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Aufbau einer Utopie


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tip Berlin - epaper ⋅ Ausgabe 17/2022 vom 17.08.2022

Berlin Storys

Es blitzt, die Funken fliegen. Alexander Belski ist hochkonzentriert. Er schweißt einen Bilderrahmen, der wie ein Gefängnisgitter über dem Porträtfoto einer inhaftierten Regimekritikerin aus Belarus liegen soll. Belski ist selbst Regimekritiker, die Ölbilder des Künstlers zeigen Kosmonauten, so werden in Belarus die Sondereinsatzkommandos genannt, die einen Zivilisten in ein Ufo ziehen. Oder sie präsentieren das Reich von Diktator Lukaschenko als riesige Strohpyramide, die Feuer fängt.

Belski ist vor der jüngsten Inhaftierungswelle geflohen und seit zwei Monaten in Deutschland. Jetzt macht der 42-Jährige Kunst in Otto, einem von drei kleinen Containerdörfern rund ums Haus der Statistik, die ehemalige DDR-Statistik-Zentralverwaltung, direkt am Alexanderplatz. Außerdem bietet er dort Schweißworkshops für Menschen an, die sich nicht als Mann identifizieren. Als Kritik an den ...

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Bildquelle: tip Berlin, Ausgabe 17/2022

Drei Containerdörfer bieten während der Sanierung des Hauses der Statistik Flächen für Kunst, Kultur und Soziales
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... Geschlechterverhältnissen. „Das Schweißen ist ein faszinierender Prozess, der einen ganz einnimmt“, sagt er. Das Hauptziel des Workshops sei, zu zeigen, wie sich Metall verwandelt. Belski hat zuletzt mit den Teilnehmer:innen Mini-Panzersperren geschweißt, als Solidaritätsgeste an die Ukraine, die gerade auch von seinem Land Belarus aus angegriffen wird. Es waren auch ukrainische Frauen bei dem Workshop dabei.

Der Verein Razam hat Belski eingeladen. 300 regimekritische Belarusen sind darin vernetzt. Von ihrem Bürocontainer in Otto, einem der temporären Erweiterungsbauten des Hauses der Statistik, organisieren sie Ausstellungen, Konzerte, Residenzen für gefährdete belarusische Künstler:innen.

Das Haus der Statistik wird bis 2024 für 100 Millionen Euro saniert, soll dann Verwaltung, Wohnen und Soziokulturelles vereinen, die vielfältigen Pioniernutzungen weichen vor der Baustelle auf den überbreiten Gehweg aus, in Container-Büros und -Werkstätten, von Bauzäunen umstellte Gärten und Plätze. Zwei hallengroße Zelte bieten daneben Platz für Veranstaltungen. Auf der vom Alex abgewandten Seite des Hauses, in einem der Höfe des zu entwickelnden Areals, stehen derzeit noch Mad-Max-artige Seifenkisten neben einem Gemeinschaftsgarten aus rund 45 Hochbeeten. Die meisten Wände sind voll Graffiti. Auf der Rampe, die zum „Haus der Materialisierung“ führt, dem letzten aktuell noch bespielten Steingebäude, gibt es wie jeden Dienstag Gratiswaffeln.

Das Areal rund ums Haus der Statistik ist ein unkommerzielles Refugium in einer Gegend, die fast bis ins letzte durchkommerzialisiert ist. Ein Experiment der nutzergetriebenen, nicht renditeorientierten Stadtentwicklung. Eine improvisierte Utopie. Mitten in der Stadt. Allesandersplatz steht oben auf dem Frontgebäude, bis der Wettbewerb für die endgültige Beschriftung entschieden ist. Das Projekt Haus der Statistik bringt Menschen zusammen auf der Suche nach einer besseren Welt. Es ist ein dorfgroßes ständiges Netzwerktreffen engagierter Initiativen.

Ukrainer:innen verkaufen selbstgemachte Süßigkeiten und basteln mit Kindern. Die Syrienhilfe organisiert vom Containerdorf Karla aus ihre humanitäre Arbeit in Assads Failed State. Jara und Gangway machen Angebote für Straßenkids. Freifunk sorgt für Gratis-W-Lan. Das Haus der Materialisierung beherbergt Kreislaufwirtschaftsbetriebe aller Art, hier gibt es Secondhand-Kleidung, -Dekoration und -Baustoffe, eine Fahrradwerkstatt, eine Werkstatt, die Surfequipment aus Altplastik herstellt, eine Näh- und eine Siebdruckwerkstatt, eine Tauschbox. Im nördlichen Hof verteilt Essbar regelmäßig gerettete Lebensmittel, gibt es den Gemeinschaftsgarten und Seifenkisten-Bauworkshops. Im südlichen Hof finden auf einer Autoscooterplattform Flohmärkte und Konzerte statt. Hier tritt auch der Chor der Statistik auf und die Bühnen der Statistik spielen Theater.

