Lesezeit ca. 8 Min.
arrow_back

AUF DEN SPUREN DER INNEREN KRAFT


Logo von Herzstück
Herzstück - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 06.10.2022

Seit geraumer Zeit strömt sehr viel Negativität auf uns ein: die Pandemie, Krieg in Europa, ständig steigende Preise – irgendwann reicht’s doch mal mit schlechten Nachrichten, oder?! Da wünscht man sich manchmal eine Art Schutzschild, an dem einfach alles abprallt. Wenn dann auch noch persönlicher Ballast hinzukommt – wohin dann nur mit all den Ängsten, mit dem Frust und Ärger? Bei uns allen mag der Schuh an einer anderen Stelle drücken – eins haben wir dennoch gemeinsam: Es bringt nichts, die Augen davor zu verschließen. Macht uns das Leben einen Strich durch die Rechnung, können nur wir daraus eine Eistüte zeichnen. Zehren wir von unserer letzten Energiereserve, können nur wir den Speicher wieder auffüllen. Ob allgemeine Erschöpfung, unterschwellige Unzufriedenheit oder akute Krise: Schauen wir uns unseren drückenden Schuh lieber ganz genau an. Um durch den Schmerz hindurchzugehen und zu ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Herzstück. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2022 von LIEBE LESERIN, LIEBER LESER!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LIEBE LESERIN, LIEBER LESER!
Titelbild der Ausgabe 6/2022 von Erwachen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Erwachen
Titelbild der Ausgabe 6/2022 von Herz-Stücke. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Herz-Stücke
Titelbild der Ausgabe 6/2022 von SCHREIB’S AUF!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SCHREIB’S AUF!
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
GELASSEN WIE EIN BUDDHA, stark wie eine Löwin
Vorheriger Artikel
GELASSEN WIE EIN BUDDHA, stark wie eine Löwin
NESTWÄRME
Nächster Artikel
NESTWÄRME
Mehr Lesetipps

... wachsen.

In der Höhle des Löwen

Für Coach Claudia Duwe ist der Löwe ein facettenreiches Krafttier, das uns auf unserer Reise durch belastende Zeiten unterstützen kann. Der Löwe ist ein majestätisches Geschöpf, Anführer eines Rudels, Respekt einflößend und stark. Als Leittier gibt er den Ton an – hat er doch die Weitsicht und kraftvolle Ausdauer, um dem Rudel den Weg zu weisen.

Um die sprichwörtliche Höhle des Löwen machen wir für gewöhnlich einen großen Bogen: In der Dunkelheit lauert Gefahr, Verletzung, Schmerz – ganz hinten aber, gut versteckt, liegt das ganze Potenzial, ein kraftvoller Schatz. Die Löwenhöhle ist für Duwe ein Sinnbild dafür, was wir alles gewinnen können, wenn wir uns dem gefährlich anmutenden Schmerz beherzt stellen. „Die Löwenreise ist eine Schatzsuche: Du machst dich auf den Weg, um herauszufinden, wer du eigentlich bist und wie du deine innere Kraft nutzen kannst“, sagt Claudia Duwe.

In der Höhle hinterfragen wir die belastende Situation bzw. das Problem bis ins Detail. Wertvolle Fragen dafür sind: Wieso beschäftigen und schmerzen gerade mich diese Umstände so? Welches meiner Lebensthemen ist davon betroffen? Durchs Hinterfragen werden uns die größeren Zusammenhänge deutlich und unser Verhalten, unsere Emotionen nachvollziehbar. Auf diese Weise können wir uns selbst auch Mitgefühl entgegenbringen und – vielleicht am wichtigsten – wir dürfen uns selbst verzeihen. Haben wir uns zum Beispiel im Gefühls-Wirrwarr gehen lassen oder sonst irgendwo keine perfekte Performance abgeliefert, torpedieren wir uns gern bereits in der nächsten Sekunde mit den dreistesten Vorwürfen. Dann ist es wichtig, sich bewusst zu machen: Alles, was wir denken, fühlen und sind, hat seine Berechtigung.

Wer sich damit schwertut, kann sich die betreffende Situation vor Augen rufen und visualisieren, wie Frieden darauf rieselt. „Spüre, wie sich Frieden auf dein Gefühl legt – als würden Friedensflocken darauf fallen“, regt Duwe an. Versuchen wir, die Situation aus allen verschiedenen Blickrichtungen zu betrachten. Meist sehen wir sie, ohne es zu merken, stets aus der Perspektive, die wir uns im Laufe des Lebens angeeignet haben. Dabei gibt es immer zahlreiche Möglichkeiten, wie wir eine Situation interpretieren und darauf reagieren können.

