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AUFRECHTES OLED-VERGNÜGEN


video - epaper ⋅ Ausgabe 7/2018 vom 01.06.2018

Mit dem A1 brachte Sony letztes Jahr innovative Ideen im neuartigen Design ins OLED-Spiel. Jetzt gibt es mit dem AF8 eine etwas konservativere Variante, die deutlich preiswerter sogar bessere Leistungen bieten soll. Das mussten wir uns einmal näher anschauen.


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Bildquelle: video, Ausgabe 7/2018

Bei OLED-Geräten zeigt sich ganz besonders gut, dass Fernseher sich nicht allein durch das verwendete Panel definieren. Hier gibt es nämlich weltweit nur einen einzigen Anbieter, und trotzdem unterscheidet sich die Bildqualität oft enorm. Das liegt nur bedingt daran, dass TV-Hersteller „Auslaufmodelle“ also Restbestände älterer Displays einkaufen, ...

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... sondern vor allem an der Elektronik zur Videoverarbeitung und sogar dem verwendeten Netzteil. Über die Bildleistungen hinaus sind es dann natürlich noch das gesamte Ausstattungskonzept, Anschlussoptionen, smarte Features, Betriebssystem, Bedienbarkeit und viele weitere Details – vom Design bis hin zur Soundqualität – die die Individualität eines Topgerätes ausmachen. Und Sony als traditioneller TV-Gigant mit einem Nimbus der Profiqualität will in keiner Disziplin etwas anbrennen lassen. Das gelingt allerdings nur bedingt.

Schon beim Auspacken wird der „normalere“ Charakter des AF8 im Vergleich zum A1 deutlich. Er wird wie üblich auf einen Standfuß gestellt und nicht per fragilen Klappmechanismus zum edel gläsernen Designobjekt. Der AF8 steht jetzt schnurgerade aufrecht und konzentriert sich dabei doch stark auf die eigentliche Bildfläche. Der wirklich schmale Fuß hebt das dezent umrahmte Panel nicht einmal einen Zentimeter vom Lowboard ab. Diese Bildwiedergabe in Reinstkultur ist wieder nur möglich, indem auch der AF8 das Acoustic Surface besitzt. Ein klassischer dynamischer Schallwandler ist einzig sein Basswoofer, der hinten ins Gehäuse integriert wurde. Mittelhochtöne in Stereo erzeugt die Fläche des OLED-Panels selbst, angetrieben durch Exciter. Das spart Platz, sorgt für eine gewisse Direktionalität und klingt gar nicht so übel.

Die Hauptinnovation des A1 hat der Neue also übernommen, allein der Designfaktor ist Nebensache. Dabei hat Sony allerdings wieder den entscheidenden Aspekt berücksichtigt, dass alle Kabel hinter Abdeckungen verschwinden und dezent aus dem Fuß geführt werden können.

Sonys englisch beschriftete Fernbedienung besitzt ein Mikrofon zur Sprachsuche. Bald befehligt sie den Google Assistant.


Sony fasst das kontrastreiche OLED-Display elegant in Metall ein. So wirkt der AF8 nicht mehr so rahmenlos wie sein Design-Vorgänger A1.


OLED-Technologie

Organische Licht Emittierende Dioden sind der neueste Schrei der Bildschirmtechnik. Im Gegensatz zu LCD leuchten die eigentlichen Pixel aktiv und werden völlig schwarz, wenn sie es sollen. Weiterhin sind Blickwinkel und Ansteuerzeit exzellent. Alle aktuellen Panels kommen vom selben Hersteller, der auf RGBW-Technik setzt. Um mehr Brillanz zu erzielen, werden die Grundfarben um einen Weißbooster ergänzt. So sind maximal bunte Partien nie maximal hell. Das fällt jedoch nicht auf, weil die Displays nur mit eingeschränkter Helligkeit agieren. Mehr Leuchtkraft würde die Gefahr des Einbrennens steigern. Hier wird jedes Jahr besser entgegengewirkt und neue elektronische Tricks mindern Nachleuchten und Verschleiß. Aktuelle OLEDs basieren auf mehrschichtigen Panels, die erst weißes Licht aus Blau und Gelb erzeugen, und dann wieder klassische Farbfilter nutzen. Das frisst viel Energie. Obwohl das alles theoretisch nicht perfekt ist kommt ein Kontrasteindruck heraus, der die Fähigkeit des Auges weit überschreitet.

