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Artenvielfalt, Trends und Klimawandel: Ulf Nordfjell: „Jeder Garten ist wichtig!“


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 25/2019 vom 22.06.2019

Er gilt als Meister im Komponieren mit Stauden, Gräsern und Zwiebeln. Nicht umsonst zählt Ulf Nordfjell zu den führenden zeitgenössischen Landschaftsarchitekten Europas. Seine Gärten und Parks sind mit der umgebenden Landschaft verbunden und begeistern die Gartenszene.Margit Deml sprach mit ihm über Gestaltung und aktuelle Themen


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Fotos: Cato Lein, Jason Ingram/www.nordfjellcolection.se (3)


„Ich empfehle, anstelle von Lavandula, der etwas kniffliger geworden ist, mehr Salvia verschiedener Arten zu pflanzen.“
Ulf Nordfjell


Herr Nordfjell, Sie haben beeindruckende Gärten und Parks entworfen, viele davon ...

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... in Schweden. Zweimal wurden Sie in Chelsea mit Gold ausgezeichnet, einschließlich dem besten Showgarten 2009. Was haben all ihre Projekte gemeinsam?
Nordfjell: Meine Parks und Gärten sind eng mit der geografischen Lage verbunden. In Schweden verwende ich lokale Materialien wie Stahl, Granit, Schiefer und Holz. Alle meine Designprodukte werden für jedes Projekt extra hergestellt und in Schweden produziert. Ich verwende gernePinus - Arten und Stauden wieSalvia ‘Caradonna’ undSeslera nitida .

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Regeln für einen Gartenplaner?
Nordfjell: Ich denke, es ist wirklich entscheidend, dem Kunden zuzuhören. Hören Sie auf die Wünsche, dann können Sie eine Analyse in Bezug auf den Standort, die zu pflegenden Bäume und Topografie durchführen und danach den Plan für den Garten entwerfen. Das Schlüsselwort lautet „Struktur“ – erstellen Sie zunächst einen einfachen Plan, einschließlich eines guten Verhältnisses zwischen Innen- und Außenbereich. Akzeptieren Sie, dass es nicht Ihr Garten ist und dass der Garten tolerante Ergänzungen durch den Kunden entsprechend den familiären Situationen haben muss.

Sie setzen häufig regionale Pflanzen ein. Was sind die Vorteile bei der Verwendung?
Nordfjell: Regionale Pflanzen sind meist robuster und es breiten sich weniger Schädlinge aus. Außerdem kann man Nützlinge einsetzen und auf Chemie verzichten. In meinem Garten in Nordschweden muss ich die Winterhärte der Büsche und Bäume berücksichtigen. Aggressive Pflanzen verwende ich jedoch nicht. Zum Beispiel verbreitet sichCalamagrostis acutiflora ‘Karl Foerster’ nicht, während die reine Art Ausläufer macht. Regionale Pflanzen sind oft auch für Insekten, Schmetterlinge und Vögel interessant. Das erhöht die Artenvielfalt in meinen Gärten.

Ihr Garten liegt in Umeå. Was ist das Besondere und was gefällt Ihnen dort am besten?
Nordfjell: Der Garten liegt in der Nähe des Flusses Öre, umgeben von großen Waldgebieten. Er ist etwa 4.000 Quadratmeter groß, ein großer Teil davon ist Gemüsegarten. Heute ist es eine Art Labor, in dem ich neue Pflanzen und Kombinationen teste. Mein Lieblingsbeet ist bestückt mitAsarum europeum ,Fritillaria meleagris ‘Album’ undLilium martagon ‘Album’. In meinem Gemüsegarten befindet sich ein Gewächshaus, in dem wir Gemüse anbauen, im Freien gibt es sogar Erdbeeren. Ich bin am liebsten in der kleinen Orangerie mit Zitrusfrüchten und Farnen. Das ist ein fabelhafter Raum mit einem Kamin. Eine Besonderheit ist der Weg beim Essbereich: Darauf ist die Queen in Chelsea gelaufen. Ich habe die Granitplatten von dort mitgenommen.

Was ist beim Gestalten mit Pflanzen wichtig?
Nordfjell: Weniger ist mehr, aber nur, wenn man mehr weiß. Treffen Sie Ihre Auswahl und verwenden Sie sie in verschiedenen Kombinationen. Zudem sind hochwertige Bäume und Sträucher in vernünftigen Größen und einem guten Wurzelsystem ein Muss. Um später Probleme mit Bäumen und Sträuchern zu vermeiden, ist es wichtig zu wissen, welche Pflegemaßnahmen nach dem Pflanzen nötig sind. In Schweden sind ziemlich viele neue Unterarten vonEchinacea undSalvia kurzlebig. Ich wähle lieber langlebige Pflanzen und solche, die sich nicht zu stark ausbreiten.

