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Auch Wale kommen in die Wechseljahre


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Donna - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 06.07.2022

Medizin

WECHSEL-JAHRE RELOADED

Artikelbild für den Artikel "Auch Wale kommen in die Wechseljahre" aus der Ausgabe 8/2022 von Donna. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Wechseljahre ? na und?! Können die Walkühe keine Jungen mehr bekommen, werden sie zur Clanchefin

Die Menopause der Tiere

Sie sind faszinierend, weibliche Wale. Locker tauchen sie 3000 Meter tief, wandern vom Südpol zum Äquator und singen geheimnisvolle Lieder unter Wasser. Die klugen Riesinnen haben noch viel mehr drauf, gerade in Sachen Führungsstärke können wir eine Menge von ihnen lernen, schließlich gibt es eine wichtige Gemeinsamkeit: Zusammen mit Belugas, Schwertwalen oder Narwal-Weibchen gehören wir zu den einzigen Säugetieren, die die Wechseljahre durchlaufen – alle anderen Säuger sind fruchtbar bis zum Tod. Doch Walkühe ziehen sich nicht verschämt zurück, wenn sie keine Kinder mehr gebären können, auch postklimakterische Sinnkrisen sind ihnen fremd. Jetzt, wo sie nicht mehr säugen müssen, werden sie zu Clanchefinnen und führen die erweiterte Großfamilie sicher durch die bewegten Gewässer des Lebens. „Vielleicht kann ich Folgendes von Walkühen lernen: ...

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... Nicht das Frausein endet, sondern lediglich eine Phase davon. Nach Schnuller und Kochlöffel darf ich endlich das Stammeszepter schwingen“, schreibt Miriam Stein in ihrem Buch „Die gereizte Frau“ (Goldmann). „Weil ich jetzt, wenn ich mal ausgeschlafen bin, biologisch klar denken kann.“ Alles nur Klischee

Wir rühmen uns ja damit, aufgeklärte, weltoffene Menschen zu sein, die über Tabus nur müde lächeln können. Ständig tauschen wir uns mit allen über alles aus. Doch es gibt ein Thema, bei dem viele immer noch seltsam einsilbig werden, obwohl die Hälfte der Menschheit irgendwann betroffen ist: das weibliche Klimakterium. Noch immer bestimmen Mythen, misogyne Glaubenssätze und Scham die Debatten. Mal werden die Wechseljahre pathologisiert („Du liegst nur noch heulend im Bett“), mal banalisiert („Ist doch ein Klacks!“), mal wird man angefeuert („Augen zu und durch!“) und dann wieder hochgejubelt („Jetzt kannst du zu der werden, die du immer sein wolltest!“).

„Rein biologisch ist das Klimakterium Teil des natürlichen Alterns“, schreibt Miriam Stein. Doch für die Geschlechter gelten unterschiedliche Regeln: „Männer reifen, Frauen werden nur alt.“ Während Männer also trotz Glatze und nachlassender Potenz immer toller werden sollen, gelten Frauen als „vertrocknet“ – kurz: unfuckable. Schluss damit, schreibt die Autorin, wir müssten den Diskurs über diese Lebensphase mit eigenen Erfahrungen aufladen und selbstbewusst führen.

Das Ich-willmich-weiterentwickeln-Prinzip

Wut runterschlucken? Für erwachsene Frauen ein überholtes Konzept. Denn Wut ist unsere stärkste Kraft. Auch wenn man uns erzählt, dass wir Aggressionen wegatmen sollten, werden wir glücklicher, wenn wir sie authentisch und intelligent ausleben. Denn jetzt, da die Nestbau- und Kuschelhormone Östrogen und Progesteron weniger werden, übernimmt das Powerhormon Testosteron. Der Effekt auf die Psyche ist enorm: „Du kannst klarer denken und sehen. Der Östrogennebel lichtet sich, und Testosteron weckt einen Drang, etwas zu unternehmen, etwas zu verändern“, schreibt Sheila de Liz in „Woman on Fire“ (Rowohlt). „Befreit von dem Druck, es allen recht machen zu wollen, sehen viele nun, was ihnen wirklich wichtig ist.“ Und ziehen Bilanz: Ist mein Job okay, meine Beziehung noch das, was ich will? Oder sollte ich mich trennen und was ganz anderes machen? Durch die körperliche Veränderung reifen wir auch innerlich und spüren: Ich will mich weiterentwickeln.

Die besten Diäten für erwachsene Frauen

1 Die Müssen-Diät: Jedes „Ich muss“ durch „Ich will“ ersetzen, aber nur, wenn Sie wirklich Lust dazu haben. Ansonsten mit klarer Stimme „Ich will nicht!“ sagen.

2 Die Grübel-Diät: Zwei Monate jeden Was-wäre-wenn-Gedanken stoppen.

3 Die Quälsport-Diät: Acht Monate Crosstrainer, Gewichte stemmen und Bauch-weg-Kurse durch Spaziergänge ersetzen.

4 Die Ja-Diät: Drei Wochen kein „Klar, mach ich sofort!“ sagen.

5 Die Trend-Diät: Ein Jahr nichts kaufen, nur weil das hässliche Teil angesagt sein soll. Nur tragen, was wirklich gefällt.

6 Die Sorry-Diät: Sechs Monate kein „Tut mir leid, aber ich …“ stammeln, wenn der andere Mist gebaut hat. Rechtfertigungen sind schlimme Selbstverkleinerer.

7 Die Diät-Diät: Nie mehr panisch Kalorien zählen oder essen, was einem irgendwer vorschreibt. Sie merken selber, was Ihnen guttut und schmeckt.

