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Auf den Spuren der Götter


Tourenfahrer - Motorrad Reisen - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 03.01.2020
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Bildquelle: Tourenfahrer - Motorrad Reisen, Ausgabe 2/2020

Die griechische Mythologie ist voll von sagenumwobenen Orakeln, von Heldengeschichten und Göttermythen. Neben seiner beeindruckenden Kultur besticht Griechenland aber auch durch traumhafte Meeresküsten, mediterranes Klima und kulinarische Köstlichkeiten. Bettina Höbenreich (Text) und Helmut Koch (Fotos) machten sich auf, dieses spannende Land zu erkunden.

Entlang der wilden Küste der Mani- Region geht es für uns bis ganz in den Süden der Peloponnes-Halbinsel (o.). Zum Sonnenuntergang am Tempel des Poseidon – unvergesslich! Helmut Auge in Auge mit einem Trojanischen Pferd, das die Strecke nach Mykene ziert. Die 32-stündige Anreise in einem türkischen Autoreisezug ist ein Abenteuer für sich (von links).

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Im Schein der untergehenden Sonne schauen wir zu, wie das Tal und die schwebenden Klöster von Meteora in ein sanftes Abendlicht getaucht werden.


Es ist einfach herrlich, dort zu sitzen und zu schauen, wie die Schatten immer länger werden – ein magischer Moment

In Delphi wandern wir auf den Spuren des sagenumwobenen Orakels, dem wichtigsten im alten Griechenland.


Zeus ließ zwei Adler von den Enden der Welt losfl iegen, die sich in Delphi trafen – so wurde es zum Mittelpunkt der Welt

Die Gebirgsregion um den Olymp ist nicht nur ein Paradies für Motorradfahrer, die Bergluft sorgt auch für Abkühlung. Die Wohntürme in der Region um Vathia dienten den wilden Mani-Piraten als Zufluchtsort während ihrer berüchtigten Blutfehden. Die Küste im Osten Griechenlands bietet uns versteckte Plätze, um unser Zelt direkt am Meer aufzuschlagen (v. l.).

Wir genießen die kühle Meeresbrise und die fantastischen Aussichten auf einen schier endlosen Horizont


Auch die Westküste des griechischen Festlands verführt uns mit traumhaften Strecken entlang der schroffen Felsenküste.

Der über 80 m tiefe Kanal von Korinth ist eine wahre Meisterleistung der Bau- und Ingenieurskunst des späten 19. Jahrhunderts. Ein Gläschen Tsipouro darf nach dem Essen nicht fehlen; die intensiv nach Anis schmeckende Spirituose ist der wohl beliebteste Digestif des Landes. Bea im »Wettlauf« mit einer griechischen Landschildkröte (von links).

Die nordwestgriechische Region Epirus ist berühmt für ihre gut erhaltenen steinernen Bogenbrücken.


Die erste Station unserer Reise liegt in Österreich: Am Güterbahnhof Villach wartet der türkische Autozug, der uns und unsere beiden Motorräder in einer 32-stündigen Fahrt bis nach Edirne an der türkisch-griechischen Grenze bringt. Unterwegs kommen wir mit vielen Reisenden ins Gespräch und werden zu türkischem Tee und süßen Leckereien eingeladen. Ein guter Auftakt. Die Einreise in die Türkei und auch die Zollformalitäten für unsere Motorräder sind schnell erledigt und nach nur wenigen Kilometern auf türkischem Boden erreichen wir bereits die türkisch-griechische Grenze. Auch hier gehen die Grenzformalitäten zügig über die Bühne und unser Abenteuer Griechenland kann beginnen.

Ganz im Osten des Landes, weit abseits der großen touristischen Zentren, begrüßt uns das Land mit weitläufigen Landschaften und kleinen Nebenstraßen, die teilweise schon so weit mit Büschen und Bäumen zugewachsen sind, dass es fast scheint, als wäre hier schon seit Jahren kein anderes Fahrzeug mehr durchgekommen.

Wir passieren malerische Dörfer mit den für Griechenland so typischen, weiß getünchten Häusern. Beobachten alte Herren, wie sie im Schatten der Bäume bei einem griechischen Kaffee zusammensitzen und über Gott und die Welt debattieren, und tauchen langsam immer weiter in das Land ein.

