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ANTISCHIMMELFARBEN : KEIME LÖSUNG


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 22.02.2018

Spezielle Antischimmelfarben sollen dem Pilzbefall in Innenräumen vorbeugen. Ob sie das dauerhaft können, ist zweifelhaft. Fest steht hingegen, dass viele gesundheitlich bedenkliche Biozide und allerhand weitere schädliche Substanzen enthalten. Im Test ist mehr als ein Drittel „ungenügend“.


ÖKO-TEST RÄT

► Mit vielen Antischimmelfarben holen Sie sich bedenkliche Wirkstoffe ins Haus. Die Wirkung der Farben ist zweifelhaft. Sie beseitigen nicht die Ursache des Pilzproblems. Häufig hilft sachgemäßes Lüften und Heizen.
► Bei größeren schimmelbefallenen Stellen oder Schimmelverdacht einen Sachverständigen ...

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► Mit vielen Antischimmelfarben holen Sie sich bedenkliche Wirkstoffe ins Haus. Die Wirkung der Farben ist zweifelhaft. Sie beseitigen nicht die Ursache des Pilzproblems. Häufig hilft sachgemäßes Lüften und Heizen.
► Bei größeren schimmelbefallenen Stellen oder Schimmelverdacht einen Sachverständigen hinzuziehen. Vermieter informieren, damit dieser reagieren kann.
►Luftfeuchtigkeit testen: Hygrometer gibt es in Baumärkten. Messpunkte sollten in Nähe von Außenwandecken sein, die Luftfeuchte maximal 70 Prozent betragen.

Schimmelbefall in der Wohnung ist nicht nur hässlich anzusehen, sondern auch gesundheitsschädlich. Studien belegen Zusammenhänge mit zahlreichen Allergien und Atemwegserkrankungen. Als gesichert gilt etwa, dass bestimmte Schimmelpilzarten Asthmabeschwerden verstärken oder zu Atemnot führen können.


Lösen sich die bioziden Wirkstoffe aus den Produkten, kann ihr schimmelhemmender Effekt mit der Zeit abnehmen.


In der Wohnung verteilen sich die Schimmelpilzsporen über die Luft. Wenn sie ein feuchtes Raumklima oder einen geeigneten, feuchten Untergrund vorfinden, wachsen die Schimmelpilze. Anfällig sind vor allem Materialien, an denen organische Partikel wie Hausstaub, Fasern und Hautschuppen gut haften können. Das sind beispielsweise viele Tapeten, Papier, Pappe und Holz. Einige Schimmelpilzarten gedeihen bereits bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 Prozent. Teilweise vergehen aber Wochen und Monate, bevor der pelzartige Bewuchs an Wand und Decke sichtbar wird.

Im Baumarkt finden sich spezielle Wandfarben mit deklarierter Antischimmelwirkung. Nach gründlicher Reinigung befallener Stellen sollen solche Anstriche langfristig ein neues Pilzwachstum unter binden und vor allem in Feuchträumen wie Bädern oder Küchen vorbeugend wirken. Leider enthalten sie in der Regel Biozide. Das sind Wirkstoffe, die schädliche Organismen wie Pilze zerstören sollen, die aber mitunter nicht nur für Schimmel verheerend sein können, sondern auch problematisch für Mensch und Umwelt.

Foto: alvarez/getty images

Besonders gängig in Innenraumfarben sind die Biozide Octylisothiazolinon (OIT), Jodpropinylbutylcarbamat (JPBC) und Zinkpyrithion: Diese Substanzen gelten als stark gewässergefährdend, können allergische Reaktionen hervorrufen. „Sie lösen sich nur sehr langsam, aber durch Ausdünstungen und Farbabrieb sind nach und nach Belastungen von Raumluft und Hausstaub möglich“, sagt Baubiologe Dr. Manfred Mierau.

Umstritten sind die Antischimmelfarben aus Expertensicht aber nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Wegen des flüchtigen Charakters vieler biozider Wirkstoffe sei zu bezweifeln, ob entsprechend ausgerüstete Farbe überhaupt langfristig wirken könnte. „Wo dauerhaft feuchte oder kühle Bedingungen vorliegen, halte ich Schimmelwachstum mit der Zeit immer für möglich“, sagt Mierau.

Als sinnvoll erachtet der Experte in besonderen Fällen hingegen den Einsatz von Kalkfarben. In Altbaukellern etwa, in denen sich die Feuchteursache teils nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand beseitigen lasse, könnten sie den pH-Wert der Wände so erhöhen, dass Schimmel nicht wachsen könne. Der Wirkstoff Calciumhydroxid – als Löschkalk bekannt – gilt im rechtlichen Sinne auch als Biozid. Es ist aber vergleichsweise unproblematisch. Kalkfarben gelten als langlebig, umweltund gesundheitsverträglich. Allerdings helfen auch sie bei etlichen Schimmelproblemen in der Regel nicht weiter, weil sie die Ursache des Befalls nicht beheben.

