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AUFSTIEGS-CHECK


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 28/2022 vom 13.07.2022

Personal, Probleme, Prognose! Alles zu den Top 10 in Liga 2

Artikelbild für den Artikel "AUFSTIEGS-CHECK" aus der Ausgabe 28/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 28/2022

Trainer Timo Schultz wurde letzte Saison mit St. Pauli Tabellenfünfter

Gegen die Favoritenrolle kann sich der Hamburger SV nicht mehr wehren – also wird sie vom Verein dieses Mal auch angenommen. „Wenn wir über Entwicklung reden, sollte es diese Saison ein Schritt mehr sein“, sagt Sportvorstand Jonas Boldt (40). „Dementsprechend nehmen wir die Herausforderung Aufstieg an. Wir sind alle bereit!“

Eine Kampfansage der Hamburger, die in der Vorsaison in der Relegation an Hertha BSC scheiterten, während die beiden ehemaligen Europapokal-Sieger Schalke und Werder die sofortige Erstliga-Rückkehr feierten. Runter kamen mit Bielefeld und Fürth zwei weniger namhafte Klubs.

Am Freitag startet mit dem Auftaktspiel Kaiserslautern gegen Hannover 96 die neue Zweitliga-Saison. Die Experten sind sich einig: Der Aufstiegskampf wird mindestens genauso spannend wie in der Spielzeit zuvor, als es acht unterschiedliche ...

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... Tabellenführer gab. Gleich zehn Mannschaften zählen zu den Anwärtern.

Heidenheim-Trainer Frank Schmidt (48), der in seine neunte Zweitliga-Saison in Folge geht und mit 15 Jahren im Amt der dienstälteste Trainer ist, erklärt:

„Der HSV ist der absolute Topfavorit. Die beiden Absteiger Bielefeld und Fürth, Hannover, Düsseldorf, Darmstadt und Paderborn sind Mannschaften, die eine gute Rolle spielen können.

Und dann kommen Mannschaften, die innerhalb von ein, zwei Prozentpunkten liegen werden.“

Dazu zählen Nürnberg, St. Pauli – und Heidenheim selbst.

Der HSV hat mit rund 24 Millionen Euro den höchsten Etat aller 18 Vereine. Dazu wurde die Mannschaft weitestgehend zusammengehalten, auch 22-Tore-Stürmer Robert Glatzel (28) verlängerte bis 2025 – obwohl ihn u. a. Schalke in die Bundesliga holen wollte. Neu-Hamburger Laszlo Benes (24/aus Gladbach) ist mit 1,5 Mio Euro zudem der teuerste Zugang der Liga (ohne bisher Geliehene). Wertvollster Abgang ist Ex-Pauli-Angreifer Daniel Kofi-Kyereh (26/nach Freiburg), der rund 4,5 Mio. einbrachte.

Stolpergefahr droht dem HSV im fünften Anlauf nach dem Abstieg 2018 lediglich im eigenen Verein. Denn die Vorstände Boldt und Thomas Wüstefeld (53) sind sich nicht grün, ein angestrebter Stellenabbau von bis zu 25 Prozent sorgt darüber hinaus für Ärger. Gibt es weitere Unruhe, läuft der HSV Gefahr, erneut den Aufstieg zu verspielen.

Auch der neue Bielefeld-Trainer Uli Forte (48/kam von Schweiz-Klub Yverdon) sieht Hamburg vorne: „Favorit Nummer eins ist der HSV. St. Pauli gehört auch weiterhin für mich zu den heißen Kandidaten.

Nürnberg, Heidenheim und Darmstadt haben über längere Zeit schon eine positive Ten-denz, auch sie werden bestimmt ein Wörtchen mitreden im Aufstiegskampf.“

Die Arminia hat mit Masaya Okugawa (26) selbst den wertvollsten Spieler im Kader, nur Hamburgs Verteidiger Mario Vuskovic (20) ist mit fünf Millionen Euro laut transfermarkt. de genauso wertvoll.

