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Arzneipflanze des Jahres: Andorn: Heilkraut des Mittelalters


LandApotheke - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 13.06.2018

Einst wurde der Andorn von allen Heilkundigen als vorzüglichstes Kraut gepriesen, heute ist er in Vergessenheit geraten. Der Wissenschaftler Dr. Johannes Mayer stellt uns die altbewährte Pflanze vor.


Artikelbild für den Artikel "Arzneipflanze des Jahres: Andorn: Heilkraut des Mittelalters" aus der Ausgabe 3/2018 von LandApotheke. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

FOTOS: PETER RAIDER. STYLING: ALEXANDRA AHRENS. PRODUKTION UND TEXT: ANGELIKA KRAUSE

Andorn –, Marrubium vulgare‘ – stellt keine Ansprüche an den Boden, kommt in freier Natur aber trotzdem nur selten vor. Geerntet wird das Kraut von Juni bis August


Nicht zuletzt verhalf im Mittelalter die Furcht vor der Niedertracht der angeheirateten Sippeschaft dem Andorn zu seinem Ansehen: „Sollten die Stiefmütter in ...

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... feindseliger Absicht Gifte zubereiten und in das Getränk mischen oder Eisenhut zum Verderben in trügerische Speisen mengen, so vertreibt ein Trank des heilkräftigen Andorn, unverzüglich eingenommen, die lebensbedrohenden Gefahren“, preist der ehrwürdige Benediktinerabt Walahfrid Strabo (809-849) das Kraut im Heilpflanzenbuch „Hortulus“.

HAUPTEINSATZGEBIETE

Während der Einsatz bei akuten Vergiftungen inzwischen höchst problematisch erscheint, hat sich der Gebrauch von, Marrubium vulgare‘, so der botanische Name, in der modernen Heilkunde in anderen Anwendungsgebieten durchaus bewährt: „Die Wirkung des Andornkrauts bei Katarrhen der Atemwege sowie bei Verdauungsbeschwerden ist bereits seit über 2000 Jahren gut dokumentiert und konnte heute durch verschiedene Untersuchungen wissenschaftlich belegt werden“, erklärt Dr. Johannes Mayer, der Leiter der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg. Sein Team sichtet und analysiert das historische Kräuterwissen aus den Klosterbibliotheken in ganz Europa und überprüft es anhand der Resultate und Einsichten, die aus modernen medizinischen Studien gewonnen wurden. Andorn gehört wie die Zitronenmelisse und die Pfefferminze zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler und sieht ihnen sehr ähnlich. Die rundlichen, herzförmigen Blätter sind jedoch kleiner und weisen auf der Oberseite ein tief eingesenktes Nervennetz auf, während sie unten stark filzig behaart sind. Die unverzweigten Stängel werden bis zu 80 Zentimeter hoch.

Dr. Johannes Mayer und andere Dozenten aus der Forschergruppe Klostermedizin bieten Seminare und Ausbildungen in allen Bereichen der Heilpflanzenkunde an


Im Garten von Kloster Oberzell hat die Forschergruppe – wie dieses Jahr auch auf der Landesgartenschau in Würzburg – üppige Beete mit den alten Heilpflanzen angelegt


KRÄFTIGE BITTERSTOFFE

Anders als Melisse und Minze hat das Kraut einen bemerkenswert herben Geschmack. „Das Charakteristikum des Andorn sind seine kräftigen Bitter- und Gerbstoffe“, bestätigt der Wissenschaftler. „Das sind die pflanzlichen Substanzen, die nachweislich zur Linderung der Beschwerden bei Husten sowie bei verschleimten und entzündeten Bronchien beitragen. Sie wirken auch choleretisch – das heißt, sie haben eine den Gallenfluss fördernde Wirkung, was die positiven Effekte bei Verdauungsbeschwerden unterstützt.“ Über die große Bedeutung von Bitterstoffen für den menschlichen Körper wusste die mittelalterliche Heilkunde nichts, aber man hat erkannt, dass Medizin manchmal bitter schmecken muss, wenn sie wirken soll – das wird durch neuere Forschungen immer wieder bestätigt. Rezeptoren für Bitterstoffe wurden nicht nur im Mund- und Rachenraum, sondern auch im Bronchialsystem gefunden. Ihre Aktivierung verursacht eine Erweiterung von verengten Bronchien und verbessert die Sauerstoffaufnahme sowie die Schleimlösung – was die hohe Wirkungskraft des Andorn bei diesen Beschwerden erklärt. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass seine Bitterstoffe schmerzlindernde Eigenschaften besitzen.
Auch äußerlich wird das Heilkraut seit jeher angewandt. „Das macht wegen des hohes Gerbstoffgehalts durchaus Sinn“, so Johannes Mayer. „Diese wirken auf die Haut zusammenziehend, entzündungshemmend und krampflösend. Umschläge, Bäder und Einreibungen können daher die Linderung vieler Hautprobleme unterstützen.“ Einige der alten Rezepturen für die äußerliche und die innerliche Anwendung des Andorn stellt der Forscher auf den kommenden Seiten vor.