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Apulien Zwischen Sporn und Absatz


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Italien mein Sehnsuchtsland - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 10.02.2022

Apulien -lang und recht schmal, erstreckt sich diese Provinz von der Halbinsel Gargano -dem Sporn -im Norden bis zur Halbinsel Salento im Süden, dem Absatz des italienischen Stiefels. Es ist ein fruchtbares Land, es gibt kaum etwas, was in Apulien nicht angebaut wird. Hier werden die Hälfte des italienischen Olivenöls und kräftige Rotweine produziert. Auch Tabak, Weizen, tropische Früchte, Mandeln und Feigen angebaut. Die Städte Apuliens sind einzigartig in ihrer Fülle an kostbaren Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Museen – besonders Bari, das alle Sinne herausfordert. Menschen aus allen Himmelsrichtungen hinterließen ihre Spuren: Griechen und Karthager, Juden und Araber, Stauffer und Normannen -Apulien, ein faszinierendes Reiseziel.

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Bildquelle: Italien mein Sehnsuchtsland, Ausgabe 1/2022

Der Gargano

Die Halbinsel Gargano, der Sporn des „Italienischen Stiefels, ragt 65 Kilometer hinaus in die Adria, das gleichnamige Gebirge erhebt sich mit dem Monte ...

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... Calvo bis auf rund 1000 Meter Höhe. Kleine, von weißen Felsen umrahmte Buchten, ebenso weiße Sandstrände, kleine Fischerorte, ausgedehnte Laubwälder im Naturschutzgebiet Foresta Umbra sind die Zutaten für das Gesamtkunstwerk Gargano; und über dem allem wacht der Erzengel Michael.

Schon von Weitem ist der Gargano zu sehen, aus der weiten, fruchtbaren Ebene des Tavoliere wachsen die grünen Berge heraus. Das erste, was zu sehen ist, sind die ausgedehnten Küstenseen Lago di Lesina und Lago di Varano. Es sind Meeresbuchten, die durch eine schmale Landzunge vom Meer abgeschnitten sind und nun mit Süßwasser gefüllt sind und dank ihres Fischreichtums ein Paradies für Zugvögel sind.

Dahinter beginnt die typische Landschaft des Gargano, die Straße windet sich mit vielen Kurven. Rodi Garganico ist das erste Städtchen auf unserer Tour. Umrahmt von grünen Kiefern, liegt das Städtchen auf einer felsigen Halbinsel, eingerahmt von zwei weiten Sandbuchten, die in der Abendsonne golden schimmern. Ein hübsches Hotel ist bald gefunden, im Hotelrestaurant serviert man uns frischen Fisch, dazu einen Pietra Viva aus dem Valle d‘Itria, der erste Apulische Wein, den wir probieren. Über Peschici, ebenfalls ein Ort, der eine Pause verdient,fahren wir weiter, vorbei an den viereckigen Wachtürmen, die wir noch an der gesamten Apulische Küste sehen werden, und an silbrig glänzenden Olivenbäumen erreichen wir Vieste, zwischen weißen Felsen und dem blauen Meer eingeklemmt. Die mit rund 14.000 Einwohnern größte Stadt des Gargano lohnt einen längeren Aufenthalt. Die Altstadt, im Südosten gelegen, ist ein Gewirr von engen Gassen, Treppen und Durchgängen. Gleich neben die wuchtigen Kastell, das Kaiser Friedrich Barbarossa erbauen ließ, die Kathedrale aus dem 11 Jahrhundert. Wir wandern durch die verwinkelten Gässchen, finden in den vielen kleinen Läden schöne, nützliche und überflüssige Souvenirs und kehren schließlich, es ist Mittag geworden, in einer kleinen Osteria ein, das such direkt an den Klippen befindet. Der Gastraum wird von gemauerten Gewölbe überwölbt, das die Mittagshitze abhält. Wir speisen vorzüglich: Die selbst gemachten Ravioli mit einer raffinierten Füllung schmeckten uns ebenso gut wie der Fischplatte. Die Frutti di Mare, die am Nebentisch serviert werden, sehen ebenfalls köstlich aus. Nach Espresso und der Rechnung, die trotz der hohen Qualität für italienische Verhältnisse moderat ausgefallen ist, gehen wir noch bis zur Landspitze, auf der die einschiffige, ganz aus dem weißen Tuffgestein der Umgebung erbaut wurde. Der Blick auf die Küste mit den steilen Felsen, die Altstadt bis hin zum Wahrzeichen von Vieste, dem Pizzomunno, einer weißen Felsnadel am Strand, ist wirklich schön. Von der Hitze des Nachmittags flüchten wir uns ins Museo Archeologico, bevor wir zu einer Siesta zurück zum Hotel gehen. Abends machen wir noch einen Spaziergang zum Markt, der nicht weit von unserem Hotel in der Viale XXIV Maggio liegt. Bis neun Uhr Abends ist er geöffnet und bietet vor allem frisches Obst und Gemüse, Käse und Wurstwaren.

