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Auf den Spuren der Shogune und Geishas


Auto Bild reisemobil - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 08.07.2021

Artikelbild für den Artikel "Auf den Spuren der Shogune und Geishas" aus der Ausgabe 8/2021 von Auto Bild reisemobil. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild reisemobil, Ausgabe 8/2021

DER MANN mit dem weißen T-Shirt bearbeitet mit einem Rechen den Boden, während drinnen in der Hütte das Wasser über dem Feuer siedet. „Konichiwa“ – grüßt er herüber, also „Guten Tag“. Wir sind mit unserem Camper auf der Halbinsel Noto im Norden Zentral-Japans. Hier wird an der Westküste noch Salz aus dem Meer gewonnen, wie vor 100 Jahren: Die zusammengekochte Lauge wird in der Sonne getrocknet, bis die Kristalle zurückbleiben. Wir sind hier weit entfernt von den Hightech-Metropolen wie Tokio oder Osaka und genießen den einsamen Strand mit seinen Sonnenuntergängen. Die Straße schlängelt sich durch kleine Fischerdörfer, und in den Häfen liegen die Boote. Japan einmal ganz anders.

Vor gut zwei Wochen sind wir aufgebrochen, in Narita, der Stadt nahe dem internationalen Flughafen. Dort haben wir bei dem Verleiher unser Campmobil abgeholt: einen ausgebauten Nissan mit Dieselmotor, Kühlschrank, Spüle ...

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... und Schlafplatz, dazu ein Campingset bestehend aus Stühlen, Tischchen und Gaskocher. Etwas Geschirr war auch an Bord. Und dann ging es los: Handbremse lösen, Blinker setzen – hoppla, das war jetzt der Scheibenwischer, vieles ist seitenverkehrt – und dann mit einem mächtigen Adrenalinschub hinaus auf die Straße. Ab dem Moment galt: aufpassen – denn hier herrscht Linksverkehr! Und auf uns warteten die Abenteuer der japanischen Landstraße, Autobahn und Raststätten. Tempel und Schreine sowieso.

Als erste Station hatten wir die Stadt Nikko auserwählt, gut 160 Kilometer nördlich von Narita. Der Name der Stadt bedeutet „Sonnenlicht“ und steht als Synonym für Pracht und Luxus. So findet sich hier der weltberühmte Tosho-gu-Schrein aus dem 17. Jahrhundert, in dem der 1603 an die Macht gelangte Shogun Ieyasu Tokugawa bestattet wurde. Das weitläufige Mausoleum beherbergt diverse Gebäude, darunter den Pferdestall mit den berühmten drei Affen, die nichts hören, sehen und sagen. Alleine ist man hier nicht, sondern umgeben von japanischen Schulkindern, die hierher ihre Klassenfahrt machen. Wer sich dagegen auf den Weg zum Takino-jinja-Schrein macht, erlebt die Stille zwischen riesigen japanischen Zedern, nur wenige Touristen verlieren sich an diesen abgelegenen und versteckten Platz.

"Abseits der Metropolen ist Japan noch ganz ursprünglich."

Wir bleiben zwei Tage in der Stadt und übernachten auf einem „Michi no Eki“, das ist ein Rastplatz an der Straße mit öffentlichen Toiletten, einem Restaurant und einem Laden, der regionale Produkte anbietet. Hier in Nikko gibt es zum Beispiel ein Bier aus einer kleinen Brauerei sowie diverse Gemüse von den heimischen Bauern. Diese Michi no Eki sind eine wunderbare Einrichtung und über ganz Japan verteilt. Besonderen Eindruck machen auf uns die wirklich blitzsauberen Toiletten, wie es sie sonst wohl in keinem anderen Land der Welt gibt – und das auf Hightech-Niveau, zum Beispiel mit angewärmter Toilettenbrille! Die andere Möglichkeit der Übernachtung in Nikko wäre der örtliche Campingplatz gewesen, der für ein Wohnmobil etwa 50 Euro pro Nacht berechnet. Beides – Raststätten und Campingplätze – sind über spezielle Apps im Internet auffindbar und per Google Maps ansteuerbar. Das System funktioniert prima und ist wirklich einfach zu bedienen.

