Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 8 Min.

ANNABELLE 3 - SETBESUCH


deadline - das Filmmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 75/2019 vom 15.05.2019

Anfang Dezember 2018 liefen die Dreharbeiten zum Horror-Spin-off ANNABELLE 3 in den Warner-Bros.-Studios in Los Angeles auf Hochtouren. Das DEADLINE-Magazin war exklusiv vor Ort, um von der Produktion des nunmehr siebten Films im CONJURING-Universum zu berichten.

Artikelbild für den Artikel "ANNABELLE 3 - SETBESUCH" aus der Ausgabe 75/2019 von deadline - das Filmmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: deadline - das Filmmagazin, Ausgabe 75/2019

Hinter den Hollywood Hills im Stadtteil Burbank liegt das Warner-Bros.-Studiogelände, eines der ältesten durchgängig bewirtschafteten und wohl auch prestigeträchtigsten Filmstudios der Welt. Während Touristen in Golfwägen über das große Gelände geführt wurden, um die zahlreichen Studiokulissen zu bestaunen, herrschte Anfang Dezember 2018 ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von deadline - das Filmmagazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 75/2019 von 75 PERSÖNLICHES FÜRWORT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
75 PERSÖNLICHES FÜRWORT
Titelbild der Ausgabe 75/2019 von GONOGO!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GONOGO!
Titelbild der Ausgabe 75/2019 von TITELSTORY. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TITELSTORY
Titelbild der Ausgabe 75/2019 von Im Gespräch mit: TRICKS UND TREATS MIT GODZILLA. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Im Gespräch mit: TRICKS UND TREATS MIT GODZILLA
Titelbild der Ausgabe 75/2019 von 13BREITWAND/JETZT IM KINO. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
13BREITWAND/JETZT IM KINO
Titelbild der Ausgabe 75/2019 von SPECIAL/THE HOLE IN THE GROUND: DAS GRAUEN AUS DEM LOCH: THE HOLE IN THE GROUND. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SPECIAL/THE HOLE IN THE GROUND: DAS GRAUEN AUS DEM LOCH: THE HOLE IN THE GROUND
Vorheriger Artikel
BREITWAND/JETZT IM KINO: PREVIEW
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel BREITWAND/JETZT IM KINO: PETER SAFRAN
aus dieser Ausgabe

Hinter den Hollywood Hills im Stadtteil Burbank liegt das Warner-Bros.-Studiogelände, eines der ältesten durchgängig bewirtschafteten und wohl auch prestigeträchtigsten Filmstudios der Welt. Während Touristen in Golfwägen über das große Gelände geführt wurden, um die zahlreichen Studiokulissen zu bestaunen, herrschte Anfang Dezember 2018 innerhalb der sogenannten Stages, der übergroßen Produktionshallen, rege Beschäftigung. Crews rannten von links nach rechts, die Lampen an den Außentüren, die rot leuchten, wenn innen gerade gedreht wird, blinkten unregelmäßig auf. Man konnte nur vermuten, was in den Stages inszeniert wurde – TV-Serien, Kinofilme oder Shows –, eine Plakette außerhalb wies aber zumindest auf die jeweilige Historie der Produktionshallen hin. So auch für die Stage 26, die nur einen kurzen Fußweg von der imposanten Eingangshalle 3 entfernt liegt. Stolz listete die Plakette die zahlreichen Filmproduktionen auf, die hier seit 1935, dem Baujahr der Halle, gedreht wurden: James Deans JENSEITS VON EDEN (1954 ), der Western-Klassiker RIO BRAVO (1959 ), das Kultmusical MY FAIR LADY (1964 ) oder auch die Serienverfilmung UNHEIMLICHE SCHATTENLICHTER (1983 ). Eine Aufzählung von Hollywoods Geschichte. Ein Vermerk verwunderte auf den ersten Blick dann aber doch: Der einzige weitere Film, der nach Joe Dantes Kulthorror GREMLINS – KLEINE MONSTER aus dem Jahre 1984 genannt wird, ist der Horrorstreifen ANNABELLE 2 (2017 ). Angesichts der Filmklassiker, die man hier präsentiert, durchaus eine Überraschung. Denkt man allerdings länger darüber nach, wird einem klar, warum Warner Bros. den Film wohl für würdig genug hielten, ihn hier öffentlich zu vermerken.

