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Armin macht die Frauen schön


myself - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 11.03.2020

Er ist Deutschlands bekanntester Make-up-Artist, zudem Friseur und Fotograf: Armin Morbach und seine Mutter Friederike übers Verrücktsein


Armin Morbach, 48

Früher kam ich in der Welt nicht gut zurecht. Ich war ein cleveres Kind, hatte aber eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Die Leute fanden mich eigen und dachten, ich wäre Autist. Es war früh klar, dass ich nicht studieren kann, weil meine Schulnoten zu schlecht waren. Also war ich gezwungen, mir etwas anderes zu suchen. Ich wurde Friseur, für mich die Eintrittskarte in eine Welt, die mich faszinierte. Den Mut, Dinge einfach auszuprobieren, habe ich von ...

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Bildquelle: myself, Ausgabe 4/2020

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... meiner Mutter. Sie war schon immer extrem unkonventionell und ist oft angeeckt. Wir haben uns früher gemeinsam die Haare grün und pink gefärbt und waren so etwas wie die Addams Family von Haag, einem kleinen, bayerischen Dorf bei Rosenheim. Anderssein war für mich normal. Bis heute ist es so: Wenn mir jemand sagt, das klappt nicht, finde ich eine Idee erst so richtig geil.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht auch schwere Zeiten gab. Als Teenager will man einfach nur dazugehören. Ich wusste aber früh, dass ich schwul bin, in der Schule wurde ich geschubst, gemobbt und manchmal sogar geschlagen. Natürlich haben meine Eltern mich getröstet. Sie haben mich aber auch dazu ermutigt, mir treu zu bleiben. So habe ich früh gelernt, dass es mir scheißegal sein muss, was andere über mich denken.

Friedi ist nicht nur meine Mutter, sie ist meine Sparringspartnerin. Wir reden über alles. Wenn ich nicht ihr Sohn wäre, wäre ich gern mit ihr befreundet. Sie denkt nicht in Schubladen und macht, wozu sie Lust hat. Sie frisiert sich ihre Haare ganz wild, trägt immer hohe Schuhe und Make-up, hat pedikürte Nägel und einen tollen Duft.

Zwei bunte Vögel in Schwarz: In ihrer Familie seien alle etwas verrückt, sagt Friederike Morbach.


Hängen ständig zusammen: Stylist Armin Morbach und seine Mutter „Friedi“.


Biografie

Armin Morbach geboren 1971, führt eine Hair-&-Make-up-Agentur und gibt das Beauty-Magazin Tush heraus, für das er auch selbst fotografiert. Bekannt wurde er als Juror in der ersten Staffel von „Germany’s next Topmodel“. Hobbys: Kunst sammeln, Innenarchitektur und Tierschutz. Sternzeichen: Krebs.

Friederike Morbach nennt ihr Alter nicht. Die gebürtige Münchnerin studierte erst Modedesign, dann ging sie bei einem italienischen Freskomaler in die Lehre. Heute entwirft sie Kostüme und Büsten für verschiedene Theater-, Foto- und Filmproduktionen. Hobbys: Kunst und Flohmärkte. Sternzeichen: Zwillinge.

Ich merke aber auch, wie sich unser Verhältnis langsam verändert. Sie wird älter. Mittlerweile bin ich der, der sich als Beschützer fühlt und ihr etwas zurückgeben will.

Viele nervt es, wenn die Eltern ständig da sind, ich liebe es. Ich mag Menschen, die authentisch sind. Im Job bin ich jeden Tag mit Leuten zusammen, die mir vorgaukeln, perfekt zu sein. Dabei finde ich Makel und Authentizität viel attraktiver. Wenn jemand ganz bei sich ist und keine Angst hat, aus der vermeintlichen Norm auszubrechen, ist das ein wertvoller Beitrag zu einer offenen und toleranten Gesellschaft.

Friederike Morbach, die Mutter

Armin war schon immer anders. Er war ein hochbegabtes Kind, doch darüber spricht er nie. Wir haben es mal testen lassen, überrascht hat uns das Ergebnis nicht, wir waren daran gewöhnt, dass er ständig große Ideen hatte und ihm vieles leicht von der Hand ging. Wir sind keine typische Familie, auch wir Eltern sind verrückt. Das Künstlerische liegt uns im Blut, mein Mann ist Tüftler und Erfinder.

Wir waren auch nie besonders streng, Armin und seine Schwester Sandra hatten viele Freiheiten. Klar ist er als Jugendlicher mal nachts ausgebüxt und nach München zum Feiern gefahren. Aber wir hatten immer ein Urvertrauen zueinander. Früher hat Armin viele seiner Freunde mit zu uns nach Hause gebracht, die sich aus Angst vor der Reaktion ihrer Eltern nicht geoutet haben. Ich sollte mit ihnen sprechen und ihnen Mut machen.

Heute arbeiten wir zusammen und sehen uns täglich im Studio oder am Set, manchmal 14 Stunden lang. Wir sind wie ein Familienbetrieb, ich fertige die Masken und Kostüme, die er sich für seine Produktionen vorstellt. Ob wir uns dabei auf die Nerven gehen? Überhaupt nicht, am Wochenende treffen wir uns zum Frühstück, oder er arbeitet mit seinem Vater im Garten. Das klingt alles wahnsinnig harmonisch, aber so ist es auch. Klar hat jeder seine Macken, Armin ist zum Beispiel extrem perfektionistisch. Wenn er sich etwas vorstellt, dann muss es auch bis ins Detail ganz genau so gemacht werden. Natürlich gibt es da mal Diskussionen, aber nie Streit. So richtig sauer und ungehalten erlebt man ihn sowieso nie. Es ist eher so, dass wir uns gegenseitig inspirieren und uns bei der Verwirklichung unserer Träume unterstützen, das hält jung.


FOTOS: Charlotte Schreiber

HAARE & MAKE-UP: MARCO ALECCI/BALLSAAL