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Auf dem Weg zur Einfalt: Biologische Vielfalt im Sinkflug


Nationalpark - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 04.12.2019

Siebenundzwanzig Jahre nach der großen Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro, aus der auch das Biodiversitätsabkommen hervorging, steht es um die Biologische Vielfalt der Erde schlechter denn je. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.


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Mais dominiert inzwischen ganze Landstriche.


(Foto: Karl-Heinz Paulus)

In den Frühjahrs- und Sommermonaten führt mich mein erster Gang am Morgen immer in unseren Garten. Er ist nicht wirklich groß, aber er birgt eine Fülle von Leben. In der kleinen Wiese hinter dem Haus wachsen Kartäusernelke, Büschelnelke, Grasnelke, Klappertopf, Natternkopf, Wiesensalbei, ...

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... Flockenblume, Skabiose, Dornige Hauhechel und viele weitere Wildpflanzen – insgesamt sind es fast 100. Hummeln und andere Wildbienen tummeln sich auf den Blüten, auf den Dolden des Behaarten Kälberkropfs am Rande des Gebüsches sitzen Streifenwanzen, auf einer Witwenblumenblüte ruht ein Rosenkäfer. Ich bin immer wieder fasziniert und zutiefst beglückt von dieser Vielfalt auf kleinem Raum.

Bange Gefühle wegen erschreckender Zahlen

Eine typische Abfolge der Abendnachrichten kommt mir in den Sinn. Das Journal eines großen öffentlichen Senders startete mit einem Bericht des Weltklimarates, in dem vor allem ein anderes Essverhalten – insbesondere weniger Fleisch – sowie ein strenger Schutz der Moore und Wälder angemahnt wird. Maßnahmen also, die auch für die Biologische Vielfalt förderlich wären. Am Ende dieser Meldung stand ein Interview mit einem norddeutschen Landwirt, der mit seinem Milchviehbetrieb auf Moorboden wirtschaftet. Eine Wiedervernässung der Flächen, so sagte er, würde bei ihm zu erheblichen Verdienstausfällen führen. Ende des Beitrags. Also doch kein Moorschutz? Wenige Minuten später, im Wirtschaftsteil der gleichen Sendung, wurde dann mit einiger Euphorie vom Boom in der Tourismusbranche, besonders im Kreuzfahrt- und Fernflugtourismus, berichtet. Welche Auswirkungen ein boomender Tourismus hat, kann man zum Beispiel an den Küsten unseres Landes gut erkennen. In dieser Nachrichtensendung aus dem vergangenen Sommer passte, wie in so vielen anderen auch, wirklich nichts zusammen, und der Bericht des Weltbiodiversitätsrates über die katastrophale Situation der Biologischen Vielfalt aus dem Frühsommer war längst in Vergessenheit geraten. Wo ist das Licht am Horizont?

Trügerische Vielfalt: Die aus Nordamerika stammende blaue Lupine verdrängt einheimische Arten, weil sie sehr ausbreitungsstark ist und zugleich über ihre Wurzelknöllchenbakterien den Boden mit Stickstoff anreichert.


(Foto: Roland Schreder)

Die Bestände der auf Feuchtgrünland angewiesenen Uferschnepfe schwinden mehr und mehr.


(Fotos: Karin Zucchi)

Der Neuntöter ist auf Großinsekten als Nahrung und auf Hecken als Brutplatz angewiesen.


Um was es geht

Wenn wir von der Biologischen Vielfalt sprechen, meinen wir die Vielfalt der Arten, ihre genetische Vielfalt sowie die Vielfalt der Lebensräume. Wieviel Arten weltweit tatsächlich existieren, weiß letztlich niemand. Manche Wissenschaftler gehen von einer Untergrenze von 20 Millionen aus, andere wie der Weltbiodiversitätsrat sprechen von nur vier Millionen. Vielleicht liegt die Wahrheit dazwischen. Für Deutschland lassen sich dagegen verlässlichere Aussagen machen: Derzeit gehen wir von etwa 48.000 mehrzelligen Tierarten, 14.000 Pilzarten und 9.500 Pflanzenarten aus, die in 690 verschiedenen Biotoptypen beheimatet sind. Auch für Österreich und die Schweiz existieren solche Zahlen: 44.390 bzw. 26.370 mehrzellige Tierarten, 10.000 bzw. 5.000 Pilzarten, 9.020 bzw. 4.300 Pflanzenarten sowie 500 bzw. 200 Biotoptypen. Hinter all diesen nüchternen Zahlen verbirgt sich die bunte Vielfalt lebendiger Wesen und faszinierender Lebensräume, welche die Wirtlichkeit unseres Planeten ausmacht und mich immer wieder zutiefst beglückt. Und um einen erheblichen Teil davon steht es nicht gut. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen.

