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Aufregung im Schlossturm


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Ratgeber Frau und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 29.04.2022
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Bildquelle: Ratgeber Frau und Familie, Ausgabe 5/2022

Es war ein sonniger Nachmittag, als Sarah Edmund mit ihrer Schwester im Wohnzimmer saß. „Rosa mit etwas Gelb und viel Grün, bitte“, diktierte Doris ihre Wünsche, was die Blumendekoration betraf. Sarah schrieb es in ihre Liste und dachte lächelnd an die kurz bevorstehende Hochzeit ihrer Schwester. Als Hochzeitsplanerin lag Sarah dieses Fest besonders am Herzen. Doris so glücklich zu sehen färbte richtig ab. „Ach, und Lars ist seit einer Woche nun auch wieder im Lande“, erzählte Doris, während sie in ihrer Kaffeetasse rührte. Sarah hob kurz ihren Blick und ärgerte sich über das Lächeln ihrer Schwester. Lars war der Freund und Trauzeuge ihres zukünftigen Schwagers. Als sie noch zur Schule gingen, war Sarah heimlich in ihn verliebt gewesen. Aber das war mehr als zehn Jahre her. Außerdem war Lars in den USA verheiratet. Sie verstand wirklich nicht, weshalb Doris sie in letzter Zeit immer wieder so ...

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... penetrant auf ihn aufmerksam machte. Geschäftig schob sie ihre Unterlagen zusammen und war richtig froh, als ihr Handy klingelte. „Entschuldige bitte kurz“, sagte sie zu Doris, stand auf und trat auf die Terrasse. „Hier Wagner“, meldete sich der Mann am Handy. Erfreut begrüßte Sarah den Verwalter von Schloss Dahlienfels. Dort würde die Hochzeit stattfinden. Doch nachdem sie ihm zugehört hatte, fragte sie fassungslos: „Wie bitte? Das kann nicht Ihr Ernst sein!“ „Es tut mir wirklich außerordentlich leid, Frau Edmund. Aber der neue Besitzer hat alle geplanten Veranstaltungen absagen lassen. Die Bauarbeiten beginnen schon morgen.“ „Aber wie soll ich denn in so kurzer Zeit einen anderen Ort für die Hochzeit finden?“ „Das tut mir wirklich sehr leid“, bedauerte Herr Wagner nochmals. „Aber Sie sind ja tüchtig, das bekommen Sie sicher hin.“ Dann eine kurze Verabschiedung und das Gespräch war beendet.

Dieses Fest lag Sarah besonders am Herzen

Wie vor den Kopf geschlagen stand Sarah da und überlegte, wo sie einen Plan B hernehmen sollte. Es gab keinen. Denn seit sie denken konnte, war es der Traum ihrer Schwester, ihre Hochzeit im Schloss zu feiern. Hinter Sarah wurde die Terrassentür geöffnet. „Alles in Ordnung?“, fragte Doris, erschrak jedoch sofort: „Es ist doch nichts Schlimmes passiert? Du bist ja ganz blass!“ Ich muss mich zusammenreißen, dachte Sarah und brachte es fertig, beruhigend den Kopf zu schütteln. „Nein, alles okay. Ich muss nur eben noch etwas erledigen.“ Doris nickte erleichtert und begleitete sie zur Tür. Als Sarah in ihrem Wagen saß, überkam sie plötzlich die Wut. Nein, das würde sie nicht einfach so hinnehmen. Sie hatte an alles gedacht und nun kam so ein neuer Besitzer und wollte ihrer Schwester die Hochzeit verderben? Nicht mit mir, dachte Sarah entschlossen und startete den Motor.