Aufgrund des Budgets von 18 Millionen Euro für den Lizenzspieler-Bereich zählt auch Hannover zu den Top-Teams. Neu-Trainer Stefan Leitl (44) hat bewiesen, dass er aufsteigen kann. 2021 führte er Fürth überraschend in die Bundesliga. Er ist übrigens der einzige neue Coach der bisherigen Zweitligisten – 2021 starteten noch neun Zweitligisten mit jeweils neuen Fußball-Lehrern in die Saison.

Großer Hoffnungsträger in Düsseldorf ist ebenfalls ein Trainer: Daniel Thioune (47). Unter seiner Leitung hat die Fortuna vergangene Saison nur die letzte von 13 Partien verloren. Schon Bielefeld vor zwei Jahren und der VfL Bochum (2021) stiegen auf, weil sie den Schwung einer starken Rückrunde des Vorjahres mitnahmen.

Davon profitierte in der vergangenen Spielzeit lange auch der FC St. Pauli, er wurde Wintermeister. Am Ende ging den Kiez-Kickern aber die Luft aus.

Zudem verloren die Hamburger die Leistungsträger Daniel-Kofi Kyereh (Freiburg), Finn Ole Becker (22/Hoffenheim) und Guido Burgstaller (33/Rapid Wien).

Heidenheim-Coach Schmidt prophezeit: „Das wird eine Zweitliga-Saison mit vielen Basisfaktoren. Es wird auf richtig gutes Defensivverhalten und viel Intensität ankommen. Ich glaube, dass Standards eine ganz große Rolle spielen werden und Spiele entschieden werden. Die Mannschaften, die versuchen, es hauptsächlich spielerisch zu lösen, werden am Ende nicht automatisch vorne stehen.“

Ein unberechenbarer Faktor könnte die elfwöchige WM-Pause ab November werden.

Schmidt: „Auch für mich ist es das erste Mal, dass es so eine lange Winterpause geben wird.

Keiner hat Lust, elf Wochen Pause zu machen mit Schmerzen, Grübeln und einem schlechten Bauchgefühl. Da möchte man in den ersten 17 Spielen schon Weichen stellen, um die Pause auch mal genießen zu können und sich gut auf die Rückrunde vorzubereiten.“

Deswegen erwartet Schmidt furiose erste 17Spieltage bis zur WM-Pause.

Er sagt: „Wir brauchen keine Rücksicht auf die Rückrunde nehmen, wir können gleich Vollgas geben.“

Der SPORT BILD-Formvergleich (s. nächste Seiten) zeigt, dass die Topklubs dafür unterschiedlich bereit sind. Der HSV, Bielefeld und auch Paderborn liegen mit 95 Prozent Topform vorne, Düsseldorf und Heidenheim starten bei gerade 40 Prozent mit Problemen in die neue Spielzeit.

Klar ist: Ohne Schalke und Werder hat die Attraktivität der Liga gelitten. Mit den Aufsteigern Magdeburg, Braunschweig und Kaiserslautern kommen immerhin echte Traditionsvereine zurück – und mit ihnen Tausende Fans. Zu den letzten Heimspielen des FCM kamen je über 20 000 Zuschauer, beim FCK sogar je über 45 000!

Nicht umsonst beginnt die 2. Liga auch auf dem Betzenberg ...

Mitarbeit: Michael Ackermann, Sebastian Hochrainer, Nico Gelev, Martin Funk, Florian Krebs, Udo Muras

Nur der Machtkampf kann den HSV stoppen

PERSONAL: Der HSV ist top aufgestellt! Leistungsträger wie Sonny Kittel (29) und Torjäger Robert Glatzel (28) wurden gehalten. Dazu wurden u. a. Mittelfeld-Akteur Laszlo Benes (24) und Angreifer Ransford-Yeboah Königsdörffer (20) geholt.

PROBLEME: die Unruhe im Verein. Der 2023 auslaufende Vertrag mit Sportvorstand Jonas Boldt (40) ist noch nicht verlängert. Davon abhängig: der neue Vertrag für Trainer Tim Walter (46), mit dem Boldt unbedingt über 2023 hinaus verlängern will. Dazu der interne Knatsch zwischen Boldt und Vorstands-Kollege Thomas Wüstefeld (53) und der drohende Stellenabbau, der bis zu 25 Prozent der Mitarbeiter treffen könnte. Der HSV braucht einen gelungenen Auftakt in Braunschweig und danach Ruhe, damit es nicht gleich zum Knall kommt.