Schaut man sich die restliche Ausstattung an, erkennt man kaum eine Veränderung. Alle vier HDMI-Buchsen bieten HDCP 2.2, Nummer zwei und drei die volle HDR-Bandbreite. Optischer Digitaltonausgang, dreimal USB und eine Kopfhörerbuchse dürfen nicht fehlen, ein AV-Klinkeneingang und IR-Blaster sind nette Boni. Lineare TV-Signale werden von allen vier Sendewegen eingefangen, die digitalen Varianten über einen zweiten Empfänger für eine optionale externe Festplatte vorgehalten. Hier kann man Sendungen bequem aufnehmen. Warum man das aktuelle Programm nicht pausieren kann (Timeshift), bleibt wie üblich Sonys Geheimnis.

Android

Der größte Schritt der letzten Jahre in Sonys TV-Entwicklungsgeschichte war das Bekenntnis zu Googles Betriebssystem Android-TV. Damit sollten die Pforten zu unendlichen Weiten smarter Apps und intelligenter Zusatzleistungen aufgestoßen werden, doch musste das gesamte klassische TV-Handling neu geschrieben werden. Das trat anfangs bei Sony allzu sehr ins Nachtreffen, doch mittlerweile sind TV-Einrichtung und -Konsum wieder zügiger und logischer zu erreichen – genauso wie AV-Zuspieler. Die werden jetzt vortrefflich ergänzt durch die Bildschirmspiegelung von Miracast, Chromecast, DLNA-Streaming, MHL und Bluetooth 4.1. Der Zugang zum Hausnetz wird neben LAN durch WLAN ac gewährleistet, gut wenn man die höheren Datenraten von Netflix oder Amazon in UHD-HDR nutzen möchte. Für den kommenden großen Schritt, nämlich die Einbindung des Internets der Dinge, zeigt sich Sony gewappnet. Ein Update wird die jetzige Spracherkennung zum Google Assistant aufwerten, der dann die assimilierten smarten Geräte im Griff haben soll.

Wo wir gerade bei Updates sind. Der Begriff „Dolby Vision“ schwebt immer noch wie ein Damoklesschwert über Sonys Topgeräten. Momentan konnten wir dem AF8 noch keine hyperdynamische Funktionalität entlocken – weder über VoD, noch USB oder HDMI (Oppo, LG-Player). Auch hier soll ein Update kommen, das Smart-TV-Apps kompatibel zum Format macht und über HDMI einen speziellen („Low Latency“-) Modus zur Verfügung stellt. Besitzt ein Zuspieler diesen Modus, soll Dolby Vision klappen.

Sony kämpft also entwicklungstechnisch an vielen Fronten, um die unglaublich mannigfaltigen Optionen und Herausforderungen der Google-welt zu offenbaren, gleichzeitig klassische TV-Attribute wie Sendersortierung, Aufnahmefunktionen und Programmführer zu verbessern, neue Signalquellen wie Dolby Vision einzuführen und dann noch allem eine atemberaubende Erlebnisqualität mit auf den Weg geben zu können. Die leidet allerdings an einem anderen Punkt. Bei Google ist es eine selbstverständlichkeit, die Komplexität des Android-Systems jedes Jahr deutlich zu erhöhen, sodass man Hardware mindestens alle drei Jahre tauscht, weil alles zu langsam wird. Der Akku eines Handys macht eh selten so lange mit. Bei Android-TV sollte das eigenlich anders sein, doch wir bekommen den Eindruck, dass die Geräte, die auf Quadcore-CPUs unter 2 GHz setzen, sich immer mehr verlangsamen. Auch beim 55AF8.

Vom Look her unterscheidet sich Android-TV 7 kaum von 6. Der Systemsetup findet aber übersichtlich und dezent am Bildrand statt.


