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APS-C oder Kleinbild?


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ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 15.06.2022
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Wer über ein neues oder sein erstes Kamerasystem nachdenkt, muss zwei Grundsatzentscheidungen treffen: Marke und Sensorformat. Mit der Marke entscheidet man sich nicht nur für eine Kamerareihe, sondern auch für ein Objektivprogramm. Noch wichtiger ist die Sensorfrage. Bis vor wenigen Jahren war für die meisten Amateure der APS-C-Sensor die erste Wahl, als guter Kompromiss zwischen Leistung, Gewicht, Größe und Preis der Ausrüstung.

Heute dominiert der größere Kleinbildsensor die Neuentwicklungen. Trotzdem gibt es weiterhin gute Argumente für den APS-C-Sensor – wie auch die Neuheiten dieser Ausgabe zeigen. Unser Ratgeber vergleicht deswegen zwei APS-C- und zwei Kleinbildkameras um 1000 Euro. Zum noch kompakteren MFT-System gab es in den letzten Heften schon einige Tests, darum konzentrieren wir uns hier auf APS-C- und Kleinbildmodelle. Auf den Abdruck der Testtabellen verzichten wir hier, da die vier ...

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... Konzepte im Vordergrund stehen.

Sie finden alle wichtigen Messwerte und Punktewertungen in der erweiterten Kamera-Bestenliste mit 130 Modellen am Ende des Hefts. Für die Fujifilm X-S10 und die Nikon Z5 liegen bereits Testergebnisse nach dem erweiterten Testverfahren vor, für die anderen nach dem älteren; die Messwerte sind wegen des unterschiedlichen Kontrasts der Testvorlagen nicht vergleichbar.

Fast alles wird teurer. Auch die Preisentwicklung bei Kameras folgt diesem Trend. Vor allem für den Einstieg in ein spiegelloses System wird die finanzielle Hürde immer höher. Schließlich braucht man neben dem Kameragehäuse eine Grundausstattung an Objektiven sowie diverses Zubehör: vom Ersatzakku über Speicherkarten bis hin zum Blitzgerät oder Stativ.

Beispiel Sony: Rund 2800 Euro kostet das neue Kleinbild-Einstiegsmodell A7 IV, während der Vorgänger A7 III zur Markteinführung noch 500 Euro günstiger war. Für die Preisdifferenz bekommt man von Sony zum Beispiel ein 85-mm-Porträtobjektiv. Auf schnell fallende Preise braucht man nicht zu hoffen, da Lieferengpässe an der Tagesordnung sind. Auch der Preis für die Canon EOS R6 hat sich bislang kaum bewegt, von anfangs 2600 auf jetzt 2500 Euro. Die zweite Generation der Nikon Z6 erscheint mit 2250 Euro zwar vergleichsweise günstig, doch auch das ist viel Holz für Einsteiger.

Vier Kameras im Vergleich

Gibt es preisgünstige Alternativen? Ja, beispielsweise von Canon. Die EOS RP mit 26-MP-Sensor legt die Schwelle für den Einstieg ins spiegellose R-System mit Kleinbildsensor ungewöhnlich tief, sie kostet nur 1050 Euro. Preislich schwer zu fassen ist die Nikon Z5 mit 24-MP-Sensor im KB-Format: Zeitweise fiel ihr Preis auf 1050 Euro und stieg dann wieder auf fast 1400 Euro.

Im Schnitt war die Z5 zwischen Februar und Ende Mai, zum Redaktionsschluss, für rund 1200 Euro erhältlich.

Wie bei der Z6/Z6 II ist der Bildsensor der Z5 zur Bildstabilisierung beweglich gelagert. Im Gegensatz zu den teureren Modellen handelt es sich aber nicht um einen BSI-Typ. Zur Markteinführung wurde die Kamera nur im Kit mit dem Standardzoom Z 4-6,3/24-50 mm angeboten, inzwischen ist das Gehäuse aber auch einzeln erhältlich.

Aktivster Hersteller in der APS-C-Klasse ist Fujifilm. Der japanische Anbieter hat momentan sieben spiegellose APS-C-Kameras im Programm – darunter die in diesem Heft vorgestellte X-H2S – und ein weiteres Modell (X-H2) angekündigt. Für diesen Vergleich haben wir die X-S10 ausgewählt, die als einziges X-Serie-Modell unter 1000 Euro einen X-Trans CMOS 4 mit 26 Megapixeln und Sensor-Shift-Bildstabilisierung (IBIS) besitzt. Bei Sony gilt das nur für das Topmodell der APS-C-Reihe, die 1450 Euro teure A6600. Wir haben uns für die A6400 entschieden, die abgesehen vom fehlenden Bildstabilisator der A6600 technisch ähnelt und schon für 900 Euro zu haben ist.

