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Auf Der Suche nach Dem EWIGEN LEBEN


HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 16.01.2020

Forscher sind dabei, den komplexen PROZESS DER ALTERUNG zu entschlüsseln. Lässt er sich stoppen – oder vielleicht sogar umkehren?


Artikelbild für den Artikel "Auf Der Suche nach Dem EWIGEN LEBEN" aus der Ausgabe 1/2020 von HÖRZU Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 1/2020

Der Traum: Wäre es nicht großartig, wenn man alt werden und dabei jung bleiben könnte?


Im Jahr 2050 wird es in Deutschland mehr über 80-Jährige als unter 20-Jährige geben


Der Türkise Prachtgrundkärpfling, nur fünf bis sechs Zentimeter lang und mit rot gerandeten Schuppen, ist ein hübscher kleiner Fisch. Sein Zuhause ist die afrikanische Savanne. Sammelt sich dort in Mulden Regenwasser, muss der Kärpf ling seinen gesamten Lebenszyklus im Eiltempo durchlaufen, bevor die Pfütze ...

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... wieder ausdörrt. Die Tiere, die aus gut vor Trockenheit geschützten Eiern schlüpfen, werden in der Natur in zwei Wochen geschlechtsreif, zeigen bereits nach zwölf Wochen deutliche Zeichen der Alterung und sterben mit nur wenigen Monaten. Seine Existenz im Zeitraffer macht „Nothobranchius furzeri“, so der lateinische Name der Art, hochinteressant für die Wissenschaft. Der Fisch gilt als das Wirbeltier mit der kürzesten Lebensspanne, das im Labor gehalten werden kann. Zudem altert er auf ähnliche Weise wie der Mensch, nur eben sehr viel schneller.

Die Realität: Der Prachtgrundkärpfling altert rapide, sein Rücken wird krumm, seine Farben verblassen (u.)


Prof. Dr. Alessandro Cellerino von der Scuola Normale Superiore in Pisa hatte bereits 2003 die Idee, ihn als Tiermodell in der Alternsforschung einzusetzen. Ab 2005 wurde der Kärpfling dann am Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena gezüchtet, mit dem Cellerino eng zusammenarbeitet. 2015 hatte ein Team des FLI dann das Erbgut des Tiers sequenziert und einige Gene, die für seine Express-Alterung bedeutsam sind, identifiziert.

Alternsforscher: Dr. Matthias Platzer (l.) und Prof. Christoph Englert vom FLI vor einem Zuchtcontainer mit Kärpflingen


Das Ziel: Alt werden, aber nicht alt sein

Für die Grundlagenforschung hat das eine große Bedeutung, weil das Altern ein höchst komplexer Prozess ist, ein schwer zu entschlüsselndes Zusammenspiel von genetischen Einflüssen, die nach neuen Erkenntnissen etwa 17 Prozent ausmachen, Umwelteinf lüssen und individuellem Lebensstil. „Das extrem kurze Leben des Prachtgrundkärpf lings macht es für uns einfacher, einzelne Faktoren zu untersuchen“, erklärt Cellerino im Gespräch mit HÖRZU WISSEN.

Das passiert auf vielfältige Weise. So wird etwa analysiert, wie Arzneimittel, die über Futter oder Wasser verabreicht werden, das Altern beeinf lussen. Eine weitere Frage, bei deren Beantwortung die Fische helfen sollen: Wie kann es sein, dass Menschen zwar gleich alt, aber ganz unterschiedlich gealtert sind? Während der eine 60-Jährige wie ein Greis wirkt, besitzt ein anderer die Fitness eines Mittdreißigers. „Tatsächlich ist das biologische Alter sehr variabel“, so Cellerino. „An den Fischen können wir untersuchen, welche Parameter im früheren Leben dabei eine Rolle spielen.“ Zudem lassen sich bestimmte Gene gezielt an- und ausschalten und so ihr Einfluss aufs Altern bestimmen.

Dass die physiologischen Funktionen mit der Zeit nachlassen, liegt unter anderem daran, dass sich im Laufe des Lebens immer mehr Schäden im Erbgut ansammeln. Grundsätzlich können sich viele Körperzellen teilen und erneuern, ein einfaches Beispiel dafür ist das Heilen von Wunden. Doch diese Regeneration funktioniert nicht unbegrenzt. Freie Radikale, die bei ganz normalen Stoffwechselvorgängen entstehen, können Bestandteile von Zellen zerstören, die dann nicht mehr richtig arbeiten. Auch unsere Stammzellen, sozusagen die Mutter aller Körperzellen, altern, ebenso wie das Immunsystem, das eigentlich die Aufgabe hat, sogenannte seneszente Zellen, die sich nicht mehr teilen können, zu eliminieren. Schafft es das nicht mehr, stören die alten Zellen die gesunden.

