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Aufblühen statt ausbrennen


Taijiquan & Qigong Journal - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 16.08.2019

Burnout vorbeugen und behandeln aus Sicht der TCM


Das Burnout-Syndrom hat sich in der jüngeren Zeit zu einem weit verbreiteten Phänomen entwickelt. Da seine Entstehung eng mit dem Zusammenspiel zwischen äußeren Anforderungen und inneren Ressourcen verbunden ist, können Methoden wie Qigong, die die persönliche Resilienz fördern, sowohl prophylaktisch als auch lindernd wirken. Angela Cooper hat ein Modell mit sieben Phasen zur Entwicklung des Burnouts entworfen, das von einer anfänglichen Yin-Schwäche dem Zerstörungszyklus der fünf Wandlungsphasen folgt und in einer Yang-Schwäche endet. In jeder Phase ...

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Bildquelle: Taijiquan & Qigong Journal, Ausgabe 3/2019

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... können geeignete Maßnahmen auf Basis der TCM dazu beitragen, den Organismus wieder in ein Gleichgewicht zu bringen.

Yin-Yang-Ungleichgewicht und Zerstörungszyklus der 5 Elemente


Abbildung 1: Die sieben Phasen des Burnouts lassen sich anhand des Zerstörungszyklus der fünf Wandlungsphasen darstellen.

Angela Cooper hat die Qigong-Form »Aufblühen statt ausbrennen« mit sieben einfachen Übungen zur Burnout- Prophylaxe entwickelt. Sie harmonisieren die fünf Elemente, die zwölf Hauptmeridiane sowie wichtige Akupressurpunkte. Die Übungen aktivieren die Lebensenergie und bieten Lösungsangebote für jede der sieben Burnout-Phasen: auf der geistigen, emotionalen, körperlichen und energetischen Ebene. In der ersten werden in gut geerdetem Stand Ruhe und innere Kraft gesammelt.


Das Yin nähren und Ruhe finden

1. Burnout-Phase: Yin-Schwäche
Am Anfang des Burnout-Syndroms steht meist eine gesteigerte Aktivität: Betroffene scheinen über die Maßen arbeitseifrig und leistungsbereit zu sein. Sie nehmen sich keine Zeit für Pausen, entspannen kaum, schlafen schlecht, sind unruhig und nervös. Aus TCM-Sicht befinden sie sich in einem relativen Yang-Zustand: Relativ, weil nicht ein Überschuss der aktiven Kraft des Yang der Grund für die gesteigerte Aktivität ist, sondern ein Fehlen der ausgleichenden, ruhigen Energie des Yin.
Selbst wenn Betroffene kaum mehr Zeit für sich und andere finden und daher soziale Kontakte reduzieren oder gar einstellen, werden diese Anfangssignale eines Burnout-Syndroms gerne übersehen. Oft wird der übersteigerte Arbeitseifer sogar begrüßt und mit hohem sozialen Ansehen belohnt.

Harmonisches Yin als Burnout-Prophylaxe
Yin steht für Ruhe, Entspannung, innere Kraft und emotionale Ausgeglichenheit. Gelingt es mithilfe der TCM, beispielsweise mit Qigong, das Yin zu nähren, ist eine gute Basis für körperliche, geistige und seelische Gesundheit gegeben. So kommt es idealerweise gar nicht erst zum Burnout.
Damit das Yin ausreichend gepflegt werden und damit unterstützend wirken kann, ist ein Yin/Yang-Ausgleich notwendig: Im Berufs- sowie im Privatleben wäre aus TCM-Sicht ein gesunder Wechsel von Ruhe (Yin) und Aktivität (Yang) eine gute Voraussetzung für die Vermeidung von Burnout. Dies gilt sowohl für den einzelnen Menschen als auch für Systeme und Unternehmen. Können diese ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen harmonischen Wechsel von aktiven, herausfordernden, schnell zu erledigenden Aufgaben (Yang) und ruhigen, routinierten, langfristigen Projekten (Yin) bieten, wird sich ein Burnout womöglich von vornherein vermeiden lassen. Ein Übermaß an allzu ruhigen Yin-Vorgängen führt oft zu Unzufriedenheit und Langeweile. Es kann zum Boreout-Syndrom kommen, das ähnlich negative Symptome wie das Burnout- Syndrom aufweist. Zu viele herausfordernde Yang-Aktivitäten verletzen dagegen das Yin: Es kommt zu Unruhe, Hyperaktivität und Erschöpfung.

