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Auf der Couch


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myself - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 15.09.2021

Artikelbild für den Artikel "Auf der Couch" aus der Ausgabe 10/2021 von myself. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Therapien boomen, auch weil die Pandemie bei vielen Leuten Ängste und Depres sionen ausgelöst hat ? das ergab eine Studie des Mainzer Leibniz-Instituts für Resilienzforschung.

Gibt es Fälle, die einem zu nahe gehen?

Sexueller Missbrauch ist oft schwer zu ertragen. Da können auch erfahrenen Therapeuten die Tränen kommen. Wenn das Ganze einen zu sehr belastet , muss man den Fall abgeben.

Sind die Sitzungen nicht manchmal superlangweilig oder nervig?

Klar, oft. Manche Patientinnen reden und reden, nur um nicht über das eigentliche Problem sprechen zu müssen. Das kann durchaus langweilig werden, es gibt sogar Analytikerinnen, die bei einer Sitzung einschlafen. Oder: wenn jemand nicht bereit ist, selbst an sich zu arbeiten, sondern die Lösung vom Therapeuten hören will. Dann muss man die Therapie auch mal beenden. Immer öfter ist man auch mit verbalen und körperlichen Übergriffen konfrontiert, mit Liebeserklärungen und eindeutigen Avancen. Als Therapeutin weiß man, dass das alles Mitteilungsversuche sind. Daher wird schon in der Ausbildung geraten, gewisse Vorsichtsmaßnahmen zu ...

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... ergreifen. Zum Beispiel sollten in einem Therapieraum keine Gegenstände rumstehen, die als Waffe verwendet werden könnten.

Wie bekommt man die Probleme der anderen aus dem Kopf ?

Bewegung ist immer gut, das hilft beim Abschalten. Zudem gehen fast alle regelmäßig zur Supervision, das ist so etwas wie eine Therapie für Therapeuten. Dabei trainiert man immer wieder Strategien, um sich abzugrenzen, und spricht über schwierige Fälle, Selbstzweifel und das Gefühl, wenn sich keine Fortschritte zeigen. Impulse von Kollegen sind wichtig. Auch Therapeutinnen kennen die Themen Erschöpfung, Burnout oder Depressionen von sich selbst.

Warum geben Therapeutinnen keine Ratschläge?

In dem Spruch „Ratschläge sind auch Schläge“ steckt viel Wahres. Wer einem Patienten sagt, was er zu tun oder zu lassen hat, macht ihn zum Opfer.

Es geht vielmehr darum, eine empathische Beziehung auf Augenhöhe aufzubauen und gemeinsam darauf hinzuarbeiten, dass die Leute einen Weg aus ihrem Tief finden.

Natürlich gibt man aber Denkanstöße, fragt zum Beispiel: „Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie so und so reagierten?“

Kann man Therapien auch online machen?

Während es in anderen Ländern längst üblich war, durften in Deutschland vor der Pandemie nur Beratungen, keine Therapiestunden übers Internet angeboten werden. Das hat sich geändert. Seit vergangenem Jahr dürfen auch Sprechstunden, Probesitzungen und Therapien per Videotelefonie stattfinden. Tatsächlich haben Online-Sitzungen einige Vorteile, die Nachfrage danach steigt seit Jahren. Viele wollen einfach nicht in eine Praxis kommen oder leben zu weit entfernt. Außerdem kann man so die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrücken oder nach einer stationären Behandlung begleiten. Mittlerweile bieten auch immer mehr Krankenkassen (Techniker, AOK, Knappschaft …) solche Leistungen an.

Warum muss man bei der Psychoanalyse liegen?

Im Liegen wird assoziativer gearbeitet, und man kann sich besser konzentrieren, ohne von den Reaktionen des Therapeuten abgelenkt oder beeinf lusst zu werden. Außerdem wird das Unbewusste aktiviert, viele Leute können ihre Gedanken und Gefühle leichter artikulieren. Andererseits verraten Körperhaltung und Gesichtsausdruck dem Therapeuten viel darüber, was der Klient fühlt. Manchmal ist auch ein Spaziergang hilfreich. Einigen fällt es leichter, über ihre Themen zu sprechen, wenn man in dieselbe Richtung schaut. Und die Kombination aus Natur und Bewegung kann zusätzlich helfen, innere Blockaden aufzulösen.