Bevor wir uns mit dem Campmobil weiter auf den Weg machen, legen wir noch einen Stopp bei einer weiteren sehr praktischen japanischen Einrichtung ein: bei einem sogenannten Kombini, einem kleinen Supermarkt. Die heißen hier „SevenEleven“ oder „Familymart“, haben 24 Stunden geöffnet und bieten vom heißen Kaffee am Morgen bis zum Rotwein am Abend alles, was der Reisende braucht: Lebensmittel, Getränke, Bankautomat, Parkplatz und heiße Theke. Sie sind in den Städten an jeder Ecke zu finden und auch auf dem Lande gut vertreten.

Mit aufgefülltem Kühlschrank lenken wir unseren Campingbus die Straße Nr. 120 entlang und hinauf in die japanischen Alpen. Denn nordwestlich von Tokyo ist Zentral-Honshu (so der Name der größten Hauptinsel) von mächtigen Bergketten durchzogen, deren Gipfel teilweise über 3000 Meter hoch liegen. Und während sich in den Ebenen das Häusermeer der Ballungsräume ausbreitet, suchen die Japaner in den Bergen Ruhe und Erholung. Zum Beispiel beim Fischen. Wir haben am Chuzenjiko-See eine Übernachtung eingelegt und sind verblüfft, wie viele Angler hier am Ufer ihrem Hobby frönen. Andere japanische Urlauber sind mit Wanderstiefeln unterwegs – die Region ist durchzogen von Wegen und Steigen, die gelegentlich zu tosenden Wasserfällen führen. Herrlich!

Das Fahren in den Bergen – und später auch in der Ebene – macht allerdings den Unterschied zu Deutschland deutlich, was Straßen anbelangt. Generell ist Autofahren in Japan eine eher gemächliche Angelegenheit. Auf Landstraßen gilt in der Regel Tempo 40 (!), und auf der Autobahn ist meist bei 80 Stundenkilometern Schluss. Viele Nebenstrecken sind nicht sehr gut ausgebaut, und manchmal ist es wie auf den gewundenen Sträßchen von Kalabrien: Für 90 Kilometer braucht man gut drei Stunden. Während der Shinkansen, der japanische Schnellzug, mit 300 Stundenkilometern auf seiner eigenen Trasse durch die Gegend zischt, ist auf den Straßen also eher Entschleunigung angesagt.

Von den Bergeshöhen, in denen es Anfang Juni in der Nacht noch ziemlich frisch ist, rollen wir wieder hinab in die Täler, und statt Natur ist nun wieder Kultur angesagt. In Matsumoto – dem „Tor zu den japanischen Alpen“ – besteigen wir die mächtige fünfstöckige Burg aus dem 16. Jahrhundert mit ihren Nischen für Bogenschützen und Wurfsteine. Und in Takayama besuchen wir mal keinen Schrein oder Tempel, dafür aber ein Museum mit Alltagsgegenständen aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Dort kann man die ersten japanischen Fernseher oder Flipperautomaten bestaunen. Ansonsten ist die Stadt mit ihren zahlreichen alten Kaufmannshäusern, die sich eng an das Flussufer schmiegen, ein guter Platz, um durch die Souvenirläden zu bummeln oder den Reiswein Sake zu verkosten.

Eine völlig andere Szenerie eröffnet sich gut 50 Kilometer entfernt in der Region Shirakawa-go. Hier fühlt man sich in die Berge Bayerns versetzt. Charakteristisch für diese abgelegene Bergregion sind sogenannte Gasso-zukuri- Häuser. Die Dächer sind aus Stroh und steil gebaut, damit sie im Winter die Schneelast tragen können. Drei der dortigen Siedlungen wurden zum UNESCO-Welterbe ernannt. Wenn am Abend der Besucherandrang verebbt, macht sich in den Dörfern eine beschauliche Atmosphäre breit. Wir nehmen uns die Zeit, im Dorf Ainokura in einem Gasthaus eine Schüssel Ramen zu bestellen – Nudeln mit Suppe. „Itadakimasu“, sagt die freundliche Bedienung – „Guten Appetit“.