Schloss Dahlienfels lag etwa eine Stunde Fahrt entfernt. Sarah parkte direkt vor der Schlosstreppe. Der weitläufige Park mit seinen zauberhaften Beeten, ausladenden Bäumen und verschlungenen Wegen lag seitlich des Hauptgebäudes. Niemand war zu sehen. Energisch wandte sie sich dem kleineren Gebäude auf der anderen Seite zu, denn dort wohnte der Verwalter. Sie klingelte mehrmals, aber niemand öffnete. Herr Wagner schien nicht zu Hause zu sein. Seufzend wandte sie sich ab und ging in den Park. Auf einer kleinen Brücke, die über einen Bach führte, blieb sie stehen und starrte ins Wasser. Plötzlich riss Kinderlachen sie aus ihren sorgenvollen Gedanken. Ein Junge und ein Mädchen, beide etwa fünf Jahre alt, kamen aus dem Park auf die Brücke zu. Als Sarah bemerkte, dass jedes der Kinder eine kleine Katze trug, wandte sie sich mit einem Lächeln zu ihnen um. „Hallo“, sagte das Mädchen und hob ihr das Kätzchen entgegen. „Möchtest du sie mal streicheln?“ Sarah nickte, streckte ihre Hand aus und fuhr mit ihren Fingern sachte durch das weiß-graue Fell. „Ganz weich, nicht?“ Das Mädchen sah sie erwartungsvoll an. „Ja, das tut richtig gut nach so einem Tag“, rutschte es Sarah heraus.

Als sie in ihrem Wagen saß überkam sie plötzlich die Wut

Sofort sah das Kind sie aufmerksam an. „Hast du dich heute geärgert?“ Der Junge, der auch stehen geblieben war, meinte: „Du bist immer so neugierig.“ Doch das Mädchen zuckte nur mit den Schultern. „Ich kann doch mal fragen.“ „Möchtest du meine auch mal streicheln?“, fragte der Junge. „Das ist Minza und Ninas Katze heißt Minzi.“ „Das sind aber zwei sehr hübsche Namen“, stellte Sarah fest und streichelte auch die andere Katze. „Sarah? Sarah Edmund?“ Sie hatte den Mann, der auf sie zukam, gar nicht bemerkt. Die beiden Kinder liefen ihm entgegen und riefen: „Papa, schau, wir haben beide wieder eingefangen.“ Der Mann verzog anerkennend sein gut aussehendes Gesicht. „Na, dann nehmt sie mal mit ins Haus.“ Die beiden Kinder winkten Sarah kurz zu und gingen dann zum Schloss. „Das ist ja nett, dass wir uns nach all den Jahren mal wieder sehen“, sagte der Mann und sah Sarah freundlich an. Sie musste überlegen, und beim Blick in diese braunen Augen, fiel es ihr sofort wieder ein. „Lars? Aus Manuels Klasse?“ Er nickte lachend. „Manuel hat mir schon erzählt, dass du die andere Trauzeugin bist.“ Plötzlich wurde Sarah wieder ernst. „Oh, ja. Die Hochzeit!“ Er sah sie fragend an. „Da stimmt etwas nicht, oder? Du siehst nicht gerade glücklich aus.“ Sarah deutete auf das Haus des Verwalters. „Deswegen bin ich eigentlich hier. Die standesamtliche Hochzeit sollte im Schloss stattfinden. Danach geht es zur kirchlichen Trauung, und feiern wollten wir dann wieder hier.“

Er kniff die Augen zusammen und sah sie einen Moment an. „Lass mich raten. Herr Wagner hat dich angerufen und den Termin für die Hochzeit abgesagt, weil es einen neuen Investor gibt.“ Sarah ließ den Kopf sinken. „Genauso war es. Als Hochzeitsplanerin habe ich zwar gute Beziehungen, aber so schnell bekommt man keinen Ersatz für so viele Gäste. Auch ich kann da nichts machen.“ „Das tut mir leid.“ „Sag das nicht!“ Sarah bemerkte selbst, wie gereizt sie klang. „Entschuldige, aber genauso hat mich Herr Wagner vorhin auch abserviert.“

Lars schmunzelte nur und ging ein paar Schritte weiter. „Du warst schon in der Schule immer so eine kleine Kratzbürste.“ Sie schluckte und folgte ihm. Daran erinnerte er sich? Und sie hatte gedacht, er hätte sie gar nicht bemerkt. Na ja, ein Kompliment hatte er ihr gerade nicht gemacht. War auch egal, dachte sie. Schließlich war er verheiratet und hatte zwei Kinder.