PROGNOSE: Der HSV ist Top-Favorit auf den Aufstieg. Die Mannschaft ist eingespielt, Walter hat sich als Trainer weiterentwickelt. Wenn ein Machtkampf an der Klub-Spitze ausbleibt, steigt der Klub auf – aber nur dann.

ETAT: 24 Millionen Euro.

FORM: 5:1-Ausrufezeichen im Abschlusstest gegen Basel. 95 PROZENT

Hier läuft die 2. Liga im Fernsehen

Die Saisoneröffnung (Freitag, 20.30 Uhr) wird ausnahmsweise im Free-TV bei Sat.1 übertragen. Pay-TV-Sender Sky zeigt weiterhin alle Spiele, Sport1 die Partien am Samstagabend 20.30 Uhr. Die sonstigen Spielttermine: freitags um 18.30 Uhr, samstags um 13 Uhr (statt bisher 13.30 Uhr) und sonntags um 13.30 Uhr.

Jubel um de Wijs, Ärger mit Narey

„Ich will jedes Spiel gewinnen, und wohin das führen kann, weiß man auch.“ Verteidiger Jordy de Wijs (27) ist der Königstransfer. Er konnte nach Leihe für 0,9 Mio. Euro fest von Queens Park Rangers verpflichtet werden.

PERSONAL: Trainer Daniel Thioune (47) übernahm Fortuna im Februar im Abstiegskampf und startete eine Serie von zwölf Spielen ohne Pleite. Jetzt will er den Aufstieg. Thioune:

PROBLEME: Mit Matthias Zimmermann (30) fehlt der Stamm-Rechtsverteidiger zu Beginn verletzt. Khaled Narey (27) ist vorm letzten Test gegen Twente (1:5) in den Streik getreten. Der Top-Scorer (8 Tore, 15 Assists) der vergangenen Saison will seinen Wechsel zu PAOK Saloniki erzwingen.

PROGNOSE: Fortuna brauchtrey-Lösung und nahezu gleichwertigen Ersatz. Gelingt das, landet der Klub unter den Top drei – sonst wird es eng im Aufstiegskampf.

ETAT: zwölf Mio. Euro.

FORM: zuletzt schwache Tests, der Start könnte holprig werden. 40 PROZENT

„Jeder musste singen – und dann kam ein DJ“

Neu-Trainer Forte über seine Team-Tricks und Torjäger Klos

— Von Maximilian Wessing

Was gefällt Ihnen bislang am besten an Arminia?

SPORT BILD: Herr Forte, wenn Sie heute Relegations-Platz drei für die kommende Saison unterschreiben könnten – würden Sie das machen?

ULI FORTE (48): Wenn Sie mich so fragen: Ja, das würde ich unterschreiben! Es werden wieder viele Mannschaft oben mitmischen. Ich hoffe, dass wir dazugehören.

Stimmt es, dass Sie extra aus Ihrem Mallorca-Urlaub zurückgekommen sind, um mit Arminia zu verhandeln?

Ja. Meine Familie war etwas verdutzt, als ich nach einem Tag Urlaub sagte: Ich muss schon wieder zurück. Aber: Ich war nur ein paar Stunden weg, bin mittags nach Düsseldorf geflogen und abends schon wieder zurück. Die Verhandlungen haben also nicht allzu lang gedauert.

Der Charakter der Mannschaft. Dass sie im Training voll mitziehen, aber schon jetzt auch eine Einheit sind.

Ich habe den Spielern gesagt: Wir trainieren nicht nur Muskeln, sondern auch Teamgeist. Wir haben einen Team-Abend im Trainingslager gehabt, haben zusammen gegessen, jeder Neue hat dann singen müssen – und dann kam sogar noch ein DJ.

Mussten Sie auch singen?

Klar, jeder Neue.

Was haben Sie gesungen?

‚L’Italiano‘ von Toto Cutugno.

