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ANTIPOLLUTION-KOSMETIK: CREMES GEGEN DEN DIESELDUNST


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 14.06.2018

Die industrie bietet neuerdings Kosmetik an, die die Haut vor Feinstaub schützen und mit Detoxstoffen entgiften soll. Doch kann man mit „Antipollution“-Präparaten den Umweltschmutz tatsächlich wegcremen?


Artikelbild für den Artikel "ANTIPOLLUTION-KOSMETIK: CREMES GEGEN DEN DIESELDUNST" aus der Ausgabe 6/2018 von ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago/westend61

In China gibt es sie schon länger. Vor allem in Großstädten wie Peking und Schanghai, wo die Luft dicker als dick ist, schützen sich die Menschen vor der extremen Verschmutzung nicht nur mit Atemschutzmasken und „tanken“ zwischendurch in sogenannten Oxybars Sauerstoff. Sie verwenden auch Cremes, Masken und Sprays, die die Haut vor Umweltschadstoffen schützen sollen.

Diese sogenannte ...

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... Antipollution-Kosmetik ist aber hierzulande auch im Kommen. Zwar ist es bei uns nicht ganz so schlecht um die Luftqualität wie in asiatischen Großstädten bestellt. Doch in den Innenstädten, ob in Hamburg, München oder Stuttgart, wabert auch so einiges durch die Straßen. Und die Schadstoffwerte übersteigen nicht selten die erlaubten Richt- und Grenzwerte. Das haben diverse Kosmetikanbieter zum Anlass genommen, Präparate zu entwickeln, die die Haut entweder wie ein Schutzschild vor dem Kontakt mit Schadstoffen bewahren oder aber sie entgiften sollen. Börlind bietet unter anderem ein Anti-Pollution & Regeneration Serum an, Lavera empfiehlt die Hydro Effekt Day Cream mit Anti Pollution Komplex, dazu Reinigungsmittel, Detoxmaske und Serum unter dem Motto „Tschüss City-Smog“. Und Nivea hat in der neuen Pflegeserie Urban Skin Care eine Protect Tagespflege und eine Detox Nachtpflege sowie drei Detoxmasken im Angebot.

Wogegen genau die Kosmetik helfen soll, bleibt oft im Dunst. Doch dass der Feinstaub aus Dieselmotoren, Bremsund Reifenabrieb, aus Heizkraftwerken, Abfallverbrennung, Öfen und Heizungen in der Luft liegt und die Haut schädigt, ist mehr als wahrscheinlich.

Eine Studie des Leibniz-Instituts für um-weltmedizinische Forschung (IUF) in Düsseldorf mit 400 älteren Frauen im Alter zwischen 70 bis 80 Jahren zeigte schon im Jahr 2010: Die Haut der Probandinnen, die im ehemals hoch belasteten Ruhrgebiet wohnen, weist 20 Prozent mehr Pigmentflecken im Gesicht auf als die der Frauen aus dem ländlicheren Münsterland. Mit steigender Partikelkonzentration in der Luft, so das Team um Professor Jean Krutmann vom IUF, komme es zu einem verstärkten Auftreten von Pigmentflecken auf Stirn und Wangen sowie zu einer Vertiefung der sogenannten Nasolabialfalte – das ist die Falte, die rechts und links der Nase zum Mundwinkel hin verläuft. Um die Erkenntnisse der epidemiologischen Studie abzusichern, wurde zudem an Hautmodellen überprüft, ob ein Schadstoffcocktail die Haut schädigt. Das Ergebnis bestätigte die vorherige Untersuchung. Für den wissenschaftlichen Geschäftsführer des IUF, Jean Krutmann, ist der Zusammenhang zwischen Umweltschadstoffen und Hautveränderungen darum „so sicher wie das Amen in der Kirche“.

Von wegen frische Luft: Besonders in Städten mit viel Autoverkehr kann der Feinstaubmix unserer Haut ganz schön zu schaffen machen.


Foto: imago/westend61


Falten und Pigmentflecken als Folge von Schadstoffen in der Luft?


Was da genau passiert, und vor allem welche Schadstoffe aus dem Auspuff die Haut attackieren, ist noch nicht im Detail geklärt. Jedoch ist sicher, dass der Feinstaubmix, der beim Radfahren, Spazierengehen oder Joggen auf der Haut landet, sich zunächst in den Hautfalten und den superfeinen Haarfolikeln sammelt und von hier aus in die Haut gelangt. „Die Partikel sind so klein, dass sie problemlos eindringen können“, erklärt Professor Julia Welzel, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. Sie schädigen Bindegewebe und kollagene Fasern und machen die Haut somit schlaff, trocken und faltig. Zugleich kommt es zu einer verstärkten Pigmentierung der Haut. Sie bildet dann – wie unter UV-Strahlung – mehr Melanin, und es bilden sich verstärkt Pigmentflecken. Die Haut wird aber auch durch sogenannte freie Radikale attackiert. Sie entstehen, wenn Ruß aus dem Auspuff oder Industrieschornstein mit dem Sauerstoff aus der Luft reagiert. Diese aggressiven Verbindungen schädigen die Hautmembran und die Kollagenfasern und tragen damit dazu bei, dass die Struktur der Haut gestört wird. Falten sind die Folge.

