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ARDÈCHE NORD: Heiß auf den Vulkan


Alpentourer - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 30.10.2019

Wiesen statt Weinberge, Vulkanschlote statt Karstkuppen, liebliche Täler statt karger Flussläufe: Die nördliche Ardèche und die daran anschließende Haute Loire unterscheiden sich sehr vom südlichen Teil der Region.


Artikelbild für den Artikel "ARDÈCHE NORD: Heiß auf den Vulkan" aus der Ausgabe 6/2019 von Alpentourer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Alpentourer, Ausgabe 6/2019

Kleine Straßen führen zu den erloschenen Vulkanen im Nordwesten der Ardèche.


Der Petit Train de l‘Ardèche ist pure Nostalgie An Reben vorbei geht es aus dem Rhônetal hinauf


Wie bitte? Ein Restaurant? Hier oben? Verfahren? Mit Nathalie haben wir doch eine Einheimische dabei! Die steuert zielsicher über kleinste Straßen hinauf auf die Hügel oberhalb des Rhônetals in der Nähe von Tournonsur- Rhône. ...

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... Camping Simondon lesen wir nach einigen Kilometern auf einem Schild. Wegen Pommes mit Mayo diese Strecke? Als wir wenig später im netten kleinen Restaurant sitzen, den Gruß aus der Küche hinter uns und die Vorspeise vor uns haben, wissen wir, dass sich jeder Kilometer gelohnt hat. Tolles Essen, legere Atmosphäre und ein grandioser Blick über das Flusstal: So kann eine Tour durch den Norden von Ardèche und Haute Loire beginnen.

Dichte Rauch- und Dampfwolken schießen am nächsten Morgen aus dem Schornstein der Lokomotive, die am Bahnhof von Tournon steht. Nun ist es nicht so, dass im Land des Atomstroms die Eisenbahn im Kohlezeitalter stecken geblieben wäre. Der Petit Train de l‘Ardèche ist pure Nostalgie, dessen Name jedoch ein wenig in die Irre führt, denn die Ardèche bekommen die Fahrgäste aus den offenen Wagen heraus nie zu sehen, der Fluss strebt etliche Kilometer weiter südlich in Richtung Rhône.

Gemütlich mit dem Zug durchs Tal

Es ist der Doux, der die Richtung vorgibt, in die sich der Zug fauchend und pfeifend in Bewegung setzt – Begleiter Jochen und ich mit dabei. Die Bikes stehen am Bahnhof, waren längst nicht auf Betriebstemperatur gekommen. Gemütlich zuckeln wir nun durch das Tal, gewinnen langsam an Höhe. Die Äste der Bäume sind manchmal zum Greifen nah, die Felsen auch. Ein Tunnel, Asche weht über unsere Köpfe, dann wieder Sonne, der Fluss unter uns, über die Steine plätschernd. Handys klicken, als wir eine prächtige alte Brücke passieren.

In Colombier-le-Vieux dürfen wir aussteigen. Bauern verkaufen am Bahnhof Honig, Marmelade und andere Spezialitäten, während die Lokomotive von den Waggons abgekoppelt wird und auf einer Drehscheibe in die richtige Richtung gebracht wird – nach Tournon, wo wir eine Stunde später wieder aussteigen und die Helme überstülpen.

Ins Hinterland der nördlichen Ardèche

Im Zentrum von Tournon spielt ein Bluesband in einem Straßencafé einen Song von Muddy Waters. Am Mittag! Da müssen wir unbedingt noch kurz stoppen, einen doppelten Espresso trinken. Als Bluesfan könnte ich den Rest des Tages hier verbringen. Doch wir haben ein Ziel: das Hinterland der nördlichen Ardèche. Und das hat nichts mit dem Süden zu tun, wie wir ihn uns vorstellen: mit hellen, in der Sonne leuchtenden Kalkfelsen, intensiv duftenden Macchia-Büschen und dem flirrenden Asphalt schmaler Straßen.

