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Assistenten-Flut in der Bundesliga 159 Trainer bei den 18 Klubs


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 27/2021 vom 07.07.2021

BUNDESLIGA

Artikelbild für den Artikel "Assistenten-Flut in der Bundesliga 159 Trainer bei den 18 Klubs" aus der Ausgabe 27/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Trainingsauftakt in Gladbach am Wochenende. Trainer Hütter (M.) und sechs Helfer kümmern sich um drei Spieler

Sieben Trainer kümmern sich um drei Spieler und 19 Bälle. Der neue Cheftrainer Adi Hütter (51), mit Stoppuhr um den Hals, schaut Mittelfeldspieler Christoph Kramer (30) an und gibt Anweisungen. Seine sechs Assistenten hören genau zu. Ein Foto vom Trainingsauftakt bei Borussia Mönchengladbach macht deutlich, dass die Trainer in den weißen Trikots wie eine eigene Mannschaft auf dem Stadionrasen wirken.

Gladbach hat in dieser Saison den größten Trainerstab der Liga. Das Team von Hütter besteht aus insgesamt 15 Mitarbeitern, die täglich an der Verbesserung der Mannschaft arbeiten. Mit Armin Reutershahn (61), der seit 30 Jahren als Co- Trainer tätig ist, und Christian Peintinger (54) hat der Österreicher zwei seiner vier Assistenten aus Frankfurt mitgebracht.

Acht Klubs der Bundesliga sind mit neuen Cheftrainern in die Vorbereitung gestartet. Alle haben Vertraute mitgebracht. Insgesamt arbeiten ...

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... 159 Trainer in den 18 Klubs! Cheftrainer, Co-Trainer, Torwarttrainer, Athletiktrainer, Rehatrainer und weitere Spezialtrainer (siehe Übersicht auf der nächsten Seite). Die meisten Vereine beschäftigen sieben bis neun Trainer. Dazu zählt auch der Branchenführer Bayern München mit Chef-Trainer Julian Nagelsmann (33). Alle Trainer haben nur eine Aufgabe: Spieler besser machen, damit die Klubs ihre Ziele erreichen.

Dass die Trainerstäbe immer größer werden, ist nach Ansicht der Klubs und ihrer Mitarbeiter notwendig. Frankurts neuer Trainer Oliver Glasner (46), der vom VfL Wolfsburg gekommen war, sagt: „Ich finde es gut, wenn man Mitarbeiter hat, denen man vertrauen kann. Wenn meine Co-Trainer zum Beispiel Standards ausarbeiten, dann lasse ich die machen. Oder wenn die Athletiktrainer mit den Spielern arbeiten, dann bin ich manchmal gar nicht dabei und setze mich schon mit den Analysten zusammen.“

„Je größer der Trainerstab, desto individueller wird es“

Mainz-Profi Kohr

Der Trainer wird immer mehr zum Manager für die Entwicklung der Mannschaft. Dieses Bild hatte schon der frühere Erfolgstrainer Otto Rehhagel (82) zu Werder-Zeiten vor Augen. 1993 schwärmte er bereits von den Experten in der Trainerteams des US-Sports. Er erzählte, wie damals der Basketball- Trainer Pat Riley (u. a. LA Lakers, New York Knicks, Miami Heat) über Kopfhörer und Mikrofon mit seinen Spezialtrainern etwa für die Offensive und die Defensive verbunden war und Anweisungen gab.

Was sich vor knapp 30 Jahren, als es in der Bundesliga meist nur Cheftrainer und Co- Trainer gab, für den Fußball wie eine Science-Fiction-Erzählung anhörte, ist heute der Realität sehr nahe. Die ersten Spezialis- ten waren die Torwarttrainer. Begonnen hatten damit neben ihrer Assistenten-Tätigkeit schon in den 70er-Jahren Karl- Heinz Drygalsky (83) in Glad- bach und Rolf Herings († 77) in Köln. „Beide kamen aus der Leichtathletik und waren Dozenten an der Sporthochschule

Köln“, weiß Peter Neururer (66), der u.a. Schalke, Köln und Bochum trainiert hat. „Herings hatte den genauesten Schuss der Bundesliga. Er konnte eine Briefmarke aus dem Winkel schießen.“ Damit war er prädestiniert für die Aufgabe. 1988 wurde Sepp Maier (77) offizieller Torwarttrainer der Nationalmannschaft. Toni Schumacher (67) legte als solcher 1992/93 bei Schalke 04 in der Bundesliga los.