Schillernde Stadtentwicklung

Es ist eine seltene Symbiose aus Zivilgesellschaft und Verwaltung, die dieses schillernde Beispiel gemeinwohlorientierter Stadtentwicklung erblühen lässt. Die Graswurzelentwickler:innen arbeiten mit dem Land, dem Bezirk, Berlins Immobilienverwaltung und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WBM in einem komplexen demokratischen Prozess an einer Vision, die es vielen recht machen soll. Günstiger Wohnraum, smarte Verwaltung und bürgerschaftliches Engagement in einem Quartier. Rund 45.000 Quadratmeter Bestand werden saniert, das ehemalige Rechenzentrum und das Haus der Materialisierung genannte Gebäude werden abgerissen, 65.000 Quadratmeter neu gebaut.

15.000 Quadratmeter für Wohnen und Werkstätten soll die Genossenschaft ZUsammenKUNFT, die die Pioniernutzung koordiniert, im Neubau bespielen dürfen, 10.000 Quadratmeter für gemeinwohlorientierte Projekte in den Bestandsbauten. Die künftige Zusammenstellung der Initiativen findet sich jetzt. Wer bewährt sich, wer bringt sich wirklich ein, wer nutzt das Areal nur als Lager? Die Auswahl soll demokratisch stattfinden. Bis dahin wird experimentiert.

Die Menschen vom Freien Radio rechnen sich ganz gute Chancen aus. „Also ich würde uns nehmen“, sagt Jürg Andreas Meister. „Wir bieten dem Haus der Statistik eine Stimme“, sagt Kyra. Die beiden haben schon mit mehreren Initiativen aus dem Haus Radiosendungen produziert. Gerade manövrieren sie Schallschutzplatten aus dem Haus der Materialisierung per Rollwagen in das Containerdorf Karla und dann per Hand über die Stahltreppe in ihr noch einzurichtendes neues Studio in der oberen Etage. Es soll bald allen Menschen zur Verfügung stehen, die Lust haben, Freies Radio zu machen und die vielen Radio-Gruppen vernetzen. Interessierte können sich unter kontakt@ fr-bb.org melden. „Freies Radio gibt Menschen und Communities eine Stimme. Das ist eine Graswurzelorganisation und eine Möglichkeit, Themen nach außen zu tragen“, sagt Kyra. Die 40-Jährige macht Freies Radio seit sie 19 ist. Ihre aktuelle Sendung „Radio gegen alles“ ist ein Umweltmagazin aus linker Perspektive. Gäste sind zum Beispiel Aktivisti:innen der letzten Generation oder Waldbesetzerinnen.

„Freies Radio ist Empowerment. Da wird gespielt und gesprochen, was sonst zu wenig gespielt und gesprochen wird. Es ist eine Möglichkeit, Gesellschaft mitzugestalten“, sagt Jürg, 30. Er macht die Sendung Abandon Fat Tracks. Ein Freund und er, beide elektronische Musiker, improvisieren mit Gästen – Techno mit der geigenartigen Kamantsche, Techno mit Opernsängerin. „Die Idee ist, was zu machen, was für uns selbst neu ist“, sagt er.

Der Verein, der das Studio betreiben wird, Freies Radio Berlin, ist Montag bis Donnerstag auf 88,4 Megahertz in Berlin und 90,7 Megahertz in Potsdam auf Sendung. Er ist sowas wie ein Kollektiv der Kollektive, das rund 500 Menschen vereint, die jeden Monat Inhalte für diese Frequenzen und Tage produzieren. Sie senden von verschiedensten Orten. Aus der U-Bahn, aus der Protesthütte am Kotti. Piradio und Studio Ansage, zwei Studios, die mehreren Radiokollektiven Raum bieten, liegen in ehemals besetzten Häusern. Die Frequenz bekommt der Verein von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg gestellt, als Demokratieförderungsmaßnahme.

„Wir wollen diskriminierungsfrei sein, einen kritischen Blick auf den Mainstream werfen, ohne ihn grundsätzlich zu verteufeln, und antikommerziell und antikapitalistisch sein, in dem was wir tun“, sagt Jürg. Das einzige Problem: Der Sender am Halleschen Tor ist relativ schwach. Man kann ihn nicht überall in Berlin empfangen.

