), Richard Rosicka (3), Sascha Kopp