Wir verlassen Vieste am nächsten Morgen, meiden die gut ausgebaute N 89 und nehmen die alte Küstenstraße, die sich um jede Bucht, um jede Geländefalte schlängelt. Kiefern säumen die Straße und immer wieder gibt es herrliche Ausblicke auf die steil ins Meer stürzende Felsen, bis sich hinter einer letzten Kurve plötzlich das Panorama der weiten Ebene von Mattinata öffnet. Hier zweigt die Straße ab hinauf zum Monte Sant‘Angelo, dem Heiligtum des Erzengels Michael. Steil und mirt einigen Serpentinen führt uns die Straße in die Berge. Je höher wir kommen, desto spektakulärer wird die Aussicht, bis wir schließlich den Ort erreichen. Uns begrüßen die für Monte Sant‘Angelo so charakteristischen niedrigen, weißen Reihenhäuschen in der Altstadt. Vor dem Palace-Hotel finden wir einen großen Parkplatz, zu Fuß machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Die alte Festung geht auf eine normannische Befestigung zurück -der „Torre del Gigante“ zeugt noch davon -und wurde unter Kaiser Friedrich II ausgebaut. Gegenüber steht der schlanke Campanile, unter dem sich das Heiligtum des Erzengels Michael befindet. In der darunter liegenden Grotte erschien im Jahre 493 dem Bischof Laurentius von Siponto in einer Erscheinung der Erzengel Michael und bestimmte den Ort zu seinem Kult. 89 Stufen führen hinunter in die Grotte, kaum einer kann sich hier der suggestiven Atmosphäre dieses uralten Heiligtums entziehen. Ein weiteres Bauwerk in Monte Sant‘Angelo besuchen wir noch: Es ist die Tomba di Rotari, ein romanischer Bau, dessen Bedeutung nicht endgültig geklärt ist: Baptisterium, Grabmal oder Glockenturm? Mit dem sagenhaften Langobarden-Fürst Rotari hat es jedenfalls nichts zu tun.

Nach soviel bedeutenden Bauwerken sehnen wir uns wieder nach der Natur und fahren auf einer schmalen, aber gut ausgebauten Straße gen Norden, hinein in den Foresta Umbra. Es ist der einzige größere Wald Apuliens, er steht seit 1991 unter Naturschutz. Ein kleiner See und ein Gehege für Hirsche und Mufflons befindet sich beim Informationszentrum, in dem Wanderer gute Landkarten und Wanderführer kaufen können. Für Hungrige gibt es sogar eine Trattoria.

Bevor wir über Manfredonia weiter nach Foggia fahren, halten wir kurz hinter der Stadt an. Zwei romanische Kleinode wollen wir noch besuchen:

Mitten auf einem weiten Feld steht die Kirche Santa Maria di Siponto, sie der einzige sichtbare Rest der im Altertum so wichtigen Hafenstadt Sipontum, sie wurde im 12. Jahrhundert umgebaut.

Etwas weiter außerhalb die Kirche San Leonardo, der Rest einer bedeutenden Ballei des Deutschen Ordens, hervorgegangen aus einem Pilgerhospiz. Beide Bauten sind bedeutende Beispiele der Romanik in Apulien.