Das Prequel zum ersten Spin-off-Film aus dem CONJURING-Universe stellt sicherlich noch keinen Klassiker des modernen Horrorkinos an sich dar, aber kann stellvertretend für den Erfolg des gesamten Franchises angesehen werden. Mit CONJURING – DIE HEIMSUCHUNG erschufen Regisseur James Wan und Produzent Peter Safran einen Genrehit, der mittlerweile ein ganzes Cinematic Universe losgetreten hat. Bereits ein Jahr später folgte ANNABELLE (2014 ), diesmal unter der Regie von John R. Leonetti. Im Mai 2016 erschien CONJURING 2 (THE CONJURING 2 ), nun wieder von Wan persönlich inszeniert, dicht gefolgt vom erwähnten ANNABELLE 2 sowie THE NUN (2018 ). Die nächsten Ablegerfilme sind bereits geplant. Das, womit Warner Bros. im Superheldengenre anfängliche Schwierigkeiten hatten, schafften sie mit CONJURING fast schon spielend: eben ein global erfolgreiches Franchise zu etablieren. Gemessen an den Produktionskosten zudem auch noch ein finanziell enorm erfolgreiches. Bisher (Stand: Dezember 2018 ) konnten alle Filme aus diesem Universum nur an den Kinokassen rund 1,56 Milliarden US-Dollar einspielen, und dies bei (ungefähren ) Produktionskosten von nur 106 Millionen US-Dollar. Weltweite DVD-, Blu-ray- und TV-Rechte-Verkäufe nicht mit eingerechnet. Horror aus dem Hause Wan und Safran hat derzeit Hochkonjunktur. Es ist demnach nur eine Frage der Zeit, bis die Zwei-Milliarden-Dollar-Grenze geknackt wird. Dies soll im allerbesten Fall ANNABELLE 3 für das Franchise schaffen. Eben der Film, der innerhalb der Stage 26 gedreht wurde.

Vor der Produktionshalle begrüßte mich James, der Set-Publicist des Films. James ist seit Jahren im Filmgeschäft tätig und arbeitete gar an Paul Verhoevens STARSHIP TROOPERS (1997 ) mit, wo er am Set das berühmte Clapperboard schlug. Nun widmet er sein Arbeitsleben der Publicity von Filmproduktionen, und dies tut er mit Herz und Seele. Mit überzeugender Begeisterung teaste er an, was mich in den Hallen erwarten würde, und öffnete damit auch bereits die Tür von Stage 26. Das Set von ANNABELLE 3 offenbarte sich. In einer beeindruckend großen Halle wurde ein komplett begehbares Wohnhaus nachgebaut, Haupthandlungsort des Films. Die Begehung des Sets, auf dem noch fleißig gedreht wurde, stellte eine kleine Zeitreise dar, spielt die Fortsetzung doch in den 1970er-Jahren, wobei Production Designer Jennifer Spence höchsten Wert auf Authentizität legte. Jedes Detail musste ihrem Anspruch nach nicht nur passen, Cast und Crew sollten auch die Möglichkeit zur Improvisation besitzen. So richtete Jennifer beispielsweise auch Küchenschränke ein, die man im Film wohl nicht öffnen wird, dennoch sollte beim Dreh die spontane Möglichkeit dazu bestehen. Auch würde es vor allem den Schauspielern helfen, in ihre Rollen zu finden und eine überzeugende Leistung abzuliefern. Es ergab demnach nur Sinn, dass Wäschetrockner und Küchentische aus den 70ern ebenfalls vorzufinden waren, die allerdings nicht neuwertig aussehen. Die Möbel eines normalen Hauses werden ja in der Regel nicht zeitgleich gekauft. Manches wird vererbt, anderes über die Jahre ersetzt. Abnutzungsspuren entstehen, die ursprünglich angedachte Ordnung unterwirft sich dem Alltagsleben. Diese Normalität überzeugend zu erschaffen stellte die wohl größte Herausforderung dar. Dennoch, nicht alles war am Set unecht. Unter einer Abdeckhaube thronte eine blaue Geburtstagstorte auf einem Esstisch im Wohnzimmer, an dem ein Produktionsassistent saß und den nächsten Shoot plante. Auf die Frage, ob die Torte genießbar sei, antwortete dieser salopp: »Sicherlich noch letzte Woche, als wir sie hierher geholt haben.« Aus Kontinuitätsgründen entschied man sich, diese noch nicht wegzuschmeißen, falls doch noch eine Einstellung mit ihr im Hintergrund folgen würde. Auch Regisseur Gary Dauberman, verantwortlich für das Drehbuch zu STEPHEN KINGS ES (2017 ) sowie ANNABELLE und ANNABELLE 2, riet nach einer kurzen, aber sehr herzlichen Begrüßung ebenfalls scherzhaft davon ab, von ihr zu probieren. Für Dauberman stellt ANNABELLE 3 übrigens sein Regiedebüt dar. Für Small Talk mit dem Regisseur war am Set allerdings wenig Zeit. Die Produktion lief auf Hochtouren. James lud deswegen in sein Pressebüro ein, welches sich direkt unter dem Set befand.

