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Arbeitsagentur nutzen


plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 05.01.2022

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ICH WI LL WENIGER ABSCH LÄGE

DER FALL

Dieter Wulfkotte (Jahrgang 1959) arbeitet als Maschinen-schlosser. Seine Frau erreicht im März die Regelaltersgrenze, deshalb möchte er auch aufhören, er hat immer durchschnittlich verdient und 41 Entgeltpunkte. Wegen eines abgebrochenen Studiums kann er die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte nicht erreichen. Aber er möchte auch nicht so hohe Abschläge: 11,4 %, 160 Euro pro Monat.

Die Gefahr

Keine. Denn er erreicht Anfang 2022 ohnehin die Altersgrenze, kann also jederzeit Rente beantragen. Jeder Monat Arbeitslosigkeit hilft ihm also.

Die Situation

►Dieter Wulfkotte kann nur die Rente für langjährig Versicherte beantragen, wenn er nicht bis zur Regelaltersrente warten will. Die notwendigen 35 Beitragsjahre hat er; deshalb geht es für ihn nur darum, Zeit zu gewinnen, um den Abschlag zu minimieren (s. u.).

►Wer mindestens 58 ist und in den ...

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... vergangenen beiden Jahren mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt war, erhält 24 Monate Arbeitslosengeld – das ist der Maximal-Zeitraum, den auch Wulfkotte erreichen kann.

►Dabei spielt es keine Rolle, ob bereits Anspruch auf eine Rente besteht. Beantragt werden kann Arbeitslosengeld auch noch mit 64 oder 65. Der Anspruch endet erst mit Erreichen der Regelaltersgrenze (siehe rechte Seite), so § 136 Abs. 2 SGB III.

►Interessant ist das Arbeitslosengeld auch, wenn für die Rente für langjährig Versicherte noch einige Monate Wartezeit fehlen. Denn bei dieser Rente zählt die Zeit einer Arbeitslosigkeit unmittelbar vor Beginn einer Rente auch als Wartezeit.

Der Weg

Wulfkotte scheidet wie geplant aus dem Job aus, beantragt Arbeitslosengeld. Solange die Arbeitsagentur nicht drängt, ändert er nichts. Sollte der Druck zu groß werden, beantragt er Rente.

Die Vorteile

√Das Arbeitslosengeld ist höher – Wulfkotte würde 1.480 Euro pro Monat Arbeitslosengeld I erhalten, aber mit Abschlägen nur 1.239 Euro Rente.

√Pro Monat 241 Euro mehr Einkommen, in 2 Jahren fast 5.800 Euro.

√Zudem erhält er für jedes Jahr Arbeitslosengeld noch 0,8 Entgeltpunkte, da die Arbeitsagentur weitere Rentenbeiträge zahlt.

√Nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit beantragt er im März 2024 die Rente für langjährig Versicherte.

√Seine Rente dann: 42,6 Entgeltpunkte Abschlag 1.395 Euro, mind. 160 Euro mehr pro Monat, als wenn er sofort in Rente gehen würde.

IMMER MEHR ABSCHLÄGE Maximaler Abzug bei Rente mit exakt 63 Jahren, in %

LUKRATIV NACH ALTE RSTE I LZE IT

DER FALL

Michaela Roßfelder (Jahrgang 1959) arbeitet als Ingenieurin; sie schloss vor 12 Jahren einen Altersteilzeit-Vertrag. Seit 2018 ist sie in der Freizeit-Phase; diese endet im Januar 2022. Ursprünglich wollte sie danach in Rente, ohne Abschläge. Bisher hat sie 52 Entgeltpunkte. Da die Altersgrenze für die Rente für besonders langjährig Versicherte steigt, hat sie keine Chance mehr, Rente ohne Abschläge zu erhalten.

Die Gefahr

Keine. Michaela Roßfelder muss sich nur an die Auflagen der Arbeitsagentur halten.

Die Situation

►Die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte hat zwei Voraussetzungen:

→ Eine bestimmte Altersgrenze (siehe auch S. 23)

→ und mindestens 45 Beitragsjahre.

