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AUF KURS


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 17.06.2020

Um ein Segelboot in Wind und Wellen zu beherrschen, braucht es Erfahrung. Die Grundlagen lassen sich jedoch in wenigen Tagen erlernen. Bildungsurlaub auf dem Wasser: zu Besuch in der Segelschule.


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Bildquelle: Landlust, Ausgabe 4/2020

Nach der Fahrt: Abrüsten im Hafen der Segelschule.


Per Motorboot pendeln die Segellehrer zwischen ihren Schülern und geben Hilfestellung.


Jeder hat seine Aufgabe, an der Ruderpinne oder an den Segeln.


Boot 9 wird den Hafen knapp verfehlen. Segellehrer Helge Wiederich steht daneben am Ufer und winkt der Besatzung zu. „Euer Schwert ist eine Nummer zu hoch, das Boot treibt nur noch seitlich.“ Tatsächlich lässt das ...

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... Boot die Steganlage buchstäblich links liegen und treibt im seichten Gewässer aufs Ufer zu. Also dirigiert er die drei Schüler an Bord der Jolle zurück nach draußen auf den Plöner See – Einlaufen im Hafen, zweiter Versuch.

Klassenfahrt zum Segelschein

Segeln kann man im Verein oder bei Segelschulen lernen. Eine solche betreibt Helge Wiederich in dritter Generation. Die Kurse finden zwischen Mai und Oktober statt. Es ist Tag vier eines Segelkurses und der erste, dessen Wetterlage als windig bezeichnet werden kann. Die jungen Segler kommen von einem Gymnasium aus dem Hamburger Umland; die Achtklässler verbringen eine Woche auf dem Wasser und haben dann – hoffentlich – den Segelgrundschein in der Tasche. „Damit kann man an 80 bis 90 Prozent der Verleihstellen ein Boot ausleihen“, erläutert Helge Wiederich. Lediglich auf viel befahrenen Gewässern, etwa am Bodensee, im Berliner Raum oder auf dem Rhein, wo auch Berufsverkehr herrscht, ist das nicht möglich (siehe Infotext links).

Die Schüler werden in wechselnden Gruppen den Booten zugewiesen.


Nicht eben handlich: das Großsegel …


… oder auch das Tauwerk.


Im Gänsemarsch hinaus auf den See


Nasse Füße inklusive: Schwappt Wasser ins Boot, muss es Kanister für Kanister ausgeschöpft werden.


Früh übt sich

Bereits am ersten Tag eines Kurses bringt Helge Wiederich seine Schüler aufs Wasser, sofern es die Wetterlage gerade zulässt. Zusammen mit je einem Trainer fahren die Schüler in Dreier- oder Vierergruppen hinaus. Etwa einen halben Tag lang üben sie Geradeausfahren, Umdrehen, Anlegen. Anstelle des Hafens wird dabei noch eine Plattform auf dem See angesteuert: „Wenn’s mal nicht passt, fährt man halt daran vorbei.“ Vorher müssen die Segelschüler lediglich gelernt haben, wie das Boot segel- und auch wieder hafenfertig gemacht wird – zunächst eine Trockenübung an Land, dann unter echten Bedingungen auf dem Wasser. Die Theorie hingegen kommt erst später: „Es ist einfacher, wenn ich etwas praktisch schon gemacht habe, das dann an der Tafel erklärt zu bekommen, als die Theorie in die Praxis umzusetzen“, ist der Segellehrer überzeugt. So würden die Schüler auch mit dem Fachvokabular besser vertraut.

Im Rotationsprinzip

Die nächsten Übungen fahren die Schüler bereits allein, in gemischten Gruppen. Jeder soll einmal die verschiedenen Positionen an Bord besetzen – mal sitzt man an der Ruderpinne, mal ist man für ein Segel verantwortlich. Die Segellehrer pendeln auf kleinen Motorbooten zwischen den Schülern hin und her – sie können Anweisungen geben, umsetzen müssen sie die Nachwuchssegler aber von nun an selbst. Am Ende sollen diese selbstständig segeln können.
Theorie und Praxis wechseln sich ab: Während ein Teil der Schüler auf dem Wasser ist, sitzen die anderen in der Segelschule über dem Unterrichtsmaterial oder üben Seemannsknoten. Die werden gebraucht, um zum Beispiel das Schiff am Steg festzumachen oder die Segel zu befestigen. Helge Wiederich veranschlagt für einen Kurs 30 Stunden, über die Woche verteilt. Die Theorie macht etwa ein Zehntel davon aus. Wann was ansteht, bestimmt auch das Wetter mit: „Bisher hatten wir wenig Wind, wir haben darum erst mal viel Praxis gemacht.“

Letzte Tipps vor dem Einlaufen im Hafen, zweiter Versuch


In der Segelschule: Der theoretische Unterricht findet in Klassenräumen statt, Knoten werden an der Knotenbank im Innenhof geübt. In eigenen Werkräumen wird die Ausstattung instand gesetzt.