Es fleucht und kreucht immer weniger

Mit über 33.000 Arten stellen die aus ökologischer wie aus ökonomischer Sicht bedeutsamen Insekten knapp 70 Prozent aller Tierarten Deutschlands. Im Rahmen einer Analyse des Bundesamtes für Naturschutz, in der die Bestandstrends von 6.921 Arten und Unterarten aus 24 Insektengruppen der aktuellen Roten Listen Deutschlands unter die Lupe genommen wurden, zeigten sich für 45 Prozent der untersuchten Arten langfristig rückläufige Bestände. Ein langfristig positiver Trend wurde nur bei zwei Prozent der Arten festgestellt. Den größten Anteil rückläufiger Arten verzeichneten die Köcherfliegen mit 96 Prozent – eine Artengruppe also, die bis auf eine Gattung ihre Larven- und Puppenphase im Wasser durchmacht und die Imaginalphase an Land verbringt. Weitere Artengruppen mit stark rückläufigen Beständen sind zum Beispiel die Tagfalter (64 Prozent), die in der Raupenphase auf bestimmte Futterpflanzen und in der Imaginalphase auf ein ausreichendes Blütenangebot angewiesen sind, ebenso die überwiegend bodenlebenden Laufkäfer mit 45 Prozent, die größtenteils als Beutegreifer ihre Lebensräume durchstreifen. Der Rückgang betrifft also Arten ganz unterschiedlicher Lebensräume und mit sehr verschiedenartiger Lebensweise (vgl. dazu auch den Beitrag inNationalpark , Heft 3/2017). Inzwischen liegen zahlreiche Studien vor, die für die letzten Jahrzehnte einen weltweiten Rückgang der Insekten belegen. Dabei müssen wir von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, denn über die Verbreitung und die Bestände etlicher Insektengruppen haben wir nicht wirklich große Kenntnis, da es an einer ausreichenden Zahl kompetenter Spezialisten immer mehr mangelt.

Stummer Frühling im Offenland

Es liegt auf der Hand, dass der starke Verlust an Insekten neben anderen negativen Faktoren quasi automatisch den Rückgang weiterer Artengruppen nach sich zieht, nämlich solcher, die von Insekten leben. Der hohe Anteil gefährdeter Fledermausarten legt beredtes Zeugnis davon ab: Von den 23 derzeit in Deutschland vorkommenden Arten gelten nur vier als ungefährdet. Auch bei den Vögeln sieht es düster aus. Die Auswertung umfangreicher Daten aus dem Zeitraum von 1950 bis 2015 hat für Deutschland eine Abnahme der Individuenzahl von 65 Prozent ergeben, also von einem Prozent pro Jahr. Für den Artenbestand belegt die im August 2019 vorgelegte aktuelle Rote Liste Deutschlands ebenso Dramatisches: 118 der 248 heimischen Arten finden sich dort und weitere 18 stehen auf der Vorwarnliste. In Summe sind das fast 55 Prozent! Die Zahl der Arten in der Kategorie „gefährdet“ hat sich von 14 auf 27 fast verdoppelt. Ehemals so weitverbreitete Vögel wie Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalbe sowie Feldlerche werden immer seltener. Noch vor 25 Jahren konnte ich mit meinen Studenten auf Ackerflächen unweit der Hochschule 20 singende Feldlerchenmännchen hören und beobachten, heute ist diese Art, die für mich den Frühling in der Feldflur symbolisiert, dort erloschen. Dabei ist die Feldlerche keineswegs besonders anspruchsvoll und kann sowohl im Grünland als auch im Ackerland in hoher Dichte leben. Im Agrarland Niedersachsen kamen in den 1960er Jahren noch über eine Million Brutpaare vor. Mitte der 2000er Jahre waren es noch maximal 200.000, und der Schrumpfungsprozess geht weiter, womit auch die genetische Vielfalt der Art peu à peu eingeschränkt und somit ihr Überleben immer mehr erschwert wird. Insgesamt gibt es bei den Vögeln des Offenlandes die größten Verluste: Knapp Dreiviertel der Arten sind gefährdet oder bereits ganz von der Bildfläche verschwunden. Rechnet man die Arten der Vorwarnliste dazu, die ja ebenfalls schwinden, sind es gar 87 Prozent. Der von der amerikanischen Biologin und großen Umweltpionierin Rachel Carson in den 1960er Jahren vorausgesagte stumme Frühling ist im Offenland bereits weitgehend Realität.