Reisetipps Japan

Anreise:

Die finnische Fluggesellschaft Finnair bietet fast täglich eine gute und komfortable Verbin- dung von Helsinki aus über die kurze Nordroute nach Tokio beziehungsweise zum interna- tionalen Flughafen Narita. Zubringerflüge nach Helsinki gibt es von mehreren deutschen Flughäfen, darunter natürlich München oder Frankfurt. Die Flugpreise liegen bei rund 800 Euro pro Person. Lufthansa bietet mehrere Direktflüge von Deutschland zu Zielen in Japan an. www.finnair.com www.lufthansa.com

Autofahren in Japan:

Deutsche Fahrer benötigen neben dem heimischen Führerschein auch eine beglaubigte amtliche japanische Übersetzung desselben sowie einen Reisepass. Der einfachste Weg zur Übersetzung geht über Mietwagenverleiher, zum Beispiel über https://www.japan-experience.de

LITERATUR Lonely Planet Reiseführer Japan, 2020, 29 Euro.

Dicker Wälzer mit 1000 Seiten und vielen praktischen Informationen.

Vis-à-Vis Reiseführer Japan, 2020, 24,95 Euro. Übersichtlicher Führer mit Karten und Bebilderung.

Auf der Straße unterwegs:

In Japan herrscht Linksverkehr! Die Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen liegt bei bis zu 50 km/h, auf der Autobahn bei bis zu 100 km/h. Die Regel aber sind Geschwindigkeitsgrenzen von 40 respektive 70 Stundenkilometern. Die Autobahnen sind mautpflichtig, an grünen Mautstellen kann bar bezahlt werden. Die Preise variieren, ein Beispiel sind rund 100 Euro für 500 Kilometer zwischen Kyoto und Shizuoka. Die meisten Japaner fahren sehr defensiv. Kracht es dennoch, hat in der Regel das größere Auto Schuld. Das Autobahnnetz ist relativ gut ausgebaut, dagegen sind viele kleinere Straßen nicht für schnelleres Fahren geeignet. Wer über Land fährt, sollte also wesentlich mehr Zeit als für eine vergleichbare Strecke in Deutschland einplanen. In den Städten sind Parkplätze eher Mangelware und meist kostenpflichtig. Zu beachten ist, dass oft links und rechts der Straße Wassergräben verlaufen, um die zeitweise auftretenden heftigen Regenfälle abzuleiten.

Navis:

Das Navigieren bei unserer Campmobilreise erfolgte über Google Maps, der Anschluss an das Internet über einen Router an Bord. Die Orientierung ist so meist problemlos, allerdings schickt Google den Fahrer gerne über die kürzeste, aber dafür engste Straße, um nach ein paar Kilometern wieder auf der Hauptstraße zu landen. Also Vorsicht, wenn das Navi von der großen Straße abbiegen will. Manche japanischen Autovermieter bieten Navis an, bei denen die Zieleingabe auch per Telefonnummer erfolgen kann. Das ist einfacher, als es sich anhört, und man umgeht das Problem der japanischen Schriftzeichen. In Broschüren, Rei- seführern oder dem Internet finden sich die Telefonnummern von Hotels, Autoverleihern oder Behörden in den Städten. Ist keine Telefonnummer vorhanden, kann man das Ziel am Navi-Schirm händisch markieren. Fazit: Nach einigem Üben kommt man zurecht.