Die ersten Tage sind wir vor allem im nordostgriechischen Hinterland unterwegs und erkunden auf kleinsten Landstraßen die Gegend. Viele dieser Strecken scheinen schon lange nicht mehr instand gesetzt worden zu sein und so passiert es immer wieder, dass sich die kleinen Teerstraßen urplötzlich in holprige und staubige Feldwege verwandeln oder wir auf einmal in einer Sackgasse mitten zwischen den Feldern stehen.

Immer wieder kommen wir auch an mehr oder weniger maroden Brücken vorbei, bei denen selbst wir mit unseren Motorrädern dreimal überlegen, ob diese noch stabil genug sind. So erreichen wir schließlich einen relativ breiten Fluss, durch den eine betonierte, leicht überflutete Furt führt. Eigentlich kein besonderes Hindernis, doch die Furt scheint so wenig befahren zu sein, dass sich am Boden eine rutschige Algenschicht gebildet hat. Fast fühlt es sich an, wie auf blankem Eis zu fahren – im Schritttempo und mit leicht schlingerndem Hinterreifen.

Nach einigen spannenden Tagen im Hinterland zieht es uns ans Meer, denn natürlich haben auch wir von Griechenland vor allem ein Bild im Kopf:kristallklares Wasser, beeindruckende Küsten und weitläufige Strände. Zwar hat der Osten des Landes keine besonders spektakulären Küstenstraßen zu bieten, überrascht uns aber dafür mit vielen noch mehr oder weniger wilden und ursprünglichen Küstenabschnitten, die noch für jedermann frei zugänglich sind.

Spontan suchen wir uns für den Abend ein einsames Plätzchen, an dem wir unser Zelt für die Nacht aufschlagen können. Über einen kleinen Schotterweg gelangen wir tatsächlich bis unmittelbar an den Strand, wo wir bald eine ebene, hinter einigen Büschen gut versteckte Fläche finden – ein perfektes Nachtlager. Schnell stellen wir unser Zelt auf und stürzen uns in die Fluten, um uns von einem dank der stetig steigenden Temperaturen ziemlich schweißtreibenden Fahrtag zu erholen.

Am Boden hat sich eine rutschige Algenschicht gebildet. Es sich fühlt an, wie auf blankem Eis zu fahren

Die griechische Mittelmeerküste begeistert uns mit türkisblauem Wasser und weitläufigen Stränden.


Fangfrischer Fisch und ebensolche Meeresfrüchte prägen die mediterrane Küche des Landes.


Noch lange sitzen wir danach vor unserem Zelt, genießen den lauen Sommerabend, die sanfte Brise, den leicht salzigen Duft des Meeres und schließlich den fantastischen Blick auf die Milchstraße am sternenklaren Nachthimmel. Irgendwann lullt uns das stetige Rauschen der Meeresbrandung so ein, dass wir müde, aber unglaublich zufrieden in unsere Schafsäcke kriechen und sofort einschlafen.

Es ist Anfang Juli und Griechenland wird von einer Hitzewelle mit Temperaturen von über 40 Grad geplagt. Wir treten die Flucht in die Berge an und machen uns auf zu Griechenlands wohl berühmtestem Gebirge: dem Olymp. Mit über 2900 Metern Höhe ist er nicht nur Griechenlands höchstes Gebirge, sondern gemäß der griechischen Mythologie auch Sitz der zwölf olympischen Götter. Für uns Motorradfahrer ist jedoch vor allem die schmale, aber gut geteerte Bergstraße interessant, die sich vom Besucherzentrum des Nationalsparks Olympos über unzählige Kurven und Kehren bis zu einer Schutzhütte tief im Gebirge emporwindet. Die Strecke führt teilweise durch dichte Wälder, bietet aber auch immer wieder spektakuläre Aussichten über die Küste und bis weit auf das Meer hinaus und ist deshalb, obwohl es sich um eine Sackgasse handelt, absolut (er)fahrenswert.

Trotz des kurvenreichen Fahrspaßes ist auf der gesamten Strecke Vorsicht geboten, denn immer wieder »liegen« griechische Landschildkröten mitten auf der Fahrbahn. Eigentlich liegen die kleinen gepanzerten Tiere nicht wirklich, aber da sie durchschnittlich nur 80 Meter am Tag zurücklegen, kann die Überquerung einer Straße schon mal einige Zeit dauern. Deshalb halten wir auch spontan an, als wir eine kleine Schildkröte mitten auf der Fahrbahn sehen, und verfrachten sie behutsam in das angrenzende hohe Gras, wo sie dann »eiligen Schrittes« im Dickicht verschwindet.

