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ARL 44 I Maßstab 1:35 I Bau out-of-Box: Formenneuheit ARL 44 von Amusing Hobby: Der französische „Tiger“


ModellFan - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 30.03.2020

Amusing Hobby offeriert mit dem ARL 44 einen Bausatz, der in Passgenauigkeit und Abfolge seines Zusammenbaus an die japanische „Edelmarke“ Tamiya erinnert – also ein perfekter Kandidat für den Bau out-of-Box


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Bildquelle: ModellFan, Ausgabe 4/2020

Der ARL 44 mag nicht der beste Panzer gewesen sein, als Modell jedoch ist er ein wahrer „Tiger” unter den Bausätzen


Der französische ARL 44 wirkt, als sei er bereits 1946 aus der Zeit gefallen und eher „Steam Punk“ als Moderne. Das erste Mal begegnete ich diesem schweren französischen Panzer bei einem Besuch des Panzermuseums in Saumur im April 1994. Obschon in einer Ecke der alten Liegenschaft im ...

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... Freien abgestellt, beeindruckte dessen Größe und Geschützrohr. Und selbst im Modell ist die wuchtige Oberwanne durch feine Details wie Schraubenköpfe, Bolzen, Schweißnähte und die Ausprägung der Lüftergitter zutreffend gekennzeichnet. Durch Boden- und Heckplatte zu einer massiv wirkenden Panzerwanne und mittels seines Drehturms mit einem 90-mm-Geschütz vervollständigt, entstand ein schwerer Kampfpanzer, dessen Gleisketten eher an einen Vorkriegspanzer erinnern.

Die Ketten ließen sich in 1:35 aus fertigen Einzelstücken beweglich und klebstofffrei zusammensetzen/-klicken. Als arbeitstechnisch etwas aufwendiger erwies sich das Mehrrollenlaufwerk, das typisch für die französischen Konstruktionen etwa des Char B1 ist.

1 Der exzellent gefertigte Panzerkasten mit dem kleinteiligen Laufwerk lässt sich schnell und problemlos zusammenfügen


2 Die eher anachronistisch wirkenden Gleisketten setzen sich aus geklickten Einzelstücken zusammen, sind somit beweglich und – sie halten!


3 Ehe man es sich versieht, sind Wanne und Laufwerk mit Ketten zusammengefügt und beeindrucken auch durch die Größe


Beeindruckend präzise

Die Passgenauigkeit des Amusing Hobby-Kits beeindruckte enorm, denn alles fügte sich nahtlos und bestens zu- und ineinander (1). Fixierende Gummiringe dienten nur zur Unterstützung und waren eigentlich nicht nötig. Die doch eher anachronistischen Einzelgliederketten ließen sich ruck, zuck zusammenfügen und liefen gleich stimmig über die Vielzahl der kleinen Laufrollen (2, 3). Lediglich die beiden Antriebsräder drückte ich mittels Schraubzwinge sicherheitshalber fester zusammen, aber sie hätten auch so gehalten (4). Zur Längenermittlung und Anpassung fixierte ich die Gleisketten lediglich mit Tamiya-Tape und konnte sie so gesondert kolorieren (5).

Die doch recht großen Lüftergitter unterfütterte ich mithilfe eines schwarzen Kartons, den ich, passend zugeschnitten, erst einmal lediglich lose einsetzte (6). Es gibt nämlich keinerlei Innenraumdetails im Kit.

Die erste Auslieferungsserie des Amusing-Hobby-Modells verfügte über ein Metallrohr, das auch ohne ein Gegengewicht im Turm auskommt (7). Obschon auf den ersten Blick ein wenig verwirrend, ist die Auspuffanlage doch klar strukturiert, exakt gefertigt und passt sich gut ein – ein tolles Detail (8)! Mehr gibt es zum Bau nicht anzumerken, denn alles ist bestens umgesetzt.

Über die korrekte Kolorierung der Schlussleuchten mit Tarnlicht lässt sich die Bauanleitung leider nicht aus. Die Decals liegen bei


Trotz der imposanten Fahrzeuggröße sticht die Kanone, in der ersten Kit-Serie aus Alu, deutlich hervor


4 Damit die Antriebsräder auch wirklich in die Gleisketten greifen, werden sie mit Unterstützung von Zwingen passgenau geklebt


5 Um die Kettenlänge zu ermitteln (plus ein Kettenglied ist besser), sind diese aufgelegt und erst mal nur mit Tape verbunden


6 Den Motorraum ist absolut leer. Den Einblick verdeckt hier daher ein Stück schwarzer Fotokarton, erst nur eingesteckt

Auf dem Heck fallen die interessante Auspuff-Konstruktion und die großen Lüfter ins Auge, alles sehr schön out-of-Box detailliert


7 Einem Tiger II ebenbürtig war die Hauptwaffe. Das Rohr liegt der ersten Serie als Drehteil aus Aluminium bei


8 Die verwirrend wirkende Auspuffanlage zeigt sich ausgeklügelt umgesetzt, die Einzelteile lassen sich leicht verbauen – top!