„Wenn ich nur wüsste, an wen ich mich wegen der Hochzeit wenden kann!“, überlegte sie laut. Sie hatte sein Lachen schon in der Schule gemocht. Aber jetzt wusste sie nicht, was er so lustig fand. Irritiert sah sie ihn an. „Es tut mir wirklich leid“, sagte er und bemühte sich, wieder ernst zu werden. „Ich habe Herrn Wagner gebeten, alle Veranstaltungen abzusagen. Dabei hatte ich keine Ahnung, dass ich dadurch die Hochzeitsgesellschaft meines besten Freundes – und mich gleich dazu – auslade.“ „Du?“

„Ja, ich habe die vergangenen Jahre verschiedene Hotels in Amerika geleitet und mir nun einen Traum erfüllt.“ Er sah an der Fassade des Schlosses empor. „Es wird ein Hotel. Morgen fangen die Bauarbeiten an.“ Sarah wurde ganz flau im Magen. „Dann muss ich mir ganz schnell etwas überlegen“, sagte sie matt und wollte sich abwenden. „Nein, Sarah, pass auf.“ Er kam auf sie zu und berührte kurz ihren Arm. Plötzlich wurde ihr bewusst, wie nah er bei ihr stand. Was hatte sie nur? Ihre Wangen schienen zu glühen und ihr Herz stolperte ein paar Schläge.

„Im Turm gibt es ein sehr schönes Zimmer. Wäre das nicht ein Ersatz für den Raum unten im Schloss?“ Einen Moment sah Sarah ihn unentschlossen an. „Leider habe ich gleich noch einen wichtigen Geschäftstermin. Aber wenn du Interesse hast, zeige ich dir den Schlossturm gleich morgen früh. Dann kannst du deine Entscheidung treffen.“ Aufmerksam musterte er sie. Sarah sah schnell weg. „Also gut, sagen wir um acht Uhr?“, fragte sie leichthin. „Gut um acht Uhr morgen früh, wieder hier. Bis dann, Sarah.“ Er hob kurz die Hand zum Abschied. Während Sarah ins Auto stieg, beobachtete sie, wie sich die Tür zum Schloss öffnete und Nina und ihr Bruder ihren Vater freudig in Empfang nahmen. Hoffentlich war dieses Zimmer im Schlossturm geeignet, überlegte Sarah auf dem Weg nach Hause. Das war das Einzige, das wichtig war. Aber sie freute sich auch auf ein Wiedersehen mit Lars und seinen Kindern. Ja, und bestimmt war seine Frau auch sehr nett.

Sarah war schon in der Schule eine kleine Kratzbürste

Am nächsten Morgen bog Sarah in Begleitung von Lars um den Schlossturm und blieb unvermittelt stehen. „Hier war ich ja noch nie“, sagte sie staunend. Vor ihnen lag ein hübscher Garten. Auf dieser Seite von Schloss Dahlienfels gab es Arkaden, unter denen Klapptische und Stühle standen. „Ich dachte, wir könnten hier draußen feiern und falls es regnen sollte, passen sicher alle Gäste unter die Überdachung.“ Fragend sah sie Lars an. „Das wäre perfekt. Aber wo wird getanzt?“ Lars deutete auf eine breite Glastür unter den Arkaden. „In den Bauplänen, die ich bekommen habe, wird dieser Raum ‚kleiner Ballsaal‘ genannt.“ Er winkte ihr, ihm zu folgen. „Komm, schau ihn dir an.“ Er hielt Sarah die Tür auf. Dem Saal würde sicher ein neuer Anstrich guttun. Aber der Marmorboden hatte ein wunderschönes Muster und von der Größe her war der Raum passend. „Das sieht hervorragend aus“, meinte sie und lächelte Lars an. Einen Moment verhakten sich ihre Blicke ineinander, bis Lars mit einem Räuspern nach draußen deutete. Sarah war sich aber sicher, dass er rot geworden war. „Hier auf dem Rasen könnte ich eine hölzerne Terrasse aufbauen lassen. Damit bei schönem Wetter auch draußen getanzt werden kann.“ Sarah fühlte sich erleichtert. „Das klingt auch perfekt. Jetzt muss nur noch dieses Turmzimmer geeignet sein. Dann bin ich wunschlos glücklich.“