Viel zu schnell verlassen wir die kühle Bergregion wieder, denn unser nächstes Ziel, das sagenumwobene Orakel von Delphi, wartet bereits auf uns. Der Mythos will, dass Göttervater Zeus zwei Adler von den Enden der Welt losfliegen ließ, die sich hier in Delphi trafen.

Bereits früh am Morgen beginnen wir mit der Besichtigung der weitläufigen Tempelanlage und ihrer Heiligtümern. Besonders imposant ist das 5000 Besucher fassende Theater aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., das sich majestätisch in den Hang hineinschmiegt und einen tollen Ausblick über das mit Olivenhainen bedeckte Tal bietet.

Mit fortschreitender Tageszeit wird es auf dem fast schattenlosen Gelände zunehmend heißer und nun setzen auch die Touristenmassen ein. Zeit für uns aufzubrechen. Bevor es in die Hauptstadt Griechenlands und damit zur wahrscheinlich berühmtesten antiken Kultstätte des Landes geht, folgen wir noch einer Strecke, die uns von einheimischen Motorradfahrern empfohlen wurde.

Die Küstenstraße, die auch Attische Riviera genannt wird, führt von Athen in Richtung Süden und windet sich in sanften Kehren am Saronischen Golfs entlang. Immer wieder eröffnen sich uns entlang der Strecke fantastische Aussichten über den schier endlosen blauen Horizont und wir genießen die Fahrt und die angenehm kühle Meeresbrise in vollen Zügen.

Am Ende der Landzunge erreichen wir das Kap Sounion. Auf den Klippen der steil zum Meer hin abfallenden Landspitze befinden sich die Überreste des Marmortempels des Meeresgottes Poseidon, der erhaben über der Bucht thront und bereits aus der Ferne zu sehen ist. Wir beschließen, den Tempel zur Abenddämmerung zu besuchen, wenn die brütende Hitze des Tages langsam nachgelassen hat und die meisten Busse mit Touristen aus Athen bereits wieder abgefahren sind. Eine gute Entscheidung. Die untergehende Sonne taucht den Tempel und die sanften Küstengebirge in gedämpftes, rötliches Abendlicht und plötzlich fühlen wir uns zurückversetzt in die Zeit um das 5. Jahrhundert v. Chr., als das Heiligtum von Seefahrern besucht wurde, um den Meeresgott mit Tieropfern und anderen Weihgaben um eine sichere Überfahrt zu bitten. Der Gedanke, dass hier bereits vor über 2500 Jahren Menschen auf genau denselben Mar- mortreppen standen und in die untergehende Abendsonne blickten, wie wir es heute tun, ist einfach unglaublich und beschert uns eine Gänsehaut.

Abseits der touristischen Zentren finden sich einsame Traumstrände wie dieser, an dem wir in völliger Einsamkeit eine Nacht verbringen.


Fasziniert von der einzigartigen antiken Kultur Griechenlands, machen wir uns auf nach Athen. Neben der weltberühmten Akropolis mit ihren gut erhaltenen Tempeln und dem fantastischen Blick, den wir von der 156 Meter hoch über das Zentrum aufragenden Stadtfestung aus haben, genießen wir aber vor allem das griechische Lebensgefühl, das in der geschäftigen Metropole an jeder Ecke und in jeder Straße zu spüren ist.

Wir schlendern durch schmale, kopfsteingepflasterte Gassen und lassen die wunderschön restaurierten alten Häuserzeilen auf uns wirken. Immer wieder lauschen wir Straßenmusikern, die sich im Schatten einiger Bäume niedergelassen haben und griechische Volkslieder zum Besten geben, und kehren schließlich, angelockt vom verführerischen Duft von frisch gebratenem Souflaki und Gyros, in einer kleinen Taverne ein paar Straßen abseits des touristischen Trubels ein.

