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ANNA WINTOUR WIE TEUFLISCH IST SIE WIRKLICH?


Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 48/2018 vom 22.11.2018

DieUS-„Vogue“-Chefin hat einen Ruf wie Donnerhall. Gerade packte wieder jemand aus: Anna Wintour schickt Mitarbeiter sogar aufs stille Örtchen – damit die sich für sie anstellen. Und das ist längst nicht die einzige bizarre Story, die über sie erzählt wird …


WER EINEN JOB ALS ASSISTENTIN DER MÄCHTIGSTEN FRAU DER MODEWELT ERGATTERT , landet nicht etwa in der Front Row, sondern steht erst mal in einer anderen Reihe – vor der Damentoilette. Als persönlicher Klo-Ansteher von Anna Wintour (69). Die hasst es nämlich zu warten, wie jüngst jemand ausplauderte, der mal für sie gearbeitet hat. Und ...

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WER EINEN JOB ALS ASSISTENTIN DER MÄCHTIGSTEN FRAU DER MODEWELT ERGATTERT , landet nicht etwa in der Front Row, sondern steht erst mal in einer anderen Reihe – vor der Damentoilette. Als persönlicher Klo-Ansteher von Anna Wintour (69). Die hasst es nämlich zu warten, wie jüngst jemand ausplauderte, der mal für sie gearbeitet hat. Und Ex-Mitarbeiter gibt es viele, aber noch mehr unfassbare Geschichten, die man sich über die Eiskönigin der „Vogue“ erzählt. Schließlich ist Wintour schon seit 1988 gefürchtete Chefredakteurin der amerikanischen Modebibel. Mit betonierter Helmfrisur und eisernem Willen stieg die Britin zur Herrscherin einer Branche auf. Nicht dass sie je gebrüllt hätte, wenn etwas nicht nach ihrem Willen lief. Selbst durch die obligatorische Sonnenbrille ist der Blick von „Nuclear Wintour“ so vernichtend wie ein Reaktorunfall mit Kernschmelze.

Als sie mal bei einer Chanel-Modenschau in Paris eine von Tierschützern geworfene Torte mitten ins Gesicht traf, verzog Wintour keine Miene, stand auf und saß eine halbe Stunde später Frisch herausgeputzt wieder auf ihrem Platz. Sie redet nicht gern. Weder mit ihren Angestellten noch mit irgendwelchen anderen Leuten. Ihre E-Mail-Adresse und Telefonnummer werden gehütet wie der Heilige Gral. Selbst ein Gläschen Champagner an der Bar bestellen? Würde Wintour nie in den Sinn kommen. Ohnehin bleibe sie nie länger als zehn Minuten auf Empfängen. Sogar ein Dinner bei sich zu Hause soll sie einmal verlassen haben, noch bevor der Nachtisch serviert war. „Sie lebt in einem eigenen Kosmos, hat sich ihre kühle, unnahbare Ausstrahlung hart erarbeitet“, verrät ein Mitarbeiter. Als eine Frau vor einiger Zeit bei einem Fashion-Event in Paris die Treppe hinabstürzte und unsanft neben dem Stuhl der „Vogue“-Chefin landete, drehte diese sich einfach nur genervt weg. Als habe die arme Frau sie beleidigt.

„Anna ist speziell“, bestätigt ein Bekannter der Grande Dame of Fashion.

1963
Immer mit Helmchen: Schon als 14-Jährige trug sie Bob. Heute kommt zweimal täglich der Friseur zum Föhnen


1989
Frühe Karriere: Vor ihrem Job bei der US-„Vogue“ war Anna Chefin der britischen Ausgabe


1991
Wintour achtet extrem auf ihre Figur. Mittags lässt sie sich seit Jahren Avocados in Scheiben mit gehackten Äpfeln servieren


1993
Es gibt keinen namhaften Designer, den sie nicht persönlich kennt. Hier mit Karl Lagerfeld


Von wegen Anna Wintour lächelt nie und trägt ihre Sonnenbrille rund um die Uhr …


„Sie wird nie aus ihrer Rolle fallen und zeigt wenig Emotionen.“ Doch natürlich habe auch sie ein Herz, wie aus dem privaten Umfeld der Stilikone zu hören ist. Wintour sei eine extrem liebevolle Mutter und Großmutter. Vergangenes Jahr kam ihr erstes Enkelkind zur Welt, die kleine Caroline Anne Shaffer (1). „Sie liebt das Mädchen über alles und kann es gar nicht erwarten, weitere Enkel zu bekommen“, sagen die, die ihr nahestehen.

