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AUF SOMMERSAUEN


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 21.03.2019

Von der Schwarzmeerküste bis zu den Gipfeln des Balkans und der Rhodopen birgt die südosteuropäische Republik abwechslungs- und wildreiche Jagdgründe. Markus Deutsch stellte Schwarzkitteln in fünf Revieren nach, in denen Zaren jagten und Kommunisten Rekorde aufstellten.


„Scheiße, Scheiße, Scheiße“ , mit diesen wahrlich nicht sehr königlichen Worten schritt Ferdinand I. von Bulgarien im Februar 1909 durch seine damals noch eher ärmlich anmutende Residenz in der Hauptstadt Sofia. Er hatte gerade in St. Petersburg anlässlich eines Begräbnisses in der Romanow-Familie die dortige prachtvolle Behausung des ...

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„Scheiße, Scheiße, Scheiße“ , mit diesen wahrlich nicht sehr königlichen Worten schritt Ferdinand I. von Bulgarien im Februar 1909 durch seine damals noch eher ärmlich anmutende Residenz in der Hauptstadt Sofia. Er hatte gerade in St. Petersburg anlässlich eines Begräbnisses in der Romanow-Familie die dortige prachtvolle Behausung des russischen Zaren gesehen und betrachtete die eigenen vier Wände nun etwas mürrisch.

Absolut gegenteilige Gefühle weckte hingegen in dem seit 1887 zum Fürst von Bulgarien gewählten und seit 1908 als bulgarischer Zar regierenden Spross des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha ein im Nordosten des Landes gelegenes Fleckchen Erde – Palamara. In den Weiten dieses abwechslungsreichen Reviers konnte der gebürtige Österreicher die Bescheidenheit und Enge seines Stadtschlösschens vergessen. Er fühlte sich dort so wohl, dass er nach einer Dürre eine Pumpstation errichten ließ und das stark dezimierte Rotwild durch Importe aus Deutschland und Österreich stärkte.

Die Nachkommen dieser Stücke begegnen uns auf dem Weg zum Hochsitz an einer Schneisenkreuzung des heute rund 26000 Hektar umfassenden Jagdgebiets. Allerdings haben wir es an diesem Abend nicht auf Rotwild abgesehen. Wir konzentrieren uns bei unserer Tour durch verschiedene Reviere Bulgariens auf Sommersauen.

Der Platz ist von unserem Jagdführer offensichtlich gut gewählt. Bereits kurz nach dem Aufbaumen zeigen sich ein paar Schwarzkittel. Allerdings wechseln sie viel zu weit von uns über die Schneise. Langsam breitet sich die Dunkelheit übers Revier. Die Grillen zirpen, was das Zeug hält. Das hat etwas sehr Meditatives und dämpft meine Aufmerksamkeit.

Doch mit einem Schlag sind meine Sinne wieder voll gespannt: In bester Schussentfernung tritt eine Rotte aus. Langsam ziehen die Sauen auf unsere Kanzel zu. Leise nehme ich meine Büchse hoch. Ein Stück bricht an der Seite. Der Berufsjäger gibt die Sau frei.

Im Knall reißt es den Schwarzkittel von den Läufen. Die Artgenossen stieben auseinander und sind sofort im Bestand verschwunden. Das rund 40 Kilo schwere Keilerchen ist super für die Küche und ein guter Start der Sommersauentour!

Wir verabschieden uns von Palamara mit einem kleinen Abstecher zu einem Gebäude im Revier, das zwar mit seinem geschwungenen Vorbau fast futuristisch anmutet, aber noch aus der Zarenzeit stammt. Es ist das Jagdhaus von Ferdinands I. Sohn und Nachfolger auf dem Thron, Boris III. Anders als sein Vater, der dort lediglich hegte, jagte er auch in Palamara und wohnte während seiner Aufenthalte in dem heute als Gästehaus genutzten Ensemble.

Foto: Michael Breuer

In kyrillischer Schrift zeigt dieses Holzschild dem Besucher an, wo er sich gerade aufhält: Palamara.


auf die Zaren folgenden Kommunisten wussten das Revier ihrer Vorgänger ebenfalls zu schätzen. Allerdings bevorzugte der langjährige Staatschef Todor Schiwkow ein anderes, im Balkangebirge gelegenes Jagdgebiet, in dem wir am Folgetag jagen: Rossitsa.

Forstingenieur Iwan Stepanow lenkt den Pick-up durch einen felsigen Gebirgsbach. Immer weiter geht es enge Serpentinen und Hohlwege durch den Wald hinauf. Dann öffnet sich vor uns eine langgestreckte Weide und gibt den Blick auf ein atemberaubendes Bergpanorama frei.