Abbildung 2: Die Grafik vergleicht das Burnout-Modell nach Dr. Matthias Burisch mit dem Burnout-Modell auf Basis der TCM.


Eine sanfte Welle steht als Symbol für den gesunden Yin/Yang-Zustand, der Burnout vorbeugen kann: für das Auf und Ab der Leistung, den gesunden Wechsel von Aktivität (Yang) und Ruhe (Yin), von Herausforderung (Yang) und Routine (Yin), von Führen (Yang) und Sich-führen-Lassen (Yin). Motiviertes Handeln und genussvolle Entspannung wechseln einander harmonisch ab: aus TCM-Sicht ein ideales Yin/Yang-Verhältnis.

Austausch und Freiheit genießen

Mit der zweiten Übung soll der Lungenmeridian harmonisiert werden.


Fotos: Dieter Decker

2. Burnout-Phase: Metall-Ungleichgewicht Die zweite Phase des Burnout-Syndroms kann aus TCM-Sicht als Metall-Ungleichgewicht beschrieben werden. Hier reagiert die betroffene Person auf Stressoren in erster Linie mit Trauer und Rückzug, zum Beispiel in Form von ständigen Tagträumen und Verhärtung der Grenzen zur Außenwelt sowie Kontaktschwierigkeiten und Distanzierung vom sozialen Umfeld. Oft sind Betroffene besonders anfällig für Erkältungskrankheiten, bekommen eine Grippe nach der anderen oder sogar eine Lungenentzündung.

Das Metall-Element im Gleichgewicht als Burnout-Prophylaxe
Die Themen und Fähigkeiten, die laut TCM mit einem harmonischen Metall-Element einhergehen, können als hilfreiche Ressourcen in der Burnout-Prophylaxe dienen:- Freiheit, Struktur und Klarheit erleben Metall – etwa glänzendes, spiegelglattes Gold – wird in der Fünf-Elemente-Lehre mit Klarheit und Struktur assoziiert. Ein gesundes Metall-Element unterstützt die Fähigkeit, Strukturen zu erkennen und zu erschaffen. Die daraus resultierende Klarheit kann helfen, die Freiheit innerhalb der Strukturen wahrzunehmen und zu genießen und entspannter mit Stressoren umzugehen, was einen Burnout lindern oder gar verhindern kann.

- Spielerisch mit Grenzen, Regeln und Traditionen umgehen
Bei einem Ungleichgewicht des Metall-Elements werden die erlebten Strukturen unter Umständen immer enger. Traditionen, Regeln und Rituale, die ursprünglich der Klarheit dienten, werden ohne den inneren Spielraum zu stahlharten Grenzen, zu einem eisernen Gefängnis, das die Freiheit einschränkt. Zwanghaftes Verhalten und Festhalten an Vorgaben, die längst nicht mehr hilfreich sind, können Ausdruck dieser Verhärtung und Eingrenzung sein.
Kann das Metall-Element harmonisiert werden, fördert das die Fähigkeit, mit Regeln und Traditionen spielerisch umzugehen. Auch eigene Grenzen und die der anderen können mit mehr Wertschätzung und Leichtigkeit respektiert werden – eine gute Voraussetzung zur Burnout-Prävention.