9 Kanten und Vertiefungen sind mit einer schwarzgrauen Primer-Mischung vorgedunkelt, Flächen mit grauem Primer lackiert


10 Nach Bauanleitung erhielt der ARL einen Anstrich in „Französisch Blau“ über alles, hier A.MIG 062 „French Blue“


„bleu France“

Die Bauanleitung offeriert zwei Anstrichvarianten und eine nicht näher spezifizierte mit dem Kartonbild. Außergewöhnlich ist zumindest der Anstrich in „French Blue“ („bleu France“) über alles, der eher dazu geeignet ist, innerhalb von bebautem Gelände und gegen den Horizont zu wirken. Ge-nauere Informationen zum „bleu France“ als Anstrich bei Militärgerät liegen mir nicht vor. Dagegen dürfte der einheitlich grüne Anstrich, wie auf dem Kartonbild und am Original im Museum in Saumur, der Standard gewesen sein. Die Grundierung erledigte ich in hell-dunkel mittels Surface Primern in Schwarz und Grau (9). Darüber nebelte ich einen leichten Farbauftrag mit „French Blue“ über alles von Ammo by mig (10, 11). Hiernach brachte ich noch leichte Schmutzspuren mittels Washes von Vallejo auf (12), grundierte die Gleisketten schwarz, trug noch etwas Rostbraun auf und zog sie nach Trocknung endgültig auf.

11 Den benötigten und passenden Farbton lieferte hier das Set „French Tanks Colours“, A.MIG 7110 von Ammo by mig


12 Leichte Schmutzspuren mittels Washes von Vallejo sollen genügen. Der Arbeiter verdeutlicht die Größenverhältnisse


13 Nicht einmal das Internet kann bei Kolorierung und Markierung helfen, also kommen lediglich Hoheitsembleme und das Zulassungsschild auf den ausgefallenen Panzer


Kennzeichnung?

Amusing Hobby hat zwei Kennzeichnungsvarianten vorgegeben, zu denen ich leider keine weiteren Hinweise im Internet als auch in meiner Literatur finden konnte. Da diese in der Bauanleitung auch nicht erläutert sind, erhielt mein Modell lediglich die französischen Hoheitsembleme in Kokardenform und das Zulassungsschild (13).

Der französische ARL 44 von Amusing Hobby ist als Modell ein auffälliger Hingucker in jeder Sammlung, der sich dank seiner präzisen und qualitativ ausgezeichneten Anfertigung recht schnell und problemlos bauen lässt. Auch Anfänger sollten mit dem Kit klarkommen. Daher „Daumen hoch“.

Das Vorbild: Der französische ARL 44

Der ARL 44 1994 im Außengelände des Panzermuseums in Saumur


Foto: Lothar Limprecht

Der wesentliche Nachteil des französischen Char B1 war der kasemattartige Einbau des 75-mm-Hauptgeschützes in der Fahrzeugwanne. Der dadurch fehlende Schwenkbereich der Hauptwaffe sollte durch einen Drehturm behoben werden. Daher begannen bereits 1938 beim Atelier de Construction de Rueil (ARL) die Entwicklungsarbeiten für einen neuen Turm, der auf ein Fahrgestell des Char B1 hätte platziert werden sollen. Dieser ARL 40 befand sich jedoch zum Zeitpunkt der französischen Kapitulation im Jahr 1940 noch im Reißbrettstadium.

Während der deutschen Besatzungszeit wurden jedoch die Arbeiten am ARL insgeheim fortgeführt und mit der Befreiung von Paris im Jahr 1944 begann die Produktion, das erste Fahrzeug stellte man aber erst 1946 fertig. Statt der ursprünglich geplanten 300 wurden jedoch nur 60 Panzer gefertigt, die im 503. Panzerregiment Verwendung fanden. Am Nationalfeiertag im Jahr 1951 wurden diese ARL 44 erst- und einmalig öffentlich gezeigt. Ketten und Laufwerk entsprachen dem Char B1, Wanne, Turm und Motor (Maybach-Benzinmotor mit 700 PS) waren neu. Der ARL 44 verfügte über eine 90-mm-Hauptwaffe sowie ein koaxiales 7,5-mm-MG und ein weiteres zur Flugabwehr. Angesichts der langjährigen Besatzungszeit und des Zustandes der französischen Industrie zum damaligen Zeitpunkt ist dieser schwere Kampfpanzer durchaus bemerkenswert. Er blieb jedoch nur von 1947 bis 1953 im Einsatz.

Lothar Limprecht hat nach mehreren Jahren des Flugzeugmodellbaus sein Metier zu Militärfahrzeugen im Maßstab 1:35 gewechselt. Sein Interessenschwerpunkt liegt seither bei Militärfahrzeugen von 1914 bis 1945 mit besonderem Augenmerk auf deutsche, russische und japanische Fahrzeuge. Er bevorzugt Sonderfahrzeuge sowie Projekte, deren militärhistorischen Hintergründe er umfänglich recherchiert. Aber auch zeitgenössische Fahrzeuge finden immer dann sein besonderes Interesse, wenn sich diese den Gründungsjahren der Bundeswehr und NATO widmen. Der ARL 44 passt durchaus in sein Beuteschema.


Fotos, sofern nicht anders angegeben: Lothar Limprecht