Die Mechanismen besser zu verstehen, die diese Prozesse auslösen, und aus den gewonnenen Erkenntnissen dann Therapien zu entwickeln, die das Entstehen altersbedingter Krankheiten verzögern oder verhindern, ist das Ziel der Alternsforschung. Sie bekommt in jüngster Zeit viel Aufmerksamkeit, ein Grund dafür ist die Erkenntnis, dass die Weltbevölkerung immer älter wird. Die Lebenserwartung hat sich im 20. Jahrhundert fast verdoppelt – und steigt weiter. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2019 rund 703 Millionen Menschen 65 Jahre und älter, 2050 werden es 1,5 Milliarden sein, schon heute gibt es mehr über 60-Jährige als unter Fünfjährige. Zudem vollzieht sich der demografische Wandel in dramatischem Tempo. Während es beispielsweise in Frankreich 150 Jahre dauerte, bis der Anteil der über 60-Jährigen von zehn auf 20 Prozent stieg, vollzieht sich dieser Umbruch in China und Indien, den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Erde, gerade in nur etwas mehr als 20 Jahren. Als „Herausforderung“ wird diese Entwicklung oft bezeichnet, eine taktvolle Umschreibung für die Befürchtung, dass schon bald immer weniger Junge immer mehr gebrechliche Senioren versorgen müssen – ein gesellschaftlicher und finanzieller Kraftakt.

150 Lebensjahre sind nicht mehr unmöglich

Dr. David A. Sinclair, Professor an der Harvard Medical School in Boston, geht sogar soweit, das Altern als Krankheit zu bezeichnen. Sein im Herbst 2019 erschienenes Buch „Das Ende des Alterns: Die revolutionäre Medizin von morgen“ (DuMont, 26 Euro) sorgte weltweit für Aufsehen. Der renommierte Genetiker beschreibt darin nicht nur den aktuellen Forschungsstand, er sagt auch, dass „ein Alter von 150 Jahren bis zum Ende des Jahrhunderts nicht außerhalb des Möglichen“ liege. Der 50-Jährige tut selbst alles, um fit zu bleiben. Er ernährt sich gesund, verzichtet täglich auf eine Mahlzeit, raucht nicht, treibt Sport, lässt alle paar Monate seine Blutwerte untersuchen und nimmt – neben Vitaminen und Aspirin – zum Teil noch in klinischen Tests befindliche Anti-Aging-Stoffe wie Resveratrol oder Metformin.

Das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena


122 Jahre und 164 Tage wurde Jeanne Calment alt. Sie gilt als bisher ältester Mensch der Welt. Zwar steigt die mittlere Lebenserwartung ständig, die maximale jedoch nicht

Jeanne Calment (1875 – 1997). Die Französin gab erst mit 119 endgültig das Rauchen auf


Quelle: www.un.org 2019

Fischzucht in Jena: Eier des Prachtkärpflings in einer Petrischale mit Erde


Metformin wurde bereits 1958 zugelassen, es ist eins der am häufigsten bei Diabetes-Typ 2 verschriebenen Medikamente. Seit Studien darauf hinweisen, dass damit behandelte Patienten seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs leiden und es offenbar zudem positiv auf die Gedächtnisleistung wirkt, gilt es als neues Anti-Aging-Wundermittel. Auch die Prachtgrundkärpflinge von Prof. Cellerino erhalten Metformin. „Wir wissen nicht, ob es negative Effekte hat, wenn ein gesunder Mensch ein Pharmakon, das eigentlich nur für den Krankheitsfall gedacht ist, ein Leben lang einnimmt“, erklärt der Wissenschaftler. Seiner Auffassung nach ist Altern keine Krankheit, „aber es gibt altersbedingte Krankheiten“, sagt Cellerino. „Damit die möglichst spät auftreten, können wir versuchen, den Alternsprozess zu verlangsamen. Es geht in unserer Forschung darum, die Gesundheit Älterer so lange wie möglich zu erhalten, denn mit ihren Erfahrungen und Fähigkeiten sind sie für unsere Gesellschaft extrem wichtig.“


Nur zu 17% hängt die Lebenserwartung von den Genen ab. Viel entscheidender sind Lebensstil und Umwelt


Unsterblichkeit ist ein Milliardengeschäft

In den USA mache die Pharmaindustrie Druck, damit Altern offiziell als Krankheit anerkannt werde, erklärt Cellerino. „Erst dann kann man spezielle Medikamente dagegen entwickeln. Da geht es um Anerkennungen der Arzneimittelbehörde, um Patente und Vermarktung.“ Das ist ein weiterer Grund für den Boom der Alternsforschung: Langlebigkeit gilt als Milliardengeschäft. Im Silicon Valley gibt es viele Firmen, die nach Methoden gegen die Alterung suchen, etwa das Biotechnologieunternehmen Calico, 2013 vom Internetriesen Google gegründet und mit fast unbegrenzten finanziellen Mitteln ausgestattet.

Noch ist die Pille, die ewige Jugend bringt, nicht gefunden, und womöglich wird sie das auch zu unseren Lebzeiten nicht mehr. Doch Prof. Cellerino weist darauf hin, dass bereits heute jeder etwas tun kann, um physiologisch lange jung zu bleiben. „Wir wissen schon jetzt, dass diese drei Sachen helfen: Nicht rauchen. Sich bewegen, jeder Schritt zählt. Und auf die Ernährung und damit aufs Gewicht achten.“ Also genau das, räumt er ein, was viele ungern hören. Doch allemal effektiver als das Warten auf ein Wundermittel.

Im Labor: In Jena isoliert ein Mitarbeiter Stammzellen von Mäusen


FOTOS: S. 70 – 71: GETTY IMAGES (2), FLI/NADINE GRIMM (2); S. 72 – 73: BAUERSCHMIDT/IMAGO (2), FLI/JÖRG HEMPEL, ALAMY, DPA PICTURE-ALLIANCE; S. 74: LEBAZELE/GETTY IMAGES, SCHACKOW/DPA PICTURE-ALLIANCE