Vermieter:

Es gibt quer durch das Land diverse japanische Vermieter von Wohnund Campmobilen. Englischsprachigen Service bieten etwa:

Japan Campers http://www.japancampers.com/

Ein Mazda Bongo mit Aufstelldach, Liegematratze und Campingausrüstung (Tisch, Kocher, Stühle, Geschirr etc.) ist ab 75 Euro pro Tag zu mieten.

Japanrv-rental https://japanrv-rental.com: Ein größeres Wohnmobil für bis zu fünf Passagiere kostet ab 220 Euro am Tag.

Stellplätze:

In Japan ist das Übernachten mit Campmobilen nicht eingeschränkt, sofern nicht direkt darauf verwiesen wird. Als Stellplätze für die Nacht bieten sich vor allem die „Michi no Eki“ („Bahnhöfe der Straße“) an, sie sind landesweit verbreitet und verfügen neben öffentlichen Toiletten über Restaurants und Läden mit regionalen Produkten. Ähnliches gilt für Autobahnraststätten. Wer statt Asphalt lieber das Grüne sucht, ist mit den zahlreichen Campingplätzen gut bedient. Einen Stellplatz gibt es hier für um die 50 Euro pro Nacht. Ansonsten bieten sich Parkplätze bei Parks und Sehenswürdigkeiten, am Strand und in den Bergen für Übernachtungen an. Darauf achten, dass der Parkplatz nicht abends geschlossen wird, was auch für manche Toiletten gilt!

Karten:

International Travel Maps: Central Japan South 1:800 000. www.itmb.com

Nach Berg und Tal wollen wir ans Meer, Richtung Norden geht es auf die Halbinsel Noto. Um Zeit zu sparen, gönnen wir uns die Autobahn. Gönnen ist dabei das richtige Wort, denn in Japan ist die Autobahn mautpflichtig, und die Preise sind gesalzen wie Sojasoße. Umgerechnet rund 80 Euro kostete uns zum Beispiel ein 350 Kilometer langes Teilstück. Die Autobahnschilder sind übrigens auch mit lateinischen Buchstaben beschriftet – man kommt also zurecht. Und so rollen wir auf der A 30 mit 80 Stundenkilometern nach Norden, während rechts von uns ein Shinkansen vorbeirauscht. Unser Ziel ist Suzu-misaki, der nördlichste Zipfel der Landzunge. Bei Suzu machen wir halt, parken das Campmobil am Hafen und schlendern durch den Ort. Das hier ist das unbekannte Japan: verschlafene Fischerdörfer, vor den Häusern die ordentlich aufgerollten Wasserschläuche, auf Wäscheleinen trocknen Betttücher im Wind, der vom Japanischen Meer her kommt. Bei einem kleinen weißen Leuchtturm aus Holz geht der Blick weit hinaus aufs Meer, während sich eine rote Krabbe aus ihrem Felsenversteck wagt. Hinter dem Horizont liegt Korea. Entlang der steilen Küste haben die Einwohner Gemüsebeete angelegt, alles sehr sauber und ordentlich. Es ist friedlich. Wir nächtigen wieder auf einem Michi no Eki, und am Morgen, als die Sonne aufgeht, braten wir uns drei Spiegeleier mit Speck auf unserem praktischen Gaskocher. Der Instantkaffee dazu schmeckt prima.

Nach Meer und Strand stehen noch zwei Höhepunkte der Reise auf dem Programm. Da ist zum einen die alte Kaiserstadt Kyoto, die man unbedingt gesehen haben sollte, wie die Reiseführer meinen. Und dann ist noch auf dem Rückweg ein Stopp vor dem berühmtesten Berg Japans, dem Fuji, eingeplant. Doch zuerst nach Kyoto. Die ehemalige Hauptstadt des Inselreichs erscheint mit ihren 1,45 Millionen Einwohnern relativ überschaubar, verglichen mit Ballungsgebieten wie um Tokio oder Osaka. Da die Straßen gitterartig angeordnet sind, ist die Orientierung einfach.