Die befragten Fachleute

Die Verhaltenstherapeutin, 37, arbeitet in einer Berliner Gemeinschaftspraxis. Ihre Spezialgebiete: Burnout, Depressionen und Ängste.

Der Psychoanalytiker, 52, praktizierte viele Jahre in einer Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Bayern. Weil er aber wissen wollte, welche inneren Konflikte und Verletzungen im Unbewussten sind, machte er eine Weiterbildung zum Psychoanalytiker.

Was tun, wenn ein Klient plötzlich abbricht oder zu einer Kollegin wechselt?

Wenn es eine klare Ansage oder auch ein Einvernehmen gibt, ist das kein Problem. Aber wenn eine Therapie von heute auf morgen und ohne Gründe abgebrochen wird, sind gerade Therapeuten, die am Anfang ihres Berufslebens stehen, irritiert, weil sie das als Zurückweisung empfinden. Letztlich sind Therapeuten auch nur Menschen, die gemocht werden und Erfolg haben möchten. Tatsächlich gibt es aber viele Gründe für einen Abbruch. Wer wissen will, woran es lag, sollte auf jeden Fall ein Abschlussgespräch einfordern. Nur so kann man auch daraus lernen.

Was, wenn eine Patientin total unsympathisch ist?

Bevor die Sitzungen beginnen, gibt es immer drei bis fünf Termine, bei denen Therapeutin und Klientin erst mal schauen, ob sie miteinander klarkommen. Es muss für beide Seiten passen. Sobald man mit jemandem ein „Arbeitsbündnis“ eingeht, muss man als Therapeutin in der Lage sein, sich auf die Lebenswelt der Patient innen einzulassen, selbst wenn sie den eigenen Wertvorstellungen, Anschauungen und Überzeugungen überhaupt nicht entspricht.

Warum reden Therapeuten so wenig?

Ganz einfach: weil nicht sie im Mittelpunkt stehen, sondern die Klienten. In manchen Fällen offenbart sich die Therapeutin aber ganz bewusst, um Vertrauen auf- oder Distanz abzubauen. Was gar nicht geht, sind Sätze wie: „Meine Mutter war genauso lieblos zu mir.“ Oder: „Mein Mann hat mich auch betrogen.“

Das wäre zu intim und würde den Klienten in seinen Verhaltensmustern nur bestärken – verändern würde sich aber nichts.

Neue Therapie-Stars

Serien, Podcasts, Bücher: Analytikerinnen sind gerade schwer angesagt

Serie: „Sex Education“

Otis Milburn hat ein Problem. Seine Mutter Jean (herrlich: Gillian Anderson) hat den peinlichsten Job, den man sich als Teenager vorstellen kann: Sexualtherapeutin. In der Theorie weiß Otis also ganz genau, wie das geht mit der körperlichen Liebe. Praktisch ist er noch Jungfrau. Seinen Mitschülern geht es ähnlich, also bietet er selbst Therapiestunden an. Die dritte Staffel läuft ab dem 17.9. bei Netflix.

Buch: „Wie geht es Ihnen jetzt?

Ihr erstes Buch steht immer noch auf den Bestsellerlisten – obwohl es über zwei Jahre alt ist. Die britische Psychotherapeutin Philippa Perry hat mit „Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen“ einen Nerv getroffen. Jetzt legt sie nach: Zusammen mit ihrer Tochter Flo hat sie eine Graphic Novel herausgebracht, in der sie die wichtigsten Fragen rund um die Psychotherapie beantwortet. Erscheint am 18. Oktober im Ullstein Verlag.

Podcast: „How’s Work“

Dass die Beziehung zu seinen Kollegen genauso kompliziert sein kann wie zum Partner, weiß auch Esther Perel. Der Superstar unter den Therapeuten-Superstars hilft in ihrem Podcast Leuten bei Job-Konflikten mit Methoden aus der Paartherapie – wie z. B. zwei Kollegen, die sich privat super verstehen, aber irgendwie nicht zusammenarbeiten können. Die 63-Jährige hört zu, stellt viele Fragen, und am Ende lernt man selbst am meisten. Die 2. Staffel läuft aktuell bei Spotify.