Iwan hält auf ein Gebäude am Ende der Wiese zu. Es sieht aus wie eine Jagdhütte mit Garage. Allerdings handelt es sich um eine komfortable Kanzel aus kommunistischer Zeit mit Stockbetten, Ofen und Teppichboden. So konnte die Politprominenz im Warmen schlummern, während der Berufsjäger den Luderplatz im Auge behielt und den illustren Jagdgast weckte, wenn passende Bären auf die Pläne traten.

wurde nichts dem Zufall überlassen. Das führte allerdings manchmal genau zum gegenteiligen Ergebnis, wie Iwan zu berichten weiß: „ Für Todor Schiwkow wurde hier bei uns mal eine Drückjagd auf Bären geplant. Der beste Stand im Revier wurde zurechtgemacht, und die Treiber eingewiesen. Damals war es hier in den Bergen schwer, auf der Jagd mit den einzelnen Beteiligten zu kommunizieren. Also wurde vereinbart: Eine Stunde, nachdem der Helikopter des Staatschefs gelandet ist, setzen sich die Treiber in Bewegung. Was aber keiner hier wusste: Die Staatssicherheit wollte die Ankunft des Kommunistenführers vorher einmal proben. Deshalb kamen sie mit einem leeren Helikopter, landeten kurz und kehrten wieder nach Sofia zurück. Wie vereinbart, fingen die Leute nach einer Stunde an zu treiben. Als Schiwkow dann eingeflogen wurde, war bereits alles gelaufen.“ Mit einem breiten Schmunzeln schließt Iwan die Fenster der immer noch benutzen Prominenten-Kanzel, und wir setzen unsere Revierfahrt fort.

Ferdinand I. regierte von 1908 bis 1918 als Zar von Bulgarien. Er war gern in Palamara und setzte sich dort für die Hege des Rotwilds ein.


Sein Sohn Boris III. jagte dort auch und ließ sich ein Jagdhaus errichten, in dem heute Gäste des Reviers untergebracht werden (u.).


Das Balkangebirge durchzieht Bulgarien in west-östlicher Richtung. In der Mitte liegt das Revier Rossitsa.


der Berufsjäger den Wagen. Er nimmt sein Fernglas zur Hand: „Da auf dem Acker ist was.“ Rund 600 Meter entfernt umschließt der Wald etwas unterhalb ein kleines Stück Land im Hang. Darauf wuselt etwas Schwarzes. „Das schauen wir uns mal von Nahem an“, schlägt Iwan vor und wendet den Wagen. Es geht einen steilen Weg hinab, dann lässt er den Pick-up ausrollen. Leise packen wir unsere Siebensachen und pirschen weiter.

Links von uns öffnet sich der Wald. Der trockene Acker ist jetzt zu sehen. Mittendrauf ruht eine Bache. Ihre Frischlinge tummeln sich rechts, für uns verdeckt hinter einem Busch. Iwan baut vorsichtig das Dreibein auf. Wir müssen vom Weg ein kleines Stück in den Böschungsbewuchs. Dem Bulgaren gelingt es mit nur leisem Knistern, aber ich trete auf ein dürres Ästchen unter dem Gras. Sofort wird die Bache hoch und äugt aufmerksam in unsere Richtung. Auch die Frischlinge werden unruhig. Wir versteinern in der Hoffnung, dass bei den Sauen noch mal Ruhe einkehrt.

Aber ein kurzer Grunzer von der Frau Mama lässt die Frösche augenblicklich im Gebüsch verschwinden. Die Bache staubt nach links über die Krume. Wir hoffen, dass die Kleinen hinterher wollen und bleiben stehen. Allerdings ziehen die Frischlinge die sichere Deckung vor, und wir kehren unverrichteter Dinge ins Jagdhaus zurück.

Die Kommunisten ließen in ihren Staatsjagdrevieren sehr komfortable Kanzeln für die Ansitzjagd errichten.


Die mit Schlafmöglichkeiten und Ofen ausgestatteten Einrichtungen werden heute noch genutzt.


Der langjährige kommunistische Staatschef Todor Schiwkow (mit Pelzmütze) kam gern zur Bärenjagd nach Rossitsa.


Fotos: Markus Deutsch

geht es in eine andere Ecke des Reviers. Wir überraschen Rottier und Kalb beim Äsen, entdecken frische Bärenlosung, deren Einzelpartien sich über zehn Meter erstrecken, und haben noch eine Ricke vor. Schwarzkittel sehen wir keine. Als es langsam einen sandigen Weg in einem Seitental entlanggeht, stoppt Iwan. Er hat im Fahren die frische Fährte eines anderen Jägers entdeckt: Ein Wolf hat hier vor Kurzem seinen Brantenabdruck hinterlassen. Ein Stückchen weiter sehen wir auch noch die Reste seiner Mahlzeit. Die Wirbelsäule eines Rotwildkalbes liegt im Gras. Eine Bewegung oberhalb auf dem Waldweg fesselt unsere Aufmerksamkeit: Eine Bache mit Frischlingen wechselt darüber. Schnell ist das Dreibein präpariert und ein Frosch ausgewählt. Auf der Bankette fasst ihn die Kugel. So verlassen wir dieses schöne Balkanrevier nicht ohne Beute.