„Die Liebe trägt die Seele, wie die Füße den Leib tragen.“

KATHARINA VON SIENA

„Warten zu müssen ist eine freundliche Einladung zu einer kleinen Meditation.“

ANDREAS KÖNIG

Den eigenen Rhythmus erspüren

Auf diese Weise kann aus dem beängstigenden zotteligen Raubtier in der dunklen Höhle ein freiheitsliebender Wildkater werden, der es gut mit uns meint. Wer mag, kann ihn zu einem treuen Begleiter machen und visualisieren, wie er sich genüsslich neben uns einkuschelt, langsam mit dem Pinselspitzen-Schwanz wedelt und uns schnurrige Geborgenheit schenkt – bereit, die nächste Phase der gemeinsamen Reise einzuläuten: die Löwenruhe. Wusstest du, dass Löwen bis zu zwanzig Stunden am Tag schlafen? Klar, dass auch wir Ruhe brauchen, um vital, stark und erhobenen Hauptes durchs Leben zu gehen. Schenken wir sie uns. Und machen wir dabei die Leere zu unserer vertrauten Freundin. Gönnen wir uns Löwenruhe, geben wir unserer Seele nach Möglichkeit den Raum, den sie braucht. Das könnte bedeuten, vielleicht einmal nicht die Zusatzschicht zu übernehmen, weil

Geld verdienen zurzeit sinnvoll erscheint; vielleicht einmal nicht in den Urlaub zu fahren, um die kostbaren Urlaubstage mit denkwürdigen Erlebnissen zu füllen, oder sich vielleicht lieber doch nicht in den frühmorgendlichen Yogakurs zu schleppen, weil das in Wahrheit so gar nicht unsere Uhrzeit ist. Sich Löwenruhe zu gönnen – das bedeutet auch, den eigenen Lebensrhythmus zu erspüren und ihm samtpfotig zu folgen. Ein fruchtbares Tool, um den Weg nach innen zu beschreiten, ist Meditation. Der Büchermarkt ist überschwemmt mit Ratgebern dazu. „In zahlreichen Büchern werden verschiedene Techniken angeboten und wird auch viel versprochen, was der Selbstoptimierung dient. Das Ziel ist ein Zugewinn an Stärke, Konzentration etc.“, sagt Psychologie-Professorin Brigitte Dorst, die einen ihrer Schwerpunkte auf Spiritualität gelegt hat. „Bei den tradierten Formen der Meditation geht es dagegen zunächst darum, sich auf Übungen des Loslassens und Leerwerdens einzulassen.“

Leer werden – und es genießen

Buddhistischer Zen, Sufismus, Yoga – auch wenn sich die Techniken der verschiedenen Weltanschauungen und Glaubensrichtungen unterscheiden mögen, so haben sie eins gemeinsam: Wir öffnen uns mit ihrer Hilfe dem Moment, um an den Grund unseres Seins zu tauchen. Wir üben uns darin, ihn in aller Stille geschehen zu lassen, ohne ihn verändern zu wollen. „Wir richten unser Alltags-Ich hin zum tieferen Selbst. Wir machen uns frei von allem Müssen und allen Erwartungen“, beschreibt es Brigitte Dorst. „Wir versuchen, mit dem Teil in uns Kontakt aufzunehmen, der sehnsüchtig ist. Wonach? Nach Stille, nach Leere, nach spürbarer Verbindung zum Urgrund. Wir öffnen unser Herz, wir versuchen, ganz in das Energiefeld der Liebe einzutauchen, da anzukommen, wo wir eigentlich schon sind.“ Beim Meditieren geht es nicht darum, etwas Bestimmtes zu erreichen. Wir kommen dabei viel mehr in einen achtsamen Seinsmodus. Wer sich schwertut, kann sich auf den Atem konzentrieren und innerlich ein Mantra wiederholen. „Ich atme ein, ich öffne mich. Ich atme aus, ich lasse los“, schlägt uns Brigitte Dorst vor. So erinnert uns jeder Atemzyklus an das, wonach wir uns sehnen und wonach wir streben. Wer mag, kann sich vielleicht sogar an das Ufer eines Flusses setzen, dem Fließen des Wassers lauschen, das Herz öffnen und mit der Zeit fließen.