Auf was für einen Trainer müssen sich die Spieler einstellen? Auf einen Schleifer oder Kumpeltyp?

Ich mag es, wenn hart gearbeitet wird. So bin ich auch. Hart, aber herzlich – aber ein Schleifer bin ich nicht. Medizinbälle nutze ich schon lange nicht mehr, das ist einfach nicht mehr modern. Da gibt es Übungen, die den Körper deutlich präziser trainieren.

Fabian Klos wird Ihr Kapitän sein, obwohl er seine Karriere eigentlich beenden wollte und sich im April seinen Schädel gebrochen hat...

Genau deshalb habe ich ihn auch zum Kapitän gewählt. Man muss sich das mal vorstellen: Er hat eine Metallplatte im Kopf, die den Schädel zusammenhält. Und er muss mit einer Maske spielen. Ich habe ihm anfangs im Training häufig gesagt: ‚Bitte mach noch keine Kopfbälle.‘

Aber er sagte mir: ‚Geht, Trainer! Ich muss Kopfbälle machen, damit ich keine Angst davor bekomme.‘ Als die anderen Spieler im Sommer am Strand lagen, hat er hier geschuftet und sich darauf vorbereitet. Das hat mir sehr imponiert.

PERSONAL: Ein zentraler Mittelfeldspieler soll noch kommen, sonst steht der Kader. Mit Oliver Hüsing (29) kam ein neuer Abwehrboss aus Heidenheim. 

PROBLEME: Die Sorge der Bosse ist, dass die Mannschaft nach zwei Jahren Erstliga-Fußball den Neustart nicht richtig annimmt.

PROGNOSE: Innerhalb von drei Jahren soll der Aufstieg gelingen.

ETAT: 14 Mio. Euro.

FORM: zuletzt Top-Leistungen gegen Griechenlands Meister Piräus (3:1) und Hollands Vize-Meister Eindhoven (4:0). 95 PROZENT

Neu-Trainer Schneider mussten viele erst mal googeln

PERSONAL: Zehn Profis und Trainer Leitl (44/zu 96) sind nach dem Abstieg weg, erst sechs kamen hinzu. Manager Rachid Azzouzi (51) holte mit Marc Schneider (41/ vorher bei Belgien-Klub Waasland-Beveren) einen unbekannten Trainer, den viele Fans erst mal googeln mussten. Zudem setzt der Klub fast ausnahmslos auf junge Spieler wie Sidney Raebiger (17/von RB Leipzig) oder Armindo Sieb (19/Bayern II).

PROBLEME: Der jungen Mannschaft (Durchschnittsalter 23,6 Jahre) täte etwas Erfahrung gut. Zudem herrscht in der Abwehr Handlungsbedarf.

Mit Gideon Jung (27/ Meniskusverletzung) und Luca Itter (23/Innenband) fehlen zwei Kräfte. Offen ist noch die Zukunft von Kapitän und Stürmer Branimir Hrgota (29) und Außenvertediger Jetro Willems (28). Beide wollen erstklassig spielen. Sollten sie gehen, muss Azzouzi noch starken Ersatz holen.

PROGNOSE: Die Kaderzusammenstellung ist interessant. Welche Rolle Fürth genau spielen kann, hängt davon ab, wie sich die Talente schlagen.

ETAT: elf Mio. Euro.

FORM: Testspiele vor allem spielerisch solide bis gut.

Kostet der Stotter-Start schon den Aufst ieg?

PERSONAL: Bis auf die U21-Nationalspieler Tom Krauß (21/jetzt Schalke) und Kilian Fischer (21/für 2,5 Mio. zu Wolfsburg) hat Nürnberg seine Stammelf aus der Vorsaison gehalten. Dazu wurde mit Christoph Daferner (24/ für eine Mio. aus Dresden) und Kwadwo Duah (25/für 700 000 Euro aus St. Gallen) in den schwächelnden Sturm investiert.

PROBLEME: Wie schon in der Vorsaison zeigte der Club auch in der Vorbereitung keine Konstanz. Zusammen mit dem schlechten Saisonende (nur ein Sieg aus acht Spielen) fehlt aktuell das Selbstvertrauen eines Aufstiegskandidaten.

