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AUF NEBENPFADEN ANS ZIEL GELANGEN


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founders magazin - epaper ⋅ Ausgabe 40/2022 vom 31.08.2022
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Manchmal ist es besser, nicht dem Lehrbuch oder dem Mainstream zu folgen. Online-Marketer Dawid Przybylski hat es so gemacht und ist einfach seiner Intuition gefolgt. Das brachte ihm nicht nur Erfolg, sondern auch Wissen, das er gern teilt. Worauf es ankommt und was er jungen Menschen mit auf den Weg gibt, erzählt er in unserem Interview.

Sie sind jetzt seit 20 Jahren im Online-Marketing tätig. Der Weg war nicht immer gerade, vor einigen Jahren haben Sie wegen eines Burnouts Ihre Agentur verkauft und danach von vorne begonnen. Was hat Sie angetrieben, trotzdem niemals den Fokus zu verlieren?

Von vorne angefangen trifft es nicht ganz. Ich habe gute vier Monate Luft geschnappt, bin fast jeden Morgen mit dem Kinderwagen und einem Kaffee einige Kilometer spazieren gegangen und habe mich neu sortiert. Mein Leben hatte ich gut im Griff, aber nicht meine Workflows und den damit verbundenen Stress. Irgendwann habe ich wirklich gedacht: »Du bist so schlau und kannst so viel als Online-Marketer, bist aber trotzdem nicht smart genug, um die PS auf die Straße zu bringen.« Dann habe ich angefangen, nur noch mit den Kernsachen zu arbeiten, die mir Spaß gemacht und keinen Stress gebracht haben. Das Ergebnis: optimierte Prozesse und ein Pareto-Fokus hoch zwei und dadurch bis zu zehn Mal mehr Erfolg in Form von Geld.

Sie waren bereits ein erfolgreicher Marketer, als Sie Ihr Unternehmen »Finest Audience« gegründet haben, um Ihr Marketing-Wissen weiterzugeben. Was war Ihre Intention dabei?

Ich bin ein Freund der klaren Worte, daher nehme ich auch hier kein Blatt vor den Mund. Ich habe weltweit Masterminds besucht, also geschlossene Seminare, in denen man Wissen und vor allem Netzwerk aufbauen kann. Das Wissen machte mich zu einem der stärksten Marketer, wenn es um kreative Anzeigen, Neukundengewinnung und effektive Werbeanzeigen bei Facebook, Instagram, Google und YouTube ging. Und so kam ich auf die Idee, mit diesem Wissen digitale Produkte zu kreieren.

Ich traute mich erst lange Zeit nicht, weil ich tatsächlich dachte, es gibt doch genug geniale Marketer da draußen. Dann habe ich immer wieder gezielt VIP-Tickets gekauft, um die Speaker auf verschiedenen Events zu treffen und mal unter die Lupe zu nehmen. Aber ich habe fast nie jemanden getroffen, der in den Bereichen wirklich tiefgehendes Know-how hatte. Teilweise habe ich wirklich geschmunzelt, weil einige gar keine Ahnung hatten, aber auf der Bühne performt haben.

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»Das war die Geburtsstunde von Finest Audience. Ich habe dann einen Kurs kreiert und angeboten, um mein Wissen weiterzugeben.«

Genau in dieser Zeit war ich auch der Stärkste im Affiliate-Marketing, also ein Online-Marketer, der für Kunden Produkte vermittelt und online verkauft. Meine Kunden waren unter anderem Dirk Kreuter, Christian Bischoff, Bodo Schäfer, KlickTipp, Webinaris oder Maxda. Nachdem Dirk Kreuter mich auf einer Affiliate-Veranstaltung vorgestellt hatte, kam mir direkt in den Sinn, dass mich viele anschreiben und ausquetschen wollen würden, wie ich das alles mache und welche Strategie ich für meine Werbung einsetze. Das war die Geburtsstunde von Finest Audience. Ich habe dann einen Kurs kreiert und angeboten, um mein Wissen weiterzugeben.

Sie haben anfangs aus dem Hintergrund agiert, inzwischen sind Sie selbst zur Marke geworden. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Mein Angebot ist gut angekommen, der Kurs ist inzwischen eine Masterclass. Das Unternehmen Finest Audience ist gewachsen und somit auch die Personenmarke dahinter, Dawid Przybylski.

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»Die Anzeigen sahen nie professionell aus, eher so, als ob es ein Freund oder Nachbar auf Social Media gepostet hätte und sich über etwas freut und sich bedankt.«

Die Entwicklungen im Online-Marketing sind rasant. Sie versuchen aber, sich den Trends zu entziehen, was auch zu funktionieren scheint. Was ist Ihre Philosophie dahinter?

Die Trends verliere ich nie aus den Augen, ganz im Gegenteil, ich teste fast jeden Monat etwas Neues, was gerade hypt oder worüber in meinem Netzwerk gesprochen wird. Trotzdem heißt das nicht, dass man alle gut laufenden Prozesse und Strategien umwerfen und sich neu erfinden muss. Für mich heißt es eher, etablierte Prozesse zu optimieren und mit neuen Trends zu verbinden.

Das Resultat daraus war zum Beispiel der Medienbruch für Ads, also eine Art Werbung, von der gerade jeder spricht, weil sie nicht der Norm entspricht, zum Beispiel UGC Ads, User Generated Content Ads. Ich habe das schon vor sieben Jahren für geniale Anzeigen eingesetzt und damit bis zu 4.000 Handy-, Versicherungs- und Kreditverträge am Tag generiert. Bei dieser Methode werden User-Fragen über Facebook und Instagram abgefangen und anschließend als persönliche Nachricht mit passenden Angeboten an den Interessenten gesendet. Der Prozess hat die Verkäufe teilweise verfünffacht. Die Anzeigen sahen nie professionell aus, eher so, als ob es ein Freund oder Nachbar auf Social Media gepostet hätte und sich über etwas freut und sich bedankt.