„Die Erfahrungsschätze großer Trainer sollten genutzt werden“

Es folgten Konditions- bzw. Athletiktrainer, zweite Co-Trainer. „Die Welle“ der Experten, wie es Köln-Retter Friedhelm Funkel (siehe Interview auf der nächsten Seite) ausdrückt, hat Jürgen Klinsmann (56) als Bundestrainer ab 2004 ausgelöst. „Das hat er aus Amerika mitgebracht“, weiß Funkel. Rehhagel, 2004 Europameister mit Griechenland, mag sich bestätigt gefühlt haben. Neururer hat hingegen bis heute wenig übrig für die Trainer-Mannschaften: „Ich finde diese Entwicklung fürchterlich. Als Trainer muss ich einen Bezug zur Mannschaft haben und kann nicht nur Spezialisten mit den Spielern arbeiten lassen. Ich brauche nicht fünf Assistenten – zwei und dazu ein Torwarttrainer reichen.“ Die Videoanalysten hält Neururer allerdings für sinnvoll. „Sie helfen, die Spieler besser zu machen.“ Ein Grund für die vielen Trainer auf dem Platz sind die immer größeren Spielerkader. Hinzu kommt die individuelle Förderung der Profis. Dominik Kohr (27), der mit Mainz unter Trainer Bo Svensson (41) zur Überraschungs-Mannschaft der Rückrunde wurde, erklärt: „Der Vorteil ist, dass man gefühlt einen Personaltrainer im Training dabei hat. Als Spieler kann ich zu einem der Trainer hingehen, sagen, was ich verbessern will, und der kann mit einem arbeiten.“ Und das jederzeit. Noch einmal Kohr: „Je größer der Trainerstab wird, desto individueller wird es. Wenn ich an meinem Stellungsspiel arbeiten will oder meine Bewegung nach der Ballannahme verbessern möchte, dann kann ich das direkt nach dem Training, in zehn bis 15 Minuten und noch auf der Anlage machen.“

Gladbach hat zehn Trainer mehr als Fürth

Die Tabelle zeigt, wie viele Trainer die 18 Vereine für ihre Profi-Mannschaft beschäftigen und welche Funktion sie im Stab haben

„Jeder Verein sollte einen Trainer-Entwickler fest anstellen.“

Trainer Daum

Wahrscheinlich ist, dass die Trainerstäbe in Zukunft weiterwachsen. Vor allem bei den Vereinen, die derzeit weniger Spezialisten beschäftigen wie etwa Fürth. Der Aufsteiger kommt noch mit fünf Trainern aus. Christoph Daum (67), ein Vordenker des Fußballs, sieht eine ganz neue Position: den Trainer der Trainerteams. „Ich halte die Aus- und Weiterbildung der Trainer und ihrer Assistenten für sehr wichtig. Deshalb sollte jeder Verein einen Trainer-Entwickler fest anstellen“, sagt Daum. Er selbst sieht sich in einer solchen Ratgeber-Rolle. „Es ist schade, dass die Erfahrungsschätze von großen Trainern wie Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes nicht genutzt werden“, sagt Daum. Sie könnten junge Trainer vor Fehlern bewahren, wenn es um die Mannschaftsführung geht, um Krisenbewältigung, um den Umgang mit Kritik.

Ehemalige Top-Trainer als Mentoren für ihre Nachfolger? Im Zeitalter von Potenzialtrainern (Frankfurt) scheint das nicht weit weg zu sein.