Ein Bajonett – zwei Sensorformate

Sony verwendet ein universelles Objektivbajonett (E-Mount) für spiegellose Kameras der A-Serie, egal, ob es sich um Modelle mit Kleinbild- oder APS-C-Sensor handelt. Kleinbildobjektive können problemlos an Kameras mit APS-C-Sensor verwendet werden. Umgekehrt – also APS-C-Objektiv am Kleinbildgehäuse – geht‘s auch, jedoch nur dann, wenn man die Kamera in den APS-C-Modus umschaltet. Dann wird ein Ausschnitt aus der Mitte des Kleinbildsensors belichtet; die Auf-lösung-lsinkt-lzum-lBeispiel-lvon-l24-lauf-l 10 Megapixel. Auch Nikon verwendet in der-lZ-Serie-lein-lgemeinsames-lBajonett-l für die-lSensorformate-lFX-l(Kleinbild)-lund-l DX-l(APS-C).-lCanon-lgeht-lnun-lden-lgleichen-l Weg,-lwie-ldie-lNews-lzeigen.

Sensorformat und Bildwinkel

Die Vorteile von APS-C-Modellen gegenüber Kleinbildkameras lassen sich mit drei Worten umschreiben: kleiner, leichter und günstiger. Noch mehr als für die Gehäuse gilt das für die Objektive, wenn man von identischer Brennweite und Lichtstärke ausgeht. Selbst eine kompakte Kleinbildkamera wie die Nikon Z5 bringt mit erweitertem Standardzoom (Nikkor Z 4/24-120 mm) rund 1300 Gramm auf die Waage. Die Fujifilm X-S10 mit vergleichbarem Zoomobjektiv (XF 4/16-80 mm) wiegt dagegen nur 900 Gramm. Hat man zwei oder drei weitere Objektive im Gepäck, addiert sich das bei Kleinbild zu einem stattlichen Mehrgewicht. Der Platzbedarf in der Fototasche ist größer, der Preisunterschied beträchtlich: Das Fujifilm-Zoom kostet 750 Euro, während man für das Kleinbild-Pendant von Nikon 1300 Euro berappen muss.

Ein Kleinbildsensor misst rund 36 x 24 mm, ein Bildsensor im APS-C-Format zwischen 22,5 x 15 mm (Canon) und 23,5 x 15,6 mm (Fujifilm, Nikon, Sony). Während Bildsensoren rechteckig sind, liefern Objektive eine kreisförmige Abbildung. Der auszuleuchtende Bildkreis muss mindestens der Diagonale des Bildformats entsprechen, das sind circa 43 mm beim Kleinbildund 27 bis 28 mm beim APS-C-Format.

Die fürs Kleinbild konstruierten Objektive sind deshalb voluminöser und schwerer als Rechnungen für das APS-C-Format. Traditionell assoziieren wir Brennweiten und die zu erwartende Bildwirkung mit dem Kleinbildformat: 50 mm bezeichnen wir als Normal- (Bildwinkel circa 47 Grad), 35 mm als gemäßigte Weitwinkel- (circa 63 Grad) und 12 mm als Ultraweitwinkelbrennweite (circa 122 Grad), 75 mm als leichtes Teleobjektiv (circa 32 Grad) und 400 mm als Supertele (circa 6 Grad). An einer Kamera mit APS-C-Sensor verengt sich der Bildwinkel des Objektivs um den Crop-Faktor. Für die APS-C-Sensoren der meisten Hersteller gilt der Crop-Faktor 1,5 (Canon: 1,6). Das heißt: Ein 50-mm-Objektiv bildet das Motiv mit dem Bildwinkel eines 75-mm-Objektivs (50 mm x 1,5) ab. Bei unverändertem Aufnahmestandpunkt wird der Bildausschnitt enger. Der Effekt entspricht dem Beschneiden eines Fotos im Bildbearbeitungsprogramm.

APS-C-Sensoren begünstigen die Telefotografie, weil man zum Beispiel mit einem 300-mm-Objektiv die Wirkung einer 450-mm-Optik an einer Kleinbildkamera erzielt. Ein für APS-C gerechnetes 300-mm-Objektiv ist aber kleiner und leichter als ein Kleinbildobjektiv mit 400 oder 500 mm Brennweite. Kontraproduktiv wirkt der Crop-Faktor dagegen am anderen Ende der Brennweitenskala: Ein 10-mm-Ultraweitwinkelobjektiv hat an einer Kleinbildkamera einen Bildwinkel von rund 130 Grad. In Verbindung mit einem APS-C-Sensor sind es dann nur noch 110 Grad, was einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 15 mm entspricht.