►Das Bundessozialgericht aber entschied bereits vor einigen Jahren (Az.: B 11 AL 25/16 R), dass Arbeitnehmer nach der Altersteilzeit Arbeitslosengeld beantragen können, wenn sie noch keine abschlagsfreie Rente erhalten. Auch eine Sperre beim Arbeitslosengeld ist nicht zulässig. Mit dem Altersteilzeit-Vertrag habe es einen wichtigen Grund gegeben, den Arbeitsvertrag zu beenden. Arbeitnehmer dürfen Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen, um Zeit bis zu einer abschlagsfreien Rente zu überbrücken.

Der Weg

Michaela Roßfelder beendet die Freizeit-Phase der Altersteilzeit wie vorgesehen und scheidet auch aus dem bisherigen Arbeitsvertrag aus. Sie beantragt dann Arbeitslosengeld. Da die Arbeitslosigkeit ohnehin nur für kurze Zeit geplant ist, dürfte sie kaum Auflagen (Bewerbungstraining usw.) der Arbeitsagentur erfüllen müssen.

Aber: Beim Berechnen des Arbeitslosengeldes gibt es eine Besonderheit – maßgeblich ist nicht der bisherige Netto-Verdienst während der Altersteilzeit, sondern ein niedrigerer Betrag. Denn beim klassischen Blockmodell – drei Jahre Vollzeit-Arbeit, drei Jahre Freizeit – hat man während dieser Zeit nur Anspruch auf 50 % des früheren Brutto-Gehalts. Und auf dieser Basis werden dann das Arbeitslosengeld und die Beiträge zur Rentenversicherung berechnet. Zwar zahlen Arbeitgeber freiwillig während der Altersteilzeit Aufstockungsbeträge, doch diese werden von der Arbeitsagentur nicht berücksichtigt.

Die Vorteile

√ Das Arbeitslosengeld ist geringer als eine Rente – Durchschnittsverdiener erhalten nach Altersteilzeit etwa 810 Euro pro Monat.

√ Zudem werden nur Beiträge für etwa 0,5 Entgeltpunkte überwiesen. Aber: Durchs Überbrücken wird eine abschlagsfreie Rente erreicht.

√ Die Rente erhöht sich durch die

√ Arbeitslosigkeit um etwa 17 Euro.

√ Statt 1.575 Euro Rente (im Frühjahr 2022) erhält Roßfelder im Frühjahr 2023 1.795 Euro, etwa 220 Euro mehr.

IMMER SPÄTER KEINE ABSCHLÄGE Berechnet werden diese auch bei ATZ-Verträgen von der Regelaltersgrenze aus.

So zählt eine Arbeitslosigkeit

Wer irgendwann arbeitslos war, sollte prüfen, ob dies richtig im Versicherungsverlauf gewertet ist. Maßgeblich ist, wann man arbeitslos war und ob Arbeitslosengeld oder -hilfe bezogen wurde.

Vor Juni 1978 Arbeitslosigkeit zählt nur als Anrechnungszeit (erhöht Rente nicht); keine Pflichtbeitragszeit.

Juli 1978 bis 1982 Pflichtbeiträge. Basis: 80 % des letzten Lohns. Auch Arbeitslosenhilfe erhöht Rente.

1983 bis 1991 Nur Anrechnungszeit, erhöht Rente nicht.

1992 bis 1994 Pflichtbeitragszeit. Beiträge auf Basis von Arbeitslosengeld bzw. -hilfe.

1995 bis 1996 Pflichtbeiträge: Gewertet wurde nun wieder auf Basis von 80 % des letzten Lohns.

1997 bis 1999 Pflichtbeiträge. Basis: 80 % des letzten Lohns. Beträge wurden aber nun um einen bestimmten Faktor wieder minimiert.

2000 Pflichtbeiträge. Weiter auf Basis von 80 % des letzten Lohns, aber der Minus-Faktor wurde abgeschafft.

2005 bis 2006 Bei Arbeitslosenhilfe (Hartz IV): Pflichtbeiträge auf Basis von 400 Euro. Bei Arbeitslosengeld keine Änderung.

2007 bis 2010 Bei Arbeitslosenhilfe (Hartz IV): Basis nur noch 205 Euro. Keine Änderung bei Arbeits losengeld.

Seit 2011 Arbeitslosengeld: Basis weiter 80 % des letzten Gehalts. Bei Arbeitslosenhilfe: Basis 205 Euro.

WENN KRANKENGELD AUSLÄU FT

DER FALL

Bernd Schöcking, 62, ist Einzelhandelskaufmann. Wegen starker Rückenbeschwerden ist er immer wieder krank und seit gut einem Jahr arbeitsunfähig geschrieben, das Krankengeld läuft bald aus. Er möchte die Zeit bis zur Rente (mit exakt 63) überbrücken.