Wenn nicht gerade Wasserschäden oder starke Baumängel die Wurzel des Übels sind, geht Schimmelbefall an Wänden oft auf die Raumnutzer selbst zurück. Häufig begünstigen unsachgemäßes Heizen und Lüften oder falsch aufgestellte Möbel das Pilz- und Bakterienwachstum. Sind nur kleinere Stellen von weniger als einem halben Quadratmeter betroffen und ist der Befall rein oberflächlich, reichen häufig gründliche Reinigungen und kleinere Verhaltensänderungen, damit der Schimmel fern bleibt. Aus Sicht des Umweltbundesamtes ist der Einsatz biozider Wirkstoffe deshalb generell nicht nötig.

ÖKO-TEST wollte wissen, welche Schadstoffe sich Käufer in die Wohnung holen, wenn sie ihre Wände mit Antischimmelfarben streichen. Wir haben deshalb 19 Produkte in die Labore geschickt.

Böse Überraschung: Schimmel liebt feuchte und kühle Stellen und findet diese bevorzugt an Außenwänden. In Ecken ist das Mauerwerk wegen Wärmebrücken häufig besonders anfällig.


DAS TESTERGEBNIS

Viel Schlechtes. Fast alle 19 getesteten Antischimmelfarben deklarieren Biozide, die wir wegen ihrer schädlichen Wirkung für Mensch und Umwelt abwerten. Viele verhageln sich ihr Gesamturteil auch durch den Einsatz bedenklicher Konservierungsmittel. Sieben Produkte fallen mit „ungenügend“ durch, nur eine Farbe auf Kalkbasis können wir empfehlen.
Reizthema. Bis auf eine Farbe enthalten alle Produkte Isothiazolinone. Diese erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen im Produkt. Während Octylisothiazolinon (OIT) und Dichloroctylisothiazolinon (DCOIT) als biozide und fungizide Wirkstoffe fungieren, sollen Methylisothiazolinon (MIT) und Benzisothiazolinon (BIT) die Produkte konservieren und verhindern, dass die Farben im Eimer verkeimen. Isothiazolinone können Allergien auslösen sowie die Augen und die Haut reizen. Das gilt besonders für chlorierte Verbindungen wie DCOIT. Weil Isothiazolinone nicht nur in Farben, sondern auch in Kosmetika großflächig zum Einsatz kamen, ist die Zahl schwerer allergischer Reaktionen laut Experten in den vergangenen Jahren gestiegen.

Weitere Wirkstoffe. In vielen Produkten finden sich Jodpropinylbutylcarbamat (JPBC) sowie Zinkpyrithion. JPBC ist eine halogenorganische Verbindung, die schwere Augenschäden hervorrufen kann und bei längerer Aussetzungsdauer auch Kehlkopfschäden. Zinkpyrithion gilt unter anderem als leicht hautreizend. Es ist allerdings nur in der Relius Fungosan Top, weiß in einer Größenordnung enthalten, die wir abwerten. Die Auro Anti-Schimmel-Farbe, weiß enthält Calciumhydroxid (Löschkalk). Bei unsachgemäßer Anwendung kann Löschkalk zwar hautreizend oder augenschädigend wirken, nach der Trocknung löst er sich allerdings praktisch nicht aus dem Anstrich. Insgesamt ist das Risikopotenzial als sehr gering einzuschätzen, weshalb wir nicht abwerten.

Böse Überraschung. Größere Mengen Formaldehyd/-abspalter als Konservierungsmittel, so glaubten wir nach jüngeren Tests, seien in Farben und Lacken kein Thema mehr. Eine Fehlannahme, wie sich nun zeigt: Die Produkte von Obi, Poco, Glutolin und Relius enthalten deutliche Mengen. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff, der die Schleimhäute reizt und Allergien auslösen kann. Dünstet er aus, kann er über die Atemluft in den menschlichen Körper gelangen.
Gar nicht edel. In drei Antischimmelfarben hat das von uns beauft ragte Labor Silber gefunden. Das Edelmetall wirkt keimhemmend. Wenn Silber in immer mehr Produkten zum Einsatz kommt, besteht die Gefahr, dass Bakterien gegen Silberionen resistent werden könnten und sein Einsatz in medizinisch wichtigen Bereichen wie der Wundbehandlung nicht mehr wirkungsvoll ist. Die drei betroffenen Farben enthalten auch Blei.
Wirkstoffe nicht gefunden. Die Sycofix Antischimmelfarbe Super Weiss soll laut Deklaration die bioziden Wirkstoffe JPBC, OIT und Zinkpyrithion enthalten. Das Labor hat OIT und JPBC nicht nachgewiesen, Zinkpyrithion nur in sehr geringen Mengen. Wir werten deshalb unter dem Testergebnis Deklaration ab.
Unvollständig. Auf fünf Gebinden sind außer Bioziden und Konservierungsmitteln keine weiteren Inhaltsstoffe aufgeführt. Für uns ist das zu wenig.