Lars öffnete die Tür, die sich knarzend in den Angeln bewegte. „Fast wie bei Dornröschen“, sagte Sarah lachend und deutete auf die dichte Rosenhecke, die um den Turm lief. „Ja, das denke ich auch immer wieder“, antwortete Lars. „Diese Tür wird selten benutzt, weil wir den Turm von unserem Wohnbereich auch erreichen. Die Kinder spielen oft hier.“ Sarah folgte ihm die Wendeltreppe hinauf. Oben stand die Tür offen zu einem hellen Raum mit hübscher Tapete. Auf einem Kissen lag eine kleine Katze in der Sonne. Sarah überlegte, ob das nun Minzi oder Minza war. Von ihrem plötzlichen Auftauchen gestört, sprang das Tier an ihnen vorbei die Treppe hinunter.

„Entschuldige, die beiden findet man im ganzen Schloss und auch noch draußen im Park.“ Doch Sarah hörte gar nicht recht zu. Sie drehte sich einmal um sich selbst und sagte dann begeistert: „Das ist wunderbar! Viel schöner als das ursprünglich geplante Zimmer.“ „Papa?“, hörten sie eine Kinderstimme von unten rufen. „Seid ihr bald fertig?“ Sarah sah zu Lars, der mit einem Mal verlegen wirkte.

„Ja, also, das freut mich, wenn wir eine Lösung gefunden haben. Was ich dich noch fragen wollte … Also, ich dachte … weil …“ „Wir wollten dich zum Frühstück einladen“, sagte Nina, die plötzlich in der Tür stand. Überrascht sah Sarah zu Lars, der nickte. „Weil der Termin heute Morgen so früh war. Ich war schon beim Bäcker, alles ist vorbereitet. Wenn du möchtest.“ „Das ist eine wirklich gute Idee. Ich komme sehr gern“, sagte sie und ignorierte ihr erneutes Herzklopfen.

Lars wohnte mit seiner Familie in einer großen Wohnung im ersten Stock des Hauptgebäudes. Nachdem Sarah in die Küche geführt wurde, fiel ihr Blick auf die vier Gedecke und den üppig gedeckten Tisch. Auf einem Küchenstuhl unter dem Fenster lagen die beiden Kätzchen auf einem Kissen und schliefen. Nina und ihr Bruder saßen bereits am Tisch. Mit strahlendem Gesicht klopfte Nina auf den Stuhl neben sich und winkte Sarah herüber.

Vier Gedecke – war das nicht eines zu wenig?

„Leider weiß ich noch gar nicht, wie du heißt“, meinte Sarah, während sie zu Nina ging und an ihrem Bruder vorbeikam. „Kai, ich bin Kai“, sagte er freundlich. Die nächste Frage lag Sarah irgendwie im Magen, aber sie musste sie stellen. Sie war immer für klare Verhältnisse. „Fehlt nicht ein Gedeck für eure Mutter?“ Einen Augenblick starrte Lars sie an und verharrte in der Bewegung. Nina kicherte. „Die hätte aber einen langen Anfahrtsweg.“ Auch Kai lachte. „Du meinst wohl Flugweg.“ Sarah versuchte den Kloß, den sie plötzlich im Hals fühlte, herunterzuschlucken. Traurig reimte sie sich die Situation zusammen: Während Lars΄ Frau noch in Amerika geblieben war, lud er sie zum Frühstück ein. Aber was hatte sie eigentlich? Da war nicht wirklich etwas dabei. Ein Räuspern riss sie aus ihren Gedanken. „Amanda und ich sind schon seit drei Jahren geschieden“, hörte sie Lars sagen. „Oh“, brachte sie heraus. „Ja, Mama wollte nicht mehr bei uns wohnen und mit uns wieder hierher zurück schon gar nicht“, fügte Nina an und biss genüsslich in eine Brezel. Lars schenkte Kaffee ein. „Brauchst du noch Hilfe bei irgendwelchen Vorbereitungen für die Hochzeit?“, wollte er dann wissen. „Nein, wenn du dich um diesen Tanzboden auf dem Rasen kümmerst, komme ich mit allem anderen zurecht, danke.“ „Tanzt ihr beiden denn dann auch mal zusammen?“ „Ach“, sagte Nina zu Kai. „Jetzt bist aber du ganz schön neugierig.“