Die Gefahr

Aussteuerung durch Krankenkasse (kein Krankengeld mehr, da keine Aussicht auf Genesung), bürokratische Hürden zwischen Arbeitsagentur und Krankenkasse, womöglich Vermittlung in Arbeit.

Die Situation

►Krankengeld wird für maximal 72 Wochen innerhalb von drei Jahren gezahlt – mit Lohnfortzahlung des Arbeitgebers sind also maximal 78 Wochen Krankschreibung möglich.

►Deshalb versuchen, diese maximale Dauer zu erreichen.

►Endet der Anspruch auf Krankengeld, droht Aussteuerung durch die Krankenkasse. Damit verbunden ist auch, dass man die Krankenversicherung verliert; dies unbedingt verhindern.

Der Weg

Arbeitslosengeld beantragen, bevor es zur Aussteuerung kommt. Der beste Zeitpunkt: zwei Monate vor Ende des Krankengelds. Wichtig: Es muss noch Anspruch auf Arbeitslosengeld bestehen, dafür muss sich Bernd Schöcking ge-sundschreiben lassen. Denn Arbeitslosengeld gibt es nur, wenn man dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Zuvor muss er sich mit seinem Arbeitgeber über das Ausscheiden einigen, z. B. durch Kündigung des Arbeitgebers wegen häufiger Krankheit. Achtung: Eigene Kündigung oder Aufhebungsvertrag zögen eine Sperre beim Arbeitslosengeld nach sich.

Die Vorteile

Auch wer krank ist, sollte sich früh bei der Arbeitsagentur melden.

√ Der Bezug von Arbeitslosengeld ist in jedem Fall besser als kein Einkommen. Auswirkungen auf die Rente gibt es kaum. Im Gegenteil:

√ Durch den Bezug von Arbeitslosengeld (statt Aussteuerung) steigen sogar die Rentenansprüche, da die Arbeitsagentur weitere Beiträge zur Rentenversicherung einzahlt: Basis sind 80 % des Bruttolohns vor der Arbeitslosigkeit.

√ Das Arbeitslosengeld nach Krankengeld bemisst sich trotzdem am Einkommen vor der Arbeitslosigkeit, auch wenn diese Zeit schon vor den 78 Wochen Krankheit lag.

√ Für Bernd Schöcking (Brutto-Verdienst zuvor etwa 3.000 Euro) heißt das: 1.198 Euro Arbeitslosengeld pro Monat, die anschließende Rente für langjährig Versicherte reduziert sich durch 1 Jahr Arbeitslosigkeit um monatlich 6 bis 7 Euro (plus Abschlag).

√ Ein Antrag auf Arbeitslosengeld nach langer Krankheit bringt Diskussionen mit der Arbeitsagentur. Dort besteht man oft darauf, dass man sich um Erwerbsminderungsrente bemüht, statt das meist höhere Arbeitslosengeld zu nutzen. Auf solche Diskussionen muss man sich nicht einlassen, wenn man formal dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Oft aber verzögert dies die Zahlungen.

√ Wenn man nicht wieder gesund ist? Dann gibt es eine Sonderform des Arbeitslosengelds: ALG bei Arbeitsunfähigkeit (§ 145 SGB III).

Und zwar so lange, bis die nachfolgende Leistung, etwa Rente, beginnt. Dies heißt „Nahtlosigkeitsregelung“.

Die Bedingungen dafür:

→Man ist arbeitslos oder hat noch einen Arbeitsvertrag, den man wegen Krankheit seit sechs Monaten nicht mehr erfüllen konnte.

→In den letzten zwei Jahren vor der Meldung wurde zwölf Monate lang versicherungspflichtig gearbeitet.

→Bei der Rentenversicherung ist eine EM-Rente oder Reha-Maßnahme beantragt.

HÖHERE ZURECHNUNGSZEIT Rente wegen Erwerbsminderung wird so berechnet, als habe man bis zu einem Stichtag gearbeitet.

45 JAH RE ARBEIT SIND GENUG

DER FALL

Rainer Sellering feiert im Januar 2022 seinen 63. Geburtstag; er hat keine Kinder und seit seiner Lehre als kaufmännischer Angestellter durchgehend gearbeitet (und immer durchschnittlich verdient). Mittlerweile kommt er auf 47 Arbeitsjahre. Trotzdem kann er nicht die Rente mit 63, also die Rente für besonders langjährig Versicherte, nutzen. Diese ist erst ab März 2023 möglich.