Nach so viel Sightseeing und Großstadttrubel zieht es uns nach drei Tagen in Athen wieder hinaus in die weitläufige mediterrane Landschaft und wir machen uns auf den Weg zur Peloponnes. Vom Festland aus fahren wir über den berühmten Kanal von Korinth auf die Halbinsel. Der 6343 Meter lange, bis zu 84 Meter tiefe und nur knapp 25 Meter breite Kanal wurde Ende des 19. Jahrhunderts in den Fels getrieben – eine wahre Meisterleistung der Bau- und Ingenieurskunst. Der Ausblick von der alten Kanalbrücke hinab in die Tiefe ist gleichermaßen beeindruckend und schwindelerregend.

Nach einem kleinen Abstecher in die malerische Hafenstadt von Nafplio führt uns unsere Motorradreise bis ganz in den Süden der Peloponnes, wo sich die Halbinsel in drei fingerartige Landzungen aufteilt, die weit in das Ionische Meer hineinragen. Da wir unsere Routen nicht nur nach dem Reiseführer oder der Landkarte planen, sondern sehr gern die Einheimischen nach Tipps zu besonders schönen Küsten- oder Gebirgsstrecken für Motorradfahrer fragen, ist uns die mittlere der drei Landzungen besonders an Herz gelegt worden. So machen wir uns auf einer über weite Strecken nur einspurigen Teerstraße auf den Weg durch die Mani genannte Region. U

Und plötzlich sind wir auf der für uns wohl schönsten Motorradstrecke der Peloponnes gelandet. Die Landschaft ist übersät mit schroffen Felsen, die aus den kargen, nur von Gräsern und kleinen Büschen bedeckten Hängen emporragen. Die kleine Straße, der wir folgen, windet sich in Hunderten von Kurven und Kehren am bis zu 2400 Meter hohen, steil zum Meer hin abfallenden Küstengebirge entlang. Hinter jeder Kurve verstecken sich malerische, von den Bergen eingerahmte Buchten. Manche sind durch die steilen Felsen für Menschen unzugänglich und völlig naturbelassen, während sich in anderen kleine Siedlungen in der für die Region so typischen Naturstein- Bauweise finden.

Über eine schmale Landzunge erreichen wir Kap Tenaro, den zweitsüdlichsten Festland- Punkt Europas. An der gebirgigen Küste des Kaps versteckt sich ein abgeschiedenes Fischerdorf, in dem einige private Segelschiffe und Katamarane vor Anker liegen. Die romantische Bucht und die schneeweißen Boote, die wie kleine Nuss- schalen auf dem kristallklaren, in der Sonne glitzernden Meer hin- und herschaukeln, erscheinen wie ein Postkarten-Motiv – fast zu schön, um wahr zu sein!

Schneeweiße Boote, die wie kleine Nussschalen auf dem glitzernden Meer hin- und herschaukeln

Während in den Straßen das moderne Leben pulsiert, thront die Akropolis seit fast 2500 Jahren im Herzen Athens.


Straßenmusiker geben in den Gassen der Athener Altstadt griechische Volkslieder zum Besten.


Neben ihrer Ursprünglichkeit und Abgeschiedenheit sind die Mani-Region und vor allem die Gegend rund um den kleinen Küstenort Vathia für ihre Wohntürme bekannt. Die etwa 20 Meter hohen, aus massivem Stein gebauten Türme thronen wie kleine Festungen auf den umliegenden Bergen und dienten den kriegerischen Manioten als Rückzugsort während ihrer berüchtigten Blutrache-Fehden, durch die sich die Familien dieser wilden Gegend im späten 18. Jahrhundert fast selbst ausgerottet hätten. Einige der Wohntürme sind noch erhalten. Mittlerweile wurden sie von der griechischen Regierung unter Denkmalschutz gestellt, restauriert und teilweise zu kleinen Pensionen umgebaut.

Im Ortszentrum von Vathia halten wir an einer kleinen Taverne, um im Gastgarten im Schatten einiger Bäume eine kleine Pause einzulegen. Bei einem Glas Café frappé, einem typisch griechischen Eiskaffee, plaudern wir ein wenig mit dem jungen Ober, ebenfalls ein begeisterter Motorradfahrer, über seinen Traum, einmal mit seiner kleinen Maschine eine Tour durch ganz Europa zu unternehmen. Wir könnten ewig dort sitzen, die Aussicht über das tiefblaue Meer und den pittoresken kleinen Ort mit seinen Wohntürmen genießen und die salzige Meeresluft einatmen. Doch irgendwann müssen wir schließlich weiter

Neben dem historischen Olympia, Heiligtum des obersten Gottes Zeus und Austragungsort der Olympischen Spiele des antiken Griechenlands, wollen wir noch die am Rande des Pindos-Gebirges gelegenen Meteora-Klöster besuchen. Bereits die Strecke über das teilweise über 2600 Meter hohe Gebirge ist ein echtes Highlight, denn sie führt uns hoch hinauf in die mit tiefen Schluchten durchzogenen Berge und durch weitläufige Kiefernwälder. Die mit dem intensiven Duft von Kiefernnadeln geschwängerte Luft hier oben ist deutlich kühler als im ausgedörrten Flachland und an der humiden Küste.