Viele Fotografen bevorzugen Kleinbildkameras auch deshalb, weil sie das kreative Spiel mit Schärfe und Unschärfe begünstigen. Je größer nämlich der Bildsensor im Verhältnis zur verwendeten Objektivbrennweite und Arbeitsblende ist, desto geringer fällt die Schärfentiefe aus. Das „Freistellen“ eines Motivs vor unscharfem Hintergrund wird damit einfacher. Bei Kameras mit APS-C-Sensor lässt sich das bis zu einem gewissen Grad kompensieren, zum Beispiel durch Vergrößern des Abstands zwischen dem Motiv und dem Hintergrund, durch eine größere Arbeitsblende beziehungsweise Verwendung eines lichtstärkeren Objektivs. Mehr Schärfentiefe aufgrund eines kleineren Sensors kann aber auch Vorteile haben, etwa bei Landschafts-, Architektur- oder Makroaufnahmen.

Oder immer dann, wenn man wegen ungünstiger Lichtverhältnisse möglichst wenig abblenden möchte.

Auflösung und Pixelgröße

Eine Sensorauflösung um 24 Megapixel ist Standard bei APS-C-Modellen, bei Kleinbildkameras typisch für die Basismodelle der Hersteller. Damit lässt sich eine maximale Auflösung von mehr als 2000 LP/BH erreichen, unabhängig von der Sensorgröße. Mit Blick auf die Detailschärfe ist das APS-C-Format also keineswegs im Nachteil.

Bei niedrigen Empfindlichkeitseinstellungen zwischen ISO 100 und 400 produzieren Kleinbild- und APS-C-Kameras häufig Bilder mit ähnlicher Qualität. Unterschiede, die vielleicht im direkten Vergleich sichtbar werden, lassen sich oft eher auf die Bildverarbeitung in der Kamera und auf das verwendete Objektiv zurückführen als auf das Sensorformat.

Dennoch macht es einen Unterschied, ob man 24 Millionen Pixel auf der Fläche eines APS-C- oder eines Kleinbildsensors verteilt. Eine größere Sensorfläche erlaubt größere Pixel, die mehr Licht einfangen können. Bei höheren ISO-Einstellungen kann die Signalverstärkung moderater ausfallen, somit entsteht weniger Bildrauschen. Und je weniger man das Rauschen unterdrücken muss, desto geringer wird die auch Gefahr, dass die Texturen im Motiv glattgebügelt werden. Die Dynamik – die Fähigkeit des Bildsensors, hohe Motivkontraste abzubilden – profitiert von größeren Pixeln ebenfalls. Tendenziell zeigt sich der Qualitätsvorteil eines Kleinbildsensors eher bei höheren ISO-Einstellungen oberhalb von 800 als bei Eingangsempfindlichkeit. Kleinbildkameras gibt es aber nicht nur mit 24, sondern auch mit 45 oder sogar 60 Megapixeln Nennauflösung. Das geht zwar wieder auf Kosten der Pixelgröße, ermöglicht aber eine enorme Detailschärfe und viel Spielraum für Bildausschnitte. Wer sich den Weg in diese Kameraklasse offenhalten will, sollte von Anfang in Modelle mit Kleinbildsensor und möglichst hochwertige Objektive investieren.

Das Objektivangebot

Als Vorreiter bei spiegellosen Kleinbild-Systemkameras bietet Sony das insgesamt größte Angebot an KB-Wechselobjektiven. Das dazugehörige E-Bajonett ist jedoch identisch für die Kleinbild- und APS-C-Objektive. Das hat den Vorteil, dass alle für Kleinbild gerechneten Objektive auch an APS-C-Modellen wie der A6400 oder A6600 verwendet werden können. Der mögliche Wechsel von APS-C zu Kleinbild wird damit erleichtert. 41 Objektive für das KB-Format hat Sony derzeit im Programm. 18 Zooms und 23 Festbrennweiten decken einen Brennweitenbereich von 12 bis 600 mm ab. Auch das Angebot an APS-C-Objektiven – 14 Zooms und 8 Festbrennweiten von 10 bis 350 mm – dürfte den meisten Anwendern genügen.

