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AUF DEM WEG ZUM UNESCO-WELTERBE


Antike Welt - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 23.07.2021

Die Nominierung für das Welterbe umfasst eine Reihe von Jōmon Siedlungen (Abb. 1). Die größte befindet sich in Sannai Maruyama, auf den Terrassen, die die heutige Stadt Aomori überblicken und die Mutsu- Bucht, die sich zur Tsugaru-Straße zwischen Honshu und Hokkaido öffnet.

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Bildquelle: Antike Welt, Ausgabe 4/2021

Abb. 1 Karteder 17Stätten,diealsUNESCO-Welterbeeingetragenwerdensollen.

Sannai Maruyama

Sannai Maruyama war um 5900–4200 v. Chr., während der Frühen und Mittleren Jōmon-Zeit (7000−4420 v. Chr.), ein wichtiges (wenn auch unterschiedlich intensiv frequentiertes) Zentrum der Besiedlung (Abb. 2). Die Stätte erstreckt sich über eine Fläche von etwa 42 ha und beherbergt heute ein großes Museum und einen historischen Park mit einer ganzen Reihe rekonstruierter Objekte. In den 1980er und 1990er Jahren wurden hier Überreste von über 1000 Gebäuden ausgegraben, darunter einige sehr große Langhäuser mit mehreren Feuerstellen entlang ihrer Längsachse. Des Weiteren kamen auf Pfählen errichtete Lagerhäuser und ...

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... viele kleinere Grubenhäuser zum Vorschein, bei denen es sich vermutlich um die Wohnstätten von Familien handelte, sowie linear angeordnete Erdbestattungen, riesige, bis zu 5m tiefe Abfallhaufen mit Keramikscherben und eine außergewöhnliche Anordnung von sechs massiven Pfählen, von denen noch Reste im Boden stecken. Tonnenweise Keramik und Steinwerkzeuge wurden geborgen, und man entdeckte eine der größten Ansammlungen keramischer Dogū- Figuren in ganz Japan, über 1800 an der Zahl. Einige Bereiche des Fundortes waren seit damals von Wasser überflutet, weshalb die organischen Materialien sehr gut erhalten waren. Ein Haufen Holundersamen mit Fruchtfliegen wurde als Beweis für die Gärung von alkoholischen Getränken interpretiert. Eine Pollenanalyse und die Makroreste von Pflanzen wiesen darauf hin, dass in der Nähe des Fundortes möglicherweise Esskastanien angebaut wurden. Auf der anderen Seite der Tsugaru- Straße gab es zeitgleich mit Sannai Maruyama diverse florierende Jōmon- Siedlungen. In Ofune fand man die Überreste von etwa 100 Grubenhäusern, viele davon von beträchtlicher Tiefe, sowie Erdhügel, die mit einem Gräberfeld in geringer Entfernung südwestlich der Siedlung in Verbindung standen. Knochen von Meeressäugern wie Wale und Robben hat man hier geborgen sowie reichlich pflanzliche Überreste, insbesondere von Kastanien.

Kakinoshima

Eine der am längsten bewohnten Siedlungen befindet sich in Kakinoshima, oberhalb des südlichen Teils der Oshima-Halbinsel. Hier hat man eine ganze Reihe wichtiger Funde gemacht, die auf die Zeit von 9000–3000 v. Chr. (Früheste bis Späte Jōmon-Zeit) datiert werden. Zu Beginn der Siedlungsfolge, also vor rund 11 000 Jahren, wurde eine Person von besonderer Bedeutung in eine Decke aus mit Lack überzogenen Pflanzenfasern gewickelt, bevor sie begraben wurde – es ist die früheste konkret datierbare Verwendung von Lack auf der Welt. Vor etwa 9000 Jahren fungierten einige der eindrucksvollsten Artefakte der Jōmon- Zeit als Grabbeigaben: eine Reihe kleiner Tontafeln mit den Abdrücken von Kinderfüßen. Jede dieser Tafeln war von zwei Löchern durchbohrt, was darauf hindeutet, dass sie ursprünglich an Schnüren hingen und als Anhänger getragen wurden. Vor etwa 6000 Jahren, am Übergang von der Mittleren zur Späten Jōmon-Zeit, wurde ein großer Teil des Geländes von einem großen, über 190 m langen Erdwall umschlossen. Diese Funde sind alle im Museum neben der Fundstätte zu sehen, genau wie das einzige Objekt von ganz Hokkaido, das als Nationalschatz bezeichnet wird: eine große, hohle Keramikfigur aus der späten Jōmon-Zeit, die von der Fundstätte Chobonaino stammt und von einer Einheimischen beim Umgraben ihres Gemüsebeets entdeckt wurde (Abb. 3).