Ungefähr im Zentrum liegt der bekannte Nishiki-Markt, eine Delikatessen-Meile mit kulinarischen Köstlichkeiten. Die Stadt ist für die hohe Qualität ihrer Lebensmittel bekannt, und in manchen Tempeln werden „Mönchs-Gerichte“ serviert, eine höchst leckere vegetarische Speisenabfolge. Wir genehmigen uns im Daitokuji-Tempel ein derartiges Gericht für 25 Euro und essen traditionell im Lotussitz auf dem Boden. Neben uns speisen zwei Damen mittleren Alters, und mit ein paar Brocken Japanisch entspannt sich eine kleine Konservation über unser Woher und Wohin.

”Die Kaiserstadt Kyoto sollte man gesehen haben.

Über Jahrhunderte hinweg war Kyoto das Zentrum des Landes mit Kaiser, Adel, Samurai und Zen-Buddhismus, bis die Stadt 1869 ihren Status als Hauptstadt an Tokio verlor. Doch aus dieser glanzvollen Zeit stammen zahlreiche Tempel, Schreine und Paläste. So hat der Besucher eher die Qual der Wahl, was er in dieser Stadt an Stätten des Weltkulturerbes besichtigen will. Da wäre zum Beispiel die Burg Nijo aus dem 16. Jahrhundert. Sie steht für die Macht des berühmten Shoguns Tokugawa Ieyasu, dessen Mausoleum wir schon in Nikko besichtigt hatten. Nijo ist bekannt für seine sogenannten Nachtigallböden, die beim Betreten vogelartige Geräusche erzeugen und so vor Eindringlingen warnen. Ein Erbe des mittelalterlichen Japans stellt auch der Kinkaku-ji oder Goldpavillon dar, der dreistöckige Tempel ist mit Blattgold überzogen. Etwas außerhalb findet sich der Fushimi- Inari-Schrein mit seinen Hunderten roten Torii, er ist dem Reisgott Inari gewidmet. Wir spazieren zum Abschluss unseres Kyoto-Besuches noch einmal abends durch das Gion-Viertel mit seinen hölzernen Tee- und Gasthäusern, hier erlebte die Geisha-Kultur ihren Höhepunkt. Ein wenig davon erahnen lässt sich in der Pontocho-Gasse, dort hängen bei den Lokalen die Laternen am Eingang, und auf der Flussseite kann man auf hölzernen Veranden bei Sake die laue Nacht genießen.

Nach Kyoto steht ein gutes Stück Rückreise in Richtung Narita an, die wir auf der Autobahn zurücklegen. Letzter Stopp auf dieser Reise ist dann das Seengebiet nördlich des heiligen Berges Fujiyama oder Fuji-san, wie ihn die Japaner ehrfürchtig nennen. Und wir haben Glück. Oft versteckt sich der 3700 Meter hohe Gipfel des Berges in einer Wolkenschicht, aber an diesem Donnerstag strahlt der Himmel blau, und wir sehen in der Ferne die noch schneebedeckten Abhänge des höchsten Berges von Japan. Die fünf Fuji- Seen an seinem Fuße sind ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Tokioer. Wir parken unser Campmobil wieder mal auf einem Michi no Eki namens Katsuyama fast direkt am Ufer des Kawaguchiko-Sees und stoßen auch hier wieder auf die uns schon bekannten Freizeit-Angler. Noch einmal genießen wir den Blick auf See und Berg bevor uns am nächsten Morgen der Nieselregen den Abschied aus dieser Region erleichtert. Nach einem letzten Becher Instantkaffee führt uns dann das Navi durch das Autobahnwirrwarr von Tokio, und schließlich kommen wir wieder zum Ausgangspunkt zurück. Ein letztes Mal links blinken, abbiegen, und dann stellen wir den Dieselmotor aus. 1500 Kilometer Japan liegen hinter uns: einsame Straßen, gut besuchte Tempel, freundliche Menschen und viele Eindrücke mehr aus einem unbekannten Land.

Rudolf Stumberger