Prüfungsvorbereitung

In einem Klassenraum bereitet Segellehrer Axel Suschke seine Gruppe auf die theoretische Prüfung vor. An der Tafel erklärt er den Unterschied zwischen einer Jolle und einer Jacht oder eine Segelstellung namens „Butterfly“. Zusätzliches Lernen in der Freizeit gehört dennoch dazu: Die Schüler sind am Vorabend auf ihren Herbergszimmern das Material noch mal durchgegangen oder haben sich morgens Zeit dafür genommen. In ihrem Arbeitsbuch sind 55 Fragen formuliert. Etwa anderthalb Stunden dauert diese letzte Theorieeinheit.
Axel Suschke ermuntert seine Schüler, beim Beantworten der Prüfungsfragen mitzudenken und sich an ihre praktischen Erfahrungen zu erinnern.
„Ich hab ja gesehen, dass ihr alle das gut gemacht habt, das kriegen wir also hin.“
Nach der Kopfarbeit geht es zur Knotenbank in den Innenhof. An Pollern und Klampen können die Schüler dort die verschiedenen Seemannsknoten üben. Heute: der Webeleinstek, gesteckt, für das kurzfristige Festmachen des Bootes an einer Stange. Axel Suschke demonstriert den Knoten einem Schüler und legt dazu ein Stück Seil auf dem Boden aus: „… schräg rüber, hier rum, lege eine kleine Schlaufe …“ Dann nimmt er das Gebilde auf den Zeigefinger, „… und durch“. Der Junge zieht den Knoten am Finger fest. So weit – jetzt muss er das nur noch am Gestänge der Knotenbank hinbekommen.

Lernen fürs Leben

Der Kurs schließt mit zwei Prüfungen ab. Im praktischen Teil müssen die Schüler auf dem Wasser zeigen, dass sie mit dem Segelboot zurechtkommen. Dazu werden verschiedene Manöver und auch Seemannsknoten vorgeführt. Im theoretischen Teil fragt ein Prüfungsbogen das Fachwissen ab.
Die Seglersprache hat nicht nur ein eigenes Vokabular, sie kennt auch feste Kommandos für bestimmte Situationen und Manöver. Der Steuermann muss seine Mannschaft darüber informieren, was er als Nächstes plant, erläutert Helge Wiederich. Und die Mannschaft muss Rückmeldung geben, dass sie das verstanden hat. „Auf den genauen Wortlaut kommt es uns hier aber nicht an. Ob man nun ‚Klar zur Wende!’ ruft oder ‚Lass mal drehen …’ – die Absprache zählt.“ Für Lehrerin Marion Martius ist dies die wichtigste Erfahrung, die ihre Schüler von dieser Klassenfahrt mitnehmen werden: „Das lernen die hier: Kommunikation. Und dass es nicht ohne den anderen geht.“ Auf dem Wasser wie auch an Land.

Bevor es in den Hafen geht, wird das Anlegen an einem Floß geübt: Wenn’s nicht passt, fährt man halt daran vorbei.


AUS DER SEGLERSPRACHE

Jolle: Kleines Segelboot mit hochziehbarem Schwert für seichte Gewässer
Fock: Kleines Vorsegel
Baum: Waagerecht liegende, am Mast angebrachte Stange unter dem Großsegel
Fall: Seil, mit dem ein Segel (oder Schwert oder Ruderblatt) auf- und abgezogen wird
Schot: Ein Stück Seil, das an einem Segel festgemacht ist und mit dem sich dieses bedienen lässt. Bspw. führt man mit der Großschot das Großsegel.
Schwert: Senkrecht zum Rumpf stehende, ausklappbare Platte, die den Widerstand im Wasser erhöht, damit das Boot vorwärts fährt.
Ruder: Zum Steuern des Bootes
Pinne: Hebelarm des Ruders
Lee: Vom Wind abgewandte Bootsseite
Luv: Gegenrichtung, dort sitzt der Steuermann
Anluven: Den Kurs nach Luv hin ändern
Aufschießen: Das Schiff gegen den Wind auslaufen lassen
Klampe: Ein Beschlag, an dem Seile festgemacht werden können
Kreuzen: Im Zickzack fahren. Liegt ein Ziel gegen den Wind, kann man es nicht direkt anfahren.
Rudergänger: Der, der das Ruder bedient
Steuermann: Ist verantwortlich für die Navigation und Schiffsführung