PROGNOSE: Nach den frühen Spitzenspielen bei St. Pauli (16. 7.), gegen Fürth (23. 7.) und gegen den Hamburger SV (27. 8.) weiß man nach sechs Spieltagen, ob der FCN ein Auf-stiegskandidat ist – oder nicht.

ETAT: 14,5 Mio. Euro.

FORM: erst schwache Tests, gegen Arsenal (3:5) zuletzt stark bis zur Pause (2:0-Halbzeitführung). 50 PROZENT

Lieberknecht zittert um zwei Top-Spieler

PERSONAL: Von den Leistungsträgern des Vorjahresvierten sind Dribbler Tim Skarke (25/zu Union) und 17-Tore-Stürmer Luca Pfeiffer (25/war von Midtjylland ausgeliehen) weg. Der flexible Däne Magnus Warming (22/vom FC Turin) ist Ersatz für beide Positionen.

PROBLEME: Es drohen noch Abgänge. Bundesligisten sind an Abwehrtalent Patric Pfeiffer (22) und 15-Tore-Angreifer Philipp Tietz (25) interessiert. Trainer Torsten Lieberknecht (48) braucht noch einen Stürmer, nach dem Ausfall von Aaron Seydel (26/Hirnhautentzündung) Abwehrspieler Patric Pfeiffer wird von anderen Klubs umworben ist Tietz der einzige echte Angreifer.

PROGNOSE: Darmstadt spielt wieder oben mit, wenn sie den Schwung der Vorsaison mitnehmen.

ETAT: rund zwölf Mio. Euro.

Abgänge tun Schmidt weh

PERSONAL: Mit den Angreifern Tobias Mohr (26/zu Schalke) und Robert Leipertz (29/Paderborn) sowie Abwehrmann Oliver Hüsing (29/Bielefeld) sind drei Leistungsträger weg. Für die Offensive kam Jan-Niklas Beste (23) von Werder neu.

PROBLEME: Die Abgänge wurden nicht gleichwertig ersetzt. Trainer Frank Schmidt (48): „Unser Weg ist es, in der Tabelle bestmöglich abzuschließen, mit Abgängen Transfer-Erlöse zu erzielen und junge Spieler weiterzuentwickeln. Das beinhaltet auch, dass nicht alles reibungslos läuft, man sich finden muss und man auch mal einen Schritt nach hinten machen muss, um wieder einen nach vorne gehen zu können.“ Gerade die Offensive braucht noch Zeit: „Wir haben torgefährliche Spieler verloren, da müssen andere reinwachsen. Da gibt es keine schnelle Lösung.“

PROGNOSE: Heidenheim kann überraschen. Entscheidend wird, ob die laufstärkste Mannschaft der Liga nach der kurzen Sommerpause sofort wieder fit ist.

ETAT: 15 Mio. Euro.

FORM: In den Testspielen monierte Trainer Schmidt noch zu viele Fehler. 40 PROZENT

XXL-Etat, aber drei Baustellen

PERSONAL: XXL-Umbruch nach Platz 11 in der Vorsaison. Trainer Stefan Leitl (44) kam für 0,5 Mio. Euro Ablöse aus Fürth, dafür wurde Christoph Dabrowski (44/jetzt RW Essen) weggeschickt. Bisher wurden elf Spieler geholt, darunter Louis Schaub (27/Köln), Max Besuschkow (25/Regensburg), Phil Neumann (25/ Kiel) und Håvard Nielsen (28/ Greuther Fürth). Spannend: Mit Nicolo Tresoldi (17) hat 96 eins der größten Talente der 2. Liga im Kader.

PROBLEME: Die verletzungsbedingten Ausfälle von Luka Krajnc (27) und Fabian Kunze (24) bereiten in der Defensive Sorgen. Zudem hat 96 viele Angreifer, aber keinen echten Torjäger, wie ihn zuletzt die Aufsteiger Schalke mit Terodde und Bremen mit dem Duo Ducksch/Füllkrug hatten.

