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ASP Helden


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 30/2022 vom 11.02.2022

Kadaversuchhunde

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Volle Konzentration auf der Suche nach infizierten Sauen.

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Aktuell haben wir 3204 Fälle von der ASP zu verzeichnen. In Brandenburg allein sind bereits 2345 Tiere erkrankt, in Sachsen sind es 854 und in Mecklenburg bereits sieben. Mit dem Ausbruch im Landkreis Ludwigslust-Parchim sowie in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Landkreis Rostock, ist das Virus zudem deutlich dichter an Schleswig- Holstein herangerückt. In puncto Seuchenprävention gilt es also zu handeln!

Redaktion: Wer bildet ASP Suchhunde aus?

Richter: Meist sind es Jäger, die das Interesse zeigen ihre Hunde darauf auszubilden, jedoch ist es keine Vorgabe, dass es Jäger sein müssen. In vielen Bundesländern wird außerdem der §11-Schein als Nachweis für die Ausbildung von Hunden verlangt. Das Landwirtschaftsministerium schließt in Schleswig-Holstein mit den Ausbildern einen Vertrag zur Ausbildung der Hunde. ...

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Richter: Meist sind es Jäger, die das Interesse zeigen ihre Hunde darauf auszubilden, jedoch ist es keine Vorgabe, dass es Jäger sein müssen. In vielen Bundesländern wird außerdem der §11-Schein als Nachweis für die Ausbildung von Hunden verlangt. Das Landwirtschaftsministerium schließt in Schleswig-Holstein mit den Ausbildern einen Vertrag zur Ausbildung der Hunde.

Welche Rolle spielen Jägerschaft und Behörden? Wer übernimmt die Finanzierung?

In Schleswig-Holstein unterstützt das Ministerium finanziell und trägt die Ausbildungskosten für jeden Teilnehmer der Kurse. Bisher sind die Plätze aber nur in begrenzter Stückzahl vorhanden. Das Kreisveterinäramt ist ansonsten auch mit dabei und nimmt die Prüfungen mit ab. Sie prüfen vor allem, was die Hunde leisten können, damit sich im Ernstfall die Einsätze besser planen lassen.

Von welcher Stelle werden die Suchen koordiniert?

Bisher gibt es zum Beispiel im Kreis Bad Segeberg zwei Personen, die Kontakt zu den anderen Bundesländern haben. Die anderen Bundesländer wissen Bescheid, dass unsere Hundeführer bereit sind für den Einsatz und vor Ort unterstützen können. Bei einer Kontaktaufnahme durch andere Bundesländer werden die Termine für die Hundeführer im Kreis bekanntgegeben. Für die Koordination ist im Seuchenfall auch der entsprechende Kreis zuständig.

Wird der tatsächliche Einsatz von ASP-Suchhunden subventioniert?

Das wird in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Meist werden Unterkunft und Verpflegung gestellt, Fahrtkosten erstattet und eine Pauschale nach geleisteten Stunden gezahlt. Wenn Hundeführer von anderen Bundesländern angefordert werden, dann unterstützen das Veterinäramt und ebenso Jäger vor Ort.

Gibt es bestimmte Vorgehensweisen bei der Suche, wie werden die Gebiete festgelegt?

Bei den Suchen, zum Beispiel in Brandenburg in den Sperrzonen und Kerngebieten, startet man meist am Fundort des letzten aktuellen Falls. Meist werden die Suchgebiete dann in einem Radius von ein paar Kilometern abgesteckt und durchkämmt. Hierbei begleiten einen meist ansässige Jäger, die das Gebiet und Schwarzwild vor Ort kennen und wissen, wo es anzutreffen ist. Große Unterstützung kommt auch von vielen Personen aus der Bevölkerung, die dabei helfen, in Treiberketten die Gebiete zu durchstreifen und mit zusätzlicher Hilfe der Suchhunde versuchen verendete und infizierte lebende Tiere zu finden. Die Totfunde werden per GPS eingemessen und im späteren Verlauf von einem extra Bergeteam mit spezieller Ausbildung und Ausrüstung geborgen. Am Ende solch einer Suche muss alles, inklusive des Hundes, desinfiziert werden, um eine Verbreitung des Virus unter allen Umständen effektiv zu vermeiden.

