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Apples neue Leichtigkeit


Mac Life - epaper ⋅ Ausgabe 7/2020 vom 04.06.2020

Das MacBook Air ist der vielleicht spannendste Mac unserer Zeit. Schon deshalb, weil es in seiner Geschichte echte Top- und wahre Flop-Jahre gab. 2020 präsentiert Apple ein Gewinner-Gerät.


MacBook Air

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Bildquelle: Mac Life, Ausgabe 7/2020

In Sachen Design bleibt Apple sich treu: Das MacBook Air bleibt äußerlich praktisch unverändert.


Bittet man Menschen darum, sich einen Mac vorzustellen, haben die meisten entweder einen iMac vor Augen – oder eben das MacBook Air. Beide haben sich, was ihr Äußeres anbelangt, über mehr als ein Jahrzehnt kaum verändert; schon gar nicht in größeren Sprüngen. Das MacBook Air dürfte dabei der beliebtere Mac sein, ...

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... denn schließlich toppen Laptops Desktopcomputer für viele Menschen in vielen Belangen und sind für die Mehrzahl der potenziellen Käufer schlicht die richtige Wahl.

Die Geschichte des MacBook Air ist dabei eine mit Höhen und Tiefen und einem klaren Wandel. Als Steve Jobs das erste Mac- Book Air 2008 aus einem Briefumschlag zog, präsentierte er im Prinzip einen Laptop für Vielreisende, die genug Geld hatten, sich einen mobilen Zweitcomputer zu leisten. Schließlich war dieses MacBook Air oft schon mit leichteren Aufgaben der Bildbearbeitung schnell überfordert, sodass man es niemandem guten Gewissens als Hauptarbeitsgerät empfehlen mochte. Außerdem war es teuer.

Der Preis fiel im Laufe der Jahre, und so fand das MacBook Air mehr und mehr Fans. Und diese blieben dem Air treu, selbst als Apple es quasi fallen ließ und ihm über Jahre keine nennenswerten Updates – und vor allem auch kein Retina-Display – spendierte.

Inzwischen ist das Mac- Book Air nicht mehr teuer und schwachbrüstig, sondern verhältnismäßig günstig und leistungsstark. Es ist, in Anlehnung an die Entwicklung in Apples Mobiltelefonsparte, gewissermaßen das „MacBook SE“.

Ausstattung

2018 hat das MacBook Air einen echten Sprung gemacht, war ihm doch endlich auch ein hochauflösendes Retina-Display vergönnt. Beschweren konnten wir uns natürlich trotzdem: Die Auswahl an Prozessoren war gering, die Qualität der Tastatur fragwürdig.

In diesem Jahr startet Apple mit einem 1,1 Gigahertz schnellen Dual-Core-i3-Prozessor von Intel, 8 Gigabyte RAM und einem 256 Gigabyte fassendem SSD-Speicher zu einem Preis von 1.200 Euro. In den USA hat Apple den magischen Preis von 999 US-Dollar hinbekommen. US-Preise sind allerdings Nettowerte.

Als zweite Standardvariante bietet Apple das MacBook Air mit einem ebenfalls auf 1,1 GHz getakteten i5-Prozessor an, der allerdings vier Rechenkerne aufweist. Hinzu kommen beim Preis von 1.500 Euro 512 GB SSD-Speicher, der Arbeitsspeicher bleibt hingegen bei 8 GB.

MacBook SE

Analog zu Apples neuem iPhone SE ist das MacBook Air der Apple-Laptop für jedermann – wenn die Leistungsansprüche nicht zu hoch sind.

Wer das Topmodell erstehen möchte, muss noch einmal 1.080 Euro drauflegen. Für dann 2.580 Euro bekommt man allerdings auch eine Vervierfachung des SSD-Speichers auf satte 2 TB, eine Verdoppelung des Arbeitsspeichers auf 16 GB und ein nochmaliges Prozessorupgrade auf einen Quad-Core-i7-Prozessor mit einer Frequenz von 1,2 GHz. Allerspätestens in dieser Preisklasse lohnt sich allerdings ganz gewiss der Blick auf die MacBook-Pro-Reihe.