„Die gesunde Haut schafft es, sich vor Umweltschadstoffen zu schützen“, betont Professor Welzel. Dann wird die hauteigene „Schutzpolizei“ aktiv und Antioxidantien in der Haut bieten freien Radikalen Paroli. Ist die Hautbarriere hingegen gestört, zum Beispiel durch häufiges Waschen, durch Kosmetika mit unerwünschten PEGs, die sie durchlässig für Schadstoffe machen können, oder durch eine Erkrankung wie Neurodermitis, funktioniert die Eigenregulation nicht. „Dann ist es sinnvoll, die Haut gezielt zu schützen“, erklärt Professor Welzel.

Tiefenreinigung durch Detoxmasken? Wohltuend und entspannend ist so eine Gesichtspackung allemal, schon dadurch glätten sich mögliche Fältchen.


Foto: Peopleimagers/ getty images

Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Schützende Cremes können die Barrierefunktion der Haut verbessern; quasi wie ein unsichtbares Schild legen sie sich auf die Haut und trotzen den Schadstoffen. Ein Wirkstoff, der in Antipollution-Kosmetik zu finden ist, ist Ectoin. Es wird von Bakterien gebildet, die sich naturgemäß vor extremen Umweltbedingungen wie hohen Temperaturen, Austrocknung und UV-Strahlung schützen.

Der Ectoin-Zusatz soll die Haut stabilisieren, Entzündungen hemmen und Zellen schützen. Auch Fette und Öle wie Reis-, Kokosnuss-, Argan- und Abyssinian öl, das aus den Samen der einjährigen Pflanze namens Krambe gewonnen wird, sowie Glyze rin, Mehrfachzucker (Polysaccharide) und Hyaluronsäure findet man in Antipollution-Präparaten als schützende Wirkstoffe.

Darüber hinaus gibt es Detoxmasken mit Heilerde, Aktivkohle, Moorpackungen oder schwarzem Schlamm, die den Umweltschmutz von der Gesichtshaut auf saugen sollen, sowie Reinigungspräparate, die angeblich Gifte abwaschen. Eine übertriebene Säuberung ist jedoch eher kontraproduktiv, denn sie kann den natürlichen Schutzfilm der Haut zerstören. Eine zu exzessive Reinigung mache die Haut geradezu durchlässig für Schadstoffe, warnt denn auch Professor Jean Krutmann vom Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung. Durch Cleanser und Co. werde die Haut oft eher geschädigt als geschützt und Umweltschadstoffen somit Tür und Tor geöffnet.


Ob die Antipollution-Cremes wirklich wirken? Das muss jedenfalls nicht mit überprüfbaren Studien nachgewiesen werden.


Die Detoxcremes und -seren sind stets mit Antioxidantien versetzt. Sie sollen aggressive Substanzen neutralisieren, den Kollagenstoffwechsel anregen und somit verhindern, dass die Haut faltig wird. Eingesetzt werden die Klassiker Vitamin A, C und E sowie das Coenzym Q. Alternativ kommen aber auch Grüntee, Braunalgen, Macha und Moringa zum Einsatz, die ebenfalls antioxidativ wirken. Doch diese Inhaltsstoffe steckten auch oft in herkömmlichen Anti-Aging-Cremes, die es seit Langem gibt, meint Julia Welzel. Darum könne man auch eine herkömmliche Antifaltencreme verwenden, um die Haut vor freien Radikalen zu schützen.

Bleibt die Frage aller Fragen: Helfen die neuen Antipollution-Kosmetika überhaupt? „Die Wirksamkeit eines Anti pollution-Präparats muss in seiner Gesamtheit nachgewiesen sein, nicht nur die der einzelnen ausgelobten Detoxsubstanz“, betont Jean Krutmann vom Leibniz-Institut für uweltmedizinische Forschung. Denn ob die Creme nützt, hängt auch von der Zusammensetzung des gesamten Präparats ab. „Selbst wenn ein Wirkstoff in identischer Konzentration in verschiedenen Zusammensetzungen eingesetzt wird, sind diese nicht zwangsläufig gleich wirksam“, heißt es in einer Richtlinie der Gesellschaft für Dermopharmazie. Doch die Kosmetikverordnung fordert lediglich, dass Hersteller sogenannte Dokumentationen heranziehen, um die Wirksamkeit des Stoffes X nachzuweisen. Sie können auch physikalische Messungen an der Haut durchführen oder Testpersonen das Präparat subjektiv bewerten lassen. Das führt dann zu Aussagen wie „spürbar sanftere Haut“ oder „weniger sichtbare Fältchen“.

Experten fordern hingegen objektive placebokontrollierte Doppelblindstudien. Das bedeutet: Hier werden nach dem Zufallsprinzip über mehrere Wochen entweder die zu testende Creme oder ein Placebo auf die Haut von Probanden aufgetragen und die Hautareale anschließend von Experten begutachtet. Auf einen ganz anderen Aspekt weist noch die Augsburger Dermatologin Julia Welzel hin: Der Haut machten nicht hauptsächlich Dieselabgase und Co. zu schaffen; die höchste Feinstaubbelastung, so die Ärztin, gehe immer noch vom Rauchen aus.