Das Internet bietet mehr Werbemöglichkeiten als traditionelle Medien. Gefühlt haben wir jetzt aber schon alles gesehen und gehört. Wo geht die Entwicklung Ihrer Meinung nach hin?

Ein ganz klarer Trend werden gerade Kurzvideos. Jede Plattform passt sich an, alle Prozesse werden kürzer und dynamischer. Wir werden als Werbetreibende für Firmen und Dienstleister breiter und direkter arbeiten müssen, um messbar zu bleiben. Es gibt nämlich zwei Herausforderungen: Auf der einen Seite verändern sich Wahrnehmung und Sichtbarkeit auf den Plattformen, und auf der anderen Seite erhalten wir seit dem iOS 14-Update immer weniger Messdaten, also Trackingsignale zurück. Die Kunst wird also sein, nicht direkt zu verkaufen, was fast alle falsch machen, sondern den Klick zu bekommen, also zunächst die Aufmerksamkeit und das Interesse des Kunden zu erlangen. Käufe erfolgen dann erst später. Ich denke, das sollte als Impuls reichen. An der Stelle erinnere ich euch gerne an Instagram. Vor etwa sieben Jahren hat man darüber gelacht und als Teenie-Plattform abgestempelt. Heute macht Instagram bei den meisten Unternehmen einen großen Teil der Werbung aus. Vielleicht werden es in Zukunft TikTok oder YouTube sein, das Format YouTube Shorts hat bislang das größte Wachstum in diesem Jahr hingelegt.

Sie haben mal erfolgreich Werbung für eine britische Sterbegeldversicherung gemacht. Das ist für Facebook und Instagram nicht gerade ein dankbares Thema. Was war Ihre Strategie?

Es war eigentlich eher ein Prozess. Normalerweise hätte ich das nicht gemacht, aber der Chef des Unternehmens hat gesagt, dass es bislang niemand geschafft hat, das Thema erfolgreich auf Facebook und Instagram zu bewerben. Ich habe gedacht, wenn es niemand schafft, gibt es auch keine Konkurrenz. Mit einem guten Bild und dem richtigen Copywriting haben wir den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Ads gingen viral und brachten bis zu 2.000 Anträge am Tag, die dann ein 115-Personen-Team in London abtelefonierte. Es war eine Herausforderung und wurde zur Goldgrube.

Die Marketingwelt im Internet ist ganz schön bunt, es gibt viele Möglichkeiten, ein Produkt zu bewerben. Was ist der größte Fehler, den man machen kann?

Wie oben schon beschrieben, machen die meisten den Fehler, dass sie Produkte nur verkaufen wollen und nur an das Geld denken. Mal andersrum gedacht. Wie wäre es, wenn du die Werbung mit dem Produkt oder der Dienstleistung so schaltest, dass sie dem Interessenten hilft, anstatt ihn zum Kaufen zu drängen? Es geht tatsächlich um den ersten Klick und darum, wer ihn bekommt. Ich vergleiche das mit einem Date. Es wird kaum funktionieren, dass man beim ersten Date nach ein paar Sekunden direkt fragt: »Zu dir oder zu mir?« Es braucht mehrere Touchpoints und eine Aufwärmphase.

So sehe ich das auch in der Zukunft: mehrere Videos oder Bilder, die uns auffallen und das Interesse wecken. Kurze, knackige und überzeugende Impulse bringen mehr Neugierde und mehr, als mit der Tür ins Haus zu fallen.

Sie haben innerhalb von 20 Jahren einen rostigen Ford Fiesta gegen einen Lamborghini getauscht. Sie haben also bei null angefangen und sich hochgearbeitet. Welchen Rat haben Sie für junge Menschen, die am Anfang ihres Berufslebens stehen?

Das ist richtig. Mit meinem Fiesta hatte ich eine tolle Zeit, bei starkem Regen gerne auch mal mit einer Pfütze zur Abkühlung im Fußraum. Heute würde ich jedem Jungunternehmer raten, die materiellen Dinge erst später in den Vordergrund zu stellen. Materielles darf dich nicht belasten, das führt nur zu Stress und oft zu falschen Entscheidungen. Natürlich war und ist es für mich eine große Motivation, mir bestimmte Ziele wie ein Auto oder einen Urlaub zu setzen. Doch wenn ich einem jungen Menschen heute einen Rat geben sollte, dann, dass er auf seine Leidenschaft hören und nicht nur dem Geld hinterherlaufen sollte.

Werde der Beste in deinem Bereich und dann ist das Geld das Abfallprodukt daraus. Was dazu gehört, sind Disziplin und Netzwerke. Wenn du kein Netzwerk hast, musst du es dir selbst beibringen und es machen wie ich damals: Tag und Nacht lesen. Hier benötigt man genauso Disziplin wie beim Sport. Fast jeder ist im Fitnessstudio angemeldet, doch längst nicht alle sind fit – genauso ist es auch im Job. Es gibt viele Marketer da draußen, aber wenige, mit denen ich mich austauschen kann.

Ein weiterer und wichtiger Tipp von mir: Lerne, Nein zu sagen. Wir werden jeden Tag mit Sonderangeboten des Lebens angelockt, doch ohne Fokus wird es nichts. Daher fokussiere dich und sage öfter mal Nein zu Dingen, bei denen du unsicher bist und keine Lust drauf hast, so wirst du deine Ziele klarer und willensstark ansteuern.

MK

»Werde der Beste in deinem Bereich und dann ist das Geld das Abfallprodukt daraus.«

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