Spontan entscheiden wir, nicht der ausgebauten Bergstraße, sondern einer kleinen, ungeteerten Nebenstrecke entlang eines abgeschiedenen Flusslaufs zu folgen. Auf der gesamten Strecke, die uns immer tiefer in die Kiefernwälder des Gebirges hineinführt, kommt uns kein einziges Auto entgegen und stellenweise fragen wir uns, ob wir überhaupt noch richtig sind. Oder wird die immer schlechter werdende Strecke einfach irgendwann in einer Sackgasse mitten im Hang enden?

Neben einigen einfachen Hütten, die durch die bewaldeten Hänge blitzen, passieren wir über viele Kilometer keine einzige Ortschaft. Einzig ein paar Hirtenhunde, die sich in der verlassenen Gegend herumtreiben und vom Geräusch unserer Motorräder angelockt werden, springen immer wieder auf den Track und sorgen so für Nervenkitzel.

Es ist schon später Nachmittag, als wir uns der Ortschaft Kalambaka nähern. Bereits aus der Ferne sind die imposanten Sandsteinfelsen zu sehen, die in den Himmel emporragen und auf denen sich die weltberühmten Klöster von Meteora erheben.

Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang stoppen wir an einer Bergstraße und schauen auf die Klöster Rousanou und Agios Nikolaos Anapavsas. Da wir uns et- was abseits der bekannten Aussichtspunkte befinden, haben wir das Plätzchen für uns allein und so beschließen wir, auf einem großen, von der Hitze des Tages aufgeheizten Steinblock eine kleine Brotzeit herzurichten. Es ist einfach herrlich, dort im sanften Schein der untergehenden Sonne zu sitzen, ein paar Oliven, frischen Schafskäse, knuspriges Ciabatta und sonnengereifte Tomaten zu futtern und zuzusehen, wie die Schatten immer länger werden und das Tal und die schwebenden Klöster in ein sanftes Abendlicht getaucht werden. Ein wahrhaft magischer Moment.

Die südliche Peloponnes lockt uns mit malerischen Küsten und kurvenreichen Pässen.


Die letzten Tage unserer fast fünfwöchigen Motorradtour lassen wir in der Gegend um Ioannina ausklingen. Die malerische Altstadt ist durch alte Gebäude aus den Zeiten des Osmanischen Reichs geprägt und die weitläufige Promenade, die am Ufer des Pamvotida-See entlangführt, lädt uns mit ihren unzähligen Tavernen und Cafés zum Flanieren und Verweilen ein. Ein letztes Mal genießen wir die köstliche griechische Küche und decken uns mit kleinen Mitbringseln wie griechischem Honig, Kalamata- Oliven und hochwertigem Olivenöl ein, die unsere Motorradkoffer für die Heimreise fast zum Platzen bringen!

Bereits am nächsten Tag bringt uns die Autofähre von Igoumenitsa in einer gut 24-stündigen Überfahrt bis nach Venedig, von wo aus wir unsere Heimreise antreten. Sowohl streckentechnisch als auch landschaftlich und menschlich hat uns Griechenland begeistert und wir werden sicher noch lange von den vielen tollen Erlebnissen dieser Reise zehren.

Allgemeines

Griechenland ist vor allem berühmt für seine antiken Stätten. Neben der Akropolis von Athen zählen u. a. der Tempel des Poseidon, Delphi, das historische Olympia, Epidauros sowie Mykene zu den wichtigsten historischen Stätten. Auch der Kanal von Korinth sowie die Meteora-Klöster sind besonders sehenswert. Landschaftlich gehören die Vikos-Schlucht, der Nationalpark Olympos sowie die Mani-Halbinsel zu den Highlights des griechischen Festlands sowie die Peloponnes. Wer eine Griechenlandreise plant, sollte sich von fehlenden Sprachkenntnissen übrigens nicht abschrecken lassen. Weite Teile der Bevölkerung – vor allem in den touristisch erschlossenen Gebieten – sprechen auch Englisch. Und für deutsche Elektronikgeräte ist kein Reise-Adapter notwendig. Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt ganzjährig plus eine Stunde.

