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Arthrose -Behandlung nach Maß


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 01.09.2021

GESUNDHEIT

Artikelbild für den Artikel "Arthrose -Behandlung nach Maß" aus der Ausgabe 10/2021 von Partner Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 10/2021

Die Symptome von Arthrosen im Anfangsstadium sind häufig unauffällig. Manche Hunde bewegen sich einfach weniger und geben Aktivitäten, beispielsweise Spielen, die ihnen früher Spaß gemacht haben, auf

Barbara Welsch

ist Tierärztin und renommierte Wissenschafts journalistin. Immer an ihrer Seite: Pinscher Dylan

Ab einem gewissen Alter haben die meisten Tiere und Menschen Gelenkprobleme: Die Beweglichkeit nimmt ab, bei bestimmten Bewegungen zwickt und zwackt es, nach längerem Liegen oder Sitzen ist man ganz steif und nach größeren Belastungen schmerzt das Gelenk manchmal auch in Ruhe.

Nicht immer, aber sehr häufig stecken Arthrosen hinter diesen Problemen. Die Arthrose ist eine unheilbare und fortschreitende Krankheit der Gelenke. Sie beginnt in der Regel mit Schäden am Gelenkknorpel und kann zu Veränderungen an allen Gelenkstrukturen inklusive der beteiligten Knochen führen. Die Gelenkveränderungen können auch schmerzhafte Entzündungen hervorrufen, die wiederum die arthrotischen Veränderungen verschlimmern.

Symptome der Arthrose

In den Anfangsstadien verursachen Arthrosen wenig Symptome. ...

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... Der Hund hat beispielsweise Mühe, nach dem Liegen aufzustehen, und geht die ersten Schritte etwas unsicher, staksig und steif. Nach wenigen Minuten laufen sich die Tiere dann aber ein, und bewegen sich wieder besser. Mit der Zeit fallen den Tieren je nach betroffenem Gelenk bestimmte Bewegungen immer schwerer. Die deutlichsten Symptome entstehen, wenn es im Verlauf der Arthrose zu schmerzhaften Entzündungen kommt. Bei akuten Gelenkentzündungen wirken die Hunde eher in sich gekehrt. Sie bewegen sich ungern, langsam und unsicher. Deutliche Lahmheiten kann man manchmal, aber nicht immer beobachten. Bei hochgradigen Entzündungen kann das Gelenk anschwellen, in diesen Fällen sollte man umgehend einen Tierarzt aufsuchen, damit er dem Tier rasch Linderung verschaffen kann.

Teufelskreis der Arthrose

Die Entzündungen entstehen als Reaktion auf die Schäden im Gelenk. Bei einer Entzündung bilden die Synovialzellen an der Innenseite der Gelenkkapsel eine Entzündungsflüssigkeit, die wesentlich dünnflüssiger ist als die Gelenkschmiere, die diese Zellen im gesunden Gelenk produzieren. Die Gelenkschmiere, auch Synovia genannt, sorgt für eine reibungslose Beweglichkeit des Gelenks und ernährt den Gelenkknorpel. Die dünnflüssige Entzündungsflüssigkeit kann diese Aufgaben nur mangelhaft erfüllen. Die Folge ist, dass der Knorpel einerseits durch die vermehrte Reibung im Gelenk und andererseits durch die Mangelernährung weiter geschädigt wird.

Die Entzündungen sind häufig auch sehr schmerzhaft, sodass der Hund die Bewegung des Gelenks vermeidet. Der Bewegungsmangel ist für die Gelenkgesundheit fatal, denn nur, wenn sich die Tiere bewegen, produzieren die Synovialzellen genügend gesunde Gelenkschmiere. Je weniger sich der Hund bewegt, weil ihm die Bewegung weh tut, desto schneller schreiten die Veränderungen im Gelenk voran, die ihm diese Schmerzen bereiten. Dieser Teufelskreis aus Entzündung, Schmerzen, Bewegungsmangel und fortschreitender Gelenkveränderung muss durch die Arthrosetherapie durchbrochen werden.

Therapie bei der Arthrose

Im Mittelpunkt der Arthrosetherapie steht die Linderung der Schmerzen. Daneben gilt es, die Beweglichkeit des Gelenks zu erhalten, Entzündungen entgegenzuwirken und das Fortschreiten der Gelenkveränderungen abzubremsen. Die besten Ergebnisse erzielt man dabei mit einer Therapie nach dem Baukastenprinzip, die auf den Einzelfall maßgeschneidert ist.

Zu den Therapiebausteinen, auch Module genannt, gehören Medikamente, Ernährung, Bewegung, Physiotherapie und falls nötig auch Hilfsmittel, wie zum Beispiel orthopädische Hundebetten oder Rampen, wenn der Hunde keine Treppen mehr steigen kann.

Medikamente

Wenn der Hund unter akuten oder chronischen Arthrose-Schmerzen leidet, können diese häufig nur durch Medikamente gelindert werden.

Viele Schmerzmedikamente haben auch eine entzündungshemmende Wirkung. Zur Behandlung des Arthroseschmerzes sind verschiedene Medikamente zugelassen. Und das ist auch gut so, denn nicht jeder Hund spricht auf jedes Medikament gleich gut an. Auch die Verträglichkeit kann von Hund zu Hund unterschiedlich gut sein. Bei einer lang andauernden, hochdosierten Schmerzmittel-

Therapie steigt das Risiko für Nebenwirkungen. Daher versucht man die Dosierung und den Einsatz der Schmerzmittel auf das unbedingt erforderliche Maß zu begrenzen, indem man auch die anderen Therapiemodule konsequent umsetzt. Darüber hinaus gibt es ein neues Medikament, das möglicherweise eine Lösung für Hunde darstellt, die die klassischen Medikamente nicht vertragen.