Ein Komplex von Faktoren

Die Ursachen des Artenrückgangs im Offenland, welches ja überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird, werden nunmehr seit vielen Jahren gebetsmühlenartig benannt: Es sind der Verlust von Hecken, Rainen, Ufergehölzen an Gewässern und anderen Strukturen, der Ausbau von Fließgewässern und die Entwässerung von Feuchtflächen, der hohe Einsatz von Düngerstoffen und Pestiziden, der eingeschränkte Fruchtwechsel, die Vermaisung der Landschaft sowie die Intensivierung oder gar der Umbruch von Dauergrünland, nicht zu vergessen das Netz asphaltierter Wirtschaftswege, welches für wenig mobile bodenlebende Arten wie zum Beispiel die Laufkäfer eine Barrierewirkung entfaltet, ihre Bestände fragmentiert und damit genetisch isoliert. Die Hartnäckigkeit, mit der an der industriellen Landwirtschaft festgehalten wird, zeigt sich an vielen Stellen. So ist das System der Agrarsubventionen in keiner Weise zur Förderung einer naturfreundlichen Landwirtschaft geeignet, weil sich die Vergabe des überwiegenden Teils der Gelder an der Größe eines Hofs orientiert und nicht an der Art und Weise der Flächenbewirtschaftung. Ein Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland erhält 20 Prozent der Agrarsubventionen, die jährlich von der EU überwiesen werden! Dies im Sinne der Förderung der Biologischen Vielfalt zu ändern, wäre an der Zeit, wodurch auch das geltende Prinzip „Wachsen oder Weichen“ durchbrochen werden könnte. Doch der Bauernverband und Teile der Politik setzen sich vehement dagegen zur Wehr, und so schreiten Höfesterben und Artensterben in der Agrarlandschaft weiter voran.

Einer der wenigen Lichtblicke: Weißstörche nehmen in Westeuropa wieder zu.


Heute ein Anblick mit Seltenheitswert: Rebhuhn im Schnee – hier ein Hahn.


(Foto: Ralf Kistowski/wunderbare-erde.de)

Für Bewohner von Trocken- und Feuchtgebieten gleichermaßen geeignet: ein Steinbruch als Lebensraum aus zweiter Hand.


Gewässerschutz auf neuer Stufe

Eine besondere Begebenheit aus dem Landkreis Osnabrück dokumentiert die enge Verflechtung von Politik und Landwirtschaftsorganisationen. Die Untere Naturschutzbehörde hatte für Fließgewässer, die als FFH-Gebiete deklariert sind, einen Schutzstreifen von fünf Metern festgelegt – schon das lächerlich wenig. Nach einem Gespräch des Landrates (CDU) mit dem Landvolkvorsitzenden erklärte der Landrat einen Ein-Meter-Schutzstreifen als ausreichend, worauf ihm die Mehrheit des Kreistages aus CDU und SPD folgte. Nachdem zahlreiche Naturschutzaktive und Wissenschaftler der Osnabrücker Hochschulen öffentlich dagegen protestiert und argumentiert hatten, gab der Landkreis folgende Pressemitteilung heraus: „Neue Methode zum Schutz der Gewässer in FFH-Gebieten. Nach dem Beschluss des Kreistages zum FFH-GebietElse und obere Hase wird viel über Gewässerrandstreifen diskutiert – mitunter verbunden mit dem Vorwurf, der Landkreis Osnabrück tue zu wenig für den Naturschutz. Das Gegenteil ist richtig: Durch einen Methodenwechsel weg von einer bloß auf dem Papier bestehenden Vorschrift hin zu einem Schutzstreifen von einem Meter Breite, der dann allerdings aktiv kontrolliert wird und wo bei Verstößen auch Strafen verhängt werden können, wird der Gewässerschutz auf eine neue Stufe gestellt.“ Diese Posse bedarf keines weiteren Kommentars, sie zeigt aber, wie ernst es Landwirtschaft und Politik wirklich mit der Biologischen Vielfalt meinen. Übrigens ist der Landrat, der eine Woche vor den Neuwahlen wieder auf fünf Meter umgeschwenkt ist, nicht wiedergewählt worden. Die erste Landrätin der Grünen muss sich jetzt bewähren.