WAS IST WAS

BIOZIDVERORDNUNG
Ziel der 2012 in Kraft getretenen Biozidverordnung ist es, biozide Wirkstoffe in Europa zu regulieren und zu reglementieren. Die Bewertung der Stoffe für bestimmte Produktgruppen ist noch lange nicht abgeschlossen. Offiziell ist noch kein einziges Biozid für Anwendungen bei Schimmelbefall auf Baumaterialien zugelassen. Altwirkstoffe wie OIT und Zinkpyrithion, die bereits vor 2000 auf dem Markt waren, dürfen aber per Übergangsregelung bis zur endgültigen Zulassung verwendet werden. Deshalb sind Biozidprodukte mit entsprechenden Wirkstoffen bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bislang nur registriert. 2024 soll der Bewertungs- und Zulassungprozess beendet sein.

BIOZIDPRODUKTE
Rund die Hälfte der Antischimmelfarben im Test ist als „Biozidprodukt“ ausgelobt, bei der anderen Hälfte handelt es sich um „behandelte Waren“. Teilweise stecken in den unterschiedlich ausgelobten Produkten exakt die gleichen Wirkstoffe. Laut Biozidverordnung sollen „Biozidprodukte“ mit einem oder mehreren bioziden Wirkstoffen eine beabsichtigte Wirkung gegen Schadorganismen ausüben. Im Fall von Antischimmelfarben heißt das auf den Punkt gebracht: Vorbeugen gegen Schimmel oder dessen Bekämpfung. „Behandelte Waren“ hingegen enthalten per Definition Beschichtungsschutzmittel, um eine Schimmelbildung auf dem späteren Farbanstrich zu verhindern.