- Sich mit anderen verbinden und austauschen
Bei einem Metall-Ungleichgewicht kann eine Tendenz zum Rückzug beobachtet werden. Die betroffene Person ist unter Stress oft von ihren hohen Ansprüchen sowie dem Idealismus und Perfektionismus, die mit einem Metall- Ungleichgewicht verbunden sind, überfordert und fühlt sich gleichzeitig von ihren Mitmenschen zu wenig anerkannt. Durch ihr Metall- Reaktionsmuster muss sie sich daraufhin verstärkt abgrenzen, innerlich und äußerlich distanzieren und sich in Tagträume flüchten. Ein ausgewogenes Metall-Element hilft, Perfektionismus zu reduzieren, überzogene idealistische Vorstellungen zu hinterfragen und sich zu erlauben, Hilfe anzunehmen. So kann ein Ausweg aus dem Rückzug und der Abgrenzung gefunden werden. Klarheit, Freiheit und Selbstwert ersetzen Perfektionismus, Idealismus und die Abhängigkeit von der Anerkennung anderer. Wird das Metall-Element harmonisiert, äußert sich das laut TCM außerdem in der Fähigkeit, sich wieder mit der Umwelt auszutauschen und zu verbinden, statt sich zurückzuziehen – eine wertvolle Maßnahme zur Stressbewältigung und Burnout- Prävention.

- Durchatmen und Energie tanken
Aus TCM-Sicht gehört der Atem zum Metall- Element, das – in Harmonie – eine tiefe, gesunde Atmung unterstützt. Atemübungen stellen einen wichtigen Teil vieler Stress-Interventionsprogramme dar. Tief durchzuatmen kann spontane Erleichterung in Stress-Situationen schenken und helfen, frische Energie zu tanken.
Ist das Metall-Element in Harmonie, wirkt sich das über den Kontrollzyklus wohltuend auf das Holz-Element aus. Umgekehrt kann sich ein Ungleichgewicht im Metall-Element negativ auf das Holz-Element auswirken.

Gelassenheit und Entwicklung erleben

Das Wegschieben und Loslassen kann den Leber-Funktionskreis entlasten.


Anliegen dieses Artikels ist es, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Qigong als mögliche Ressourcen der Burnout-Prophylaxe zu beschreiben. Selbstverständlich müssen auftretende Symptome ärztlich abgeklärt werden, um herauszufinden, ob die Beschwerden tatsächlich durch Burnout oder womöglich durch andere Faktoren ausgelöst werden und wie sie behandelt werden können. Burnout-Betroff ene brauchen eine professionelle Begleitung beziehungsweise Therapie. Es wäre außerdem notwendig, dass Arbeitgeber und auch Gesetzgeber die Lebens- und Arbeitsbedingungen dort verändern, wo Erschöpfung und Burnout vorprogrammiert sind.

3. Burnout-Phase: Holz-Ungleichgewicht
Die dritte Phase des Burnouts lässt sich als Holz-Ungleichgewicht beschreiben. Dabei reagiert die betroffene Person auf Stressoren in erster Linie mit Wut, Aggression, Reizbarkeit, Intoleranz und Ungeduld. Ein Wutausbruch erscheint vielleicht auf den ersten Blick als ausgleichende Option, da sich die Person dadurch abreagiert, kann aber neben heftigen sozialen Problemen laut TCM auch zu körperlichen Beschwerden wie Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Krämpfen sowie Problemen mit Leber, Gallenblase und Verdauung führen. Kann sich die Wut nicht nach außen hin ausdrücken, wendet sie sich nach innen. Es kommt zu unterdrücktem Zorn und Autoaggression, die sich unter anderem in Schuldgefühlen, Ruhelosigkeit, Bitterkeit, verminderter Selbstachtung und Depressionen äußern.

Das Holz-Element im Gleichgewicht als Burnout-Prophylaxe
Ein harmonisches Holz-Element fördert laut TCM Themen und Fähigkeiten, die als hilfreiche Ressourcen in der Burnout-Prophylaxe dienen können:

- Belastende Emotionen loslassen
Belastende Gefühle – insbesondere Wut und Ärger – führen laut TCM zu einem Ungleichgewicht im Holz-Element. Bei einer Holz-Disharmonie fällt es schwer, bedrückende Emotionen wieder loszulassen. Wird durch TCM und Qigong das Element Holz harmonisiert, fällt es Betroffenen leichter, störende Gefühle weiterziehen zu lassen. Das hilft wiederum, gelassener mit Stressoren umzugehen und Burnout zu vermeiden.

