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Anti-Ärger-Training


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bewusster leben - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 04.05.2022
Artikelbild für den Artikel "Anti-Ärger-Training" aus der Ausgabe 3/2022 von bewusster leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: bewusster leben, Ausgabe 3/2022

Ärgern Sie sich auch ab und zu? Über den Straßenverkehr, KollegInnen,Vorgesetzte, Kunden, über den Partner oder die Kinder oder einfach nur über das Wetter? Und manchmal ärgern Sie sich, wissen aber gar nicht so richtig, warum?

Wie schön wäre es, wenn wir aus unserem Ärger aussteigen und von der negativ belegten Emotion „Ich ärgere mich“ in ein positives und zielgerichtetes „Ich wünsche mir“ umschalten könnten. Dieser Wechsel kann sehr gut gelingen, wenn wir uns die Zeit nehmen, unseren Ärger zu „klären“, wie ich es nenne. Das bedeutet, Klarheit darüber zu erlangen, was genau uns ärgert und was das Ärgernis mit uns zu tun hat. Wenn wir dann noch herausfinden, welche positiven Vorstellungen wir anstelle des Ärgernisses realisieren möchten, dann können wir von einem ohnmächtigen „Ich ärgere mich“ zum aktiven „Ich wünsche mir“ wechseln und den Ärger hinter uns lassen.

„ Auch wenn uns das ...

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... Leben immer wieder Grund zum Ärgern liefert und wir uns in solchen Ärger-Situationen ohnmächtig f ühlen, haben wir es letztend lich selbst in der Hand, ob wir uns ärgern oder nicht.”

Wie immer beginnt auch diese Veränderung in unserem Bewusstsein. Im ersten Schritt gilt es deshalb, den eigenen Ärger zu erkennen und ihn dann auch anzunehmen.

Ärger als unser eingebautes Warnsystem

Der Ärger ist ein zuverlässiger Partner, der uns in Sekundenschnelle eine Rückmeldung gibt, ob eine Situation, ein Thema oder eine Person unseren Vorstellungen entspricht oder nicht. Ist eine Vorstellung von uns nicht erfüllt, ärgern wir uns schnell.

Vielleicht sind Sie aus einer Besprechung an Ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt und haben gespürt, dass Sie irgendetwas aus diesem Meeting heute geärgert hat. Sie können noch nicht in Worte fassen, was genau es ist, aber Sie wissen, irgendetwas ärgert Sie? Vielleicht hat jemand Ihren Argumenten widersprochen, man hat Sie nicht zu Wort kommen lassen, Ihre Vorgesetzte hat schon wieder ein neues Projekt vorgestellt, der Kaffee war kalt oder die Deadline wurde vom Kollegen nicht eingehalten. Dann meldet sich Ihr Ärger und übergibt Ihnen die wertvolle Information: Hier ist etwas nicht so, wie ich es gern haben möchte! Dieses Frühwarnsystem ist eine enorme Leistung, bedenkt man die unglaubliche Vielfalt unserer Wünsche und Vorstellungen. Dafür bin ich meinem Ärger sehr dankbar. Jetzt ist es an mir, wie ich mit dieser wertvollen Information umgehe.

Unseren Ärger bewusst wahrnehmen

Zur Veranschaulichung, ob man sich gerade ärgert oder nicht, benutze ich gerne das Bild des klaren Wassers: Wenn ich gelassen bin, ist das Wasser glasklar. Wenn ich mich ärgere, nimmt das Wasser eine leichte Trübung an oder wird sogar zu einer pechschwarzen Brühe, je nachdem wie stark mein Ärger ist. Schon ein kleiner Tropfen unklaren Wassers genügt, um das Wasser zu trüben – schon bin ich im Ärger-Zustand.

Auch wenn wir in diesem Moment noch nicht wissen, was uns genau ärgert, so ist das Bewusstsein darüber, dass wir uns ärgern, sehr wertvoll. Damit bestätigen wir, dass wir die Warnung von unserem Ärger gesehen haben und anerkennen, dass hier anscheinend etwas nicht so ist, wie es aus unserer Sicht sein sollte.

Übung: Beobachten Sie sich selbst Wann sind Sie wirklich gelassen und wann nicht? Wann ärgern Sie sich? Wann regen Sie sich auf? Wie viel Prozent des Tages sind Sie gelassen? Die restliche Zeit scheint Sie etwas emotional zu beschäftigen. Ärgern Sie sich vielleicht über etwas, egal wie klein oder unbedeutend der Anlass auch sein mag? Nutzen Sie die Gelassenheit als Hilfsmittel, um den eigenen Ärger zu erkennen und sichtbar zu machen.