Bei Fujifilm sind APS-C-Kameras das Kerngeschäft, der Hersteller baut keine Kleinbildkameras, stattdessen jedoch Mittelformatmodelle. Besonders reichhaltig ist das Angebot an maßgeschneiderten APS-C-Objektiven. Unter den 34 Produkten sind nicht weniger als 21 Festbrennweiten, darunter das extrem lichtstarke XF 1,0/50 mm und das XF 1,2/APD mit Apodisationsfilter und Autofokus. Die meisten Festbrennweiten, außer dem XF 2,8/80 mm OIS Makro und dem XF 2/200 OIS, haben keinen optischen Bildstabilisator. Das macht die Kombination mit der X-S10 besonders attraktiv, weil hier ein Sensor-Shift-Bildstabilisator für Verwackelungssicherheit sorgt. Unter den Zooms findet sich das XF 2,8/8-16 mm als Pendant zu kleinbildkompatiblen Ultraweitwinkelzooms mit 12-24 mm. In Summe werden die Brennweiten von 8 bis 400 mm (12-600 mm KB-äquivalent) abgedeckt. Auch Sigma bietet inzwischen AF-Objektive für das Fujifilm-X-Bajonett an, derzeit mit 16, 30 und 56 mm. Alle drei sind lichtstark mit Anfangsöffnung 1,4. Beim spiegellosen R-System hat Canon sich zunächst auf das Kleinbildformat konzentriert. Derzeit sind 25 Objektive, davon 11 Zooms, im Sortiment. Die kürzeste Brennweite beträgt 14 mm (RF 4/14-35 mm IS USM), dafür klotzt Canon am langen Ende des Brennweitenbereichs: Das RF 8/1200 mm IS USM ist das aktuell längste Supertele für spiegellose Kameras und kostet 23 500 Euro. Wie die News in diesem Heft zeigen, öffnet Canon nun auch das R-System für APS-C-Kameras (R7 und R10) – den ersten Test finden Sie in der nächsten ColorFoto. Darüber hinaus gibt es noch das Canon-M-System mit einem eigenen Bajonett für sehr kompakte spiegellose APS-C-Kameras und einem kleinen Objektivprogramm.

Auch Nikon hat sein spiegelloses Z-System mit Kleinbildkameras und -objektiven eingeführt: Die 10 Zooms und 14 Festbrennweiten decken einen Brennweitenbereich von 14 bis 800 mm ab. Früher als Canon hat sich Nikon zudem für eine Öffnung Richtung APS-C entschieden. Es gibt zwei Kameras, die Z50 und die Z fc aber nur drei APS-C-Zoomobjektive mit 16- 50 mm, 18-140 mm und 50-250 mm, alle mit optischer Bildstabilisierung. Erfreulich: Von Canon, Nikon und Sony sind Bajonett-Adapter erhältlich, um vorhandene SLR-Objektive in die spiegellosen Kamerasysteme einzubinden. Fremdanbieter wie Sigma, Tamron oder Zeiss ergänzen das Angebot um AF-Objektive. Dazu kommen zahlreiche manuell fokussierbare Objektive von Fremdherstellern wie Laowa, Samyang, TTArtisan oder Voigtländer.

Fazit

Man muss kein Vermögen für spiegellose Systemkameras ausgeben, deren Bildqualität und technische Möglichkeiten jedes Smartphone hinter sich lassen. Das beste Beispiel ist die Fujifilm X-S10 mit BSI-CMOS und Sensor-Shift-Bildstabilisator – ein Highlight in der Klasse bis 1000 Euro. Kauftipp: Preis-Leistung APS-C. Die Sony A6400 bietet eine vergleichbare Bildqualität und das noch leistungsfähigere AF-System, muss aber auf einen eingebauten Bildstabilisator verzichten. Dieser bleibt Sonys Topmodell mit APS-Sensor, der A6600, vorbehalten. Ein gutes Argument für die A6400 ist, dass sie als preisgünstiger Türöffner für Sonys A-Serie-Kameras mit Kleinbildsensor dienen kann. Dank identischem E-Bajonett lassen sich Kleinbildobjektive von Sony ebenfalls an der A6400 verwenden – eine Bereicherung vor allem für die Telefotografie. Kauftipp: Flexibilität.

Nur 1050 Euro kostet die Canon RP und ist damit die günstigste Spiegellose mit Kleinbildsensor – ein ideales Produkt für den Einstieg in Canons R-System. Kauftipp: Einsteiger KB. Im Vergleich zu Schwestermodellen wie der EOS R oder R6 wurde zwar der Rotstift an verschiedenen Stellen angesetzt, beim Fotografieren merkt man davon aber nicht viel. Ganz ähnlich gilt das für die Nikon Z5 als derzeit preiswerteste Spiegellose mit bildstabilisiertem Kleinbildsensor im Vergleich zu den Schwestermodellen Z6 und Z6 II. Kauftipp: Ausstattung.