Romanik zwischen Foggia und Bari

Foggia, eine geschäftige Kleinstadt in mitten der Tavoliere, jener großen und so fruchtbaren Ebene, in der schon Kaiser Friedrich II seine Mustergüter anlegen ließ. Der Name leitet sich nicht von „tavola“ -Tisch ab sondern von tabulae censuariae, den römischen Steuerlisten, die den Staatsbesitz verzeichneten. Schon damals war diese Region fruchtbares Bauernland, und das hat sich bist heute nicht geändert. Der Kaiser hatte hier in Foggia eine berühmte Residenz, jedoch blieb davon nur ein Torbogen erhalten, also weiter nach Lucera. Schnurgerade verläuft die Nationalstraße durch die Ebene hinauf in die Stadt, in der Friedrich II Sarazenen aus Sizilien ansiedelte. Neben ein römischen Amphitheater ist vor allem die große Festung über der Stadt und im Zentrum der Dom mit seiner reichen Ausstattung sehenswert.

Auf unserer Fahrt weiter nach Troia (ja wirklich) haben wir immer wieder weite Ausblicke über die Tavoliere. In Troia, das wie das bekanntere auf einem Hügel liegt, birgt einen romanischen Dom mit der schönsten Fassade Apuliens. Auf der Fahrt weiter gen Osten, in Richtung Bari machen wir noch kurz vor dem Örtchen Ordona eine Pause, hier befand sich in römischer Zeit die Stadt Herdoniae. Zu sehen sind noch einige gepflasterte Straßen und Reste von Tempeln. Dann ragt, wie eine Fata Morgana, die riesige Kuppel des Domes von Cerignola auf und nur wenige Kilometer weiter überqueren wir den Fluss Ofanto, wir sind nun in der Terra di Bari.

Canosa di Puglia ist hier unsere erste Station. Der Sage nach war der griechische Held Diomedes in ihre Gründung verwickelt. Die Stadt am Flussübergang des Ofanto der wichtigen Via Traiana war schon zu römischer Zeit ein bedeutender Ort. Bereits 343 als ältester Bischofsitz in Apulien erwähnt, die Ruine der Basilica San Leucio zeugt von dieser großen Zeit der Stadt. Aber auch die bestehende Bischofskirche, San Sabino, ist einen Besuch wert. Die Kirche hat im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Veränderungen erfahren. Nach dem Erdbeben 1689 wurde das Langhaus um drei Joche verlängert, zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Erneuerung der Fassade begonnen, aber nie vollendet. So müssen wir erst durch die drei neuen Joche gehen, um den Raum des frühen Mittelalters zu sehen. Fünf große Kuppeln schweben gleichsam über den quadratischen Jochen. Al- len Umbauten getrotzt haben zwei Kunstwerke der Kirche: die Kanzel und der Bischofsstuhl. Nach viel Kunst haben wir Hunger und wir streifen durch die Stadt und finden ein kleines Restaurant: die Osteria Vinàlia. Eine kleine Mittagskarte verspricht Gutes, die Küche hält das Versprechen, satt und zufrieden machen wir uns auf den Weg zum Meer, nach Barletta.

Das große Kastell von Barletta ist nicht zu übersehen. Gleich daneben ein Parkplatz, wie es scheint voll, doch da ist doch noch ein Platz frei. Also auf in die Festung, in der sich heute das Museo civico di Barletta (in Deutschland heißt so etwas „Heimatmuseum“!!). Im Museum gibt es eine Reihe antiker Statuen, darunter die angebliche Büste Friedrich II, jedoch ist dies nicht möglich, Kaiser Barbarossa hätte sich niemals so darstellen lassen, auch wenn Apulien seine große Liebe war. Ein Rundgang über die Bastionen erlaubt einen Blick auf die Stadt und die gleich neben dem Kastell befindliche Kathedrale Santa Maria Maggiore. sie wurde 1140 in normannischen Stil begonnen, die erste vier Joche gehören dieser Bauphase an, 200 Jahre später erfolgte dann die Erweiterung nach Osten. Durch die enge Gassen der Altstadt schlendern wir weiter, die Via Cavour und der Corso Garibaldi entpuppen sich als veritable Einkaufsstraßen. Hier finden wir denn auch die Kirche San Sepolcro, ebenfalls eine Kirche der Romanik. Vor der Kirche steht der berühmte „Kolos von Barletta“, ein meisterlich Bronzeguss aus der Spätantike, der vermutlich in Byzanz gegossen wurde und, so wird angenommen, Kaiser Valentinian darstellt.