Wir tun uns also selbst einen großen Gefallen, wenn wir das Bewusstsein für den eigenen Ärger schärfen und bereits die kleinsten Anzeichen von Ärger ernst nehmen. Das kann ein Grummeln im Bauch sein, ein leichtes Zwicken, eine erste Anspannung der Schultern, ein schärferer Ton oder eine ungeduldige Antwort.

Spannend wird es, wenn wir den Ärger wahrgenommen haben und er sich nicht von allein auflöst. Vielleicht klebt der Ärger an uns, unsere Gedanken bewegen sich schallplattenartig im Kreis oder wir nehmen das Ärgernis mit in den Schlaf. Dann scheint uns etwas so wichtig zu sein, dass es sich lohnt, dem Ärger auf den Grund zu gehen – ihn zu klären.

Auf Entdeckungsreise zum tieferen Grund unseres Ärgers

Man könnte meinen, das sei trivial, aber dem ist nicht so. Wir können vielleicht benennen, was unseren Ärger ausgelöst hat: unsere Vorgesetzte, der schwierige Kunde am Telefon, unsere Freundin, die raucht oder die langsame Dame in der Schlange an der Supermarktkasse. Der oder die nervt, stört, ärgert mich – das wissen wir relativ schnell. Aber warum ärgern diese Personen oder Themen uns eigentlich?

Die Aussage „Die, der oder das ärgert mich“ ist also zu wenig, wir müssen tätig werden und tiefer einsteigen. Mit Hilfe der folgenden zwei Fragen können wir unseren Ärger ergründen:

1. Was genau ärgert mich?

2. Was hat das mit mir zu tun?

„ Allen Ärgernissen ist gemein, dass sie immer mit uns zu tun haben, auch wenn das manchmal nicht so of fensichtlich ist.”

Es ist wie eine Forschungsreise in unser Inneres, auf der wir versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen, das Durcheinander, das vielleicht in unserem Kopf herrscht, zu sortieren und zu des Pudels Kern durchzudringen.

Die zentrale Frage lautet: Was hat das Ärgernis mit mir zu tun?

Nehmen wir wieder das Beispiel mit dem Meeting: „Puuh, war das ein nerviges Meeting!“ Was genau war denn an diesem Meeting so nervig? Wir gehen in uns und merken, dass das neue strategische Projekt Ärger bei uns auslöst. Dann wissen wir schon einmal, was uns ärgert. Aber warum? Wenn wir uns ärgern, dann muss es immer etwas mit uns zu tun haben. Ärgert uns das neue Projekt, weil wir befürchten, dass wir noch mehr Arbeit aufgebrummt bekommen? Oder haben wir Angst, die eigenen Projekte könnten dadurch an Aufmerksamkeit verlieren? Die zentrale Frage lautet also: Was hat das Ärgernis mit mir zu tun?

Da die Ärger-Klärung nicht so trivial ist, hier ein weiteres Beispiel zur Erkundung des Ärgers: Nehmen wir an, ich ärgere mich darüber, dass meine Freundin raucht. Zuerst stelle ich mir wieder die Frage: Was genau ärgert mich daran? Dass meine Freundin so viel oder so oft raucht? Oder dass sie sich von unserer Gesellschaft entfernt, wenn Sie zum Rauchen in den Garten oder in den Raucherbereich geht? Oder ärgere ich mich darüber, dass ihre Kleidung danach nach Rauch riecht?

Anschließend frage ich mich dann, was diese einzelnen Ärger-Möglichkeiten mit mir zu tun haben, denn eigentlich ist es die private Angelegenheit und Entscheidung meiner Freundin, ob, wie oft und wieviel sie rauchen möchte. Sorge ich mich um ihre Gesundheit und möchte noch ganz viel Zeit mit ihr verbringen? Oder stört es mich, dass sie sich immer ausklingt zum Rauchen und mit anderen Rauchern nette Gespräche führt, während ich alleine sitze und auf sie warte? Oder ertrage ich den Rauchgeruch einfach nicht?

Barbara Gerhards ist Volkswirtin und seit mehr als zehn Jahren selbständig als zertifizierte Coachin, Trainerin und Speakerin tätig. Ihre Leidenschaft gilt dem Thema Ärger und dem kompetenten Umgang damit. Unter der Marke „Anti Ärger Akademie“ bietet sie deutschlandweit Anti Ärger Trainings, Webinare, Coaching und Vorträge an.