Null-Tore-Stürmer Lukas Hinterseer (31) soll noch gehen. Unruhe droht im Umfeld, weil für Boss Martin Kind (78) immer noch kein Nachfolger in Sicht ist – für viele Fans („Kind muss weg“) ein Dauer-Thema.

PROGNOSE: Ziel laut Sportchef Marcus Mann (38) ist „ein einstelliger Tabellenplatz“. Aufgrund der großen finanziellen Möglichkeiten muss viel mehr drin sein.

ETAT: ca. 18 Mio. Euro.

FORM: gesamte Vorbereitung ohne Niederlage. 85 PROZENT

Wenn Platte trifft, ist alles drin

PERSONAL: Mit Philipp Klement (29/zurück zum VfB Stuttgart), Jamilu Collins (27/Cardiff City), Kai Pröger (30/Rostock) und Maximilian Thalhammer (25/Regensburg) sind vier wichtige Spieler weg. Aber es wurden auch gute Leute wie Robin Bormuth (26/ Karlsruher SC) oder Robert Leipertz (29/ Heidenheim) verpflichtet. Der Kader ist auf allen Positionen doppelt besetzt.

PROBLEME: Die Abhängigkeit von Torjäger Felix Platte (26), der zuletzt oft verletzt war.

PROGNOSE: Trainer Lukas Kwasniok (41) lässt attraktiven Fußball spielen. Kehrt die Heimstärke zurück, ist der dritte Aufstieg der Vereinsgeschichte nach 2014 und 2019 möglich.

ETAT: 11,5 Mio. Euro.

FORM: u. a. 5:2-Testsieg gegen Ajax Amsterdam und 2:0 gegen Bochum. 95 PROZENT

St. Pauli hat noch Geld – und braucht mehr Qualität!

PERSONAL: Der Umbruch ist nach den Abgängen der Leistungsträger Daniel-Kofi Kyereh (26/für 4,5 Mio. Euro plus Bonus nach Freiburg), Finn Ole Becker (22/ablösefrei zu Hoffenheim) und Guido Burgstaller (33/für 0,5 Mio. zu Rapid Wien) riesig. Zudem wurde der Vertrag von Kapitän Philipp Ziereis (29/ LASK) nicht verlängert.

Mit Ex-Werder-Stürmer Johannes Eggestein (24/ für 0,6 Mio. Euro aus Antwerpen) kommt ein prominenter Name für den Sturm – allerdings hat der Bruder von Freiburg-Profi Maximilian (25) in der vergangenen Saison in 26 Pflichtspielen keinen Treffer erzielt. Ein echter Torjäger fehlt also. Positiv:

Durch die Verkäufe und das Einsparen vieler Gehälter ist noch richtig Geld da – und Verstärkungen für den Aufstieg sind auch notwendig.

PROBLEME: Der neue Innenverteidiger David Nemeth (21) sowie Stürmer Etienne Amenyido (24) haben sich in der Vorbereitung verletzt. Zudem gilt das Verhältnis zwischen Trainer Timo Schultz (44) und Manager Andreas Bornemann (50) als angespannt. Ein Grund: Der Sportchef holte den Trainer bei vielen Personalentscheidungen spät mit ins Boot. Die beiden Co-Trainer von Schultz, der selbst Mitte Januar bis 2023 verlängerte, bekamen erst nach dem Saisonende (!) einen neuen Kontrakt. Bornemann entschuldigte sich öffentlich dafür. Was Mut macht: Der Manager hat in den letzten Jahren gute Transfers gemacht – jetzt sollen noch einige folgen.

PROGNOSE: Unter den schwierigen Umständen ist St. Pauli aktuell erst einmal kein Aufstiegsfavorit.

ETAT: rund 16 Mio. Euro.