VERA FARMIGA UND REGISSEUR GARY DAUBERMANN


In diesem befand sich auch ein Monitor, der live das Kamerabild übertrug. Ein interessanter Einblick in die Produktion folgte, der vor allem abermals die Liebe zum Detail offenbarte. Mehrmals musste ein großer Kameraschwenk aufwendig wiederholt werden, bis das Zuschlagen einer Tür (durch Geisterhand …? ) im Hintergrund synchron zur Darstellerin gelang. Es sind oftmals diese simpel klingenden Einstellungen, die die meiste Zeit verschlingen, merkte James an. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Darsteller zu einem Interview eintrafen. Michael Cimino, der 18-jährige Hauptdarsteller des Films, war sichtlich nervös. Nicht verwunderlich, stellt ANNABELLE 3 doch seine erste Filmrolle überhaupt dar. Diese konnte er über einen normalen Casting-Prozess ergattern, bei dem er wohl mit seinem natürlichen Charme Regisseur Dauberman überzeugte. Schon lange sei er Fan des CONJURING-Universums, welches er im selben Zug sogar als Marvel Cinematic Universe des Horrorfilms bezeichnete, weswegen es ihm eine Freude und Ehre sei, daran teilhaben zu können, auch wenn er in der Schauspielerei nicht zwingend seine Zukunft sehe. Die Musik sei seine große Liebe, merkte er an. Danach betrat Mckenna Grace das Pressebüro. Das aufgeweckte zehnjährige Mädchen ist im Gegensatz zu Michael bereits ein Vollprofi und spielte bereits in zahlreichen Filmproduktionen, teilweise Oscar-nominiert, mit. Für sie schien das Set ein großer Spielplatz zu sein. Man hörte sie vorab mehrmals durch die Gänge laufen. Das Grauen, welches beim Dreh erzeugt werden soll, bekümmerte sie kaum. Wenn sie sich auf eine Horrorszene vorbereiten muss, nimmt sie nach eigener Aussage immer eine kurze Auszeit und denkt über etwas Trauriges nach, um in die richtige Stimmung zu kommen.

Während der Drehpause bestand die Möglichkeit, den Artefaktenraum der Warrens zu besuchen. Dieser befand sich im gleichen Set wie das Haus, das Annabelle heimsuchen wird. Der Raum stellt quasi die Asservatenkammer der Warrens dar. Verfluchte Gegenstände aus aller Welt sind dort versammelt. So auch der Glaskasten, der Annabelle gefangen halten soll. Dieser war freilich noch leer. Die Annabelle-Puppe lag am Set draußen und sollte an dieser Stelle auch nicht beschrieben werden. Ihr bloßes Aussehen stellt wohl bereits einen Spoiler dar, aber da auch der nunmehr dritte Teil vor (oder zwischen ) den Ereignissen in CONJURING spielen wird, wissen wir, dass sie früher oder später im Artefaktenraum der Warrens ihr endgültiges Zuhause, oder eher Gefängnis, finden wird. Production Designer Spence verriet aber, dass es mehrere Annabelle-Puppen gebe. So auch eine glatzköpfige Version, ein Stand-in, um Kamera und Licht einzustellen. Von der Crew wurde diese scherzhaft Stand-in-Nabelle getauft. Welcher Horror sich im Artefaktenraum im Film genau abspielen wird, mochte James aber noch nicht verraten. Dies sei tatsächlich noch streng geheim, allerdings lässt sich sagen, dass das Grauen wohl mehr Platz benötigen wird. Der Raum stellt zwar eine Nachahmung von CONJURING dar, aber man nahm sich einige Freiheiten. Man vergrößerte ihn nicht nur leicht, sondern fügte im Boden auch ein zusätzliches Detail hinzu, welches für die Handlung vielleicht noch benötigt wird. Auch in späteren Filmen. Man merkt schnell, dass man bemüht ist, die Welt der CONJURING-Filme nicht nur im Detail zu verknüpfen, sondern auch stetig zu erweitern. Denn innerhalb des Raumes soll sich bereits ein Artefakt befinden, welches in einem kommenden Film von großer Bedeutung sein wird. Es war kaum ersichtlich, welches es sein könnte. Neben alten Romanen, wie etwa Goethes FAUST, befand sich dort ein Sammelsurium an Kuriositäten aus aller Welt. Manches stammte vom Flohmarkt, anderes wurde vom Team der Production Designerin Spence erschaffen. Dies gilt wohl vor allem für handlungsbestimmende Gegenstände. Nicht nur, damit diese perfekt auf den Film abgestimmt werden konnten, es stellt wohl auch eine rechtliche Frage dar. So verriet uns eine Kostümbildnerin, dass es eine juristische Herausforderung sein kann, selbst die Kleidung der Schauspieler zu gestalten, wenn diese beispielsweise eine populäre Klamotte aus einer bestimmten Zeit tragen sollen, auf der, wie so oft üblich bei beliebten Markenklamotten, das Logo groß draufprangt. Die Realität nachzuahmen kann aus künstlerischer Sicht schwierig sein. Oftmals sei man aus rechtlichen Gründen zu einer Art Hommage gezwungen.