SEGELN GEGEN UND MIT DEM WIND

Bis zu 45 Grad zur Windrichtung lässt sich gegen den Wind segeln (blauer Bereich). Wer darüber hinaus gegen den Wind fahren möchte (roter Bereich), muss im Zickzack kreuzen.

In den meisten Fällen, je nach Windrichtung, wird das Boot nicht über das Wasser geschoben, sondern gesogen: Ein Segel funktioniert ähnlich wie eine Flugzeugtragfläche. Vor den vom Wind aufgeblähten Segeln entsteht ein Unterdruck, der das Boot nach vorn saugt. Dazu bedarf es aber noch einer besonderen Konstruktion am Rumpf: Der Wind würde das Boot nämlich erst mal nur seitlich abdriften lassen. Um das zu verhindern und Vortrieb zu erzeugen, lässt sich unterm Kiel eine Platte, das sogenannte Schwert, absenken. Es erhöht den Widerstand im Wasser, das Boot fährt vorwärts.

AUFBAU DES SEGELBOOTES

Gehört auch zum Segelunterricht: Vokabeln lernen

SCHEIN IST NICHT GLEICH SCHEIN

Auf vielen Gewässern darf man mit kleinen Booten – wie der Jolle – ohne Vorkenntnisse einfach lossegeln. Bundesweit einheitliche Regelungen gibt es nicht; regional können Beschränkungen gelten.

Die Befähigungsnachweise unterteilen sich in den (inoffiziellen) Segelschein und amtliche Führerscheine für verschiedene Bootstypen und Reviere. Verbände wie etwa der Verband Deutscher Sportbootschulen stellen den SEGELGRUNDSCHEIN aus.
Dazu nimmt der Segellehrer eine theoretische und eine praktische Prüfung ab. Das Mindestalter liegt bei 12 Jahren, jüngere Kinder können mit dem sogenannten Jüngstenschein anfangen.

Amtlich anerkannt ist der Segelgrundschein allerdings nicht – er soll vielmehr einen praxisnahen Einstieg ins Segeln bieten und als Befähigungsnachweis dienen, wenn man ein Boot ausleihen möchte. Wer auf viel befahrenen Schifffahrtsstraßen oder aber größere Boote fahren möchte, benötigt dazu eine amtliche Fahrerlaubnis:

Der SPORTBOOTFÜHRERSCHEIN (SBF) unterscheidet verschiedene Geltungsbereiche: Binnen- und Seeschifffahrtsstraßen sowie die Kombination aus beiden. Der Sportbootführerschein Binnen unterteilt sich noch mal nach Segel- und Motorbooten. In der Regel braucht man zum Führen eines Motorbootes unter 20 Meter Länge ab 15 PS den Sportbootführerschein (strengere Anforderungen gelten auf dem Rhein).
Es gilt ein Mindestalter von 16 Jahren. Ob Segelboote einer Führerscheinpflicht unterliegen, ist hingegen Ländersache oder wird vom jeweiligen Eigentümer des Gewässers bestimmt. Auch Bootsverleiher können einen Nachweis verlangen, der über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Das Mindestalter beim Sportbootführerschein Binnen unter Segeln liegt bei 14 Jahren.

Der Sportbootführerschein See gilt im Küstenbereich. Er ist ein reiner Motorbootschein, denn auf Nord- und Ostsee darf man im Küstengebiet ohne amtlichen Nachweis segeln. Verfügt das Segelboot allerdings über einen Hilfsmotor, kann es doch der Führerscheinpflicht (SBF See) unterliegen.

Tiefere Kenntnisse, zum Beispiel für Hochseesegler, werden bei der Ausbildung zu weiteren Schifferscheinen vermittelt, etwa dem Sportküstenschifferschein oder dem Sportseeschifferschein.


Fotos: Andrea Schneider Illustration: Mona Neumann