Butter-Ardèche heißt diese Gegend, durch die wir nun rollen. Der Grund dafür steht schon kurz nach dem Beginn unserer Tour auf einer Weide. Eine Kuh knabbert am grünen Gras, wedelt mit ihrem Schwanz die Fliegen zur Seite und schaut ein wenig gelangweilt auf die Gefährte, die an ihrer Wiese vorbeirauschen. Und das auf alles andere als langweiliger Strecke, die uns schließlich nach Le Cheylard und zu der ein paar Kilometer entfernt liegenden Unterkunft La Grange de Sagne bringt.

Dort reicht die Zeit für ein Stiefelbier, das Christel und ihr Mann Matthieu anbieten. „Das wird im Nachbarort gebraut“, erzählen sie. Eine Brauerei mitten in der Ardèche, die man doch eher mit Wein verbindet? Na klar, denn von den Reben im Rhônetal sind wir hier so weit entfernt wie der Nordpol von einem Palmenstrand. „Vor zwei Wochen hat es hier so- gar noch geschneit“, erzählt Xavier Clairget von der Brauerei L‘Arivoise, als wir an diesem schönen Junitag die Tür zum Bierlokal öffnen.

In der Butter- Ardèche gibt es eine Menge Rindviecher, aber nur einen Bierbrauer: Xavier Clairget von der Brauerei L‘Arivoise.


Wie der Zahn eines Greises ragt die Ruine Blick des Château de Rochebonne über dem Eyrieux-Tal auf.


Schön zu fahrenen Kehren führen zum Vulkankegel Gerbier de Jonc und damit auch zur Loire-Quelle.


Er wartet mit einer weiteren Überraschung auf: Bier trinken ist im Weinland Frankreich mehr und mehr en vogue. Da passen wir uns doch gerne an die Sitten des Landes an und probieren Stout, Pale Ale, L‘Humulupucienne und noch mehr …natürlich in kleinen Gläsern, auch wenn wir mit Christel eine nette Chauffeuse haben.

Bed & Breakfast à la Francaise

Unsere Motorräder stehen derweil gut geschützt in ihrem Domizil, einem wunderschön hergerichteten, 140 Jahre alten Bauernhaus auf dem Hochplateau der Monts d‘Ardèche. Umgeben von Wald und Wiesen und ein paar Kühen. Drei Jahre hatte es gedauert, bis das Paar aus Belgien das Gebäude so hergerichtet hatte, dass sie 2011 die ersten Gäste in ihrem „Gîte de France“ – einer Art Bed & Breakfast à la Francaise – empfangen konnten.

Während wir dann doch zum Wein übergehen, bereiten sie das mehrgängige Abendessen vor und setzt sich zum Mahl zu uns an den Tisch. Erzählen von der rauen Gegend hier und dem Abenteuer ihres Neuanfangs im Süden Frankreichs.

Zwitschernde Vögel begrüßen den neuen Tag und zwangsläufig auch mich, denn das Fenster in meinem Zimmer war die ganze Nacht geöffnet, um die frische Höhenluft hereinzulassen. Noch vor dem ersten Kaffee spaziere ich durch den Garten, bevor wir uns alle am Tisch bei Croissants und Rührei einfinden. Wenig später sitzen wir auf den Maschinen und fahren in Richtung des Eyrieux-Tals.

Kurventanz zum ehemaligen Vulkan

An einem Parkplatz an der D478 steigen wir aus dem Sattel, genießen den fantastischen Blick auf die Ruine des Château de Rochebonne, dessen Überreste auf einem Felsen ein wenig unterhalb zu sehen sind. Wie der letzte Zahn eines Greises erscheint sie vor den Bergen der Umgebung und auch dem Gerbier de Jonc, unserem nächsten Ziel. Dem schwingen wir mal wild, mal genügsam entgegen, stehen schließlich nach einer herrlich zu fahrenden Bergstrecke auf der D410 unterhalb des ehemaligen Vulkans.

Der sticht mit seinen 1551 Metern und seiner markanten Felssilhouette, die an einen überdimensionalen Sandhaufen erinnert, aus der Umgebung hinaus. An seinem Fuß entspringt reichlich unspektakulär die Loire, die sich über 1000 Kilometer von einem glucksenden Gebirgsbächlein zu einem von imposanten, von Schlössern umrahmten Fluss entwickelt.