In einer nahe liegenden Hauskulisse wurde auf dem Außengelände des Studios, dem sogenannte Backlot, das Catering für Cast und Crew, aufgebaut. Der Gang dahin ähnelte nicht nur einem Streifzug durch die US-amerikanische Film- und Fernseh-, sondern auch Städtebaugeschichte. Nahezu jede Illusion lässt sich mit den Kulissen erschaffen.

REGISSEUR GARY DAUBERMANN AM SET


ANNABELLE 3

Eine Geschäftsstraße einer U S-Großstadt aus den 1940er-Jahren an der Ostküste genauso wie eine durch Abwanderung verlassene Innenstadt einer modernen Kleinstadt im ländlichen Amerika der Gegenwart. In der Mitte des Backlots steht eine Kirche, wie sie vom Baustil her in unzähligen Communitys in ganz Amerika zu finden ist. Auch sie diente bereits als Kulisse für einen der ANNABELLE-Filme.

Nach dem Catering lud Peter Safran zu einem Gespräch ein (siehe Interview ), auch wenn er zeitlich eng gebunden war. Ein weiteres Meeting stand an. Während die Dreharbeiten zu ANNABELLE 3 ihrem Ende entgegengingen, startete bereits seine neueste Produktion, das Superheldenspektakel AQUAMAN, in den Kinos, und SHAZAM!, ebenfalls ein DCEU-Film, ging in die Nachproduktion über. AQUAMAN spielte mittlerweile mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar ein und schaffte das, was Superman und Batman vorher nicht gelang: die Massen weltweit zu begeistern. Eine Fortsetzung wie auch ein Spin-off-Film namens THE TRENCH sind bereits in der Produktion. Es dürfte nicht überraschen, wenn es James Wan, Regisseur von AQUAMAN, und Peter Safran gelingt, den Erfolg des Cinematic Universe der CONJURING-Filme nun auch auf das DC Extended Universe (DCEU ) zu übertragen. Es wäre ein Ritterschlag für den Produzenten. Allerdings ein verdienter. Mit den CONJURING-Filmen hat er bewiesen, dass Horror-Franchises nicht redundant die Ausgangsgeschichte des Originalfilms neu erzählen müssen und damit trotzdem weltweit extrem erfolgreich sein können. In diesem Kontext ergibt es auch durchaus Sinn, dass Warner Bros. seine Produktion ANNABELLE 2 auf der Plakette außerhalb der Stage 26 neben all den Filmklassikern ehrt.

Gegen 20 Uhr abends endete der Setbesuch. Die heiße Sonne Kaliforniens war da schon lange untergegangen. Auf dem Studiogelände herrschte immer noch ein tüchtiges Treiben, wie auch innerhalb der Stage 26. Die Dreharbeiten waren für diesen Tag noch lange nicht beendet, auch wenn es draußen schon längst dunkel und selbst die Plakette an der Stage-Tür nicht mehr zu lesen war. Aber allerspätestens morgen, wenn die Sonne wieder über die Hollywood Hills direkt in die von den Produktionshallen gebildeten Schluchten strahlt, wird auch der Schriftzug »Annabelle: Creation (2017)« als Vertreter des CONJURING-Universums mit den anderen Hollywood-Klassikern wieder erstrahlen. Zu Recht.
MARKUS HAAGE

SETVISIT


FOTO: © MARKUS HAAGE

MARKUS HAAGE MIT DEADLINE AM SET