Voden heißt das nächste Ziel, das uns wieder in den Nordosten des Landes führt. Ursprünglich ein Gut, das während der osmanischen Fremdherrschaft einem verdienten Türken-Offizier gehörte, war das Gebiet während der Zarenzeit im Besitz eines Adjutanten des Monarchen. Boris III. war hier mehrfach zu Gast.

es als rund 14000 Hektar umfassendes Revier für prominente Gäste und ließen mehrere Häuser errichten, da aus Sicherheitsgründen nicht zwei Staatschefs in einem Gebäude untergebracht werden durften. Der sowjetische Kommunistenführer Leonid Breschnjew jagte hier ebenso wie der kubanische Fidel Castro, der spanische König Juan Carlos und der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Ihnen mögen die Jagdgötter damals hold gewesen sein, mir sind sie es nicht: Zwar kommt ein jagdbarer Bock in Anblick. Allerdings zieht er, als ob er es wüsste, immer ohne Kugelfang Richtung Wald. Also geht es als Schneider zum nächsten Tour-Ziel, diesmal in das Rhodopen-Gebirge im Süden Bulgariens.

Hier hat ein vierläufiger Jäger seine Spuren hinterlassen. Iwan Stepanow zeigt die Reste einer Wolfsmahlzeit: die Wirbelsäule eines Rotwildkalbes.


Der Direktor des Jagdgebietes Kormisosh glast den Gegenhang ab. In dem von ihm verwalteten Revier ziehen unter anderem Gämsen, Muffel und Bären ihre Fährten.


Das von Schiwkow 1986 erbeutete Rekordgewaff. Daneben zum Vergleich eine Patrone im Kaliber .30-06.


Kein Rekordkeiler, aber immerhin Beute gemacht: Der in Kormisosh geschossene Frischling wird zum Auto gebracht.


In dem Gästehaus des rund 42000 Hektar umfassenden Reviers Kormisosh wird eine Besonderheit aufbewahrt. Im Trophäenzimmer prangt auf einem Brettchen das Gewaff eines Keilers, der hier am 12. Oktober 1986 zur Strecke kam. Er wurde mit sagenhaften 158,2 CIC-Punkten bewertet und hielt über 20 Jahre den Weltrekord. Als Erleger ist Todor Schiwkow verzeichnet. Eine solch außergewöhnliche Trophäe lässt natürlich hoffen: Vielleicht hat sich ja noch mal ein solcher Methusalem durchgemogelt und kreuzt unseren Weg.

Die Pirsch führt zunächst eine steile, mit Streuobst bestockte Bergwiese hinauf. Dann gehts parallel zum Hang weiter. Wir ducken uns gerade unter dem Ast eines Ostbaumes hindurch, als von einer kleinen, noch verdeckten Senke vor uns klirrende Geräusche ans Ohr dringen. Ist da was abgesprungen? Keiner hat Wild gesehen. Schon wieder dieses Klirren. Vorsichtig nähern wir uns dem Einschnitt und sehen dann, was da im Geröll rumort: Eine Rotte Sauen schaut am helllichten Tag, ob an der Kirrung noch ein paar Reste zu finden sind.

etwas und flüchtet. Der Großteil der Rotte folgt. Allerdings scheinen ein paar Frösche vom Mahl nicht genug abbekommen zu haben. Sieben Braune kehren zurück und sind sogleich wieder in die Fraßsuche vertieft. Den Äußersten nehme ich ins Visier. Im Knall bricht er zusammen. Nur kurz zittern die Hinterläufe noch. Es ist zwar kein Rekordkeiler geworden, aber immerhin war die Pirsch erfolgreich. Am Abend kommen noch Gams-, Reh- und Damwild in Anblick. Dann verabschieden sich Kormisosh und die Rhodopen mit einem herrlichen Sonnenuntergang.

Der letzte Abend bringt besondere Beute: Der Keiler hat eine alte Schusswunde auf dem Wurf. Außerdem waren beide Gewehre abgebrochen.


Das letzte Ziel unserer Reise führt uns ganz in die Nähe der Hauptstadt nach Iskar. Das Revier wurde 1969 gegründet, war zunächst der Parteispitze vorbehalten und umfasst heute rund 22000 Hektar. Von hier stammen die stärksten Damwild-Trophäen des Landes, und so begrüßt uns auch ein starkes Rudel, als wir bei Regenwetter Richtung Ansitz fahren.