Das MacBook Air verfügt über zwei Thunderbolt-3-Anschlüsse. Mit diesen kann man – Iris-Plus- Graphics-Chip sei Dank – nun sogar 6K-Bildschirme ansteuern. Richtig gelesen: Du kannst ein Apple Pro Display XDR mit einem MacBook Air verbinden. Wir haben leider in der Redaktion kein entsprechendes Display zur Verfügung, gehen aber jede Wette ein, dass das MacBook Air bei dieser Arbeitsplatzkonfiguration ziemlich warm und laut wird.

Als eines der letzten aktuellen Apple-Geräte verfügt das MacBook Air auf der den Thunderbolt- 3-Anschlüssen gegenüberliegenden Geräteseite über eine Kopfhörerbuchse. Vielmehr ist dazu auch nicht zu sagen – außer: Die Kopfhörerbuchse ist ein Segen in Zeiten ständiger Videokonferenzen.

In der Redaktion befinden wir uns dieser Tage regelmäßig in solchen virtuellen Zusammenkünften und können eines langsam nicht mehr ertragen: Teilnehmer, die ihr Equipment nicht im Griff haben. Unser Tipp: Tue den anderen Teilnehmern der nächsten Konferenz einen Gefallen und verzichte auf Bluetooth-Headsets als Mikrofon – vor allem dann, wenn sie von minderer Qualität sind. Oft funktionieren sie gar nicht und müssen erst vor jeder Besprechung neu konfiguriert werden. Und meist klingen sie einfach deutlich schlechter als kabelgebundene Geräte. Und ja, das gilt auch für Apples AirPods.

Beim Bildschirm haben wir nichts zu bemängeln. Apple hat ein gestochen scharfes Retina- Display verbaut, das lediglich den P3-Farbraum des MacBook Pro vermissen lässt. Aber wer auf solche (für den Alltagsgebrauch vermeintlichen) Details gesteigerten Wert legt (oder legen muss), sollte vielleicht zu einem Pro-Gerät greifen.

Schere statt Schmetterling

Nach mindestens zwei Fehlversuchen kehrt Apple zum klassischen Tastaturmechanismus zurück.

Apple hat erkannt, dass man mit den „Butterfly- Eskapaden“ in den vergangenen Jahren zu viel Vertrauen zerstört hatte und präsentierte 2019 stolz das Magic Keyboard für das Mac- Book Pro. Diese neue Tastatur hat einen einen Millimeter Tastenhub und bringt vor allem nicht nur die Pfeiltasten in der Anordnung eines auf dem Kopf stehenden T, sondern auch eine echte Escape-Taste ([esc]) zurück. Außerdem ist es merklich leiser als die Schmetterlingstastatur.

In Sachen Tippgefühl erscheint es uns als vernünftiger Kompromiss, der die beiden Lager versöhnlich zusammenzuführen verspricht. Vor allem hoffen wir aber, dass der Spuk schlechter Tastaturen bei Apple damit für immer vorbei ist.

Eine Tastatur-Besonderheit der Mac- Book-Air-Modelle ist, dass sie ohne Touchbar auskommen (müssen) – ein weiterer Punkt, der Mac-Kunden in zwei kleinere Lager aus Fans und Gegnern und ein drittes, deutlich größeres Lager der Schulterzuckenden, teilt. Viele schätzen die Touchbar für ihre Flexibilität und die damit verbundenen Möglichkeiten. Andere bemängeln, dass sie nicht ständig eingeschaltet ist und gerade basale Funktionen häufig umständlicher zu erreichen sind.

Im MacBook Air verbaut Apple wieder eine uneingeschränkt empfehlenswerte Tastatur.


Ein echtes Problem ist die schwache FaceTime- Kamera. Bei iPhone und iPad leistet Apple seit Jahren deutlich mehr


Sebastian Schack


»Nach ein paar schwierigen Mac-Jahren hat Apple endgültig zurück in die Spur gefunden. Dieses MacBook Air kann man wieder gefahrlos jedem empfehlen, dessen Leistungsansprüche an die Maschine nicht allzu hoch sind. Einmal mehr ein Computer „for the rest of us“.«


s.schack@maclife.de @Mac_Life

Wertung

MacBook Air (2020)

Hersteller: Apple
Preis: 1.200 Euro
Web: www.apple.de

+kompakt, sehr flott für Alltagsaufgaben

-Standardvariante eventuell auf Dauer nicht gut genug, schwache Kamera

Leistung (30 %): 1,2
Design (20 %): 1,0
Funktionen (50 %): 1,3

NOTE 1,2

Fazit: Das ideale Mac- Book für alle, die nicht zu sehr auf Leistung angewiesen sind.

