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AUF SAND GEBAUT?


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GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 40/2022 vom 21.03.2022

SUPER LEAGUE

Artikelbild für den Artikel "AUF SAND GEBAUT?" aus der Ausgabe 40/2022 von GOLF MAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 40/2022

Was für turbulente, unübersichtliche Wochen in der Golfwelt – doch so langsam scheint sich die Situation aufzuklaren, und wir bekommen einen besseren Blick aufs Geschehen.

Erste Gerüchte gab es schon 2019, doch so richtig glauben wollte es niemand: Die Super Golf League, noch Mitte 2021 selbst von Experten als Hirngespinst abgetan, war Anfang 2022 kurz davor gewesen, einige der ganz großen Stars von der PGA Tour wegzulocken. Mit saudi-arabischem Staatsgeld und Greg Norman als Chef-Organisator wurde die neue Golf-Liga bedrohlich konkret, ein um die Welt reisender Zirkus von Spitzenspielern, vergleichbar der Formel 1. Eine solche Tour wäre eine vernichtende Neuigkeit für die PGA Tour und erst recht für die europäische DP World Tour. Jedenfalls dann, wenn die

Tour-Pros dem Lockruf des Geldes folgen würden. Und es sah ein paar Wochen ganz danach aus.

Bryson DeChambeau sollen ...

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... 135.000.000 Dollar geboten worden sein, um sich für die neue Welttour zu verpflichten.

Die PGA Tour reagierte, erhöhte massiv die Preisgelder ihrer Turniere und rief das skurrile »Player Impact Program« ins Leben, das die zehn Spieler, die am lautesten in der Öffentlichkeit trommeln, am Ende des Jahres mit Bonuszahlungen von bis zu acht Millionen Dollar belohnt. Doch das schien die Super Golf League nicht aufzuhalten.

Das Saudi Invitational Anfang Februar 2022, eine Art Generalprobe für die neue Turnierserie und offiziell unter dem Deckmäntelchen der Asian Tour veranstaltet, lockte mit üppigen Antrittsprämien nahezu alle Stars an, und die PGA Tour musste sich zähneknirschend auf einen komplizierten Kompromiss mit ihren Spielern einlassen – ja, sie durften dort antreten, mussten sich aber für mehr Starts auf der PGA Tour in den Folgejahren verpflichten.

Dann wurde immer lauter getuschelt: Britische Medien berichteten ganz konkret von unmoralischen Offerten. European-Tour-Stars wie Henrik Stenson, Ian Poulter und Lee Westwood hätten Angebote in der Größenordnung von 30 bis 40 Millionen Dollar vorliegen. Und einige Spieler schalteten bereits in den Verteidigungsmodus, etwa Lee Westwood, der sich dazu bekannte, eine Verschwiegenheitsvereinbarung mit der neuen Tour unterzeichnet zu haben. Dennoch lederte er los: »Ich bin 48 Jahre alt. Wenn mir jemand 50 Millionen Pfund geben will, um Golf zu spielen, muss ich nicht lange drüber nachdenken.«

Ian Poulter sollen die PGA Tour wie die DP World Tour mit einem lebenslangen Ausschluss gedroht haben, übrigens auch vom Ryder Cup. Und Henrik Stenson soll wegen seiner Saudi-Zusage ähnliche Probleme haben und deswegen nicht mehr im Rennen um den Ryder-Cup-Kapitänsposten für 2023 sein.

Dustin Johnson sprach unterdessen von einem »sehr interessanten Konzept«, und Rückendeckung bekamen die Spieler, die an Abwanderung dachten, auch von der europäischen Ryder-Cup-Legende Tony Jacklin (siehe Interview). »Wenn mir jemand so viel Geld bieten würde, säße ich im nächsten Flieger.«

GELD REGIERT DIE WELT

Nur wenige Tage später zirkulierte eine neue, unfassbare Zahl: Bryson DeChambeau sollen 135.000.000 Dollar geboten worden sein, um sich für die neue Welttour zu verpflichten. Er bestreitet die Summe, aber wenn Ü40-Spieler, die – bei allem Respekt – ihre besten Tage bereits hinter sich haben, 30 bis 40 Millionen Dollar angeboten bekommen, dann wäre ein dreistelliger Millionenbetrag für Superstars wie Bryson DeChambeau oder Dustin Johnson bestimmt keine Fabelzahl. Bei den Verantwortlichen der PGA Tour stieg die Nervosität.