DIE BESTEN FRUSTSCHUTZMITTEL

SOS-HILFE MIT SOFORT-EFFEKT

Im Alltag überschwemmt uns Frust oft ohne Vorwarnung. Mit diesen Strategien sind wir ihm in Zukunft nicht mehr hilflos ausgeliefert …

FRUST-SCREENING

Wir schaffen Distanz zum Frust, indem wir ihn ins kleinste Detail analysieren: Aus welchen Gefühlen besteht er genau? Wo lässt er sich im Körper lokalisieren? Welche Farbe könnten wir ihm zuordnen? Auf diese Weise identifizieren wir uns nicht mit dem Frust, sondern werden die beobachtende Person. Dies schützt uns auch vor unüberlegten Handlungen.

ENERGIE-KATALYSATOR

In Frust steckt viel Energie. Anstatt uns gedanklich und emotional in eine Abwärtsspirale zu katapultieren, können wir sie in die richtige Richtung lenken und abbauen – etwa beim Radfahren, Tanzen oder Boxen. Je leidenschaftlicher, desto besser! Es muss nicht unbedingt Sport sein: Gartenarbeit oder Putzen erfüllen denselben Zweck und haben sogar einen sichtbar tollen Nebeneffekt.

BESÄNFTIGENDE SCHTZTRUHE

Fülle eine Schachtel mit Dingen, die dir ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Lass ihre Magie in frustrierenden Momenten geschehen, indem du etwas daraus ziehst oder durch die Schachtel stöberst. Beispiele für ihre Befüllung sind lustige Bilder, lieb gewonnene Postkarten oder Erinnerungsstücke aus dem Urlaub. Wir können auch auf Zetteln Botschaften an uns richten – zum Beispiel mit Lieblingszitaten oder Komplimenten, die wir einmal bekommen haben.

GEGENTEIL-AKTION

Wer drauf und dran ist, aus Frust heraus zu agieren, kann einmal versuchen, das genaue Gegenteil zu tun. Wer etwa das Gegenüber am liebsten zur Schnecke machen will, versucht ihm oder ihr Mitgefühl entgegenzubringen. Bekommst du Heißhunger auf zwei Stücke Sahnetorte, schnippel dir Obst für einen appetitlichen Obstteller.

„Nicht das Problem macht die Schwierigkeiten, sondern unsere Sichtweise.“

VIKTOR FRANKL

Liebe ist alles

Ein anderes Mantra, das sich darüber hinaus auch schön in den Alltag integrieren lässt, hat uns der spirituelle Lehrer Ram Dass mit auf den Weg gegeben. „I am loving awareness“ lautet es, „ich bin liebevolles Bewusstsein“. Normalerweise ordnen wir unser Bewusstsein dem Ego zu, dem Verstand, den Sinnen. Für Ram Dass hingegen ist es unser spirituelles Herzzentrum. Während der Verstand ohne Unterlass bewertet, so wie er es gelernt hat, nimmt das Herz alles in und um uns herum in Liebe wahr. „Das meiste von dem, was uns begegnet, sind Gedanken. Ich projiziere nicht nur Namen, sondern auch Werte“, sagt Ram Dass in der Netflix-Dokumentation „Going Home“, die kurz vor seinem Tod auf Maui entstanden ist. „Ohne diese Projektionen kann ich alles sehen.“ Unsere Essenz ist Liebe. Nehmen wir uns und die Welt mit dem Herzen wahr, spüren wir, wie alles auf der Welt universal verbunden ist, so wie die unzähligen Tropfen Wasser in einem Ozean.

Liebe verurteilt nicht, sondern nimmt ohne Ausnahme an, was ist: den Körper, alle Gefühle und die Gedanken, die uns limitieren; die Geräusche aus der Nachbarwohnung und den Baustellenlärm von draußen … Wiederholen wir in der Meditation das Mantra, um genüsslich in uns zu versinken und das große Ganze zu spüren, mit dem wir verbunden sind. Das Schöne: Überall, wo wir sind, können wir das Mantra in uns anklingen lassen und zum Leben erwecken – auf dem Weg zur Mülltonne, an der roten Ampel, wenn wir durch die Gänge des Supermarkts stromern. Erinnern wir uns im Alltag, so oft es uns gelingt, an die Formel „I am loving awareness“, „ich bin liebevolles Bewusstsein“. Das Mantra schenkt uns ein Gefühl von Heimat in dieser Welt und schafft Distanz zu Gedanken und Emotionen, die alle nicht unsere wahre Natur ausmachen.