Etwas irritierend mag für weniger fachkundige Käufer sein, dass Apple die Auflösung des Displays mit 2.560 mal 1.600 Pixeln angibt. Denn standardmäßig ist das MacBook Air nur auf ein 1.440-mal-900-Pixel-Äquivalent eingestellt. Wenn mit deinen Augen aber alles in Ordnung ist, solltest du dies in den Systemeinstellungen möglichst umgehend (mindestens) auf eine 1.680-mal-1.050-Pixel-Auflösung ändern, damit die Elemente auf dem Desktop in anständiger Größe erscheinen.

USB-C-Chaos

Ansonsten sei an dieser Stelle erwähnt, dass sich das MacBook Air 2020 natürlich, wie auch schon seine Vorgänger, per USB-C aufladen lässt. Dem Laptop selbst liegt ein 30-Watt-Netzteil bei, du kannst aber auch jedes andere Netzteil verwenden, das die auf dem Original aufgedruckten Spezifikationen erfüllt. Vor allem bedeutet das: Du kannst zu Hause das Original von Apple nutzen und für unterwegs einfach immer ein günstigeres Netzteil im Rucksack mit dir führen.

Dabei verweisen wir gern noch einmal auf den etwas chaotischen Zustand, dass die jeweiligen Stecker von Thunderbolt-3- und USBC- Kabeln äußerlich gleich aussehen, obwohl die Kabel doch gänzlich unterschiedliche Funktionen aufweisen.

In aller Kürze: Thunderbolt 3 unterstützt alle Funktionen von USB-C, andersherum ist das nicht der Fall. Und selbst beim Laden von Akkus ist USB-C nicht gleich USB-C: Das „reine“ USB-C nämlich kann bei einer Spannung von 5 Volt und einem Stromfluss von maximal 3 Ampere mit höchstens 15 Watt laden. Erstehst du aber ein USB-C-PD-Kabel und -Netzteil (wobei das „PD“ für „Power Delivery“, also Stromversorgung, steht), sind Spannungswerte zwischen 5 und 20 Volt bei 5 Ampere möglich, sodass diese Stromquellen Geräte mit bis zu 100 Watt aufladen können.

Hast du erst einmal einen Mac mit Thunderbolt-3-Anschlüssen, kaufst du am besten auch nur noch entsprechend klassifizierte Kabel, um nie vor augenscheinlich absurden Rätseln zu stehen.

Das MacBook Air im Alltag

Im vergangenen Jahr ließ Apple Kaufwillige zwischen verschiedenen Dual-Core-Varianten und Speicherkonfigurationen entscheiden. In diesem Jahr gibt es auch Quad-Core-Modelle, die alles verändern. Schließlich führen sie dazu, das MacBook Air zu einer echten Empfehlung zu machen, da so auch Fotoretusche und rudimentäre Videoarbeiten Spaß machen.

Aber auch schon die Standardvariante mit ihrem asketisch anmutendem 1,1-Gigahertz-Dual- Core-Prozessor ist für den Alltag der meisten Menschen gut gewappnet. Wenn du es aber irgendwie mit deinem Budget vereinbaren kannst, raten wir zu einer der Quad-Core-Varianten – schon aus dem einfachen Grund, dass du daran länger Freude haben wirst.

Das Problem dabei ist natürlich, dass sich die Kosten summieren. Im MacBook Air kannst du im Nachgang absolut nichts mehr tauschen: Keinen neuen Arbeitsspeicher, nicht mal mehr SSD-Kapazität darfst du nachrüsten. Du musst dich also vor dem Drücken auf den Kaufen-Button entscheiden, was du haben möchtest. Und gerade beim MacBook Air müssen wir dir an dieser Stelle empfehlen, dein Budget auszureizen.