Nicht lange, nachdem wir uns auf einer der alten kommunistischen Komfort-Kanzeln eingerichtet haben, treten mehrere Rotten aus. Wir wollen heute aber Frischlinge Frischlinge sein lassen und es auf einen Keiler versuchen. Die tief hängenden Wolken lassen das Büchsenlicht etwas früher schwinden. Plötzlich kommt Unruhe auf! Immer wieder sichern die Schwarzkittel zum Waldrand und trollen von der Pläne. Dann tut sich vor uns nichts mehr. Falscher Alarm? Auf einmal betreten zwei starke Keiler die Bühne. Immer wieder drängen sie sich gegenseitig ab. Einer davon könnte passen. Ich bin bereits im Anschlag, warte nur noch auf die Freigabe von Revier-Direktor Athanas Darelov, als es von der Seite flüstert: „Schieß den Linken.“

hin ruckt der Keiler an und flüchtet in einem Halbkreis in unsere Richtung, um dann in einen Graben zu kippen. Gleich deutet mir Athanas, die Waffe zu nehmen und ihm zu folgen. Wir gehen zum Graben. Der Bulgare weißt mich an, halbspitz von hinten noch einen Fangschuss auf die zusammengebrochene Sau anzutragen. Ich halte das für unnütz, mache es aber natürlich.

Karte von Bulgarien mit den besuchten Revieren. Zu Voden gehört noch ein weiterer, nördlich gelegener Revierteil. Die letzte Station auf der Tour war Iskar, das für sein starkes Damwild bekannt ist (unten).


Als wir an das Stück treten, ärgere ich mich, es getan zu haben: Ich habe ein Gewehr abgeschossen, glaube ich zumindest im ersten Moment. Im Schein der Taschenlampe stellt sich aber heraus, dass der Keiler schon vorher beide Gewehre verloren und sogar eine verheilte Schusswunde auf dem Wurf hat. Ich freue mich gewaltig über diesen tollen Höhepunkt unserer Reise, zumal der Schwarzkittel 149 Kilogramm auf die Waage bringt!

geht es ein letztes Mal hinaus, diesmal in den bergigen Teil des Reviers. Er war lange militärisches Sperrgebiet. Als wir eine verfallende Abschussbasis passieren, erklimmt gerade ein Wolf einen Felsen am Ende der sich dahinter erstreckenden Bergwiese, um gleich darauf im Nebel zu verschwinden. Was für eine Begegnung! Für einen Schuss war der Grauhund allerdings zu weit entfernt und der Moment zu kurz.

Jagdführer Angel prüft am Licht der Sau, ob sie bereits verendet ist.


Fotos: Markus Deutsch

Wir pirschen einen Hang hinab, der immer wieder abgestuft ist. Auf den kleinen Plateaus steht altes Gras, die Hänge dazwischen sind mit Bäumen bestockt. Der Nachtregen hat den Boden aufgeweicht und ermöglicht eine nahezu lautlose Pirsch. Wir wechseln gerade von einem Grasplateau in den Bestand, als Berufsjäger Angel erstarrt und sich mit weit aufgerissenen Augen zu mir umdreht. „Schwein! Da!“, haucht er, gestikuliert, dass ich die Waffe nehmen soll, und zeigt mit der anderen Hand nach unten. Ich schaue unter den Kronen durch auf die beige Grasfläche, sehe aber rein gar nichts. „Nein! Da vorne!“, deutet Angel nun noch energischer nach unten. Und da sehe ich es auch: Ein Trumm von Keiler döst unterhalb an einer Baumwurzel.

Im Schuss reißt der Basse den Kopf hoch und ist sofort in die ewigen Jagdgründe gewechselt. Mir ist bewusst, dass das einige Jäger als unwaidmännisch ansehen. Ich aber bin der Meinung, dass es weitaus waidgerechter ist, Schalenwild einen sicheren, sofort tödlichen Schuss anzutragen, als aus wohl ursprünglich sportlich motivierten Gründen ein ruhendes Stück vorher hoch zu machen und dabei Gefahr zu laufen, es krankzuschießen.

ist der Basse die vollkommen unverhoffte und gewichtige Krönung der Sommersauen-Tour. An dem vor den Toren Sofias Gestreckten kommen mir die unflätigen Worte Zar Ferdinands I. in den Sinn, die er unweit von hier im Stadtschloss grummelte. Um das Erlebte zu beschreiben, passen sie aber wahrlich nicht. Meine sind weitaus freudigere: „Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn!“

Die Jagdreise wurde vom Bulgarischen Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forstwirtschaft organisiert. Weitere Informationen unterwww.mzh.government.bg

Berufsjäger und Autor an der unerwarteten und gewichtigen Krönung der Sommersauen-Tour: Der Basse brachte 200 Kilogramm auf die Waage.


Fotos: Markus Deutsch