Passend dazu sind wir nun auch im Département Haute Loire unterwegs und cruisen zügiger in weniger gebirgigem Terrain in Richtung der größten Stadt der Region: Le Puy-en-Velay.

Im hübschen Hinterhofgarten des Hotels – das mitten in Frankreich den Namen Hotel Bristol bekommen hat – trinken wir noch einen Kaffee und machen uns schließlich fertig für das Abendessen. Das gibt es im Le Chamarlenc, einem netten kleinen Restaurant mitten in der von ehemaligen Vulkanschloten umgebenen Altstadt. Grüne Erbsen ge- hören genauso zu den Spezialitäten der Region wie Tee und Schnaps aus Eisenkraut, außerdem Champignon- Käse. Warmer Ziegenkäse mit Salat als Vorspeise, ein leckeres Steak und zum Nachtisch ein bunter Teller mit Eis, Gebäck und Früchten gehen zusammen mit einem Roten aus dem Loiretal natürlich auch. Gut, dass der Weg zurück zum Hotel nicht sehr weit ist …

Die Grenze der zwei Départements ist nur auf dem Stein, aber nicht in der Landschaft zu sehen.


Ein Blickfang ist die Kathedrale

„Wir haben hier viel Kopfsteinpf laster, das ist bei Regen nicht so gut – besonders für Motorradfahrer“, sagt Carly. Doch das ist am nächsten Vormittag, an dem wir mit der Stadtführerin aus Belgien bei schönstem Wetter zu Fuß unterwegs sind, kein Problem. In den engen Gassen der Stadt lässt man das Bike ohnehin besser stehen, das wäre nur hinderlich. Blickfang ist die Kathedrale, die auf den Überresten eines Vulkankegels thront.

Annähernd 1000 Jahre sind einige Teile des Gotteshauses alt, zu denen man über unzählige Stufen hinaufsteigt und sich der prächtigen Fassade nähert, die auch arabische Elemente enthält. Der Grund dafür ist, dass hier in dieser Kirche einer der vielen Zweige des Jakobswegs beginnt. Dessen Endpunkt in Santiago de Compostela war nun einmal unter maurischer Herrschaft. Wer hier seinen Pilgerweg beginnt, wird den großen Stein suchen, auf dem eine kranke Frau im dritten Jahrhunderte gesundete, nachdem ihr Maria erschienen war.

Wieder zurück in den Gassen von Le Puy stoßen wir auf Markierungen, die die Richtung zum Jakobsweg weisen. Und auf die Spitzenklöpplerin Christine, die vor ihrem Geschäft sitzt und diese für die Gegend typische Tradition am Leben hält. Am Ende unseres Besuchs besorgen wir uns noch ein Sandwich, steigen in die Stiefel und starten die Motorräder. Wir haben noch etliche Kilometer vor uns, doch Grund für Hetze gibt es nicht. So folgen wir erst einmal dem idyllischen Loiretal, verlassen dann den Fluss und f litzen auf recht ebenem Terrain nach Süden. Fast wie mit einem Zirkel gezeichnet verbirgt sich der Lac du Bouchet in einem Wäldchen südlich von Le Puy.

In der Kathedrale von Le Puy-en-Velay beginnt ein Zweig des Jakobswegs.


Der Gerbier de Jonc im Hintergrund gehört mit 1551 Metern zu den höchsten Bergen der Region


Fotostopp im Loiretal inklusive waren wir rund eine Stunde unterwegs gewesen, bis wir die Motorräder vor dem Chalet du Lac du Bouchet abstellen, einen Kaffee ordern und von der Terrasse auf dieses See-Juwel vor uns blicken. Der blaue Himmel spiegelt sich auf der Wasseroberf läche, die Sonne glitzert auf den Wellen. Ansonsten: absolute Ruhe, die sich auch in Kopf und Körper breitmacht. Das war vor 800 000 Jahren anders, als an dieser Stelle ein Vulkan explodierte und einen Krater hinterließ, der heute von diesem 100 Meter tiefen Gewässer ausgefüllt ist.