Wir verlassen Barletta nun in nördlicher Richtung, die Straße führt schnurgerade nach Andria. Der Stadt war Kaiser Friedrich II sehr verbunden: in ihren Mauern schenkte Isabella von Jerusalem, seine zweit Ehefrau, dem Kaiser einen Sohn, den späteren deutschen König Konrad I. das Leben, starb jedoch durch die Geburt und wurde in der Krypta des Domes beigesetzt. Hier fand auch seine, 1241 in Foggia gestorbene, dritte Gattin ihre letzte Ruhestätte. Hinter Andria steigt das Gelände langsam an, wir fahren durch silbrig schimmernde Olivenhaine hinauf in die „Murge“, jenem kleinen Höhenzug, auf dessen Kamm eines der mysteriösesten Bauwerke Friedrich II steht, das Castel del Monte.

Castel del Monte

Schon bei der Fahrt die Murge hinauf ist es mal von weitem zu sehen, dann verschwindet es wieder, während wir durch eine Senke fahren, aber schließlich erreichen wir das kleine Wäldchen, das den Bau umgibt. Es ist früh im Jahr, die kleine Straße ist noch nicht gesperrt und so können wir bis hinauffahren. Während der Saison ist dies nicht möglich, dann müssen die Besucher auf den großen Parkplätzen an der Hauptstraße parken und rund 15 Minuten bergauf laufen. Wie eine Krone steht es über dem Land, das der Kaiser so liebte: achteckig ist der Grundriss, die acht Türme und der Innenhof, jeweils acht trapezförmige Innenräume liegen auf jedem der zwei Stockwerke. So klar die Architektur wirkt, so geheimnisvoll ist sie in Wirklichkeit. So ist es nicht möglich, im Untergeschoß alle räume direkt zu begehen, denn zwischen dem zweiten und dritten und zwischen dem ersten und dem achten Raum gibt es keine direkte Verbindung; nur über den Umweg über den Innenhof ist es möglich, von einem zum anderen zu kommen. Nur drei Räume haben Portale zum Innenhof, nur zwei haben einen Kamin; weitere zwei haben zu keinem Turminnern Zugang, zwei andere dagegen zu jeweils zwei Türmen. Nur im dritten, fünften, und siebten Turm führen Wendeltreppen ins Obergeschoß, dafür befinden sich in den übrigen Türmen achteckige Nebenräume mit Waschnischen und Kabinetten. Der Sinn all dieser Konstruktionen mag gewesen sein, die größte Sicherheit für den Kaiser zu schaffen. Nur auf einem genau festgelegten Weg war es möglich, den Kronsaal und damit den Kaiser zu erreichen. Nur wenig ist von der fast orientalischen Pracht geblieben, mit der einst diese Räume ausgestattet waren.

Auf dem Weg nach Trani machen wir einen Stopp in Ruvo di Puglia. 1810 war es, als bei den Ausschachtungsarbeiten für ein Haus ein Grab mit Vasen gefunden wurde, bei den folgenden Ausgrabungen kamen Tausende an Licht. Die schönsten können wir heute im Palazzo Jatta besichtigen. Aber auch die Kathedrale von Ruva ist durchaus einen Besuch wert, im Jahre 1200 begonnen, zeigt sie die Apulische Romanik auf ihrem Höhepunkt.

Trani

Wir fahren über Corato zurück zur Küste, nach Trani. Tiefblau leuchtet die Adria, leuchtend weiß der Stein: Die Kathedrale San Nicola Pellegrino könnte an keinem besseren Ort stehen. Hier befanden sich einmal die Reliquien des Hl. Nikolaus von Murcia. Doch als 1087 die alte Rivalin Bari die Reliquien entführte, stand Trani plötzlich ohne Heiligen da. Zum Glück fand sich da ein griechischer Pilger (italienisch pellegrino), der im Siechenhaus gestorben war, zufällig auch noch Nikolaus hieß und sogar Wunder vollbracht haben sollte. Kurzerhand wurde er heiliggesprochen und für ihn eine neue Kirche erbaut, die heutige Kathedrale. Besonder zu beachten ist die 1179 entstandene Bronzetür und die Krypta der Kirche, die mit ihren 28 dicht gestellten Säulen an eine frühe Moschee erinnert.