- Den gesunden Lebensdrang und Kampfgeist nutzen
Ein aussagekräftiges Symbol für die Kraft des Holz-Elements ist der Baum: Er wächst, strebt nach oben und breitet sich aus. In der TCM steht er – wie die gesamte Pflanzenwelt – für Lebensdrang, Wachstum und gesunden Kampfgeist: Ein kleiner Grashalm, der aus dem Beton sprießt, oder ein Baum, der aus einem verlassenen Haus wächst, verkörpern die dem Holz-Element zugeordnete gesunde, wilde, stürmische Kraft. Diese zu nutzen, kann hilfreich sein, um sich rechtzeitig angemessen abzureagieren, Probleme anzupacken und Bedingungen zu ändern, so dass es gar nicht erst zu einem Burnout kommen muss.
- Einen Lebensplan verfolgen und dabei flexibel bleiben
Wie eine Pflanze noch im dichtesten Urwald auf verschiedenste, fantasievolle Art und Weise ihren Weg zum Licht findet und ihrem Plan zum Wachsen und Überleben folgen kann, steht das Holz-Element sowohl für den Lebensplan als auch für die Kreativität und den Mut, diesen Plan zu verwirklichen.
Wie jede Pflanze ihre Wuchsrichtung ändert, wenn sie auf ein Hindernis stößt, ist ein wichtiger Aspekt des Holz-Elements das Talent eines Menschen, die Pläne und Entscheidungen flexibel den sich verändernden Voraussetzungen und Bedingungen anzupassen und die beste Richtung für Entwicklung und Wachstum wählen zu können.
Die Fähigkeit, sowohl motivierende Lebenspläne zu schmieden als auch flexibel zu bleiben, ist während eines Burnouts durch die empfundenen Belastungen stark eingeschränkt. Durch die Harmonisierung des Holz-Elements kann diese Freude am Planen wieder auftauchen und es wird leichter, mit Wünschen und Zielen flexibel und gelassen umzugehen.
Ist das Holz-Element in Harmonie, wirkt sich das laut TCM positiv auf das Erde-Element aus. Ein Ungleichgewicht im Holz-Element dagegen kann sich über den Zerstörungszyklus negativ auf das Erde-Element auswirken.

Geborgenheit und Stabilität finden

Die Harmonisierung des Magen/Milz-Funktionskreises fördert die Erdung, die innere Ruhe, die Konzentrationsfähigkeit sowie Klarheit und Kreativität.


Ein Qi-Ungleichgewicht wird in der TCM unter anderem mit Qigong, Kräutern, einer Ernährungsumstellung, Tuina (chinesischer Massage), Akupressur und Akupunktur behandelt. Ziel ist es, Yin und Yang auszugleichen und die Gesamtheit der jeweiligen Element-Qualitäten und -Zuordnungen positiv zu beeinflussen. Körper, Seele und Geist werden dabei als Einheit betrachtet und behandelt. Die Behandlungsdauer ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Bei schwerwiegenden Symptomen kann eine Therapie auch über mehrere Monate oder sogar Jahre gehen.

Wegen der individuellen Natur des Burnouts kann nur eine Übersicht der möglichen Symptome in einer ungefähren zeitlichen Reihenfolge gegeben werden. Welche Symptommuster sich tatsächlich und in welcher Ausprägung entwickeln, hängt von Persönlichkeit, Erfahrung und Umwelt der Betroff enen ab.

4. Burnout-Phase: Erde-Ungleichgewicht

Die vierte Phase des Burnout-Syndroms entspricht meiner Einschätzung nach einem Erde-Ungleichgewicht. Hier reagiert der betroffene Mensch auf Stress in erster Linie mit Grübeln und Sorgen, wodurch seine kognitive Leistungsfähigkeit geschwächt wird. Es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren; und sogar sich zu entscheiden oder an Wichtiges zu erinnern wird für ihn zu einer Herausforderung. Er ist erschöpft, unmotiviert, ergreift selten die Initiative und lehnt Veränderungen ab. Seine Fantasie und Kreativität sind durch den Burnout verschüttet. Oft regiert er auf Belastungen mit Verdauungsproblemen wie Übelkeit und Bauchschmerzen. Auch kann es zu Gewichtsschwankungen, einer Veränderung der Essgewohnheiten und einer Verringerung des Muskeltonus kommen.

