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Auf in den Zoo: … aber auch mit gutem Gewissen?


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 27/2018 vom 29.06.2018

Flamingos, deren Flügel beschnitten werden. Wärter, die Elefanten drangsalieren. Verhaltensgestörte Affen. Auch in den letzten Wochen gab es Anzeigen gegen deutsche Tierparks – und viele Bürger sind verunsichert: Darf ich da als Tierfreund überhaupt noch hin? BILD der FRAU-Reporterin Anke Rottmann schaute hinter die Zoo-Kulissen, sprach mit den besten Experten


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 27/2018

Arche Warder

■ Poitou-Esel (u.), Europäischer Haus-Wasserbüffel, Rotbuntes Husumer Schwein (o.): Die Arche Warder nahe Kiel ist Europas größtes Zentrum für seltene Nutztierrassen, einige sind stark gefährdet.

► Langwedeler Weg 11, Warder; 10 bis 20 ...

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► Langwedeler Weg 11, Warder; 10 bis 20 Uhr;
www.arche-warder.de

Am Holztor klebt ein Zettel: „Wegen Umbau geschlossen.“ Ob und wann Besucher in den kleinen Zoo in Neumarkt (Oberpfalz) dürfen – unklar. Kein Wunder nach den heftigen Vorwürfen von Tierschützern: Verletzte Vögel, verhaltensgestörte Affen, verdreckte Gehege – ein Video über die schlimmen Zustände wurde allein bei YouTube über 10 000 angeklickt.

„Leider gibt es auch bei den deutschen Zoos und Tierparks schwarze Schafe“, sagt Michael Miersch (62), Geschäftsführer der Deutschen Wildtierstiftung. „Aber deshalb kann man nicht alle infrage stellen. Im Gegenteil: Sie haben wichtige Aufgaben.“

Nähe zu Tieren zu schaffen, zum Beispiel: „Ich bin selbst mehr oder weniger im Frankfurter Zoo aufgewachsen, war manchmal jeden Tag da“, erzählt Miersch. „Dort wurde meine Natur- und Tierliebe geweckt.“ Nicht nur seine: Mehr als 700 Zoos und Tierparks gibt es in Deutschland, allein die 55 Anlagen des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ) zählten zuletzt 31,3 Millionen Besucher im Jahr. „Es sind die bestbesuchten Kultur-Orte – vor Fußballstadien, Theatern, Museen“, erklärt Zoologe, Tierjournalist und Biologe Claus M. Schmidt (66) aus München. Trotzdem: Eine Tierrechtsorganisation hat 20 Zoos angezeigt – Flamingos würden die Flügel beschnitten, damit sie nicht wegfliegen können. Der VdZ widerspricht: „Unsere Mitglieder halten die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes gewissenhaft ein“, betont Geschäftsführer Volker Homes. Einige Staatsanwaltschaften sehen das so, die ersten Verfahren sind eingestellt.

Also alles toll in der Zoo-Welt?

Erlebnis-Zoo Hannover

■ Auf 22 Hektar leben rund 2000 Tiere – neben Elefanten, Tigern, Pinguinen gibt es auch einen großen Streichelzoo.

► Adenauerallee 3, Hannover; 9 bis 18 Uhr;
www.zoo-hannover.de

Claus M. Schmidt


Michael Miersch


Anthony Sheridan


Thomas Pietsch


Lea Schmitz


Da staunen die Erdmännchen: Im Zoo Leipzig leben Zebras, Giraffen, Strauße auf 25 000 m2 friedlich zusammen


Zoo Leipzig

■ Der britische Experte Anthony Sheridan prüfte mehr als 800 Zoos, stellte in seinem Buch „Europas Zoos unter der Lupe“ (Schüling-Verlag) ein aktuelles Ranking auf. Unter den Zoos mit über einer Million Besuchern schnitt in Deutschland der Zoo Leipzig am besten ab. Zu den Attraktionen gehört dort das „Gondwanaland“: Auf einer überdachten Fläche, größer als zwei Fußballfelder, leben 140 exotische Tierarten und 500 Baum- und Pflanzenarten aus den tropischen
Regenwäldern Afrikas, Asiens, Südamerikas.

►Pfaffendorfer Straße 29, Leipzig; 9 bis 19 Uhr (bis 30. September);www.zoo-leipzig.de

Kölner Zoo

■ Der drittälteste deutsche Zoo ist an vielen Erhaltungszuchten zur Rettung von Tierarten beteiligt, zeigt im Clemenshof vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen.

► Riehler Straße 173, Köln; 9 bis 18 Uhr;www.koelnerzoo.de

Nicht ganz: Großkatzen, die in zu kleinen Gehegen gehalten werden und dabei Verhaltensauffälligkeiten wie ständiges Hin- und Hergehen entwickeln – „da zerreißt es mir das Herz!“, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. „Trotzdem lehnen wir Zoos nicht grundsätzlich ab.“ Allerdings schon für einige Tierarten: „Delfine gehören nicht in Gefangenschaft. Ebenso wenig Eisbären – obwohl sie die großen Zuschauermagnete sind.“ Auch Elefanten, ebenfalls Publikumslieblinge, sieht sie kritisch. Wie auch Thomas Pietsch (49), Wildtierexperte der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“: „Viele Zoos wollen alles zeigen. Besser wären weniger Arten in großen, naturnahen Gehegen.“

Genau das versuchen gerade die großen Zoos umzusetzen. „In Leipzig gibt es zum Beispiel das Gondwanaland – dort können wir sogar Überlebende aus der Saurierzeit sehen, ein ganz besonderes Lernelebnis“, sagt Claus M. Schmidt. Aber, so Michael Miersch, „man sollte sich nicht von großen Kulissen blenden lassen. Die sind für Tiere nicht automatisch artgerecht.“ Die Debatte um artgerechte Haltung hält er jedoch für überzogen: „Viele Menschen haben eine romantische Vorstellung von der freien Natur – tatsächlich ist das Leben in Freiheit ein hartes Leben, ein ständiger Kampf ums Überleben, den viele Jungtiere verlieren.“

Zoo Rostock

■ Der Sieger unter den Tierparks mit unter einer Million Besucher. 4000 Tiere aus aller Welt, Projekte wie „Tierpfleger für einen Tag“ schaffen Verständnis für Natur.

► Barnstorfer Ring 1, Rostock; 9 bis 18 Uhr (ab September bis 17 Uhr);www.zoo-rostock.de

Das gibt es im Zoo nicht. Und noch einen Pluspunkt haben sie – die Programme zur Arterhaltung. „Tierarten wie der Davidshirsch wären schon ausgestorben“, sagt Schmidt. „Diese Programme sind für einige Tiere überlebensnotwendig.“

Und wie erkennen Besucher nun einen guten Zoo? Achten Sie auf Sauberkeit! Ist der Park nicht ordentlich, wird es hinter den Kulissen bei den Tieren nicht besser sein. Außerdem, so Claus M. Schmidt, „sollten Tiere die Möglichkeit für einen Rückzug haben.“ Und: „Auch Baustellen sind ein gutes Zeichen!“, verrät Michael Miersch. „Denn in diesen Zoos wird etwas getan!“ Nicht nur für die Besucher – sondern auch für die Tiere!

Anholter Bärenwald

■ Hier dürfen drei Braunbären und zwei Kragenbären einfach Bär sein, haben 25 000 m2 Platz zum Klettern, Graben, Laufen und Baden.

► Pferdehorster Straße 1, Isselburg; 9 bis 18 Uhr (bis 1. November);
www.baeren-anholt.de