Sonys Programmführer greift auf Daten von Gracenote zurück und bietet mehr (tiefere) Infos und Suchfunktionen als andere TVs.


Wieder exzellent gelöst ist Sonys Kabelführung. Alle Anschlüsse und deren Ableitung werden gedeckelt, die Kabel dezent hinten aus dem Fuß geführt.


Alles soll gut aussehen

Damit alle Bildquellen in allen Ausprägungen eine optimale Bildqualität liefern, setzt Sony seit geraumer Zeit auf eigene Bildchips und hat dort viel Pionierarbeit geleistet. Vor vielen Jahren begannen sie schon damit, Bildbereiche in Objekte zu unterteilen, die je nach potenziellen Problemen anders bearbeitet werden. Flächen werden so effizienter entrauscht, Details behalten ihre Feinheiten, und dort, wo das Auge keinen Kontrast mehr differenzieren kann, wird die Helligkeitsverteilung angepasst. Diese Algorithmen lernten mit Datenbanken, machten also genau das, was LG und Samsung kürzlich als Bildverbesserung mittels Deep Learning, also künstlicher Intelligenz demonstrierten. Sonys intellektueller Vorsprung diesbezüglich schwindet langsam, da der hier eingesetzte X1-Extreme-Chip nun auch schon zwei Jahre lang nicht gepflegt wurde, doch er leistet immer noch Immenses. Dabei liegt seine neueste Herausforderung nun darin, auch gute alte SDR-Inhalte möglichst dynamisch und farbenfroh für die HDR-Ära aufzubereiten. Das gelingt bei Blu-ray-Quellen zugegebenermaßen sehr gut, obwohl wir eher für eine natürliche Wiedergabe laut Bildnormen zu haben sind. Aber wenn man erst einmal richtig HDR genossen hat, will man einfach mehr Brillantes und Buntes aus allen Quellen. Zuviel des Guten wird im AF8 wie üblich im Tunermodus hinzugedichtet. In der Werkseinstellung wirkt das Bild zu hart, aufdringlich, unnatürlich und unruhig. Details werden überzogen und damit als Artefakte erkannt, die zu glätten sind. Im Anwendermodus ohne Reality Creation und Nachschärfen wirken TV-Sendungen dann zu flau. Den perfekten Mittelweg findet, wer mit den sehr vielen Einstellungen lange herumspielt. Jeder Bildgeschmack findet dann seine Richtung.

Wir sind umso mehr davon angetan, wie normgerecht der Sony aufspielt, wenn man nichts beschönigen muss. Filmdiscs oder ordentlich gestreamte Inhalte bieten Farben und Kontraste im wahren Studiolook. Unsere Messungen zeigen eine makellose Performance mit nur minimal kalibrierten Setups, die durchaus einer Serienstreuung entsprechen – bei HD-Material genauso wie bei Ultra-HDHD-R mit erweitertem Farbraum. Sony überzeugt nicht nur durch eine möglichst korrekte Darstellung aller Farbnuancen, sondern glättet auch Bandings dort, wo Quellen sie entstehen lassen, ohne negative Effekte zu generieren. Selbst HDR-Inhalte sind nicht immer gegen so etwas gefeit. Sony strebt auch in HDR eine professionelle Umsetzung der Intensitätskurven an, sodass es kaum der Optimierung bedarf. Mit 625 Nits in optimierten Farben ist der Sony etwas dunkler als andere, sollte also früher clippen. Wir haben keine wirklich nachteiligen Effekte bemerkt. Für den Notfall gibt es wieder beliebige Optimierungsstufen. Teils bekommen dann jedoch Elemente Durchzeichnung, die lieber im Dunklen oder kaum wahrnehmbar bleiben sollten – wenn vielleicht Regisseur und Kolorist das so haben wollten.

Das eigentliche OLED-Panel ist nur 5,8 Millimneter dünn. Elektronik, Woofervolumen, Sound-Exciter und Abdeckungen messen etwa das Zehnfache.


Neues Panel

Das Panel des 55AF8 ist identisch mit dem LG C8 aus unserer letzten Ausgabe. Hier greift Sony also auf die neueste Fertigungslinie zurück.