Das unterstreichen auch unsere Benchmark-Tests: Bei Geekbench in Version 5 erreicht unser MacBook Air einen Single- Core-Wert von 937 sowie einen Multi-Core-Wert von 2006 und wird so sogar noch von einem iPhone XS überholt. Natürlich hinkt der Vergleich, weil beiden Systemen eine grundlegend andere Prozessorarchitektur zugrunde liegt – aber dennoch.

Im Alltag bringt man das Mac- Book Air in unserer Konfiguration recht schnell an seine Grenzen. Wenn neben den Standardapplikationen wie Mail, Nachrichten, Safari mit ein paar offenen Tabs und einem Texteditor noch Photoshop geöffnet ist, drehen die Lüfter schon merklich auf.

Das ist nicht nur den vergleichsweise leistungsschwachen Prozessoren (etwa im Vergleich zum MacBook Pro) geschuldet, sondern auch der super-kompakten Bauform des MacBook Air. Denn Ähnliches hören wir von Kollegen, die sich für ein Quad- Core-Modell entschieden haben.

Ein echter Malus, der sich allerdings auf alle Macs bezieht, ist die integrierte Kamera. Über die haben wir uns schon in den vergangenen Jahren ausgiebig beschwert. In einer Zeit aber, in der viele Menschen täglich in Videokonferenzen sitzen, wird noch einmal ganz deutlich klar, wie unterirdisch die Qualität der FaceTime-Kameras ist, sobald die Lichtverhältnisse nicht mehr ideal sind. Wir hoffen, dass Apple hier der nächsten Mobil-Mac-Generation nachbessert. Denn dass Apple gute Kameras bauen kann, beweist man regelmäßig mit dem iPhone und iPad.

Fazit

Das MacBook Air ist seit 2018 die Standard-Mac-Empfehlung an jeden, der sich nicht selbst als „Pro“ sieht und deshalb mit den entsprechenden Geräten besser fahren würde. Eigentlich ist das MacBook Air also das neue Mac- Book – und zwar mehr noch, als

es das vorherige MacBook war.

Zu kompliziert? Uns geht es ganz ähnlich. Denn in Apples Portfolio fehlt derzeit ein mobiler Mac ohne modifizierenden Namenszusatz. Das „Air“ war die leichtere Alternative zum Mac- Book, das „Pro“ die leistungsstärkere Variante desselben. Aufgelöst wurde diese Reihung durch die Einführung des „MacBook“ (mit nur einem Anschluss), das Apple aber inzwischen schon wieder abgeschafft hat. Uns ist klar, dass Apple den Namenszusatz „Air“ nicht einfach streichen kann – zu beliebt ist die Marke inzwischen geworden. Dennoch: Merkwürdig ist das aktuelle Line-up, mit Blick auf die Namen, schon.

Wichtig ist, dass Apple nun auch im MacBook Air das Tastaturmodell getauscht und sich vom Butterfly-Keyboard verabschiedet hat. Dieses hatte zwar vom Tippgefühl her auch viele Fans, war aber derart unzuverlässig, dass wir Mobil-Macs nur noch mit einem deutlichen Hinweise darauf empfehlen konnten. Mit dem neuen Magic Keyboard in nun allen aktuellen MacBook-Modellen ist diese Zeit passé.

So gestaltet sich die Kaufempfehlung diesmal denkbar einfach: Wer mit einem Profigerät liebäugelt, ist mit einem MacBook Pro vermutlich auch besser bedient. Wer nicht weiß, was ihm die Pluspunkte der Pro-Klasse im Alltag bringen sollen, ist mit dem Air gut beraten.

Bestehen bleibt der Rat, wenn es irgendwie möglich ist, nicht das unterste Einsteigermodell zu kaufen, sondern im Zweifel etwas länger auf ein Quad-Core-Modell zu sparen und sich zu überlegen, ob man nicht auch noch den Arbeitsspeicher und die SSD-Kapazität erhöhen möchte. Denn im MacBook Air kannst du keine einzige Komponente nachträglich austauschen. Außerdem lässt sich so, perspektivisch gedacht, der Wiederverkaufswert deutlich erhöhen.

Einzelteile

Wenn man das MacBook Air, wie die Kollegen von Ifixit, in seine Komponenten zerlegt, ist es immer wieder beeindruckend, dass der ganze Computer zum überwiegenden Teil nur noch aus einem Akku besteht. Das Board ist in Relation dazu winzig.