Das Erde-Element im Gleichgewicht als Burnout-Prophylaxe

Das Erde-Element steht in der TCM für Mitte, Stabilität, Geborgenheit, Fürsorge und Mütterlichkeit. In jeder Kultur, die ich kenne, gibt es den Archetypus der »Mutter Erde«, die für uns sorgt, uns ernährt und Halt gibt. Ein gesundes Erde-Element gibt uns Sicherheit, Stabilität und Kraft, die wir brauchen, um auch stressige, belastende Situationen gelassen zu meistern und somit einen Burnout im besten Fall gar nicht erst aufkommen zu lassen.

- In vollen Zügen genießen

Sinnliche Genüsse, die Lust am Essen und Trinken sowie an intellektueller Nahrung sind Freuden, die mit dem Erde-Element verbunden sind. Sich bewusst Zeit für Zufrieden- heitserlebnisse und Genusserfahrungen zu gönnen, kann als langfristige Strategie gegen Burnout dienen.

- Die Aufmerksamkeit und den Intellekt achtsam und liebevoll nutzen
Um Stress vorzubeugen, kann die betroffene Person lernen, die Wahrnehmung bewusst und achtsam zu lenken sowie positive, liebevolle Selbstgespräche zu führen. Dazu braucht sie Konzentration, Aufmerksamkeit und Intellekt, die laut TCM auf einem gesunden Erde-Element beruhen. Diese Fähigkeiten kann sie außerdem nutzen, um Strategien zu finden, einen Burnout zu vermeiden: Hilfreich ist es etwa, Probleme rechtzeitig zu lösen, Pufferzeiten einzuplanen, realistische Zeitpläne aufzustellen, »Zeitfresser« zu identifizieren und zu reduzieren. Auch Fantasie und Kreativität können wieder sprühen, wenn der Intellekt durch das Erde-Element gestärkt wird.
- In der Mitte und geerdet sein
Wie die Erde für uns Menschen gefühlsmäßig für die Mitte steht, kann ein gesundes Erde- Element dabei helfen, die eigene Mitte zu finden. So gestärkt können Menschen, deren Erde-Element im Gleichgewicht ist, entspannt mit Herausforderungen umgehen. Oft sind sie ein natürlicher Mittelpunkt, um den sich ihre Lieben scharen. Sie halten Freundschaften und Familien zusammen, sorgen mütterlich und fürsorglich für andere und sich selbst und verfügen über soziale Kompetenzen – ein guter Ausgangspunkt, um Stressoren gelassen zu begegnen.
Ist das Erde-Element in Harmonie, wirkt sich das positiv auf das Wasser-Element aus, wohingegen sich ein Ungleichgewicht im Erde- Element negativ auf das Wasser-Element auswirken kann.

Voller Urvertrauen in die Tiefe gehen

Der Burnout-Prozess kann jederzeit durch Veränderungen der Innen- und Außenwelt der Betroff enen unterbrochen werden.


Die Übung für das Wasser- Element wirkt über den Blasenmeridian auf Jing, Urvertrauen und innere Ruhe.


