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AUGEN AUFBEIM JACKENKAUF


green Lifestyle - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 14.10.2020

DIE ANSPRÜCHE AN VERNÜNFTIGE JACKEN UND MÄNTEL FÜR DEN WINTER SIND HOCH.


Artikelbild für den Artikel "AUGEN AUFBEIM JACKENKAUF" aus der Ausgabe 4/2020 von green Lifestyle. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: green Lifestyle, Ausgabe 4/2020

Sie sollten wärmen, atmungsaktiv sowie wasserabweisend sein und obendrein chic aussehen. Aber können sie tatsächlich die kalte Jahreszeit versüßen, wenn ihre Entstehung eine bittere Pille für andere Lebewesen war?

Eine haarige Angelegenheit

Eigentlich könnte man den Eindruck haben, Pelz ist heute eher gesellschaftlich geächtet als akzeptiert. Doch wenn Tierfell – wie es große Labels der konventionellen Modeindustrie propagieren – als modischer Besatz an Jacken, Mützen, Stiefel und Co. daherkommt, sehen laut Pro Wildlife die ...

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... Konsumenten das Ganze nicht mehr so eng. Seit 2006 steigt der Umsatz im Pelzgeschäft stetig und in 2017 betrug der Fellbesatz anteilig 70 Prozent des Gesamtumsatzes von 40 Milliarden Euro. Dabei wäre die Rechnung doch ganz einfach: Egal, ob viel oder wenig Pelz – ein Tier muss dafür sein Leben lassen. Bei der Jagd oder auf einer Pelz-Farm, das macht keinen Unterschied.

2018 waren allein in Kanada 50 000 kommerzielle Fallensteller aktiv, vor allem in den Provinzen Quebec, Ontario und Alberta. Den Trappern ist seit 2007 zwar vorgeschrieben, nur noch als „human“ lizenzierte Fallen zu benutzen. Es sind jedoch Methoden, die in Europa verboten sind und nicht den Anschein erwecken, besonders mustergültig zu sein: Schlagfallen brechen das Genick, Nackenschlingen legen sich strangulierend um den Hals, Beinhaltefallen schnappen nach Zehen oder Krallen. Funktionieren diese nicht wie konzipiert, erwartet die Tiere ein langsamer, qualvoller Tod.

Flapsige Argumente, dass Kojoten, Bisamratten und Waschbären Schadtiere oder potenzielle Krankheitsüberträger wären, greifen zu kurz. Verhütungsmittel und Impfstoffe wären sinnvoller und tierfreundlicher. Außerdem tappen oftmals nicht die gewünschten Pelzträger in die Falle, sondern andere Arten wie Elche, Rinder, Schafe, Hunde, Katzen und sogar Adler. Bis zu 75 Prozent sind sogenannte Fehlfänge.

Um sich nicht selbst die Finger schmutzig machen zu müssen, wird fleißig in die Europäische Union importiert. Deutschland zählt hier zu den Hauptabsatzmärkten. Genaue EU-Importzahlen liegen aber nur für jene Arten vor, die durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (engl. CITES) geschützt sind. Dieses regelt den internationalen Handel mit gefährdeten Arten wildlebender Tiere und Pflanzen. Nach Angaben des Pro Wildlife kamen von 2008 bis 2017 knapp 200 000 ganze Felle und mehrere tausend Hautstücke geschützter Füchse, Luchse, Fischotter und Wölfe sowie Seebären über die EU-Grenze. Die Einfuhr von Arten wie Kojoten, Bisamratten, Waschbären, Opossum oder Biber unterliegt keiner genauen Beobachtung.

So erkennen Sie echten Pelz:

*Pusten: Echter Pelz bewegt sich oft schon bei einem leichten Lufthauch, Kunstpelz reagiert hingegen schwerfälliger.
*Fühlen: Echtpelz ist weicher, fluffiger und gleitet durch die Finger.
*Anschauen: Bei echtem Pelz enden die Haare in einer Lederhaut, bei Kunstpelz sind sie in Stoff eingewebt.
*Riechen: Hält man kurz eine Feuerzeugflamme hin, riechen angesengte echte Tierhaare ähnlich wie verbrannte Menschenhaare.

„Weil sich Kunst- und Echtpelz häufig nur schwer unterscheiden lassen, raten wir selbst vom Kauf von Kunstpelz ab“, erklärt Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Außerdem wird mit jeder Art von Pelz für eine Mode geworben, die auf Kosten der Tiere geht.“

Darüber hinaus haben Analysen ergeben, dass auch in als Webpelz deklarierten Materialien oftmals Echtfellanteile verarbeitet sind.

Muss es wirklich Daune sein?

Man weiß um die Umstände, unter denen man Daunen billig gewinnt. In vielen Daunenproduktionsländern wie etwa in China findet immer noch der Lebendrupf Anwendung. Dabei werden Mastgänse in ihrem ohnehin kurzen Leben zwei- bis viermal gerupft, indem Federn von Hals, Rücken, Bauch sowie Brust gerissen und die Tiere dabei schwer verletzt werden. In Deutschland ist der Lebendrupf zwar verboten, aber der größte Teil der bei uns verkauften Federn und Daunen stammt aus China. Außerdem verläuft das in Deutschland erlaubte Raufen (Auskämmen der losen Federn während der natürlichen Mauser) nicht grundsätzlich schmerz- und stressfrei.