{ Oprah und die Ärzte

Oprah Winfrey bekam mit 48 Jahren Herzrhyth- musstörungen. Kein Kardiologe fand eine Ursache. Wechseljahre? Sicher nicht, hatte die Queen of Gynäkologin erklärte: „Sie sind in der Perimenopause.” Eine bis zu zehnjährige Übergangsphase vor der schwanken und Schlafstörungen, Herzprobleme, Kopf- und Gelenkschmerzen auftreten können. „Eine regelmäßige Periode schließt die Perimenopause nicht aus”, so auch Gynäkologin Sheila Talk doch noch ihre Periode. Erst eine letzten Blutung, in der die Hormone de Liz. Grundsätzlich fehle es an Aufklärung für Frauen ab 40. Und da Therapien oft noch von Männern entwickelt würden, müsse man sich gut informieren, um richtig entscheiden zu können.

Wechseljahre im Job

Rund zehn Prozent der Befragten kündigten aufgrund von Wechseljahrsbeschwerden. Dies ergab eine britische Studie mit 4000 Frauen zwischen 45 und 55 Jahren. Gut möglich, dass die meisten die wahren Gründe für die Kündigung verschwiegen haben – und die Dunkelziffer weit höher liegt, weil viele ab 45 eher heimlich leiden. Natalie Lotzmann, Chief Medical Officer beim Software-Unternehmen SAP, will das ändern: „Der Hormonentzug trifft jede Frau irgendwann – die eine mehr, die andere weniger. Das zu verbergen kostet Energie oder treibt Frauen in die Unsichtbarkeit.“ Die Medizinerin hat deshalb bei SAP eine Auf klärungskampagne gestartet: „Wir müssen auch im Job das Recht haben, Frau zu sein, ohne benachteiligt zu sein.“

Die Beschwerden

Was die meisten in den Wechseljahren spüren:

Nervosität, Reizbarkeit (90 %)

Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Leistungsabfall (80 %)

Hitzewallungen, Schweißausbrüche (70 %)

Depressive Verstimmung, Weinkrämpfe (70 %)

Kopfschmerzen (70 %)

Vergesslichkeit/Konzentrationsschwäche (65 %)

Gewichtszunahme (60 %)

Schlafstörungen (50 %)

Gelenk- und Muskelbeschwerden (50 %)

Herzbeschwerden (40 %)

Libidoverlust (30 %)

Schwindel (20 %)

Diva werden

Exzentriker leben gesünder als der Rest der Welt, so der schottische Psychologe David Weeks. Bei 85 Prozent verbleibt das Immunsystem in einem wunderbaren Zustand ungestörter Balance, weil sie sich nicht darum scheren, was andere von ihnen denken. Der beste Plan also für die zweite Lebenshälfte: jetzt und sofort zur Diva werden. Wagenradgroße Hüte aufsetzen, junge Lover oder kitschige Toy-Pudel auf der Promenade ausführen, exaltiert lachen, öde Gespräche aufmischen, Wichtigtuer auf den Pott setzen. Macht glücklich!

Älter werden, na und?

Fit, stark, leistungsfähig und attraktiv – so sollen wir sein. Haben wir einen Hänger, kämpfen wir mit allen Mitteln dagegen an. „Ich habe doch nicht umsonst ein halbes Jahrhundert gelebt, bloß um mich jetzt immer noch jung fühlen zu müssen“, kontert Autorin Ildikó von Kürthy, 54, („Morgen kann kommen“, Rowohlt) in einem Interview. Man liest diesen Satz, und schon stellt sich eine wunderbare Ruhe im Kopf ein. Jaaa, so soll es gerne weitergehen.

Wechseljahre reloaded Journalistin Miriam Stein schreibt schlau und überraschend über die Wechseljahre (Goldmann). Und „Woman on Fire” (Rowohlt) von Sheila de Liz gilt mittlerweile als Klassiker.

Die Wahrheit über Feuchtgebiete

Man kennt diesen Begriff:

Scheidentrockenheit. Tatsächlich ist er nicht nur frauenfeindlich, sondern noch dazu völlig falsch. Die Vulva vertrocknet im Laufe des Klimakteriums kein bisschen, erklärt die Gynäkologin Sheila de Liz. Vielmehr wird die Vaginalschleimhaut durch den Östrogenmangel nicht mehr ausreichend durchblutet, die Haut wird dünner, es kann zu Juckreiz, Infektionen, Schmerzen beim Sex kommen, aber verwelken tut hier gar nix. Helfen können vaginale Östriolcremes, aber auch fundiertes Wissen und Humor.

Hormone, Sport, Yoga

Hormone nehmen? Vielleicht, aber nur die natürliche Variante. Anders als die Mixturen früherer Jahrzehnte sind bioidentische Hormone aus Pflanzen und haben dieselbe chemische Struktur und Wirkung wie unsere körpereigenen. Zu Beginn der Wechseljahre verabreicht kann eine Hormonersatztherapie (HRT) mit bioidentischem Östrogen und Progesteron Beschwerden lindern und zu einem besseren Körpergefühl führen. Das Für und Wider sollte mit dem Arzt geklärt werden. Auch hilfreich: regelmäßige Bewegung und Stressreduktion. Entscheidend, so eine Studie des Uniklinikums Dresden, ist jedoch das Gefühl der Selbstwirksamkeit: Wenig unter Wechseljahrsbeschwerden leiden gut ausgebildete Frauen, die mit ihrem Leben zufrieden und davon überzeugt sind, ihre persönliche Situation selbst gestalten zu können.