5. Burnout-Phase: Wasser-Ungleichgewicht
Die fünfte Phase des Burnouts entspricht nach meinen Erfahrungen einem Wasser-Ungleichgewicht. Ein Mensch, der davon betroffen ist, reagiert auf Stress meist mit Aufbietung seiner ganzen Willenskraft und arbeitet bis zur völligen Erschöpfung, ohne sich Erholung zu gönnen. Dadurch verletzt er aus TCM-Sicht sein Jing (Urkraft) und sein Urvertrauen, die mit dem Wasser-Element assoziiert sind. Er zieht sich aus dem sozialen Leben zurück. Sein emotionales und geistiges Leben verflacht. Dadurch ist dieser Mensch gelangweilt, einsam und wird oft zum Eigenbrötler. Häufig leidet er unter Ängsten und körperlichen Beschwerden wie Tinnitus, Hörsturz, Blasenentzündung oder sexuellen Problemen.
Das Wasser-Element im Gleichgewicht als Burnout-Prophylaxe
Wie Wasser immer bis auf den tiefsten Grund fließt, sind auch Menschen, bei denen das Wasser-Element gestärkt ist, auf der Suche nach dem tiefen, innersten Sinn und wollen den Dingen auf den Grund gehen. Sie leben eine sehr innerliche Qualität, die es ihnen erlaubt, voller Urvertrauen den Sinn ihres Lebens und Tuns zu verstehen und zu genießen. Scheint dieser Lebenssinn durch allzu große Anforderungen verschüttet, fühlen sie sich ausgebrannt und ziehen sich zurück. Das Gefühl der Sinnlosigkeit führt zu Gleichgültigkeit, Desinteresse und Langeweile. Die natürliche Tendenz des Wassermenschen, nach innen zu schauen, steigert sich zu Eigenbrötelei und Einsamkeit, was der Phase fünf des Burnout-Modells nach Matthias Burisch entspricht. Wird das Wasser-Element zum Beispiel durch Qigong gestärkt, können sich Urvertrauen sowie geistige und emotionale Tiefe wieder neu bilden.
- Vorbeugen und die Lebensenergie stärken
Mit dem Wasser-Element verbinden sich die menschlichen Grundbedürfnisse und -emotionen wie Angst, Sexualität, Fruchtbarkeit, Überlebenswille und Urvertrauen.
Im Wasser ist das Leben entstanden, Wasser nährt und erhält Pflanzen, Tiere und Menschen. Es ist der Ursprung allen Seins. In der TCM werden dem Wasser Nieren, Knochen und Mark zugeordnet. Die Nieren gelten als Wurzel des Lebens und Speicherplatz unserer Substanz, der Urkraft (Jing). Auch in unserer Sprache finden sich dafür viele Bilder: Wenn uns »etwas an die Nieren geht«, wird damit beschrieben, dass uns etwas im »tiefsten Inneren erschüttert«, unsere Substanz angreift, uns »bis in die Knochen« oder auch »durch Mark und Bein geht« und »bis ins Mark erschüttert«. Mit all dem sind tief greifende Erlebnisse gemeint, die zu einem Burnout führen können.
Wenn die Nierenenergie angegriffen ist (etwa durch Überlastung, Schock oder Phobien), braucht es mehr als ein Wellness-Wochenende, um wieder zu Kräften zu kommen. Die Disharmonien sind einschneidend und kräftezehrend. Darum ist es laut TCM wichtig, die Lebensenergie rechtzeitig zu schützen, um einem Burnout vorzubeugen. Qigong und ein harmonischer Wechsel von Aktivität und Ruhe sind wirkungsvolle Werkzeuge dafür.

- Meditieren, um Qi und Jing zu nähren

Meditation und Entspannung empfiehlt die Burnout-Expertin Dr. Ingeborg Hedderich als langfristige Strategien, um die Symptome des Burnouts zu lindern. Als wichtiger Bestandteil des Qigong pflegt die Meditation das Wasser- Element und damit die Lebensenergie und die Urkraft.

Ein harmonisches Wasser-Element beeinflusst über den Kontrollzyklus das Feuer-Element positiv, während sich ein Ungleichgewicht im Wasser-Element negativ auf das Feuer-Element auswirken kann.

Literatur

Matthias Burisch: »Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung«, Springer 2010

Chen Jumin: »Der Weg zur Gesundheit. Medizinisches Qigong«, Resident 2008

Achim Eckert: »Das Tao der Akupressur und Akupunktur. Die Psychosomatik der Punkte«, Haug 2010

Ingeborg Hedderich: »Burnout. Ursachen, Formen, Auswege«, C. H. Beck 2009

Alexandra Tschom/Chen Jumin/Wolfgang Seiringer: »Therapeutisches Qi Gong. Die Kunst der Arbeit mit Qi – Qi Gong als therapeutische Begleitung «, Bacopa 2008

Mit der Übung für das Feuer werden Lebensfreude und Begeisterung entfacht und das Herz geöff net.