Einige dieser Siedlungen verfügen über Muschelhügel, die wichtige Beweise sowohl für Aktivitäten zum Bestreiten ihres Lebensunterhalts, insbesondere für die Entwicklung einer hochentwickelten Fischereitechnologie in Form von Harpunen, Ruten, Angelhaken und Netzsenkern, enthalten als auch Hinweise auf Bestattungspraktiken während der Jōmon-Zeit, wobei die Muscheln den Auswirkungen des sauren, vulkanischen Bodens entgegengewirkt und menschliche Knochen konserviert haben. Eine ganze Reihe solcher Fundstellen gibt es an der Küste der Vulkanbucht. Fünf außergewöhnlich gut erhaltene Muschelhügel in Kitakogane, die auf die Frühe Jōmon-Zeit (7000–5500 v. Chr.) datieren, enthielten mehrere menschliche Bestattungen sowie Fischknochen, u. a. von Thunfisch und Flunder, und Schalen, u. a. von Venusmuscheln, Austern und Jakobsmuscheln. In Irie wurden die Überreste von 15 menschlichen Bestattungen aus der Zeit von 5500 bis 2800 v. Chr. gefunden, während im nahegelegenen Takasago 28 Bestattungen gefunden wurden, die auf die ausgehende Jōmon-Zeit, etwa 3000 v. Chr., datieren. Die Grabbeigaben von einigen dieser Gräber deuten darauf hin, dass die Bestatteten in den Fernhandel involviert waren, z. B. fand man Hauer von Wildschweinen und Muscheln, die nicht auf Hokkaido heimisch waren. Für die ausgehende Jōmon-Zeit gibt es weniger Beweise für substanzielle Siedlungen auf Hokkaido. Es traten neue Bestattungsformen auf, wie kreisförmig angelegte Grabhügel. Mehrere solche Stätten kennen wir heute aus dem südlichen Hokkaido, die berühmteste davon in Kiusu, in unmittelbarer Nähe des wichtigsten Flughafens der Insel in Chitose. Auf einer Fläche von etwa 5 ha hatte man acht große kreisförmige Gruben mit einem Durchmesser von 18–75 m und bis zu 5m Tiefe ausgehoben und die Erde entlang der Ränder aufgeschüttet. Jede dieser Anlagen enthielt mehrere Erdbestattungen, viele davon mit reichen Grabbeigaben wie Keramik, Perlen und anderen Accessoires. Einige waren durch aufrechtstehende Steine gekennzeichnet.

Kamegaoka

Während die Kiusu-Grabanlagen in Nutzung waren, machten die Menschen, die jenseits der Meerenge im Norden Honshus lebten, die tief gelegenen Feuchtgebiete nutzbar. Von Kamegaoka auf der Tsugaru-Halbinsel weiß man seit Hunderten Jahren, dass dort in der Jōmon-Zeit Töpferwaren produziert wurden. Von dort stammt die Keramik im Kamegaoka-Stil, zu der viele unverwechselbare Stücke einer schwarz brünierten Feinkeramik zählen, die zum Servieren von Speisen und Getränken dienten (Abb. 4). Die berühmtesten Beispiele jener materiellen Kultur sind vielleicht die «froschäugigen» Dogū-Figuren, hohle Komposit- Objekte, die mit komplizierten Mustern verziert sind (Abb. 5). Das erste Exemplar wurde in den 1880er Jahren in Kamegaoka entdeckt, und Shogoro Tsuboi, der erste Professor für Anthropologie an der Universität von Tokio, war der Ansicht, die auffällige Darstellung der Augen gehe auf Schneebrillen zurück, wie sie von sibirischen Völkern verwendet worden waren und wie er sie aus der ethnographischen Sammlung des British Museum kannte. Die Küste des Japanischen Meeres im Norden Japans gehört bis heute zu den schneereichsten Gegenden der Erde, und Tsuboi war der Ansicht, solche Artefakte könnten schon in der Jōmon- Zeit den Menschen durch den Winter geholfen haben. Neuere Forschungsergebnisse stellen diese Interpretation indes infrage und sehen in den riesigen Augen dieser Dogū eher den Höhepunkt einer langen stilistischen Entwicklung. Solche Objekte sind heute sehr begehrt, ein nur teilweise erhaltenes Stück wurde vor ein paar Jahren bei einer Auktion in New York für beinahe eine Million Dollar versteigert.