Was sind die Schwierigkeiten, Besonderheiten?

Die größten Schwierigkeiten ergeben sich meist aus dem nicht planbaren Wetter. Insgesamt muss immer Rücksicht auf die Hunde genommen werden, wie zum Beispiel bei warmen Temperaturen im Sommer. Selbstverständlich spielt die eigene Kondition auch eine wichtige Rolle, denn es geht an einem Tag bis zu zehn Kilometer quer durch unwegsames Gelände. Da die Suchhunde meist in unwegsameren und schlecht zugänglichen Gelände wie Brombeergebiete, Schilfgebiete und Dickungen gebraucht werden.

Ist das Virus auch für den Hund gefährlich?

Das Virus selbst ist nicht gefährlich für den Hund, soweit das bisher bekannt ist. Die größte Gefahr stellt das Schwarzwild dar. Da man nicht nur auf bereits verendete Stücke trifft, können die Tiere natürlich sehr gefährlich für den Hund werden. Daher sollten Sie eine Weste für den Hund kaufen, um diesen zu schützen.

Findet man hauptsächlich Kadaver oder lebende Sauen?

Aus meiner Erfahrung waren es bisher bis zu 80 Prozent Kadaverfunde. Die letzten 20 Prozent waren ziemlich kranke, aber noch lebende Sauen. Diese zeigen dann Apathie und nicht vorhandenes Fluchtverhalten. Die Tiere laufen orientierungslos umher oder liegen im Kessel, ohne Reaktion auf den Hund oder den Menschen. Meist findet man die Tiere in Wassernähe, wie zum Beispiel an Seen, Gräben und Feuchtgebieten, da die Tiere durch das Virus hohes Fieber bekommen und sich dementsprechend abkühlen wollen. Das geht uns Menschen ja nicht anders.

Wie unterstützen die Veterinäre vor Ort die Suchhundearbeit der Jägerschaft?

Das Veterinäramt ist sehr engagiert und hilft bei der Organisation vor Ort. Es erklärt Regeln im Umgang mit dem Virus und zeigt zum Beispiel, worauf man bei der Desinfektion und dem richtigen Umgang mit der Kleidung achten muss. Ebenso unterstützen die Veterinäre die Ausbildung der Bergeteams, die dann verendete Tiere abtransportieren und fachgerecht entsorgen.

Gibt es Rassen, die sich besonders eignen, wird mit Schutzausrüstung gesucht?

Alle Rassen sind zu gebrauchen. Allerdings ist es besonders wichtig, dass der Hund kontrollierbar gegenüber dem Schwarzwild ist und abrufbar in einem gewissen Radius arbeiten kann.

Kann man einen brauchbaren Jagdhund ohne Weiteres zum Suchhund weiterbilden?

Darüber gibt es, wie bei so vielen Themen, geteilte Meinungen in der Jägerschaft. Es gibt bestimmt auch Hunde in Händen von nicht jagenden Personen, die geeignet sind. Ein Hund mit brauchbarer Ausbildung bringt meist eine gewisse Schärfe mit, findet die Sauen und ist eher darauf aus, die Sauen auf die Läufe zu bringen und sprengt in diesem Fall mit Pech die Rotte. Ein Hund ohne jagdliche Vorerfahrung verhält sich meist eher zurückhaltend dem Schwarzwild gegenüber. Dementsprechend gibt es Vor- und Nachteile auf beiden Seiten.

Welche Voraussetzungen braucht der Hund, um auf der Suche eingesetzt werden zu können?