Von der Molo San Antonio hatten wir den schönsten Blick auf die Kathedrale, und das bei einem Abendessen im Restaurant Il vecchio e il mare (Hemingway lässt grüßen). Das Kastell, nur wenige Schritte entfernt, ist ebenfalls einen Besuch wert.

Über Molfetta, auch hier steht direkt am Hafen eine Kathedrale, diese ist dem Heiligen Konrad geweiht und ist die größte romanische Kuppelkirche Apuliens, 1150 wurde der Bau begonnen, fahren wir nach Bari, der Hauptstadt Apuliens.

Bari -Chaos mit Charme

Bari -das ist Hauptstadt, Hafen nach Griechenland, Albanien und Kroatien, das Flughafen und viel Verkehr. Bari, das ist aber auch eine liebenswerte und vor allem sehenswerte Altstadt, eine interessante Neustadt und eine gute Gelegenheit, eine Reise durch Apulien für einige Tage zu unterbrechen.

Auf der kleinen Halbinsel, auf der heute die Altstadt so malerisch liegt, siedelten schon in der Bronzezeit Menschen. Während der Römerzeit lag Bari als kleine Stadt ganz im Schatten des wichtigeren Brindisi. 847 eroberten die Mauren Bari und machten es 30 Jahe lang zu einem eigenen Emirat, dann kamen die Byzantiner nach Apulien, Bari wurde die Hauptstadt. 1071 kamen die Normannen und vertrieben die letzten Byzanti- ner. Friedrich II verlegte einen der sieben jährlichen Märkte des Königreiches nach Bari -eine Tradition, die bis heute in der Fiera del Levante fortbesteht. Unter Isabella von Aragon blühte zu Beginn des 16. Jahrhunderts Bari noch einmal auf, in dieser Zeit wurde das normannische Kastell weiter ausgebaut. All diese Eroberer und Besitzer Baris haben ihre Spuren hinterlassen, also auf zum Rundgang.

Wir beginnen unsere Besichtigungstour beim Castello Svevo di Bari, die nach dem Castel del Monte die wichtigste Festung Apuliens. Ruggero II il Normanno erbaute hier 1131 auf den Grundmauern eines byzantinischen Vorgängers eine Burg, Ende des 13. Jahrhundert hat Karl von Anjou (Carlo d’Angiò) den Nordflügel umgebaut, im 16. Jahrhundert hat Isabel de Aragón und später ihre Tochter Bona Sforza die Burg weiter befestigt. Zu besichtigen ist im Erdgeschoss die Gipsoteca, mit Gipsreproduktionen apulischer Monumente, im ersten Stock befindet sich eine Ausstellung zur Geschichte Apuliens.

Nicht weit vom Kastell entfernt, in einer der schmalen Seitengassen, liegt die Strada delle Orecchiette. Hier produzieren Baresi (zumeist Frauen) Orecchiette. Es ist unglaublich den geschickten Händen zuzuschauen, wie sie diese speziellen apulischen Nudeln produzieren – Orecchiette bedeutet Öhrchen, die Strada delle Orecchiette muss man gesehen haben. Die selbst gemachten Köstlichkeiten können hier gekauft oder in einem der Restaurant gleich probiert werden.

Wir wandern den breiten Corso Emanuele II entlang, einer eleganten Einkaufsstraße mit vielen exklusiven Geschäften, die Altstadt und Neustadt voneinander trennt. Sie führt uns direkt zum Museo Teatro Margherita, mit seinem lachsrotem Anstrich ist es schöner Kontrast zum Meer. Es wurde im „Stile Liberty“, dem italienischen Jugendstil, errichtet.