Die Chancen des Freien Radio Berlin, ein Studio im sanierten Haus der Statistik zu beziehen, sind vermutlich ganz gut. Der Verein wird von vielen Aktiven getragen, ist ein demokratisches Vorzeigeprojekt. Das gilt auch für den Sunseeker-Gemeinschaftsgarten im Nordhof. Doch dessen Umzug ist weit unwahrscheinlicher. Der Garten muss 2023 weichen, wo er und das Haus der Materialisierung stehen, werden voraussichtlich bis zum Jahr 2027 300 günstige Wohnungen gebaut, dazu inklusive Wohnformen von sozialen Trägern, insgesamt 25.000 Quadratmeter Geschossfläche.

Der Garten könnte auf ein Dach der Neubauten ziehen, doch das müsste frei zugänglich sein, einen Lastenfahrstuhl haben und extrem viel Gewicht aushalten, denn jedes Beet wiegt eine Tonne. „Das wird schwierig“, sagt Isis Rampf. Womöglich sei dies schon die letzte Saison, denn die drei Containerdörfer seien mit ihren 2.500 Quadratmetern Nutzfläche zu klein, um neben den zahlreichen Initiativen noch einen Garten angemesser Größe aufzunehmen. „Aber das ist schon ok. Wir hoffen, dass das Grün auch ohne uns mitgedacht wird bei dem Projekt.“ Selbst wenn es für sie hier vielleicht keine Zukunft gibt, ist Rampf von dem Projekt Haus der Statistik überzeugt. „Dieses einfach Selbermachen, aber gemeinsam mit der Verwaltung, wie die Parteien da voneinander lernen können, das hat mir viel Hoffnung gegeben“, sagt sie.

Es ist wirklich schade um die „kleine Oase direkt am Alex“, wie Rampf sie nennt. Noch kann man sie besuchen. Die Beete sind voll mit verschiedensten, einander bereichernden Pflanzen, am Rand stehen eine Zeile Tomaten und Basilikum, eine Feuerschale, Palettenbänke. In der Mitte residiert ein Apfelbaum in einer Öltonne. Die meisten Beete werden von den Vereinsmitgliedern gemeinsam beplant, gepflegt und leergefuttert, daneben gibt es einige Pachtbeete. 25 Gärtnernde sind insgesamt aktiv, jetzt gerade gärtnert nur Isis Rampf. Die 28-Jährige hat den gemeinnützigen Verein, der den Garten betreibt, 2019 mitgegründet, außerdem den Film „Allesandersplatz“ gedreht, der vom Projekt Haus der Statistik erzählt. Rampf gießt gerade, zwischendurch pflückt sie die reifen Bohnen, die sie sieht.

„Wir widmen unsere Arbeit Mutter Erde“

ISABELLA ARTADI

Kleine Lösungen für große Probleme

Die Erde, die Rampf gießt, ist mit selbstgemachtem Kompost gedüngt, aus den Resten des Lebensmittelrettungsprojekts Essbar, das im Haus der Materialisierung residiert. Das Saatgut ist ökologisch, vieles aus Brandenburg, vieles von der roten Liste. „Wir wollen hier Biodiversität und Sortenvielfalt herbringen. Man merkt auch, es sind viel mehr Vögel und Insekten gekommen über die Jahre. Das ist schön zu sehen“, sagt Rampf.

Das Mikroklima sei „interessant.“ Weil der Asphalt sehr warm wird und die Kästen die Hitze speichern. „Mediterrane Pflanzen wachsen hier gut, Tomaten, Chili. Das asiatische Kraut Shiso wächst auch rege. Aber wir spüren die Hitzewellen, wir spüren das Unwetter – und haben festgestellt, dass viele alte Brandenburger Sorten nicht mehr so gut funktionieren. Erbsen, Spinat und Radieschen nur am Anfang des Jahres, wenn es noch kalt genug ist. Es ist ein spannendes Experiment zu schauen: wie können wir reagieren?“

In den Initiativen, die rund um das Haus der Statistik arbeiten, werden kleine Lösungen für die großen Probleme gesucht und gefunden. Für das Plastikmüllproblem beispielsweise. Eine Lösung: Surfboards aus recyceltem Plastik, die auch wieder recycelt werden können. Isabella Artadi will dieses Brett erfinden. Die 29-jährige Produktdesignerin hat gemeinsam mit Gianna Mewes in Sri Lanka eine lokale Kreislaufwirtschaft für Plastik aufgebaut, das sie zu Surfequipment schmolzen. Dann kam Corona.