Wie schon erwähnt, sollte es ein Hund sein, der dem Schwarzwild gegenüber verhalten arbeitet. Ruhige Hunde also, die vom Schwarzwild ohne Probleme abgerufen werden können, ein gewisses Suchenverhalten zeigen und selbstständig geschickt werden können. Es ist ebenfalls sehr wichtig, dass die Suchen des Hundes auf einen bestimmten Radius eingeschränkt und von den Sauen abgerufen werden können. Der Hund muss die Ausbildung zum Kadaversuchhund bestanden haben, dann kann er uns im Kadaversucheinsatz helfen.

Wie darf ich mir das Training für den Ernstfall vorstellen?

Im Vorfeld des Trainings wird ein Suchengebiet ausgesucht. Helfer legen im Vorfeld an bestimmten, festgelegten Stellen Teile von Schwarzwild aus. Dabei handelt es sich meist um Teile der Schwarte. Der Hundeführer darf dann am Übungstag seinen Hund einsetzen, wie er es gelernt hat. Mein Hund ist zum Beispiel schon zum Bringselverweiser ausgebildet und ich schicke ihn dann in die freie Suche. Sobald er etwas gefunden hat, führt er mich dann zum Stück bzw. Teil des Tieres. Regelmäßiges Trainieren wir bis zu zehn mal im Jahr per Gruppentraining, dazu noch im Einzeltraining.

Gibt es spezielle Übungen?

Wichtig ist, dass man nicht nur nach „Schema F“ verfährt. Man sollte immer verschiedene Übungen einbinden. Wir arbeiten auch öfter mit Schwarzwilddummies, die wir in einer Dickung verstecken oder an einen Baum gelehnt nutzen. Der Hund lernt so sämtliche Situationen kennen. Die Suche nach dem Kadavergeruch muss ebenso erst erlernt und differenziert werden. Es geht nicht nur um das Trainieren der Anzeige und das Rückführen zum Kadaver, sondern auch um den Umgang mit Ortungsgeräten, das Erlernen von Erster Hilfe für Mensch und Hund sowie den Umgang mit Kartenmaterial, Funkgeräten und narürlich Todfunden der Sauen.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich bei der Suche helfen möchte?

Im Prinzip kann man sich an die Landkreise wenden und dort seinen Hund zur ASP- Suche zur Ausbildung anmelden. Diese erklären einem auch was der Hund tun und was er mitbringen muss. Ansonsten kann man auch die Landesjagdverbände kontaktieren und dort nachfragen. Man sollte sich professionelle Hilfe bei der Ausbildung nehmen und nicht einfach drauflos üben. Von den Hundetrainern werden gute Konzepte an die Hand gegeben, um später auch ohne Trainer weiter üben zu können.

Wo besteht Verbesserungsbedarf ?

Am Anfang war es so, dass wir öfter mal zur Unterstützung angefordert wurden. Mittlerweile sind auch in den betroffenen Bundesländern viele Hunde ausgebildet und dementsprechend wird unsere Hilfe seltener in Anspruch genommen. Wenn man die Suchen selber betrachtet, gibt es vor Ort immer Verbesserungsvorschläge nach einer durchgeführten Suche. Man lernt auch bei der Kadaversuche nie aus.

Müssen Behörden die Ausbildung besser fördern und koordinieren?

Die Förderung ist bisher etwas dürftig und es müssen bessere Anreize zur Mithilfe geschaffen werden. Gerade was die Ausrüstung betrifft, ist dies wichtig.

Heiko Richter ist 43 Jahre alt, aufgewachsen in Mecklenburg Vorpommern. Nach der Ausbildung zum Forstwirt im FoA Abtshagen arbeitete er als Facharbeiter in Schleswig-Holstein im FoA Bullenkuhlen. Den Jagdschein hat er seitdem erreichen des 18. Lebensjahr und ist durch seinen Vater von Kindesbeinen an passionierter Jäger. Seit 2011 arbeitet er als Naturschutz- Ranger für das Landesamt für Landwirtschaft Umwelt und ländliche Räume und führt aktuell einen Deutsch Kurzhaar Rüden.