Das Schicksal von Herzen annehmen

Ram Dass selbst hat aus der Meditation Löwenkräfte gewonnen, könnte man meinen. 1997 erlitt er einen Schlaganfall, der ihn partiell gelähmt und bis zum Ende seines Lebens im Jahr 2019 abhängig gemacht hat: von Rollstühlen und der Hilfe anderer Menschen. „Der Schlaganfall führte dazu, dass ich mich noch mehr nach innen kehrte – und das ist so wunderbar“, sagt Ram Dass in der Dokumentation.

Liest man diese Worte, fällt es schwer zu glauben, dass er sie ernst meint. In der Doku aber lacht er daraufhin so herzlich und buddhahaft, als habe er seinen tiefen Frieden, sein Ich und Glück gefunden. „Ich wünsche euch keinen Schlaganfall, aber ich wünsche euch die Gnade, die aus einem Schlaganfall heraus erwächst“, sagt er.

Wie Ram Dass mit seinem Schicksal umgegangen ist, ist beeindruckend. Auf der anderen Seite kann das einem

ERZÄHLE DEINE FREUDENBIOGRAFIE

DAS GLÜCK IM LEBEN SPÜREN

Unser Leben ist und war bisher reich an Freude. Rekonstruieren wir unsere Glücksgeschichte …

Das Gefühl der Freude ist nicht so aufdringlich wie etwa Ärger oder Frust. Für gewöhnlich springen uns Stressoren sofort ins Auge – den freudvollen Momenten hingegen müssen wir viel eher bewusst Aufmerksamkeit schenken, damit sie nicht verloren gehen. Wir alle haben unsere ganz eigene Geschichte des Glücks, die erzählt werden will. Überlege einmal: Worüber hast du dich als Kind gefreut, und wie hat sich die Freude ausgedrückt? Wie hat sich dein Verhältnis zur Freude auf den verschiedenen Lebensstationen bis zur Gegenwart verändert? Im Laufe unseres Lebens haben wir nicht nur Energie in Projekte investiert, sondern wir haben vor Glück gestrahlt und vor Tränen gelacht. Unsere Freudenbiografie hat die Kraft, uns den Rücken zu stärken, unserem Sein dankbar zu begegnen und zu spüren, was wirklich wichtig ist im Leben.

„Normalo“ schon mal zusätzlich ein schlechtes Gewissen bereiten: Wie können wir ständig über Lappalien jammern, obwohl es uns objektiv betrachtet eigentlich so gut geht?! Sind wir zu undankbar dem Leben gegenüber und all dem, was wir haben?! Sind wir Frustlinge und selbst schuld daran, weil unser Geist zu schwach ist, die Meditation anzugehen?

Sich aus den Fängen des Frusts befreien

Frust ist ein Zustand des Widerwillens, in den wir geraten, wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden. Frust leert den Energiespeicher und raubt die Motivation – schnell verheddern wir uns in negativen Emotionen wie ein Insekt in einem klebrigen Spinnennetz. Aber wir müssen nicht zu seinem Opfer werden! Akzeptieren wir den Frust – er lässt sich im Leben nicht vermeiden. Hinterfragen wir ihn, denn dann kann er sich in fruchtbaren Dünger verwandeln. Überlegen wir: Waren unsere Erwartungen angemessen? Wie lässt sich die Situation verändern? Wie sähe die Situation aus, wenn wir nicht frustriert wären? 

Im Kasten auf Seite 63 findest du praktische Strategien, die helfen, dich aus den Fängen des akuten Frusts zu befreien. Auch unsere Geschenke gleich rechts sind wunderbare Frustschutzmittel – schenken Inspiration zum Nachdenken, Träumen und Pause-Machen. Lass dein Herz vom Adventskalender und vom Glücksstern berühren …

Charlott Drung

Zum Weiterlesen:

• Der Zukunft wieder trauen” von Claudia Duwe (Patmos Verlag, 18 €), „Runterkommen und drüberstehen” von Martina Pahr (mvg Verlag, 17 €)

• Was die Seele nährt” von Herausgeberin Christiane Neuen (Patmos Verlag, 16 €)