6. Burnout-Phase: Feuer-Ungleichgewicht
Bei der sechsten Phase des Burnouts konnte ich Symptome beobachten, die laut TCM während eines Feuer-Ungleichgewichts auftreten. Betroffene reagieren auf Stress einerseits oft mit manischem, »hysterischem« Verhalten: In der TCM spricht man auch von »übermäßiger Freude«. Ein Feuer-Ungleichgewicht kann sich andererseits auch in einer Depression und dem Verlust der Lebensfreude zeigen. Bei einer Feuer-Disbalance äußern sich die Stressreaktionen auch auf verbaler Ebene. Je nach Veranlagung zeigen sich zwei Extreme: ständiges Reden oder übermäßige Schweigsamkeit, beides Zeichen einer Disharmonie im Feuer- Element. Begleitet sind diese Symptome oft von psychosomatischen Beschwerden wie Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, rotem Gesicht, Schlaflosigkeit, Albträumen und Unruhe. Diese Probleme werden auch von Matthias Burisch in der sechsten Burnout-Phase beschrieben.
Das Feuer-Element im Gleichgewicht als Burnout-Prophylaxe
Feuer verbreitet Wärme, Glanz, Licht und gilt vielen als Symbol für Liebe, Begeisterung und Freude. In der TCM wird das Brennen für Leidenschaften, für Leben und Lachen mit dem Feuer-Element assoziiert. Die Warmherzigkeit und Freude des Feuer-Elements bieten einen guten Schutz vor Burnout. Allerdings wird rein sprachlich gerade das »Brennen« mit Burnout verbunden, was sich beispielsweise in der Aussage findet, man müsse zuerst für etwas gebrannt haben, um ausgebrannt zu sein. Auch die TCM kennt ein Übermaß an Freude und Begeisterung und nennt dies ein Ungleichgewicht des Feuer-Elements. Wird die Balance durch Qigong, eine Veränderung beziehungsweise Regulierung der Ernährung, durch Akupressur oder andere Maßnahmen wiederhergestellt, schenkt das Feuer-Element wieder herzerwärmendes Lachen und Lebensfreude und kann somit Burnout lindern oder vorbeugen.
Die Zeit des Feuer-Elements ist der TCM zufolge der Sommer, die Jahreszeit des Lichts und der Wärme, die viele Menschen als eine Zeit der Freude, Zufriedenheit und Vollkommenheit empfinden. Ganz ähnlich lässt sich die Wirkung eines Lagerfeuers beschreiben: Das behagliche, manchmal meditative, manchmal belebende Gefühl, das entsteht, wenn man in die Flammen schaut, die Wärme auf der Haut spürt und dem Knistern lauscht, vermittelt Glück und Zufriedenheit des Herzens. Genauso wirkt ein gesundes Feuer-Element auf die Psyche und ist damit eine wirkungsvolle Stütze gegen Stress und Burnout.
- Das Bewusstsein (Shen) pflegen
In der TCM gilt das dem Feuer-Element zugeordnete Herz als Heimat von Shen, was als Bewusstsein, Charisma oder Geist übersetzt werden kann. Shen zeigt sich im Glanz der Augen und der gesamten Ausstrahlung eines Menschen. Die TCM beschreibt es so: Ist Shen»gut im Herzen verwurzelt« , zeigt sich das in tiefer Ruhe und gutem Schlaf. Ist Shen aber aus der Balance geraten, kommt es zu Schlafstörungen, Albträumen und Unruhe. Aus TCM-Sicht wäre eine Harmonisierung des Feuer-Elements hilfreich, um wieder Ruhe und Zentrierung zu finden und einem Burnout entgegenzuwirken.