Dann folgte der Auftritt Phil Mickelsons: Die PGA Tour habe sich mit ihrer »unausstehlichen Gier« das Entstehen einer Konkurrenz-Tour selbst zuzuschreiben. Und Lefty legte nach: »Ich bin für Konkurrenz. Ohne die Saudis wäre das Preisgeld auf der PGA Tour nicht explodiert.«

Was meinte der Mann, der allein an Tour-Preisgeldern in seiner Karriere über 100 Millionen Dollar verdient hat, mit dem »Gier«-Vorwurf ? Die Tour-Verantwortlichen hätten rücksichtslos viel zu viele Rechte angehäuft, die zu Lasten der Spieler gingen, etwa die Rechte am Bildmaterial.

Lefty klagt, dass nicht einmal er selbst Bilder oder Schwünge von sich verwenden darf – und er müsse sogar für Aktivitäten außerhalb des Tour-Betriebes, etwa den TV-Show-Events wie »The Match«, eine Million Dollar Lizenzgebühren an die PGA Tour abdrücken.

»Phil Mickelson ist eine hochbezahlte Bauchrednerpuppe, die für ein mörderisches Regime spricht.«

Brandel Chamblee

Die Äußerungen trafen auf viel Kritik, und Brooks Koepka schrieb auf Twitter, es sei komisch, ausgerechnet aus Phils Mund das Wort »Gier« zu hören. Doch es sah so aus, als würde die PGA Tour immer weiter in die Ecke gedrängt.

Und noch einer fand klare Worte. Ex-Spieler und TV-Analyst Brandel Chamblee sagte: »Phil Mickelson ist eine hochbezahlte Bauchrednerpuppe, die für ein mörderisches Regime spricht.«

Doch das war nicht das Ende, im Gegenteil: Mitte Februar lief Phil geradezu Amok. In einem Gespräch mit dem Golfjournalisten Alan Shipnuck, der im Mai eine Mickelson-Biografie veröffentlicht, beschimpfte er erst die saudischen Geschäftspartner als »scary motherfuckers« und behauptete dann, er selbst habe beim Aufbau der Super Golf League geholfen, um einen Hebel gegen die »Diktatoren« der PGA Tour zu haben. Das Gespräch sollte vertraulich bleiben, was Shipnuck bestreitet. Es wurde das erwartete Desaster, und nun hielten sich auch die Tour-Kollegen nicht mehr zurück. Billy Horschel bezeichnete die Äußerungen als »idiotisch«, Rory McIlroy als »naiv, egoistisch und ignorant«.

Phil verlor seine wichtigsten Sponsoren KPMG, Workday, Amstel Light und Callaway. Er selbst entschuldigte sich in einem langen Statement in den Sozialen Medien und beschloss, sich für einige Zeit zurückzuziehen. Was genau er damit meint (von den Sozialen Medien? Vom Turniergeschehen?), ließ er offen. Die genauen Auswirkungen werden sich erst in den kommenden Wochen zeigen – zumal offenbar eine Suspendierung oder gar ein Ausschluss Mickelsons von der Tour diskutiert wird. Oder ist der Rückzug ein Gentlemen’s Agreement zwischen Phil und der Tour? In jedem Fall wird er nicht mehr als Gastgeber beim American Express fungieren, und gerüchteweise soll er auch das Player Impact Program vom letzten Jahr nicht gewonnen haben, wie er auf Twitter herumtönte. Der Sieg, heißt es, sei wie vorausberechnet an Tiger Woods gegangen. Apropos: Phil hat ja in den letzten Wochen ordentlich Wellen geschlagen und sich einen vorderen Platz erkämpft. Ob all das im 2022er-Player Impact Program berücksichtigt wird?

»Ich bin 48 Jahre alt. Wenn mir jemand 50 Millionen Pfund geben will, um Golf zu spielen, muss ich nicht lange drüber nachdenken.«

Lee Westwood

Hinter der Zusammenarbeit von Mickelson und der Super Golf League stecken möglicherweise finanzielle Probleme: Es ist von erheblichen Wettschulden des bekennenden Zockers die Rede, nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Phil Mickelson braucht Geld – aber Alan Shipnuck lebt eben auch von der Aufmerksamkeit: Er gab die Festanstellung bei großen US-Magazinen auf, um für sein neues Blogprojekt »Fire Pit Collective« zu arbeiten. Und sein Buch, das auch die Schattenseiten Mickelsons aufzeigen soll, dürfte nach diesem Eklat ein Bestseller werden. Hat Shipnuck Mickelson für die Auflage über die Klinge springen lassen? Oder war es, wie GM-Kollege Ingo Grünpeter vermutet, vielleicht sogar eine konzertierte Aktion der beiden, ein abgekartetes Spiel, um für das Buch zu werben? Dann hätte sich Phil Mickelson allerdings gewaltig verhoben.