„Ich kann doch mal fragen“, gab Kai die gleiche Antwort, die er am Tag zuvor von ihr bekommen hatte. „Tja, das könnte durchaus passieren, wenn Sarah möchte.“ Lars lehnte sich mit seinem Kaffeebecher in der Hand zurück und zwinkerte ihr zu. Am Hochzeitstag ging Sarah mit dem weißen Kissen, auf dem die Trauringe von Doris und Manuel lagen, in das Turmzimmer. Die Sonne schien hell und freundlich durch das offene Fenster. Sie legte das Kissen auf das Fensterbrett, rückte die Stühle zurecht und sah sich ein letztes Mal um. Zufrieden ging sie wieder nach unten und warf noch mal einen Blick in den Ballsaal, der nun prächtig geschmückt war. Die Blumenbouquets dufteten sanft. Aber weil das Wetter so zauberhaft war, würde wohl meistens draußen getanzt werden. „Hallo Sarah“, rief Nina und kam auf sie zugerannt. Sarah grüßte die Kleine lächelnd. „Hast du zufällig Minza gesehen? Sie ist leider vorhin ausgebüxt“, fuhr Nina aufgeregt fort. „Nein“, meinte Sarah, aber Nina war schon wieder weitergelaufen.

Mit der Standesbeamtin, dem Hochzeitspaar und Lars als zweiten Trauzeugen betrat Sarah wenig später das Turmzimmer und stutzte. Auf dem Kissen mit den Ringen lag die kleine Katze in der Sonne. „Da werden unsere Ringe angewärmt, Schatz“, raunte Manuel seiner Braut zu. Doris konnte ein Kichern nicht unterdrücken. Doch dann ging alles ganz schnell. Das Kätzchen sprang auf, die beiden Ringe wurden nach oben gewirbelt und fielen durch das offene Fenster. Während die Katze die Treppe nach unten rannte, eilte Sarah entsetzt zum Fenster und sah hinunter. „Ach du Schreck, die finden wir doch nie wieder“, quiekte Doris neben ihr, als sie die dichten Rosen unten sah. Auch Manuel sah bestürzt aus. Sarah blickte zu Lars, der verärgert das Gesicht verzog. Aber als Hochzeitsplanerin hatte Sarah schon die unmöglichsten Situationen erlebt. „Das sind nicht die ersten Ringe, die bei einer Hochzeit abhandenkommen sind“, sagte sie beruhigend. Sie verließ das Turmzimmer und holte Ersatzringe, die sie für so einen Ausnahmefall immer parat hatte. Und tatsächlich wurde es noch eine sehr harmonische standesamtliche Trauung. „Das ist mir echt peinlich, Sarah“, flüsterte ihr Lars später zu, als sie auf die Pferdekutschen warteten, die sie zur Kirche bringen sollten. „Papa, Sarah!“, hörten sie plötzlich Kai rufen, der mit Nina und Herrn Wagner um die Ecke bog. „Wir haben die Ringe gefunden.“ Herr Wagner schmunzelte Sarah an. „Da habe ich mich doch noch nützlich gemacht, nicht?“ „Das kann man wohl sagen!“, rief Sarah erfreut. „Vielen, vielen Dank!“

Sarah blickte zu Lars, der verärgert das Gesicht verzog

Es war schon weit nach Mitternacht, als das kleine Orchester nur noch leise Schmusesongs spielte. Sarah tanzte eng umschlungen mit Lars. Plötzlich war Doris mit Manuel neben ihnen. „Also, wir haben eben davon gesprochen, dass das wohl die schönste Hochzeit war, die jemals gefeiert wurde.“ Doris strahlte vor Glück. „Ja, aber irgendwann in der näheren Zukunft könnten wir uns noch eine weitere schöne Hochzeit vorstellen“, fuhr Manuel fort. Lachend tanzten die beiden wieder weiter. Lars blickte Sarah lang in die Augen. „Ich kann mir das auch gut vorstellen.“ „Als Hochzeitsplanerin kann ich das sowieso.“ Unwillig runzelte Lars die Stirn. „Ich meinte das eben mehr privat … also du und ich …“ Sarah schmiegte ihren Kopf an seine Schulter. „Ich auch … also wir“, flüsterte sie glücklich.