Optimale Einstellungen

Bildmodus: Anwender
Helligkeit: Max
Kontrast: 98
Schwarzwert: 51
Schärfe: 50
Farbe: 50
Farbtemperatur: Experte
RGB-Gain: 0,-5,-3
RGB-Bias: 0,0,4
Gamma: -2

Empfohlener Sehabstand

TV: 3,3 m /DVD: 2,9 m
HD: 2,0 m /UHD: 1,1 m

• = ja // – = nein
*Abkürzungen für
Smart-TV-Dienste:
A=Amazon, Ap=Ampya,
D=Deezer, G=Google,
M=Maxdome,
Mg=Magine, N=Netflix,
S=Sky, Sv=Save.TV,
So=Sony E.N.,
Sp=Spotify,
Vc=Videociety,
Vl=Videoload,
Wu=Wuaki, Y=Youtube,
Z=Zattoo

Bildmessung HDTV

Mit einem Delta E (Abweichung von der Norm) von 1 liegt die Farbwiedergabe des Sony bei Blu-ray-Wiedergabe auf echtem Studioniveau. Graubalance und Gammakurve könnten kaum besser getroffen werden.

Bildmessung HDR

Auch hier entspricht Grau in allen Helligkeiten dem Weißpunkt D65 und die EOTF (Gammakurve) ist vom Ziel nicht zu unterscheiden. Dazu gelingt die Anpassung der HDR-Farben auf das Panel bestens. Brillanz und Farbdeckung wie im Vorjahr.

Nicht sehr verspielt

Ein Seiteneffekt einer so potenten und komplexen Bildverarbeitung ist natürlich, dass sie eine gewisse Zeit benötigt. Rauschfilter vergleichen mehrere Bilder miteinander, die Bewegungskompensation berechnet ballistische Flugbahnen direkt aus ganz vielen. Das muss vor der Darstellung passieren und somit verzögert sich die Ausgabe. Für einen Gamer kann dies zum entscheidenden Nachteil werden, wenn sein Avatar im Rechner bereits tot ist, während man seinen Gegner auf dem Sony-TV erst ausholen sieht. Das kann überspitzt gesagt aber passieren, denn wir haben im Kinomodus seine Latenz mit ungünstigen 101 ms gemessen (1080p60). Da hilft auch kein Abschalten der Bewegungskompensation. Im Spielemodus halbiert sich der Wert hingegen und ist gerade noch hinzunehmen. Es empfiehlt sich das Gaming in nativem 4K, damit der Sony nicht mehr skalieren muss – oder in Full-HD bei 120Hz, da muss er es schneller tun.

Das Klangkonzept des AF8 verdient wieder besondere Aufmerksamkeit, denn es setzt wieder auf unsichtbare Lautsprecher. An zwei Stellen, also in Stereo, wird das OLED-Panel als Membran verwendet und in leichte Schwingungen versetzt. Jeweils zwei Anreger sitzen dahinter, die natürlich nur mittlere bis hohe Frequenzen bieten, weil diese wenig Hub benötigen. Ergänzt durch zwei kleine Tiefmitteltöner wird damit ein erstaunlich angenehmer Klang erzeugt, der auch gar nicht so leise ist, wie man denken sollte. Gerade Stimmen und Ambiente klingen natürlich, Musik könnte spritziger und dynamischer rüberkommen. Vergleicht man die Performance mit den meisten Downfiring-TVs kommt der Sony allerdings sehr gut weg. Zu guter Letzt darf man sagen, dass der Sony für seinen Preis viel Entertainment in bester Qualität liefert. Mit 55 Zoll ist er nur etwas klein für maximalen Ultra-HD-Genuss. Wer das genauso sieht, kann gerne auf den KD-65AF8 ausweichen, der 1000 Euro mehr kostet.

Fazit

Sony glänzt im 55AF8 mit einer exzellenten Farbwiedergabe und einem überaus natürlichen, schön scharfen Bild. Das Android-Betriebssystem verschafft ihm unglaublich viele smarte Optionen, erschwert aber das klassische TV-Handling. Sein einzigartiges Flächenstrahler-Soundkonzept macht ihn besonders dezent.