Entlang der Stadtmauer, die den Porto Vecchio begleitet, kommen wir zur Piazza Mercantile, dem alten Marktplatz der Stadt. Hier trafen sich die „führenden“ Schichten der Stadt im prächtigen Sedile di Nobili. Weiter der Stadtmauer entlang kommen wir zur bedeutendsten Sehenswürdigkeit von Bari, der Basilika San Nicola, Archetypus aller romanischen Basiliken Apuliens. Der Bau wurde 1087 begonnen, um die Reliquien des Hl. Nikolaus aufzunehmen. Als Bauplatz wählte man das Gelände des ehemaligen byzantinischen Amtsgebäudes. Es war die Kirche der Bürger, der weltlichen Autoritäten der Stadt. Hoch aufragend die Fassade, gegliedert durch auf Säulen aufsitzenden Lisenen. Das Mittelportal wird flankiert von zwei Stieren, Träger der Säulen des Portalaufbaues. Auch die weiteren Portale der Basilika zeichnen sich durch Verzierungen aus, die byzantinischem antike und islamische Einflüsse haben. Bemerkenswert ist, dass diese Kirche auch eine besondere Fassade auf der dem Meer zugewandte Ostseite hat, das prächtig gerahmte Mittelfenster musste den per Schiff ankommenden Pilgern wie ein verheißungsvolles Portal wirken. Im Inneren ist die 1089 fertig gestellte Krypta mit den 28 Säulen, das Zi- borium und der Bischofsstuhl bemerkenswert. Durch die kleinen Gassen der Altstadt kommen wir zur Hauptkirche von Bari, der Kathedrale San Sabino. Sie wurde nach der Zerstörung Baris durch den Normannen Wilhelm I -Bari probte 1156 den Aufstand -auf den Fundamenten viel älterer Vorgängerbauten neu errichtet. Man nahm die Nicolausbasilika zum Vorbild, doch zu gleich entschlossen, sie an Größe und Schönheit zu übertreffen. Dieser Wettstreit zwischen den beiden Bauhütten wurde aber gleichzeitig zu einem Austausch an Ideen und Formen. Das Innere der Kirche beeindruckt durch seine schiere Höhe, die dreigeschossigen Wände ruhen auf Rundbogenarkaden mit schlanken Säulen. Kanzel und Ziborium (das ist ein auf Säulen ruhender Aufbau über einem Altar) wurden rekonstruiert.

Die Neustadt von Bari mit ihren rechtwinklig angelegten Straßen entstand zu Beginn des 19, Jahrhunderts. Rund um Via Sparano, sie beginnt am Corso Emanuele II, ist Fußgängerzone mit eleganten Geschäften, Bars und Cafes. Das Kaufhaus Mincuzzi mit der Jugendstilfassade und die alteingesessene Bar Stoppani (Via Roberto da Bari 74) sind einen Besuch wert.

Vom Tal der weißen Häuser in den Salento

Die Fahrt beginnt mit einem besonderen Highlight: Der Tropfsteinhöhle von Castellana. Diese größte Tropfsteinhöhle Italiens liegt rund 35 Kilometer südöstlich von Bari und wurde 1938 erst entdeckt. Der Rundgang beginnt in der Grave, wie die riesige Eingangshöhle genannt wird. Durch große Säle und enge Gänge führt der Weg zur Grotta Bianca -das strahlende Weiß der der Tropfsteine und Sinterbildungen in beeindruckend. Wieder am Tageslicht fahren wir über kleine Straßen mit Steinwällen auf der Seite (hoffentlich kommt uns keiner entgegen) weiter nach Alberobello. Schon auf der Fahrt durch die grüne Landschaft fallen uns die Häuser mit den typischen Steindächern auf. Doch Alberobello ist wirklich die „Hauptstadt“ der Trulli. Wir parken am Hauptplatz Largo Matellotta und spazieren durch die engen Gassen. Die schneeweiß gekalkten Wände kontrastieren mit dem Grau der Steindächer. Selbst die Kirche Sant‘Antonio ist in Form eines Trullo gebaut. Es ja noch früh im Jahr, nur wenige andere Besucher durchstreifen die Stadt, die uns etwas fremd, doch einzigartig in Erinnerung bleibt.

Weiß ist auch die Hauptfarbe des nächsten Ortes: Locorontondo, was übersetzt ganz treffend „Runder Ort“ heißt. Die Altstadt des Ortes wurde kreisförmig auf die Spitze eines Hügels gebaut. Bei einem kurzen Rundgang finden wir erstmals auf unserer Fahrt einen anderen Baustil vor, den Barock.