KENNZEICHNUNG
Die Unterscheidung zwischen „Biozidprodukten“ und „behandelter Ware“ hat Folgen für die Kennzeichnung: Biozidprodukte sind bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) registriert. Die Hersteller müssen Wirkstoffe, deren Gehalte und die jeweilige BAuA-Registrierungsnummer (Schema: N-XXXXXX) auf den Produkten nennen. Auf „behandelten Waren“ brauchen sie die jeweiligen Wirkstoffe nur aufzulisten – ohne Angabe des Gehaltes. Selbst nach Aussage der BAuA ist es höchst anspruchsvoll, für Farben mit Schimmelschutz zwischen „Biozidprodukt“ oder „behandelter Ware“ zu unterscheiden; in den meisten Fällen bedarf dies juristischer Einzelfallprüfungen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: BIT = Benzisothiazolinon. CIT = Chlormethylisothiazolinon. DCOIT = Dichloroctylisothiazolinon. JPBC = Jodpropinylbutylcarbamat. MIT = Methylisothiazolinon. OIT = Octyl isothiazolinon. TM = Technisches Merkblatt. TXIB = 2,2,4-Trimethyl-1,3-pentandioldiisobutyrat. Erklärungen: Die Nassabriebfestigkeit nach DIN EN 13300 gibt an, wie beständig die Farben gegen wiederholtes Reinigen sind: Klasse 1 = höchste Nassabriebfestigkeit / Klasse 5 = niedrigste Nassabriebfestigkeit. Die Deckkraft wird entsprechend DIN EN 13300 in vier Klassen angegeben: Klasse 1 = höchste Deckkraft / Klasse 4 = niedrigste Deckkraft. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern nden Sie auf Seite 142. Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wurde die Gebindekonservierung des Produkts Ende 2017 umgestellt. Die von uns getestete Farbe stamme aus einer Charge, die kurz vor der Umstellung gefertigt worden sei. Das umformulierte Produkt enthalte keine Formaldehyd-/ abspalter und weniger MIT. 2) Laut Anbieter ist das von uns getestete Produkt bereits im Jahre 2016 produziert worden. Anfang 2017 habe es eine Rezepturumstellung hinsichtlich der Topfkonservierer gegeben: Außer geringeren Gehalten MIT enthalte das Produkt nun Zinkpyrithion; Chlormethylisothiazolinon ist nicht mehr aufgelistet. 3) Laut Anbieter ist der biozide Wirkstoff Terbutryn vorsichtshalber auf dem Gebinde des Produkts deklariert, obwohl er in der Standardausführung nicht enthalten sei und nur auf Kundenwunsch zugesetzt werde. 4) Es handelt sich um eine nicht dispersionsgebundene Farbe. Laut Anbieter sei die Bestimmung des Nassabriebs nach EN 13300 nicht anwendbar und eine Klassi zierung deshalb nicht erfolgt. 5) Laut Anbieter stammt das Produkt aus einer vorigen Produktion. 6) Laut Anbieter sind die Konservierungsstoffe auf neueren Produktgebinden genannt. 7)Zinkpyrithion ist auf diesem Produkt ausdrücklich als Konservierungsmittel und nicht als Biozid deklariert. 8) Der Anbieter weist darauf hin, das Texanol im Sinne der Decopaint-Richlinie keine üchtige organische Verbindungen sei. In der Literatur ist die Zugehörigkeit aufgrund des vergleichsweise hohen Siedepunktes umstritten. Das von uns beauftragte Labor bleibt jedoch bei seiner Einstufung, weshalb Texanol in die Berechnung des Gesamtgehalts ein ießt. Auch ohne dessen Berücksichtigung bliebe das Produkt ungenügend.Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um drei Noten: ein stark erhöhter Gehalt an Formaldehyd/-abspaltern als Konservierungsmittel von mehr als 200 mg/kg. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt an Formaldehyd/abspaltern als Konservierungsmittel bis zu 200 mg/kg; b) mehr als 15 mg/kg DCOIT; c) ein stark erhöhter Gesamtgehalt üchtiger organischer Verbindungen von mehr als 10g/l; d)Octylisothiazolinon, dessen Gehalt einzeln und/oder in Summe mit den Gehalten anderer Isothiazolinone mehr als 200 mg/kg beträgt. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1.000 mg/kg des Ersatzweichmachers TXIB; b) mehr als 10 mg/kg Styrol; c) mehr als 10 mg/kg Blei; d) Silber; e) ein erhöhter Isothiazolinongehalt von mehr als 50 mg/kg MIT, wenn nicht bereits wegen OIT oder DCOIT abgewertet wurde; f) JPBC deklariert und Analyse auf halogenorganische Verbindungen positiv; g) mehr als 50 mg/kg Zinkpyrithion; h) ein erhöhter Gesamtgehalt flüchtiger organischer Verbindungen von mehr als 1 bis 10 g/l.
Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Konservierungsstoffe nicht deklariert; b) eine irreführende Wirkstoffangabe (hier: JPBC und OIT deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen); c) keine Angabe von Inhaltsstoffen (außer Biozide und Konservierer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Angabe der Inhaltsstoffe nur im Technischem Merkblatt (außer Biozide und Konservierer); b) eine unvollständige Angabe der Konservierungsstoffe (hier: BIT oder MIT fehlt); c) keine Allergikerhotline genannt; d) eine Deklaration „lösemittelfrei“ trotz eines TVOC-Gehalts von mehr als 0,1 % = 1.000 mg/kg; e) eine widersprüchliche Angabe zur Reichweite: auf dem Gebinde sind unterschiedliche Werte genannt.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Deklaration, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Deklaration, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.
Die Preisberechnung basiert auf Gebindegrößen von 1 Liter beziehungsweise auf der nächst größeren, falls diese nicht erhältlich sind, und der vom Hersteller angegebenen durchschnittlichen Reichweite. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de Suchen „M1803“ eingeben.
Einkauf: November 2017.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich ge schützt. Ohne schrift liche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikro lme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

SCHIMMEL VERMEIDEN

Fadenförmiges Geflecht: Bis das so genannte Myzel des Schimmelpilzes oberflächlich sichtbar wird, vergehen teils Wochen und Monate.