Spritzwütige Gartenbesitzer

Es ist aber keineswegs nur die intensive Landwirtschaft, die der Biologischen Vielfalt den Garaus macht, wenn ihr Anteil mit 50,9 Prozent der Fläche Deutschlands auch besonders hoch ist. Leider steht es in den mindestens 17 Millionen Gärten, die es in Deutschland gibt, auch nicht besonders gut um die Biologische Vielfalt. Kirschlorbeer, Rasen, Rosen, Koniferen, Schotter und bunter Kies belegen dies in jeder Ortschaft als sichtbare Zeichen. Dazu setzen die Hobbygärtner nach der Recherche eines deutschen Magazins 6,7 Kilogramm Pestizide pro Hektar und Jahr ein – 1,5 Kilogramm mehr als konventionell arbeitende Landwirte. Darunter sind Präparate wieRoundup Flex 480 mit einer hohen Konzentration des Herbizids Glyphosat und Insektizide wie Dimethoat und Chlorpyrifos. Da muss es nicht verwundern, dass auch bei den Gartenvögeln ein deutlicher Rückgang erkennbar ist, besonders bei den reinen Insektenfressern. Allein die Fläche der Kleingärten beträgt 40.000 Hektar. Was könnte man nicht alles tun für die Biologische Vielfalt auf diesem Flächennetz!

Gleichschaltung der Welt

Seit mehr als 60 Jahre beschäftige ich mich jetzt mit der Biologischen Vielfalt, als Kind freilich nicht unter diesem Begriff, sondern mit der kindlichen Faszination an all dem bunten Leben um mich herum, welches es in meiner schönen nordhessischen Heimat auf Schritt und Tritt gab. Schon früh hat es mir wehgetan, wenn daran etwas zerstört wurde. Ich erinnere mich noch genau an die vergossenen Tränen, als der Tümpel, in dem ich die ersten Molche meines Lebens beobachtet habe, mit Bauschutt verfüllt wurde. Seit dieser Zeit gab es reichlich Bemühungen und vielerlei Konzepte, die Vielfalt unseres Landes und der ganzen Erde zu bewahren. Dennoch ist die Decke immer dünner geworden: Die zunehmende Gleichschaltung der Welt nach den Kriterien des Marktes zerstört die Biologische Vielfalt in rasanter Geschwindigkeit. Daran wird sich grundlegend nur dann etwas ändern, wenn sich unser Finanz- und Wirtschaftssystem vom Paradigma des ewigen Wachstums abwendet. So ist es auch im Abschlussbericht des Weltbiodiversitätsrates von der Pariser Sitzung im Mai 2019 zu lesen. Dazu gehört eine grundlegend andere Sicht auf diese einzigartige, wunderbare Erde mit all ihren lebendigen Geschöpfen. Wenn ich aber in diversen Schriften, auch und gerade vom Weltbiodiversitätsrat, von den seitens der Natur erbrachten Ökosystemleistungen lese, erkenne ich darin eher eine ökonomische Sicht auf die Natur und es beschleichen mich Zweifel, ob wir die Kurve noch kriegen. Gut, dass ich meine kleine Wiese hinter dem Haus habe!

Das Braune Langohr steht europaweit unter besonderem Schutz.


(Fotos: Herbert Zucchi)

HERBERT ZUCCHI , emeritierter Professor für Zoologie/ Tierökologie, ist nach wie vor an der Hochschule Osnabrück tätig. Seit vielen Jahrzehnten ist er im Naturschutz aktiv und als Mitarbeiter der ZeitschriftNationalpark schon lange engagiert.

„Durch die Gleichschaltung der Welt nach den Kriterien des Marktes schwindet die Biologische Vielfalt zunehmend.“