Zur gleichen Zeit wurden an der Pazifikküste, an der Fundstätte Korekawa-Nakai in einem Vorort von Hachinohe, Hinweise auf eine Wohnsiedlung, einen Friedhof, eine Einrichtung, in der Lebensmittel verarbeitet wurden, eine Müllhalde und einen Ort für Rituale entdeckt. Die erstmals in den 1930er Jahren untersuchten sehr feuchten Bereiche der Stätte ergaben reichlich organische Reste, insbesondere lackierte Holz- und Keramikgefäße sowie Reste von Nahrung wie Walnüsse und Rosskastanien. Die Analyse der pflanzlichen Überreste deutet darauf hin, dass die Bewohner von Korekawa-Nakai, ähnlich wie jene von Sannai Maruyama, in gewissem Ausmaß die Umgebung ihrer Siedlung bewirtschafteten, vielleicht indem sie das Wachstum bestimmter Baumarten, vor allem des Lacksumachs, förderten und sparsam mit ihren Ressourcen umgingen. Andere Fundstellen im Korekawa-Cluster zeigen, dass die Gegend seit der frühen Jōmon-Zeit bewohnt war. In den letzten Jahren ergaben Ausgrabungen in Kazahari I eine Siedlung mit Grubenhäusern und Friedhof. In einem der Grubenhäuser fand man eine weitere außergewöhnliche Dogū-Figur aus Keramik, die mit verschränkten Händen in einer Pose sitzt, von der man annimmt, dass sie eine Geburt andeuten soll (Abb. 6). Alle Teile des Objekts wurden geborgen; man vermutet, dass es von einem Regal fiel, als das Haus aufgegeben wurde. Reiskörner aus der Feuerstelle in der Mitte eines der Grubenhäuser wurden per C-14-Methode auf etwa 2900 v. Chr. datiert, und obwohl die Ergebnisse weiterhin umstritten sind, deutet der Umstand, dass es so früh so weit im Norden bereits Reis gab, darauf hin, dass diese Jäger und Sammler der Ausgehenden Jōmon-Zeit Kontakt zu den frühesten Reisbauern gehabt haben könnten, die zu jener Zeit im Westen Japans auftauchten.

Etwas weiter südlich, in Goshono nahe der Pazifikküste in der Präfektur Iwate, befand sich eine Jōmon-Siedlung, die zeitgleich mit der späteren Besiedlung von Sannai Maruyama war und auf 4500–4000 v. Chr. datiert wird. Man hat Überreste einer ganzen Reihe Grubenhäuser entdeckt, von denen einige an Ort und Stelle niedergebrannt waren, und gewann ausgezeichnete Hinweise auf die Bauweise dieser Häuser. Vor allem hat die Untersuchung unwiderlegbare Beweise erbracht, dass Grassoden als Dächer verwendet wurden. Diese Grubenhäuser bildeten Gruppen, bei denen ein größeres Haus von drei bis fünf kleineren umgeben war. Das Siedlungsareal war durchsetzt mit Erdbestattungen, über denen Steinsetzungen von 2–3 m Durchmesser angelegt waren. Zwei größere, kreisförmige Steinsetzungen mit einem Durchmesser von 30–40 m wurden im östlichen und westlichen Teil des Geländes entdeckt.

Steinkreise in der Jōmon-Zeit?

Die nordjapanischen Völker der Jōmon- Zeit errichteten große Monumente, was für Jäger und Sammler recht ungewöhnlich ist und darauf hindeutet, dass sie sich mit bestimmten Orten in ihrer Landschaft in besonderer Weise verbunden fühlten. Der Bau dieser Monumente – ob nun Steinkreise, Holzpfähle, Muschelhügel, Friedhöfe, die von Wällen umschlossen sind, oder Dämme, die große Mengen an materiellen Überresten enthalten – erforderte eine ganze Menge Arbeitskraft und wahrscheinlich ein hohes Maß an Vorausplanung. Und das deutet darauf hin, dass hier Rituale und Zeremonien eine wichtige Rolle spielten.