Todrupf, bei dem man die Federn erst nach der Schlachtung entfernt, ist auch nicht die Lösung, wenn die Tiere beispielsweise zur Produktion von Foie Gras (Gänse- bzw. Entenstopfleber) gehalten wurden.

Um leichter zu erkennen, dass Federn und Daunen aus tiergerechter Haltung stammen, gibt es Siegel zur Herkunft und Gewinnung. Eine der besten Zertifizierungen für Tierschutz und Rückverfolgbarkeit ist der Responsible Down Standard (RDS), der Lebendrupf sowie Stopfmast komplett ausschließt und die jährlichen Prüfungen unangekündigt durchführt. Kontrolliert werden zudem Waschanlagen, Lager und Verarbeiter, um eine Rückverfolgbarkeit bis zum Endprodukt garantieren zu können.

Aus dem Chemiebaukasten

Aber nicht nur tierische Bestandteile sollten die Alarmglocken schrillen lassen. Zum Einsatz kommen darüber hinaus schädliche per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC), welche bei der Kleidung für wasser- und schmutzabweisende Beschichtungen verwendet werden. Dazu zählen umwelt- und gesundheitsschädliche Substanzen, die sich aufgrund ihrer Flüchtigkeit global ausbreiten und mitunter in der Leber von Eisbären genauso zu finden sind wie in Muttermilch und menschlichem Blut. Die meisten PFC bauen sich freigesetzt nur sehr langsam oder gar nicht ab. Sie haben sehr hohe Treibhauspotenziale, gelten als klimarelevant und wurden bereits in entlegensten Gebieten wie der Arktis und der Antarktis gemessen.

Eine Greenpeace-Studie aus 2016 zeigte im Rahmen eines Produkttests, dass als gefährlich bekannte Chemikalien immer noch flächendeckend in Produkten verwendet werden. Zugleich wiesen die Tests auf eine Verschiebung zu Substanzen hin, die ebenfalls schwer abbaubar, obendrein in einigen Aspekten noch nicht gut erforscht sind.

Gute Alternativen

Die Kollektionen nachhaltiger eco-fairer Marken können locker mithalten, wenn es um Funktionalität von Winterjacken geht. Verarbeitet sind darin innovative Materialien, die durch ihre „grünen“ Eigenschaften glänzen und die gleichen Vorzüge bieten, wie Produkte aus dem konventionellen Segment. Zudem kann man sicher sein, dass soziale Standards eingehalten und keine Tiere gequält werden. Zum einen finden umweltfreundliche Pflanzenfasern Verwendung, zum anderen recycelte Kunstfasern, die genauso leistungsstark sind.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten empfiehlt daher, Winterjacken mit synthetischen Füllmaterialien zu kaufen, wie zum Beispiel Primaloft, Polyester, Lyocell oder Viskose. Ebenso empfehlenswert sind pflanzliche Daunenalternativen wie Kapok, Baumwolle oder Leinen.

* Primaloft ist ein recyceltes Isoliermaterial (recycelte PET-Flaschen), das ultraweich und leicht, feuchtigkeitsregulierend, wasserabweisend, atmungsaktiv, strapazierfähig und schnelltrocknend ist. Ursprünglich wurde Primaloft für die US-Armee als Alternative zur Daune entwickelt.

* Primaloft Bio sind Fasern, die in bestimmten Umgebungen wie auf Deponien, im Meer sowie im Abwasser biologisch abgebaut werden. Gleichzeitig bieten die Isolationen und Stoffe eine ebenso gute Qualität und Leistung wie solche mit Frischfasern (sogenanntes Virgin Polyester). Darüber hinaus sind sie erneuerbar im Sinne einer Kreislaufwirtschaft. Das bedeutet, dass sie ohne Qualitätsverlust immer wieder zu neuem Hochleistungsmaterial recycelt werden können.

* Kapok ist die wild wachsende, tropische Frucht des Kapokbaumes. Die seidig weiche und extrem leichte Hohlfaser dieser Schote isoliert hervorragend, ist antimikrobiell sowie hypoallergen und durch ihre natürliche Wachsschicht wasserabweisend. Des Weiteren benötigt der Baum keine zusätzliche Bewässerung und wächst ohne den Einsatz von Pestiziden. Die Kapokfrucht ist kein Nahrungsmittel, und da die Bäume von Natur aus auf unwegsamem Gelände wachsen, benötigen sie kein Ackerland. Die Kapokfaser ist biologisch abbaubar und vegan.

* Nikwax TX.Direct ist ein Mittel für die Nachimprägnierung in der Waschmaschine zu Hause. Es ist wasserbasiert, nicht-entzündlich und frei von Treibhausgasen, schädlichen Lösungsmitteln sowie gefährlichen PFC. Nikwax ist Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter der Queen’s Award für nachhaltige Entwicklung 2014.

Mit Kapok gefütterte Jacken von Thokkthokk, Damenparka ca. 269 Euro, Herrenparka ca. 369 Euro


Fotos & Illustrationen: © Pro Wildlife; Carol Gray, Rvector / Shutterstock.com

Fotos & Illustrationen: © Pavel Talashov, Great Vector Elements, Kerry Allen / Shutterstock.com