FORM: Die Tests liefen größtenteils holprig. 65 PROZENT

UND DAS KÖNNEN DIE AUFSTEIGER

Magdeburg wächst um fünf Zentimeter

Kult-Klub Magdeburg ist im Sommer gewachsen – nicht nur in puncto Selbstvertrauen. Im Vergleich zur Aufstiegssaison sind die FCM-Spieler fünf Zentimeter im Schnitt größer, sieben neue Spieler sind mindestens 1,86 Meter groß, u.a. die Abwehr-Riesen Jamie Lawrence (19/ 2,01 m vom FC Bayern), Belal Halbouni (22/1,89 m von Werder), Malcolm Cacutalua (27/1,88 m aus Aue). Trainer Christian Titz (51): „In der Defensive war klar, dass wir eine Größe und eine Kopfballstärke suchen. Allerdings war das nicht so einfach, weil wir schon eine Spielart haben, wo wir hoch verteidigen wollen.“

Die Neuen (insgesamt neun) müssen also Schnelligkeit mitbringen. Denn die Ziele sind ambitioniert. Sportgeschäftsführer Otmar Schork (64) „Wir wollen eine sorgenfreie Saison spielen.“

Damit das klappt, will sich der FCM weiter verstärken.

Handlungsbedarf gibt es in der Sturmspitze, wo Luca Schuler (23) und Kai Brünker (28) jeweils mit Syndesmosebandriss fehlen.

Dazu wird ein Rechtsverteidiger gesucht. Geld dafür ist vorhanden. Magdeburg plant mit einem Etat von 24 Mio. Euro, wovon etwa 11 Mio. in die Profis fließen.

Lisa Siegel

Ex-Bayern-Ersatzkeeper Ron-Thorben Hoffmann

Hoch 2020, runter 2021, hoch 2022 – und jetzt bloß nicht wieder runter 2023. Eintracht Braunschweig will sich nach zwei Auf- und einem Abstieg in den vergangenen drei Jahren in der 2. Liga etablieren. Trainer Michael Schiele (44), der seit 2021 im Amt ist, sagt: „Das ist eine gute 2. Liga.

Für uns wird es ein Höllenritt.

Wir müssen die Euphorie des Aufstiegs hochhalten und unsere Fans mitnehmen.“

Sein Erfolgsrezept: der Zusammenhalt. „Wir müssen dahin kommen, dass wir über Mentalität, Leidenschaft und Einsatz Siege einfahren“, sagt Schiele. „Über mannschaftliche Geschlossenheit ist vieles möglich, das hat uns auch letzte Saison stark gemacht.“

Der Etat für die Profis liegt bei rund 12 Mio. Euro im Mittelfeld der Liga. Aufhorchen ließ die Verpflichtung von Torwart Ron-Thorben Hoffmann (23), der vom FC Bayern kommt und klare Nr. 1 ist. Abwehr-Rückkehrer Saulo Decarli (30/zuletzt Bochum) soll die tragende Defensivsäule werden.

Kurt Hofmann

Promi-Transfers dank Fan-Euphorie

Lautern boomt! Wenige Tage vor dem Eröffnungsspiel an diesem Freitag gegen Hannover hatte der Aufsteiger schon 17 000 Dauerkarten verkauft.

Trainer Dirk Schuster (54) sagt: „Vom Relegations-Sieg gegen Dresden können wir ganz viel mitnehmen. Wir waren auf dem Papier nicht der Favorit, haben es aber mit Mut, Teamgeist und Disziplin geschafft.

So werden wir weiterhin in die Spiele gehen.“

Und weiter: „Der FCK wird eine Bereicherung für die Liga.

Die Erlebnisse bei uns vor so vielen leidenschaftlichen Zuschauern, die will jeder Spieler haben. Das war auch ein Faktor, dass wir Spieler wie Erik Durm und Andreas Luthe holen konnten.“ Weltmeister Durm (30/aus Frankfurt) und Torwart Luthe (35/von Union) sind die prominentesten Verstärkungen, die auf dem Betzenberg mit knapp 50 000 Plätzen spielen.

Eine Schuster-Spezial-Übung im Trainingslager in Südtirol machte Mut: Die Spieler wur- den in Zweiergruppen 15,7

Kilometer um den Reschensee geschickt. Dabei bekam jedes Duo ein Fahrrad, das sich beide auf der Strecke teilten. „Wenn über die Hälfte der Gruppen in unter einer Stunde fertig ist, ist das ein gutes Zeichen. Als ich 2016 das letzte Mal mit dem FC Augsburg dort war, waren es weniger.“

Lukas Dombrowski