- Aus dem Herzen miteinander kommunizieren
Das Feuer brennt, knistert und knackt, als würde es mit uns reden und Geschichten erzählen. Laut TCM sorgt ein gesundes Feuer- Element für gute Kommunikation und die Fähigkeit, sich achtsam, klar und deutlich auszudrücken. Eine funktionierende Kommunikation wiederum kann ein wirkungsvoller Puffer gegen Stress und Burnout sein.
Ein gesundes Feuer-Element wirkt sich positiv auf die übrigen Elemente und den Yin/ Yang-Haushalt aus. Hingegen kann eine Disbalance im Feuer-Element einen negativen Einfluss auf die anderen Elemente und die Harmonie von Yin und Yang ausüben.

Das Yang pflegen und das Selbstvertrauen stärken

Mit der letzten Übung wird das Yang gestärkt.


Eine Beschreibung der von Angela Cooper entwickelten Übungsreihe ist auf ihrer Website zu finden: www.qigong-akademie.at/burnout-qigong/

Angela Cooper, MBA für Gesundheits- und Sozialmanagement, leitet die Qigong Akademie Cooper in Wien und unterrichtet seit 1995 verschiedene Bewegungskünste in verschiedenen Institutionen und Firmen. Sie ist zertifizierte IQTÖ-Qigong- Ausbilderin, Dipl.-Tanzpädagogin, Dipl.-Entspannungstrainerin, Dipl.- TCM-Energetikerin, Dipl.-Kinesiologie- Stressberaterin und diplomierte Psychologische Beraterin. www.qi.at


7. Burnout-Phase: Yang-Schwäche
In der letzten Phase des Burnouts konnte ich einen deutlichen Yang-Mangel feststellen. Fehlt die aktive Kraft des Yang, um Stress wirkungsvoll zu bewältigen, kann das zu einer negativen Einstellung zum Leben, zu Hoffnungslosigkeit, dem Gefühl der Sinnlosigkeit und einer existenziellen Verzweiflung führen, wie sie auch Matthias Burisch in seiner siebten Phase beschreibt. Ein gelassener Umgang mit Stress und eine positive Einstellung zum Leben sind ohne die lebensbejahende Kraft des Yang kaum möglich. Sogar Selbstmordgedanken können auftreten, wenn die aktivierende, freudvolle Qualität des kräftigenden, gesunden Yang schwindet.
Harmonisches Yang als Burnout-Prophylaxe
Die aktive, kraftspendende Energie, die mit dem Yang in Verbindung gebracht wird, kann helfen, mit Stress angemessen umzugehen, sich durchzusetzen, für sich selbst und andere einzustehen und auch, sich seine Freiräume zu »erkämpfen«, wenn das notwendig ist. Selbstvertrauen, Begeisterung, Liebe und Dankbarkeit können sich aus einem gesunden Yang entwickeln.
Verbindet sich durch Qigong oder andere Methoden der TCM die kraftvolle, energiegeladene Qualität des Yang harmonisch mit der sanften, gelassenen des Yin, kann ein Burnout idealerweise verhindert oder zumindest gelindert werden.

Qigong und TCM als Burnout-Prophylaxe

Auch im Umgang mit Burnout kann eine Yinund eine Yang-Sichtweise eingenommen werden:
Yang: Änderung im Außen (zum Beispiel Arbeitsplatz)
Eine Harmonie von Yin und Yang, von Ruhe und Herausforderung auch am Arbeitsplatz vorzufinden, wäre eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich Burnout als Volkskrankheit nicht weiter ausbreiten kann.Yin: Änderung im Innen (zum Beispiel innerer Zustand)
Die Schätze der TCM können eine wertvolle Unterstützung sein, um auch in herausfordernden Situationen innerlich gelassen zu bleiben und damit sich und anderen gegenüber achtsam zu sein. Die Verbindung von Bewegung, Atem und Vorstellung im Qigong kann helfen, genussvoll zu entspannen und frische Lebenskraft zu tanken. Gesund und voller Lebensenergie gelingt es leichter, kraftvoll und selbstbestimmt zu handeln und damit einem Burnout entgegenzuwirken. Ich freue mich über Anregungen, Rückmeldungen oder Fragen.


Fotos: Remo Sacherer