Welche Pflanzkombination mögen Sie am liebsten?
Nordfjell: Es geht nicht um spezielle Pflanzen, aber ich arbeite gerne Schicht für Schicht mit Pflanzen. Zuerst beginne ich mit Bäumen, gefolgt von kleineren und einsamen Büschen. Ich verwende oft Schirmformen wie vonAmelanchier undCornus . Ich mag Pflanzen in unterschiedlichen Höhen und weiche Übergänge, da sie natürlich wirken. Durch die Verwendung von Formgehölzen erhält der Garten einen starken Charakter, der auch im Winter erstaunlich aussieht.

Klimawandel ist ein aktuelles Thema. Wie beeinflusst es die Gartengestaltung?
Nordfjell: Wir müssen den Klimawandel akzeptieren und uns mehr Wissen aneignen. In Schweden sind die Sommer im Norden etwas länger geworden, deshalb können wir mehr Sorten verwenden. Die Winter dagegen sind häufig kälter, was viele Stauden nicht überleben. Im Süden verursachen Regen und Überschwemmungen vermehrt Probleme unterschiedlicher Art. In der Mittelmeerzone ist der Sommer zu früh zu heiß geworden und die Pflanzen verfärben sich. In Gärten müssen mehr Pflanzen eingesetzt werden, die widerstandsfähig gegen Zugluft sind. Ich empfehle, anstelle vonLavandula , der etwas kniffliger geworden ist, mehrSalvia verschiedener Arten zu pflanzen. Kaufen Sie auch Pflanzen in regionalen, möglichst ökologischen Gärtnereien und Baumschulen.

Natur ist der neue Stil oder Trend. Auch Chelsea zeigte viele natürlich gestaltete Gärten. Können Sie sich vorstellen, was der nächste Trend ist?
Nordfjell: Ich denke, die Natur wird immer Teil des Gartenbausektors sein, aber auch der Anbau von eigenem Obst und Gemüse. Dies ist kein Trend, mehr oder weniger ein Lebensstil. Wenn es einen Trend gibt, würde ich sagen, dass Sie Ihr eigenes Gemüse ganzjährig in einem speziellen Gewächshaus anbauen, ohne Chemikalien zu verwenden. In den letzten 15 Jahren gab es in Chelsea immer wieder verschiedene Ideen zur Förderung von Insekten im Garten, aber auch regelmäßig sehr schöne Vorschläge für die Gestaltung von Outdoorküchen.

Wie stellen Sie sich zukünftige Gärten vor? Und wie könnten Produzenten darauf reagieren?
Nordfjell: Sie werden kleiner und nachhaltiger konzipiert sein, einschließlich der Terrassengärten in den Städten. Ich kann mir vorstellen, dass das Sammeln von Wasser ein wichtiger Punkt sein wird und dass der Boden des Gartens weniger versiegelt sein sollte. Das Pflanzen von Beeten auf Dächern und Wänden wird weitaus üblicher sein, sodass viele kleine Biotope entstehen.

Sie haben Ihren Traum verwirklicht, nicht nur in Schweden, sondern auch in Südfrankreich zu leben und zu arbeiten. Was sind Ihre Erfahrungen?
Nordfjell: Es ist ziemlich anspruchsvoll! Die Hitze ist wirklich ein Problem, auch Überschwemmungen. Ich habe einen sehr erfahrenen Konstrukteur in Frankreich, mit dem es eine Freude ist, zusammenzuarbeiten, weil er die Klimaveränderungen der letzten Jahre erlebt hat und weiß, wie man dieses Wissen in jedes Projekt einbezieht. Man braucht gute Pflanzenkenntnisse. Lokale ökologische Baumschulen gibt es nur wenige, aber sie verfügen oft über das nötige Wissen. Ich kaufe lieber solche Pflanzen vor Ort, als die, die quer durch Europa gereist sind.

Die Autorin

Margit Deml
Auf den Freisinger Gartentagen traf die studierte Landschaftsarchitektin und Gartenredakteurin den schwedischen Gartendesigner und war begeistert von seinen Projekten.

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Natürliche Akzente durch Granitblöcke am Wegesrand.