Kurs Ost – mal kleine, mal größere Straßen, die immer herrlich zu fahren sind, leiten uns zurück in Richtung Rhône-Tal. Im Feierabendverkehr zwängen wir uns durch Privas und erreichen schließlich Cornas. Ein kleiner Ort am Westufer des Flusses, wo es anscheinend an fast jeder Ecke einen Winzer gibt. Wir besuchen Alain Voge, der uns mit in seinen Weinberg nimmt.

1 000 Stunden Arbeit pro Hektar Wein

„Unser Granitboden hat viele Spalten, sodass die Reben auch im Sommer an Wasser kommen“, erzählt uns der Freund guter Syrah-Weine. 1000 Stunden Arbeit würden jeder Hektar Anbauf läche benötigen, beschreibt Alain die Mühen, die in jedem Glas guten Rotweins stecken. Einige Hänge seien so steil, dass nur am Seil geerntet werden könne. „Das Renommee der Weine aus der nördlichen Ardèche war in der Vergangenheit nicht so gut“, ergänzt er zum Abschluss.

Das jedoch habe sich mittlerweile geändert, wovon wir uns später am Abend im Hotel-Restaurant Le Cèdre de Soyons überzeugen werden. Hier an der Rhône in Soyons endet unsere Reise durch die nördliche Ardèche. Freund Jochen, der mit seiner grünen Kawa herrliche Farbtupfer in die Landschaft gesetzt hat, wird hoffentlich am Morgen auf das richtige Bike steigen. Denn vor der Terrasse steht eine zum Verwechseln ähnliche Maschine. Allerdings aus Plastik und deutlich kleiner. Da würden seine Knie schon bei der Geradeausfahrt auf dem Asphalt schleifen.

Bei der Auswahl des richtigen Bikes am Morgen sollte man die Augen offen halten.


ALPENTOURER: TOURENTIPPS

Zur Vorbereitung einer Tour in die Ardèche seien die offiziellen Seiten des Fremdenverkehrsamtes empfohlen. ardeche-guide.com

Alles Wissenswerte für eine Motorradtour in die Auvergne im Departement Haute Loire findet man auf dieser Internetseite. auvergnevacances.com

CHARAKTERISTIK

Drei, besser vier Tage sollten für diese Runde in den eher unbekannten Teil Frankreichs eingeplant werden. Die Qualität der Straßen ist unterschiedlich, schwankt zwischen „Aufpassen“ und ungestörtem Dahincruisen. Die Straßen hat man sehr oft für sich, Kehren sollten allerdings beherrscht werden.

SEHENSWERT

In Tournon sollte man sich die entspannte Fahrt mit der historischen Dampfeisenbahn gönnen und die Landschaft mal nicht durch das Helmvisier genießen. trainardeche.fr

ESSEN & TRINKEN

Aussichtsreich, aber etwas versteckt auf den Hügeln oberhalb von Tournon liegt das Restaurant Ferme de Simondon. Essen und Ambiente lohnen jedoch die Anfahrt – Zimmer gibt es auch. restaurant-gite-camping-simondon.fr

UNTERKUNFT

Gradlinig und ohne Schnickschnack ist das Hotel Les Amaniers in Tournon-sur-Rhône designt. hotel-amandiers.com

Eine Empfehlung ist das bei Valence gelegene Hôtel Le Cèdre de Soyons. Park, Swimmingpool, stilvolles Ambiente und leckeres Essen auf der Terrasse bleiben in Erinnerung. lecedredesoyons.fr

Tolle Zimmer, freundliche Wirtsleute, fantastisches Essen, dazu Ruhe fernab jeglicher Straße. Wer das mag, verbringt im alten und prächtig renovierten ehemaligen Bauernhaus La Grange de Sagne eine tolle Nacht – oder mehrere. grangedesagne.fr

Charmant, gleichwohl nicht mehr ganz modern: Das Hotel Bristol liegt in Fußweite der Altstadt von Le-Puy-en-Velay. theoriginalshotels.com