Der Begriff «Steinkreis» bezeichnet im Zusammenhang mit Japan kreisförmige Anordnungen von Steinen, die in der Größe stark variieren, von ein paar bis über 100 kg. Auch wenn es sich hierbei nicht um Megalithanlagen handelt, wie sie europäische Leser aus Stonehenge oder Avebury kennen, haben sie mit diesen Anlagen doch einiges gemein, u. a. dass sie an den Gestirnen ausgerichtet waren und im Mittelpunkt jahreszeitlicher Zeremonien und Rituale rund um Bestattung und Ahnen standen.

Die berühmtesten Jōmon-Steinkreise, in Manza und in Nonakado, befinden sich in Oyu in der Präfektur Akita und wurden um 2200–700 v. Chr. angelegt und genutzt. Diese Stätten wurden erstmals 1931 entdeckt und in den 1940er und 1950er Jahren sowie noch einmal 1984–2008 eingehend untersucht. Die Aufmerksamkeit der Forscher galt zunächst den Steinkreisen selbst. Beide Steinkreise bestehen aus konzentrisch angelegten Steinsetzungen (der größte Durchmesser in Manza beträgt 48 m, in Nonakado 42 m), jeweils mit einer Art Sonnenuhr in der Mitte. Hohe Phosphatkonzentrationen in den Gruben unter einigen der Steinsetzungen deuten darauf hin, dass darin ursprünglich Bestattete lagen, nach Größe und Form der Gruben zu urteilen höchstwahrscheinlich in gebeugter Haltung. Neuere Untersuchungen legen nahe, dass die Kreise und die zentrale «Sonnenuhr» auf den Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende ausgerichtet waren. Vor Kurzem hat man in der Gegend rund um die Oyu-Steinkreise Spuren einer Reihe von Pfahlbauten entdeckt, von denen man annimmt, dass ihre Fußböden über dem Erdboden lagen. Viele wurden mehrmals umgebaut.

Isedotai

In Isedotai, etwa 100 km von Oyu entfernt, wurden auf einer Terrasse, die nach Norden zur Shirakami-Bergkette hin ausgerichtet ist, die zu Japans Weltnaturerbe gehört, beim Bau einer neuen Straße zum örtlichen Flughafen vier kreisförmige Steinsetzungen entdeckt (Abb. 7). Dieser Fund – die einzige Gruppe von vier Steinkreisen in Japan – ist so bedeutsam, dass man die Straßenführung änderte und die Stätte in situ erhalten geblieben ist. Die Steinsetzungen in Isedotai haben einen Durchmesser von 45 m (der dreifache konzentrische Ring C) bis 32 m. Zu den zugehörigen Befunden zählen Pfahlbauten, Grabgruben, Vorratsgruben und lineare Gräben. Letztere sind sehr ungewöhnlich für Stätten aus der Jōmon-Zeit – eigentlich wurden Gräben erst in der nachfolgenden Yayoi-Zeit auf diese Weise geteilt oder abgegrenzt. In Isedotai erstreckte sich der 1m breite und tiefe Graben über mehr als 100 m. Während einige der Steine, die für den Bau der Anlagen in Isedotai verwendet wurden, relativ lokal waren, wurden andere aus beträchtlicher Entfernung hierhergebracht, wahrscheinlich von einem rund 5 km entfernten Flussbett. Einige wurden offenbar wegen ihrer Farbe (blau und weiß) ausgewählt. In Isedotai wurden etwa 200 Fragmente von Dogū- Figuren aus Keramik gefunden. Die einzige Dogū, die rekonstruiert werden konnte, war eine große dreieckige, flache Figur mit ausladendem Kopf. Von allen anderen waren nur Fragmente erhalten, was darauf hindeutet, dass andere Teile von der Stätte entfernt worden waren, möglicherweise als Teil der rituellen Aktivität. Zu den weiteren charakteristischen Objekten aus Isedotai gehört eine große Anzahl dreibeiniger Steinobjekte, von denen viele Spuren einer schwarzen, klebrigen Substanz trugen: Asphalt, der in der Akita-Region auf natürliche Weise vorkommt und oft dazu verwendet wurde, Pfeilspitzen an Schäfte zu kleben.