Neue Antikörpertherapie

Das neue Medikament beruht auf monoklonalen Antikörpern. Anti-körper sind vom Körper produzierte Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger oder Gifte. Seit einigen Jahren macht man sich das Prinzip der Antikörper aber auch bei der Schmerztherapie, zum Beispiel bei der Vorbeugung von Migräneattacken beim Menschen, zunutze. Der monoklonale Antikörper gegen die Arthroseschmerzen beim Hund bindet sich gezielt an einen Schmerz-Botenstoff, den „Nerve-Growth-Factor“, und unterbindet so die Entstehung von Schmerzen.

Der Antikörper wird alle vier Wochen unter die Haut injiziert. Nach der ersten Injektion kann es einige Tage dauern, bis die Schmerzen gelindert werden. Das Risiko von Nebenwirkungen ist nach heutigem Stand des Wissens gering, weil sich der Antikörper nur an den Schmerz-Botenstoff bindet und keine anderen Stoffe im Körper angreift. Der monoklonale Antikörper wirkt ausschließlich gegen die Schmerzen. Die Veränderungen am Gelenk kann er, genauso wenig wie andere Medikamente, nicht rückgängig machen. Manche Hunde sprechen jedoch nicht auf die Antikörpertherapie an. In diesen Fällen muss man die Antikörper absetzen und auf ein anderes Medikament umsteigen.

Gewichtsreduktion ist wichtig

Bei übergewichtigen Hunden ist Abnehmen die wichtigste Ernährungsmaßnahme zur Besserung von Arthrosen. Studien zeigen, dass man die Dosis der Schmerzmedikamente nach einer Gewichtsabnahme häufig reduzieren oder die Medikamente zumindest zeitweise absetzen kann. Neben einer maßvollen Ernährung können auch bestimmte Inhaltsstoffe der Nahrung sowie Futterergänzungsmittel die Therapie der Arthrose unterstützen. Hierzu zählen Omega- 3-Fettsäuren oder sogenannte Knorpelschutzstoffe wie Chondroitinsulfat oder Glykosaminoglykane.

Im Gespräch sind derzeit auch Futterergänzungsmittel, die CBD-Öl aus der Hanfpflanze enthalten. CBD-Öl ist ein nicht berauschendes Cannabinoid. In ersten Studien zeigte CBD-Öl eine leichte schmerzlindernde Wirkung bei Hunden mit Arthrosen.

Allerdings beobachtete man bei einigen der Tiere auch eine Erhöhung der Leberwerte und Erbrechen. Insgesamt ist die Studienlage sehr dünn. Daher sollte man sich grundsätzlich vom Tierarzt beraten lassen, bevor man CBD oder andere Hanfprodukte beim eigenen Hund ausprobiert. Gewarnt sei außerdem vor unbekannten Produkten aus dem Internet: Bei manchen Produkten wurden bereits giftige Inhaltsstoffe festgestellt.

Bewegung und Physiotherapie

Bewegung sorgt dafür, dass viel Gelenkschmiere gebildet wird, die den Gelenkknorpel ernährt und schützt. Allerdings können falsche Bewegungen oder die Überlastung der Gelenke Entzündungsschübe auslösen, die die Arthrose verschlimmern.

Am besten lässt man sich vom Tierarzt beraten, welche Art von Bewegung für den eigenen Hund am sichersten ist. Mit krankengymnastischen Übungen können Tierphysiotherapeuten dem Hund helfen, genau die Muskulatur aufzubauen und zu stärken, die das kranke Gelenk stabilisiert und entlastet. Mithilfe manueller Anwendungen werden schmerzhafte Muskelverspannungen gelöst und steife Gelenke durch passive Bewegung behutsam mobilisiert. Wärme oder Kälte, Reizstrom, Laser oder Ultraschall wirken gezielt auf örtliche Schmerzherde.

Wenn nichts wirklich hilft

Wenn die Maßnahmen nicht ausreichend wirken, können möglicherweise eine entzündungshemmende Bestrahlungstherapie oder eine Therapie mit Stammzellen dem Hund helfen.

Diese Methoden sind jedoch kostspielig und auch nicht immer von Erfolg gekrönt. Bei einigen Arthrosen kann eine Operation erwogen werden. Der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks, beispielsweise, gehört mittlerweile auch beim Hund zu den Routineoperationen. Aber auch andere Operationen können die Lebensqualität des Hundes verbessern.

Unter Umständen kann sogar eine Amputation der betroffenen Gliedmaße besser für den Hund sein, als weiterhin ständig unter Schmerzen zu leiden. Im schlimmsten Fall bleibt jedoch nur die Einschläferung, um den Hund von seinen Leiden zu erlösen.

In den allermeisten Fällen ist das aber glücklicherweise nicht nötig! Eine moderne multimodale Arthrosetherapie kann, mit etwas Glück, die Schmerzen des Hundes lindern, die Gelenkfunktion unterstützen, Entzündungen rasch eingrenzen und so die Lebensqualität des Tieres erheblich verbessern und über eine lange Zeit erhalten.

BARBARA WELSCH