Foto: Wisky/getty images

Schimmel mag kühle und feuchte Stellen. Die finden sich an den Innenseiten von Außenwänden, vor allem in älteren, schlecht gedämmten Gebäuden oder an Wärmebrücken. Bleibt das Mauerwerk relativ kalt und warme Luft aus dem Rauminneren strömt Richtung Wand, nimmt die Luftfeuchtigkeit dort zu, im schlechtesten Fall kondensiert sie zu Wasser. Schimmel kann aber auch entstehen, wenn wenig Wärme an die Wand gelangt, etwa weil Möbel davorstehen oder Feuchte von außen durch das Mauerwerk dringt. Einige Tipps können helfen, den Pilzen das Leben zu erschweren.
Einrichten: Möbel bei unzureichender Dämmung mindestens fünf bis zehn Zentimeter entfernt von der Außenwand aufstellen. Möbelsockel verwenden, um für eine Belüftung von unten zu sorgen. Keine Gardinen und Vorhänge aufhängen, die bis zum Boden reichen.
Heizen: Wenig genutzte Räume immer etwas heizen, dabei aber Türen zu stärker beheizten Räumen geschlossen halten, die herüberziehende Wärme kann sonst für erhöhte Luftfeuchte im kälteren Raum sorgen. Im Schlafzimmer Temperatur nachts nicht unter 16 bis 18 Grad fallen lassen, Tür zu anderen Räumen schließen. Auch Bäder dauerhaft temperieren.


Lüften: Je kälter die Luft, desto mehr Wasser kann sie beim Erwärmen aufnehmen. Auch in kühlen Monaten daher regelmäßig mit geöffnetem Fenster stoßlüften, am besten dreimal zehn Minuten am Tag. Bad und Küche bei geschlossener Tür lüften, kondensiertes Wasser von Fliesen enfernen. Funktion von Abluftschächten kontrollieren: an die Lüftungsschlitze gehaltenes Toilettenpapier sollte angesaugt werden und daran hängen bleiben. Bei der Trocknung feuchter Handtücher oder feuchter Wäsche für ausreichend Belüftung sorgen, Türen geschlossen halten.
Reinigen: Kleineren, oberflächlichen Schimmelbefall auf verputzten oder gestrichenen Wänden mit handelsüblichen, schadstoffarmen Reinigungsmitteln oder Spiritus (Alkoholgehalt: 70 bis 80 Prozent) entfernen. Keinen Essig verwenden, da er den pH-Wert der Wand herabsetzen kann. Beim Wischen möglichst wenig Staub aufwirbeln, Schutzhandschuhe, Atemschutzmaske und Schutzbrille tragen; Kleidung anschließend gründlich waschen. Befallene Silikonfugen ersetzen, Tapeten anfeuchten und austauschen. Befallene Materialien staubdicht verpackt im Hausmüll entsorgen.


„Nach diesem Test öffne ich die Fenster gerne mal öfter. Bildet sich trotzdem Schimmel, streiche ich aber sicher nicht mit Antischimmelfarben. Denn schädliche Biozide oder Konservierer, wie sie in fast allen Testprodukten stecken, können die Raumluft belasten.“


Christian Ippach, ÖKO-TEST-Redakteur, der Schimmel noch nicht mal im Käse mag.


Foto: Anja Wägele

SO HABEN WIR GETESTET

Hingeschaut: Uns hat besonders interessiert, welche Biozide und Konservierer deklariert sind.


Foto: ÖKO TEST

DER EINKAUF
In Baumärkten und Fachgeschäften haben wir 19 weiße Farben gegen Schimmel eingekauft. Rund die Hälfte ist explizit als Antischimmelfarbe ausgelobt, die meisten anderen als Bad- und/oder Küchenfarbe mit entsprechender Wirkformel. Preislich liegen die eingekauften Produkte zwischen 50 Cent und knapp 3,50 Euro pro Quadratmeter Anstrichfläche.

DIE INHALTSSTOFFE
Biozide, speziell Fungizide, sollen das Schimmelwachstum unterbinden, viele davon sind aber gesundheitsund/ oder umweltschädigend. Wir wollten wissen, welche antimikrobiellen Wirkstoffe in den eingekauften Farben stecken. Auch hat uns interessiert, ob aus den Produkten flüchtige organische Substanzen (VOC) ausgasen und ob sie umstrittene und/oder bedenkliche Konservierungsstoffe enthalten: Besonderes Augenmerk haben wir auf allergieauslösende Isothiazolinone und Formaldehyd/abspalter gelegt.

DIE DEKLARATION
Von Rechts wegen sind Volldeklarationen nicht vorgeschrieben. Die Hersteller müssen jedoch Biozide/ Fungizide und bestimmte Konservierungsstoffe auf den Farbdosen benennen und entsprechende Warnhinweise aufführen. Wir haben überprüft, ob sie ihren P ichten nachkommen. Außerdem haben wir abgeglichen, inwieweit die deklarierten Wirkstoffe den vorliegenden Laborergebnissen entsprechen.

DIE BEWERTUNG
Bedenkliche Wirk- oder Konservierungsstoffe werten wir streng ab. Notenabzüge gibt es zudem für irreführende und/oder unvollständige Herstellerangaben.