Die Beziehung zwischen den Steinkreisen und den landschaftlichen Merkmalen wird besonders gut am Steinkreis in Omori-Katsuyama in der Präfektur Aomori deutlich, von dem man annimmt, dass er auf den Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende über dem Berg Iwaki ausgerichtet ist, einem markanten erloschenen Vulkan, an dessen Fuß die Stätte liegt. Diese Stätte datiert etwas später als die meisten anderen Steinkreise; sie stammt aus der ausgehenden Jōmon-Zeit und ist ca. 3000 Jahre alt. Wie in Oyu und bei vielen anderen Steinkreisen hat man das Gelände zunächst vorbereitet, indem man die Oberfläche der Terrasse einebnete, bevor man mit dem Setzen der Steine begann. Die Stätte wurde in den 1950er Jahren identifiziert. 100 m südwestlich des Steinkreises fand man Keramikgefäße und eine Reihe von Steinwerkzeugen, die zur Beschaffung und Zubereitung von Nahrung dienten, sowie ein großes Grubenhaus. Während in Isedotai eine große Anzahl dreifüßiger Steinartefakte gefunden wurde, wurden in Omori-Katsuyama über 250 flache, kreisförmige Steinscheiben mit unklarer Funktion geborgen, die wiederum als Element der zeremoniellen Aktivitäten an diesem Ort interpretiert werden.

Steinkreise kennt man auch aus Hokkaido, nur dass die dortigen nicht Teil der Nominierung für das UNESCO- Welterbe sind. Der größte dieser Steinkreise liegt in Washinoki, unweit der Muschelhügel an der Küste der Vulkanbucht; er hat einen maximalen Durchmesser von etwa 37 m und bestand aus einem äußeren doppelten Ring und einer ovalen Steinformation im Zentrum. Zum Bau des Monuments wurden über 600 Steine verwendet, die größtenteils 30–40 cm lang sind und überwiegend stehend in den Boden gesetzt wurden. Sie stammen aus einem etwa 1 km entfernten Fluss. Unmittelbar südlich des südlichen Randes des Steinkreises wurde ein kreisförmiger Friedhof von 11,60 × 9,20 m Größe mit sieben Grabgruben entdeckt. Zu den weiteren markanten Funden zählen Fragmente eines großen flachen Dogū, von dem man annimmt, dass er noch während der Jōmon-Zeit mit weißem Ton repariert wurde, und mehrere Objekte in Form von Tintenfischen, wie sie noch heute zu den beliebtesten Delikatessen der Region zählen (Abb. 8). Die Fundstätte Washinoki wurde identifiziert, als man dabei war, eine große Straße zu bauen, und dann in situ erhalten, indem man für die Straße kurzerhand einen Tunnel grub, der unter der Stätte verläuft. Ein weiterer wichtiger Jōmon-Steinkreis befindet sich in Oshoro bei der Stadt Otaru am nördlichen Rand der Oshima-Halbinsel. Der Steinkreis von Oshoro wurde von Neil Gordon Munro in dessen 1908 erschienenem Buch Prehistoric Japan, der ersten zusammenfassenden Darstellung japanischer Archäologie, besprochen. Munro wies auf die mögliche Ausrichtung der Steine in Oshoro hin, aber schon damals war bekannt, dass die Steine während der aktiven Zeit der Stätte von den Ainu, die später dieses Gebiet besiedelten, versetzt worden waren. Munro und andere Archäologen des frühen Japans hielten die Ainu für die direkten Nachfahren der Völker der Jōmon-Zeit. Heute jedoch wissen wir, dass eine komplexe Kulturgeschichte die ausgehende Jōmon-Zeit und die historisch belegten Ainu trennt, die heute ein von der UNESCO anerkanntes indigenes Volk sind und seit 2020 mit dem Upopoy in Shiraoi an der Südküste von Hokkaido ein eigenes Nationalmuseum haben.

Adresse des Autors

Prof. Dr. Simon Kaner Executive Director and Head of Centre for Archaeology and Heritage Sainsbury Institute Centre of Japanese Studies 64 The Close GB-Norwich NR1 4DH

Übersetzung

Dr. Cornelius Hartz, Hamburg

Bildnachweis

Abb. 1: Peter Palm, Berlin; 2: Stray Toki; 3: Foto Abe Chiharu; 4: bpk | The Trustees of the British Museum; 5: akg-images; 6: Moonie's World Photography / Alamy Stock Photo; 7: Kita-Akita-shi Kyoiku Iinkai; 8: Morimachi Kyôiku Iinkai.

Literatur

J. HABU, Ancient Jomon of Japan (2004).

S. KANER / Y. TANIGUCHI, Early pottery in Japan, Russia and Korea, in: J. Habu / J. Olsen (Hrsg.), Springer Handbook of the Archaeology of East and Southeast Asia (2017).

T. KOBAYASHI / S. KANER / O. NAKAMURA, Jomon Reflections (2005). Als Open-Access E-Book zugänglich.