Motorrad fahren

Auch wenn es im täglichen Straßenbild nicht den Anschein macht – in Griechenland herrscht Helmpfl icht für Motorradfahrer. Alkoholtechnisch gelten für Motorradfahrer 0,0 Promille, während die Promillegrenze bei Autofahrern bei 0,5 liegt. Auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen für Motorräder liegen unter denen von Autos: innerorts 40 km/h, au- ßerorts 70 km/h, Autobahn 90 km/h. Auf Autobahnen und an manchen Brücken und Tunneln wird Mautgebühr auch für Motorräder erhoben. Eine Vignette ist nicht nötig, die Maut wird vor Ort bezahlt und variiert je nach Strecke.

Klima und Reisezeit

Die beste Reisezeit für Motorradfahrer liegt im Frühling (April / Mai) und Spätsommer (September / Oktober). Bereits ab April beschert das milde Klima warme Temperaturen um die 20 Grad. Während der September oft noch mit sommerlichem Badewetter punktet, wird es im Oktober vor allem während der Nächte bereits deutlich kühler. In den Sommermonaten (Juni bis August) kann es vor allem im Flachland sehr heiß werden. Außerdem fl üchten viele Griechen während der Sommerferien (Mitte Juni bis Anfang September) selbst aus den Städten und dem Flachland an die Küste, weshalb es dort im Hochsommer besonders geschäftig zugeht

Anreise

Neben der Anreise über Land sind die Fahrzeugfähren von Italien (u. a. Venedig, Ancona) nach Griechenland (u. a. Igoumenitsa, Patras) die schnellste Verbindung – Infos hierzu finden sich unter bit.ly/tf-faehren. Für diejenigen, die das Land einmal von Ost nach West bereisen möchten, besteht auch die etwas abenteuerlichere Möglichkeit, ab Villach einen Autozug ins türkische Edirne zu nehmen.

Geld und Preise

Griechenland gehört nicht nur zur EU, sondern auch zur Euro-Zone. Am Geldautomat kann daher mit Giro- und Kreditkarte problemlos Geld abgehoben werden. Auch die Roaming-Gebühr für Mobiltelefonie gehört seit 2017 der Vergangenheit an. Die Preise in Griechenland liegen in etwa auf deutschem Niveau, in den touristischen Hochburgen jedoch deutlich höher als auf dem Land. Der Benzinpreis für 1 l Super befindet sich aktuell gut 10–15 Cent über dem Preis in Deutschland

Unterkünfte / Verpfl egung

Neben Zimmern in jeder Preisklasse und Kategorie finden sich in den meisten größeren Orten bzw. im Umkreis der touristisch interessanten Orte auch Campingplätze. Die Ausstattung und der Zustand der Campingplätze liegen jedoch in der Regel unterhalb des deutschen Standards. Die griechische Küche ist stark von mediterranen Einfl üssen geprägt. Neben frischem Gemüse, Meeresfisch, Rind- und Schweinefl eisch spielen vor allem Oliven, Schafskäse, der typisch griechische Salat sowie griechisches Weißbrot eine große Rolle. Für Vegetarier haben Restaurants in der Regel eine gute Auswahl an fl eischlosen Gerichten zu bieten. Neben Wein und Bier wird vor allem nach dem Essen gerne ein Ouzo gereicht, eine griechische Spirituose mit ausgeprägtem Anis-Aroma.

Literatur / Karten

Marco Polo Reiseführer Griechenland, Festland, MairDuMont, 14. Aufl age (2018), ISBN: 978-3-8297-2765-5, 15,99 Euro. Landkarte Griechenland (Word Mapping Project), M.: 1:650.000, Reise Know-How Verlag, 5. Aufl age (2018), ISBN: 978-3- 8317-7329-9 , 9,95 Euro. Einen kompakten digitalen Reiseführer mit Infos zu Griechenland auf einen Blick gibt es auch auf dem Motorradreise-Blog TimetoRide der Autoren zum Preis von 14,90 Euro