DER ANFANG ODER DAS ENDE?

»Aber die jungen Spieler sollten sich ihre Entscheidung sehr genau überlegen.«

Rory McIlroy

Beinahe zeitgleich gab es deutliche Statements von Rory McIlroy, Jon Rahm, Collin Morikawa, Justin Thomas, Jordan Spieth, Brooks Koepka, Xander Schauffele und schließlich sogar von Bryson De-Chambeau, die sich zur PGA Tour bekannten. Und einer, dessen Wort mehr Gewicht hat als das aller anderen, wird der PGA Tour ebenfalls treu bleiben: Tiger Woods.

Tour-Boss Jay Monahan hatte nun Oberwasser und erklärte allen anderen Spielern, sie müssen sich zu einer Tour bekennen. Wer in der Super Golf League antreten will, sollte sich wenig Hoffnungen machen, je wieder auf der PGA Tour zu starten. Daraufhin protestierte Greg Norman: Er schrieb am 24. Februar einen offenen Brief an Jay Monahan, in dem er drohte, dass das alles »nur der Anfang« sei und die SGL in jedem Fall kommen werde. Zudem kündigte er strafrechtliche Konsequenzen an, sollte Monahan tatsächlich »Berufsverbote« aussprechen.

Dennoch: Runde 1 geht an die PGA Tour. Aber ist der Kampf schon vorbei? »Die Saudi-League treibt tot im Wasser«, behauptet Rory McIlroy, der sich ja auch als einer der ersten gegen eine Teilnahme an dem Milliardenspektakel aussprach. Brooks Koepka widerspricht: »Sie werden nicht aufgeben. Es wird immer genügend Spieler geben, die sich verkaufen.«

Es ist aber nicht nur das Geld: Der Australier Adam Scott ist entschlossen, bei der Super Golf League anzutreten, weil der 41-jährige Vater von zwei Kindern genug vom Reisestress und 35 Turnieren im Jahr hat. Da klingen 12 bis 14 Turniere verlockender. (Tatsächlich wird bei den Oberen der PGA Tour inzwischen überlegt, eine längere Turnierpause einzulegen, was von vielen Pros ausdrücklich gewünscht wird. Es ist der einzige große Sport mit ganzjährigem Spielbetrieb – möglich, dass sich das ändert.)

Auch sind die finanziellen Möglichkeiten der Saudis nahezu unbegrenzt, und der umtriebige Geschäftsmann Greg Norman dürfte eine Niederlage nur ungern akzeptieren. Darüber hinaus sind die Lippenbekenntnisse einiger Stars mit Vorsicht zu genießen: »Solange die besten Spieler auf der PGA Tour spielen, werde auch ich dort sein«, erklärte Bryson DeChambeau. Er wurde für dieses Statement zwar gefeiert, aber ein knallhartes Nein zum Saudi-Angebot klingt ja wohl definitiv anders. Auch Xander Schauffele knüpft sein (äußerst kompliziert formuliertes) Treuebekenntnis an Bedingungen: Er hält das Geschäftsmodell der neuen Liga für »unausgereift«. So lässt man sich Türchen offen – und stärkt die eigene Verhandlungsposition mit der PGA Tour.

Etwas peinlich bleibt, wie sich besonders viele Europäer bis heute vor klaren Bekenntnissen drücken. Shane Lowry, Justin Rose, Ian Poulter, Henrik Stenson, Tyrrell Hatton und Tommy Fleetwood geben sich überraschend zurückhaltend. Lee Westwood bekommt immerhin Rückendeckung von Rory McIlroy: »In seinem Alter habe ich dafür Verständnis, so ein Angebot anzunehmen.« Dann fügt er wie zur Warnung hinzu: »Aber die jungen Spieler sollten sich ihre Entscheidung sehr genau überlegen.« t

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