Auch in Martina Franca, das wir nach kurzer Fahrt erreichen, ist der Barock das bestimmende Moment. Bei unserem Rundgang, den wir an der Piazza XX Septembre beginnen und der uns bis zur Kirche San Martino bringt, zeigt die Stadt den beschwingten, lebenslustigen Geist des Barocks statt der Erdenschwere des Mittelalters, das bisher so bestimmend war. Weiter nach Ostuni, die Stadt liegt auf der Spitze einer Geländestufe, etwa 270 Meter über dem Meer. Wie eine Fata Morgana tauch die Stadt in der Ferne auf, weiße, dicht gedrängte Häuser, überragt von seiner Kathedrale und der farbigen Kuppel von Santa Maria Maddalena. Unser Hotel liegt etwas außerhalb des Zentrums, nach dem unser Wagen in der Garage steht und wir das Gepäck im Zimmer haben, machen wir uns auf den Weg hinein nach Ostuni. Dreh-und Angelpunkt der Stadt ist die Piazza della Liberta. Wir gehen die Via Cattedrale, zuerst eine schmale Fußgängergasse, dann richtige Einkaufsstraße mit Metzgereien, Souvenir-Läden und Restaurants, hinauf, bis wir vor der Kathedrale stehen, die 1435 im spät- gotischen Stil erbaut wurde. Wir bummeln durch die Gassen der Stadt, wandern durch einen Spitzbogen, die Porta San Demetrio, hinaus auf die Hauptstraße und genießen von dort den Blick auf das Meer und die Küstenebene, wo langsam die Sonne untergeht. Wir verlassen die Stadt und fahren weiter, die Straße verläuft schnurgerade durch die immer eintöniger werdende Landschaft, bis wir am Horizont die Silhouette der Stadt Lecce sehen.

Lecce -Barock im Süden

Noch bevor wir in das Stadtzentrum hineinfahren, nehmen wir einige Abzweigung zum Zentralfriedhof von Lecce. An dessen Rand steht das einzige Bauwerk aus der staufisch-normannischen Zeit in Lecce, ein wahres Juwel der Romanik, die Kirche der Heiligen Nikolaus und Cataldo. Tankred von Lecce ließ sie 1180 erbauen. Wenn auch vor dieser Kirche der spielerische Gestaltungswille des Barock nicht halt gemacht hat, so wurden doch viele Einzelheiten des romanischen Baues in unsere Zeit hinübergerettet. Das Innere, in drei schmale, hochragende Schiffe gegliedert, in die das Licht aus der schlanken Kuppel über der Vierung so schön einfällt, zeigt immer noch den herben, sparsamen Geist der Zisterzienser.

In der Stadt selbst, die wir später durchwandern, erleben wir den sogenannten“barocco leccese“. Wahre Orgien an plastischen Verzierungen schmücken Kirchen und Palazzi, dank der berühmten Weichheit und Modellierfähigkeit der „pietra leccese“. Die wohl bedeutendste Schöpfung dieser Stilrichtung ist die Kirche Santa Croce, doch auch die anderen Kirchen zeigen, zu welchen bedeutenden Leistungen der Barock fähig war; und als wir schließlich den Domplatz betreten, können wir uns den grandiosen Eindruck dieses Platzes und seiner Gebäude nicht entziehen.

Zum Cap Santa Maria di Leuca

Südlich von Lecce, bis hinunter zum Cap Santa Maria di Leuca ist die Landschaft flach und eintönig. Wir fahren über die sogenannten Tavoliere di Lecce, eine riesige Kalkplatte, die weitgehend verkarstet ist. Wir fahren auf kleinen Nebenstraßen Richtung Otranto, besuchen unterwegs die Alimini-Seen, kleine grüne Oasen in der weiten Karstlandschaft und kommen schließlich nach Otranto.. Die weiße Stadt vor der tiefblauen Kulisse des Meeres, überragt von der mächtigen braunen Gottesburg, der Kirche Santa Annunziata, deren Besuch sehr lohnenswert ist. Am Hafen schauen wir hinüber nach Osten, noch Griechenland, zu den Küsten des Lichts, doch das ist eine andere Geschichte.

Wir bleiben aber dem Meer treu und fahren die schöne Küstenstraße, die von Otranto nach Süden führt. Die Kalktafel der Tavoliere bricht hier abrupt ins Meer, die Klippen sind mit geheimnisvollen Grotten durchzogen, immer wieder bieten sich schöne Ausblicke aufs Meer. Schließlich erreichen wir das Cap mit seinem großen Leuchtturm, das Ziel unserer Fahrt ist erreicht.