Die Spritzgussmaschine, die sie in Sri Lanka nutzten, ist von der salzigen Meeresluft leicht angerostet, daneben stehen ein Schredder und eine Absaugpumpe in einem kleinen Raum im Haus der Materialisierung. Das Fenster ist weit offen, trotzdem müffelt es, als Artadi die Spritzgussmaschine mit Plastik befüllt. Es wird darin erhitzt und verflüssigt und dann in eine Form gepresst.

Sieben verschiedene Plastiksorten gibt es auf dem europäischen Markt. Artadi sagt: „Wenn man so ein Plastikfreak ist wie wir, kann man viele an der Berührung, am Geräusch erkennen, aber es muss auch immer draufstehen.“ Welcher Code für welche Substanz steht und was die so kann, lernt man in Workshops, die Artadi und Mewes mit ihrer gemeinsamen Firma Merijaan geben. Menschen ab drei Jahren können da ihre eigenen Lineale oder Karabinerhaken aus mitgebrachtem Plastikmüll herstellen. Daneben produziert Merijaan derzeit Handpaddel zum Bodysurfen, Surfwachs-Dosen und Surfboard-Wandhalterungen aus Alt-Plastik. Das recycelte und recycelbare Surfboard ist noch in der Entwicklung.

„Surfen ist ja ein sehr naturverbundener Sport, aber so unnachhaltig. Surfbretter sind für die Verbrennung hergestellt. Mit einem Kern aus Styropor, umwickelt mit Glasfaser, bestrichen mit Epoxidharz. Das kriegt man nie wieder auseinander“, sagt Artadi. Ihr Brett hingegen soll vollständig in seine Bestandteile zu zerlegen sein. „Wir widmen unsere Arbeit Mutter Erde“, sagt sie.

Am Nordende des Areals der Statistik soll das Rathaus der Zukunft entstehen, das der Bezirk Mitte bezieht. Ein 60- bis 90-Meter-Neubau mit mindestens 25.000 Quadratmetern Fläche. Bürgermeister Stephan von Dassel, Grüne, sagt: „Wenn das Land Berlin am Alexanderplatz, am Zentrum der Hauptstadt, ein neues Bürogebäude baut, dann muss es natürlich Stand der Technik, Stand der Ökologie sein. Wenn irgendwie möglich in Holzbauweise. Energiesparend, ohne

Klimaanlagen, mit natürlicher Belüftung, einer klugen Aufteilung von Sonnenflächen, mit Fahrradstellplätzen im Keller, einer öffentlichen Kantine mit ökologischem Essen. Es soll ein offenes Rathaus sein. Wo es eine Kinderspielecke gibt und öffentliche Nutzungen wie beispielsweise eine Bibliothek. Mobile, dafür weniger Arbeitsplätze und eine nachhaltige Energieversorgung.“ Wärmepumpen sollen das Quartier mit der Energie von Abwasser und der Sonne kühlen und heizen. Wie hoch das Haus wird, entscheidet sich danach, ob eine Senatsverwaltung mit einziehen will. An der Frage hakt gerade der Planungsprozess.

Wer am Ende wie viele der 10.000 Quadratmeter des künftigen Komplexes der Statistik, die für gemeinnützige Projekte reserviert sind, beziehen darf, entscheiden Berliner Institutionen und Personen aus der Zivilgesellschaft in einem versuchsweise demokratischen Prozess. Zentraler Akteur der Verhandlungen ist die Genossenschaft ZUsammenKUNFT Berlin. Sie wurde von den Aktivist:innen gegründet, die 2015 den Ausschlag gaben, dass das Haus der Statistik künftig ganz anders gedacht wird – mittels eines Banners. „Hier entstehen für Berlin Räume für Kunst, Kultur und Soziales“, hatten die Aktivist:innen darauf geschrieben. Es sah recht offiziell aus und startete einen Diskurs, der dazu führte, dass Berlin den Gebäuderiegel 2017 für 50 Millionen Euro vom Bund kaufte, den Abriss verhinderte und einen experimentellen Gestaltungsprozess zuließ.

Drei Euro zahlen die Projekte pro Monat und Quadratmeter im Schnitt – für Wasser, Strom, Reparaturen, Verwaltung. Die Miete orientiert sich an der Kassenlage. „Wir wollen ausprobieren, wie Miteinander funktionieren kann und was der Kiez braucht“, sagt Laila Wiens. Sie arbeitet für die Genossenschaft ZUsammenKUNFT, organisiert die Öffentlichkeitsarbeit und den monatlichen Flohmarkt mit Gratisständen für Jedermensch. Sie sagt: „Das hat Festivalcharakter hier. Und wir werden versuchen, diese Atmosphäre zu erhalten und möglichst viele mitzunehmen.“

Infos zu allen Initiativen und Veranstaltungen: hausderstatistik.org