Die Gefahr

Keine. Rainer Sellering kann ebenfalls nur gewinnen. Bei ihm geht es vor allem darum, die Zeit bis zum Frühjahr 2023 zu überbrücken, um dann ohne Abschläge in Rente zu können. Die Rente für langjährig Versicherte würde er zwar im Januar 2022 erreichen. Doch dann hätte er 11,4 % Abschlag – in seinem Fall wären das fast 180 Euro weniger pro Monat – und zwar ein Leben lang.

Die Situation

►Die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte hat zwei Voraussetzungen:

→ Eine bestimmte Altersgrenze (siehe rechts)

→ und mindestens 45 Beitragsjahre.

►Aber: Bei der Rente für besonders langjährig Versicherte zählt die Zeit einer Arbeitslosigkeit unmittelbar vor Rentenbeginn nicht zu den Wartezeiten. Da aber Rainer Sellering heute schon die geforderten 45 Beitragsjahre „voll“ hat, benötigt er Zeiten der Arbeitslosigkeit für die 45 Jahre ohnehin nicht.

Der Weg

Rainer Sellering scheidet wie geplant mit 63 aus dem Beruf aus; er beantragt aber dann keine Rente, sondern Arbeitslosengeld. Eventuelle Auflagen der Arbeitsagentur (Bewerbungen, Trainings usw.) muss er erfüllen. Da er ohnehin nur für etwa ein Jahr arbeitslos sein will, dürfte die Arbeitsagentur kaum Auflagen (Bewerbungstraining usw.) machen.

Die Vorteile

√ Das Arbeitslosengeld ist immer höher als die Rente.

√ Zudem erhält er für das Jahr Arbeitslosengeld noch 0,8 Entgeltpunkte, da die Arbeitsagentur weitere Rentenbeiträge zahlt.

√ Nach gut einem Jahr Arbeitslosigkeit beantragt er im März 2023 die Rente für besonders langjährig Versicherte; er erfüllt dann auch alle geforderten Kriterien: Alter gut 64 und 45 Beitragsjahre.

√ Seine Rente beträgt dann mind. 45,8 Entgeltpunkte 34,19 Euro 1.565,90 Euro, also 200 Euro mehr pro Monat, als wenn er sofort in Rente gehen würde.

IMMER SPÄTER DIE RENTE MIT 63 So steigt die Altersgrenze – auch mit 45 Beitragsjahren

Ist Zwangs- Verrenten erlaubt?

Arbeitsagentur und Krankenkassen dürfen Renten- Anträge stellen, wenn Betroffene dies nicht wollen. Doch es gibt Grenzen.

Generell haben ältere (z. B. 64- oder 65-Jährige) und jüngere Arbeitslose die gleichen Rechte und Pflichten.

Das heißt konkret: Jede zumutbare Arbeit muss angenommen werden.

Aber: Ältere, die Arbeitslosengeld I erhalten, dürfen nicht gezwungen werden, einen Rentenantrag zu stellen, selbst wenn sie alle Voraussetzungen z. B. für eine Rente für langjährig Versicherte erfüllen.

Anders sieht es bei Arbeitslosengeld II (Hartz IV) aus – hier darf die Arbeitsagentur darauf drängen, dass eine Rente beantragt wird.

Wer allerdings schon eine volle Altersrente bezieht, kann sich nicht mehr arbeitslos melden; der Anspruch auf Arbeitslosengeld ruht dann vollständig.

Eine Sonderregel gibt es bei einer Erwerbsunfähigkeit: Hier gibt es einen indirekten Zwang zur Rente. Die Arbeitsagentur kann hier zum Rentenantrag innerhalb eines Monats auffordern. Kommen Versicherte dem nicht nach, darf Arbeitsagentur Arbeitslosengeld I einstellen (§ 145 Abs. 2 SGB III). Demnach wird die Leistung entzogen, wenn jemand dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht.

Aber: Wer eine befristete Erwerbsminderungsrente erhalten hat, die ausgelaufen ist und nicht verlängert wurde, hat wieder Anspruch auf Arbeitslosengeld (Bundessozialgericht, Az.: B 11 AL 3/16 R).