Allerdings erzählen jene auch von Annas strengem Tagesablauf. Jeden Morgen um fünf Uhr stehe die Stilikone auf, viermal in der Woche spiele sie dann eine knappe Stunde lang Tennis. Ihr Kleiderschrank soll nach Farben sortiert sein, und Hausangestellte sind dazu angehalten, die Kleidungsstücke exakt 2,5 Zentimeter voneinander entfernt aufzuhängen. Um sieben komme dann der Friseur. Der wird, so munkelt man, seit Jahrzehnten vom Verlag bezahlt. Genauso wie die Limousine mit den verdunkelten Scheiben, mit der Wintour in ihr Büro gefahren wird.

Kritiker lästern, Wintour schotte sich ab wie ein sizilianischer Mafiaboss, der im Zweifel gnadenlose Entscheidungen trifft. Die Stylistin Grace Coddington verließ die Redaktion heulend, als Wintour ihr einst kündigte. Später heuerte Coddington jedoch wieder bei der „Vogue“ an. Der Streit war vergessen, Wintour sah eiskalt über Gesagtes hinweg.

Das Bild der Horrorchefin, die brutal und dennoch auf ihre Weise charmant sein kann, zeichnet nicht zuletzt Lauren Weisberger (41) in ihrem Bestseller „Der Teufel trägt Prada“. Elf Monate lang hatte sie bei der „Vogue“ gearbeitet. Buch und Film wurden Hits – und Wintour, die nie ein Wort über die Geschichte verlor, wurde endgültig zur Kultfigur. „Anna ernährt uns alle“, schwärmte einst Marc Jacobs’ (55) Geschäftspartner Robert Duffy (64). Und wie bei jeder mächtigen Frau ist die kursierende Kritik in gewisser Art und Weise wohl auch eine Form widerwilliger Bewunderung und Anerkennung.

So oder so – Wintour hat es in jedem Fall verstanden, sich selbst zur Marke zu machen und die Modebranche über Jahrzehnte entscheidend zu prägen. „Mode wird oft als Schaumschlägerei gesehen. Und das ist sie zum Teil auch“, schrieb sie einst in einer „Vogue“-Ausgabe. „Aber die Blasen werden mit Sorgfalt und Wertebewusstsein produziert.“

Es ist dieser Mix aus einer Prise Selbstironie und gewaltiger Arroganz, der Anna Wintour so einzigartig macht. Eine Fashionwelt ohne sie? Unvorstellbar. Nachdem es Gerüchte gab, die „Vogue“-Chefin würde sich zur Ruhe setzen, erklärte ihr Verlag, Wintour werde ihre Arbeit fortsetzen. „Sie ist ein fester Bestandteil unseres Unternehmens und hat zugesagt, auf unbestimmte Zeit mit uns zusammenzuarbeiten“, verkündete Condé-Nast-Präsident Bob Sauerberg via Twitter. Was auch heißt, dass wieder neue Geschichten über sie erzählt werden. Wir sind gespannt.


„ANNA ÄHNELT EINEM MAFIABOSS“


EHEMANN SHELBY BRYAN
1999 lernte Wintour den Unternehmer kennen, 2004 heirateten die beiden


SOHN CHARLES
Der Mediziner machte Anna Wintour zur Großmutter: Die kleine Caroline Anne Shaffer wurde im März 2017 geboren


TOCHTER BEE
Im Sommer heiratete die 31-Jährige Francesco Carrozzini (36), den Sohn der 2016 verstorbenen Chefin der italienischen „Vogue“, Franca Sozzani


GEEHRT VON DER QUEEN
2017 erhielt Wintour von Queen Elizabeth II. den Verdienstorden „Dame Commander of the British Empire“


IHR BÜRO
Blick ins Heiligste: Anna Wintour bei der Arbeit


IHR SPORT
Viermal pro Woche absolviert Wintour ein morgendliches Tennistraining


EX DAVID SHAFFER
Mit dem Professor für Kinderpsychiatrie war Wintour von 1984 bis 1999 verheiratet. Er ist der Vater von Charles und Bee


TEXT: LAURA VON TROSCHKE; FOTOS: GETTY IMAGES (5), INTERTOPICS (2), LAIF, PICTURE ALLIANCE (2), SHUTTERSTOCK, PR