Ich bin also schon einen ganzen Schritt weiter, wenn ich geklärt habe, was genau mich ärgert und warum. Nehmen wir an, in dem obigen Meeting-Beispiel stört mich das neue Projekt, weil ich befürchte, dass ich dieses zusätzlich zu meinen vielen anderen Aufgaben aufgebürdet bekomme. Es ärgert also die befürchtete Mehrarbeit. Im Beispiel meiner Raucher-Freundin habe ich vielleicht herausgefunden, dass ich es nicht mag, wenn ich alleine in Restaurants oder Cafés sitzen muss, während sie in diesen Rauchpausen weilt. Es geht also gar nicht ums Rauchen an sich, sondern um die Tatsache, dass ich nicht 15 Minuten alleine irgendwo herumsitzen und auf meine Freundin warten möchte.

Jetzt, wo ich weiß, was mich ärgert und warum, kann ich mir die Antwort auf eine weitere Frage stellen: Was stelle ich mir stattdessen vor – und was wünsche ich mir?

Den Schatz hinter dem Ärger finden: Unseren Ärger-Wunsch

Hier stellen wir uns die besonders wertvolle Frage nach den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen: Was wünsche ich mir? Und: Wie soll die Welt um mich herum idealerweise sein, damit ich glücklich und zufrieden bin? Hier ist Wünsch-dir-was erlaubt und gefragt. Hinter jedem Ärgernis, und sei es auch noch so klein und unbedeutend, verbirgt sich ein Schatz im Sinne eines Wunsches, den wir hegen und der uns wichtig ist.

Jetzt gilt es, meine Wünsche hinter dem Ärger zu formulieren. Auch diese Übung ist alles andere als trivial. Die eigenen Wunschvorstellungen in Worte zu fassen ist nämlich gar nicht so einfach und will geübt sein. Das setzt eine Zielklarheit voraus, zu der man manchmal erst durch mehrere Reflexionsschleifen und mehrmaliges Nachschärfen gelangt. Deshalb spreche ich hier auch davon, den Ärger zu klären. Wir müssen Zielklarheit schaffen!

Wenn ich mich über das Wetter ärgere, dann lautet die spannende Frage: Wie sollte das Wetter denn sein, damit ich zufrieden bin? Sonnig, windstill, trocken, wärmer oder kälter? Bei wieviel Sonne, wieviel Wind, bei welcher Temperatur wäre ich ärgerfrei, glücklich und zufrieden?

Wenn ich also nach besagtem Meeting eine neue Arbeitsflut durch das neue Projekt befürchte, was wünsche ich mir stattdessen? Welches Ziel verfolge ich genau? Wieviel Stunden am Tag bin ich in meiner Work- Life-Balance bereit, in Projekte zu investieren? In dem Beispiel mit der rauchenden Freundin wünsche ich mir vielleicht mehr Rücksichtnahme auf meinen Wunsch, die verabredete Zeit gemeinsam zu verbringen. Die Klärung des Ärger-Wunsches schafft eine eigene Zielklarheit und versetzt uns in die Lage, unsere Wünsche ärgerfrei, zielorientiert und gelassen zu kommunizieren und mit anderen in den Dialog zu gehen. Sich weniger zu ärgern kann man lernen, und das unabhängig von Alter, Persönlichkeit, Veranlagung oder Lebenssituation. Obwohl uns das Leben immer wieder Grund zum Ärgern liefert und wir uns in solchen Ärger-Situationen ohnmächtig fühlen können, haben wir es letztendlich selbst in der Hand, ob wir uns ärgern oder nicht. Denn was wir tun, können wir auch lassen. Es ist niemals zu spät, sich weniger zu ärgern.

Zum Weiterlesen: Barbara Gerhards Das Anti- Ärger-Buch Junfermann Verlag 20 Euro

Übung: Vom „Ich ärgere mich“ zum „Ich wünsche mir“ Ich möchte Sie dazu einladen, bei dem nächsten Ärgernis, das sich bei Ihnen meldet, die Emotion „Ich ärgere mich“ bewusst wahrzunehmen, kurz innezuhalten, dann gezielt in den Ärger einzusteigen und sich die folgenden drei Fragen zu stellen und schrittweise zu klären:

1. Welche Ärger-Bestandteile ärgern mich?

2. Was haben diese Ärger- Bestandteile mit mir zu tun?

3. Was wünsche ich mir stattdessen?

Einfach mal ausprobieren!

Barbara Gerhards