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AUJESZKY BEIM HUND: ANGESTECKT


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 19/2019 vom 02.10.2019

Die Aujeszkysche Krankheit führt beim Hund innerhalb weniger Stunden oder Tage zum Tod. Tierärztin Dr. Heike Hesse und Thomas Fuchs geben Tipps, wie der Hundeführer seinen Jagdhund schützt und einer Infektion vorbeugen kann.


Artikelbild für den Artikel "AUJESZKY BEIM HUND: ANGESTECKT" aus der Ausgabe 19/2019 von Wild und Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Thomas Fuchs

Jedes Jahr gehen Jagdhunde in der ganzen Bundesrepublik an Aujeszky ein. Leider ist die Krankheit nicht zu behandeln und tritt immer häufiger auf. Nach den Richtlinien der Kommission der Europäischen Gemeinschaft gilt Deutschland aber seit 2003 als frei von der Aujeszkyschen Krankheit (AK). Eigentlich. Denn genau genommen sind Deutschlands Hausschweine frei von ...

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Jedes Jahr gehen Jagdhunde in der ganzen Bundesrepublik an Aujeszky ein. Leider ist die Krankheit nicht zu behandeln und tritt immer häufiger auf. Nach den Richtlinien der Kommission der Europäischen Gemeinschaft gilt Deutschland aber seit 2003 als frei von der Aujeszkyschen Krankheit (AK). Eigentlich. Denn genau genommen sind Deutschlands Hausschweine frei von AK, nicht aber die Wildschweine. Hier werden im Rahmen von Monitoring- Untersuchungen regelmäßig vereinzelt infizierte Sauen festgestellt. Zwar selten – aber immer wieder – infizieren sich auch Jagdhunde. So ging im baden-württembergischen Main- Tauber-Kreis Ende vergangenen Jahres ein Kleiner Münsterländer durch das Aujeszky- Virus ein – nur achtzehn Stunden nach dem Auftreten der ersten sichtbaren Symptome.

Lebenslang ansteckend: Das Aujeszky-Virus wird durch Stress reaktiviert. Nachweisbar ist es im Blut.


Lebenslang ansteckend

Die Aujeszkysche Krankheit ist eine hoch ansteckende Allgemeinerkrankung, die weltweit vorkommt und mit Ausnahme von Pferden und Primaten viele Säugetierarten befallen kann. Ausgelöst wird sie durch ein Herpesvirus mit der Bezeichnung SHV-1. Verglichen mit anderen Herpesviren ist es außerordentlich überlebensfähig. Bei vier Grad kann es wochenlang überleben. Bei 25 Grad bis zu 40 Tage und im Boden sowie in der Umwelt bleibt es bis zu 20 Tage infektiös. Es überlebt sogar in Urin, Mist und in gepökeltem Fleisch. Die natürlichen Hauptwirte sind Hausund Wildschweine. Über direkten Kontakt, oder indem sie infizierte Teile fressen, stecken sie sich gegenseitig an. In der Folge der Erkrankung bekämpft der Körper das Virus und eliminiert es. Die Herpesviren ziehen sich in die Nervenganglien zurück und können dort vom Immunsystem nicht erreicht werden. Sie ruhen und somit sind die Sauen latent infiziert.

Vierläufer können sich an Schwarzkitteln infizieren. Die Infektion geschieht meist über Speichel, Tränen- und Nasenflüssigkeit.


Jagdhunde werden nicht mit rohen Innereien von Sauen genossen gemacht! Wer unbedingt Wildschweinfleisch verfüttern will, muss es vollständig durchgaren.


Einmal mit dem Virus infiziert, bleiben die überlebenden Schweine ihr ganzes Leben lang ansteckend. Im Blut sind dann die Antikörper nachweisbar. In Phasen, in denen ihr Immunsystem durch irgendeinen Stress beeinträchtigt ist, wird das Virus reaktiviert und ausgeschieden.

Gefährlich für Hunde

Rein äußerlich sieht man den betroffenen Sauen die Erkrankung üblicherweise nicht an. Das macht es für den Jäger schwer, zumal die Tierseuche anzeigepflichtig ist und bereits der Verdacht beim zuständigen Veterinäramt angezeigt werden muss. Der Mensch ist für die Erkrankung nicht empfänglich. Fleisch von Haus- und Wildschweinen kann er bedenkenlos verzehren. Das eigentlich Erschreckende und Gefährliche an Morbus Aujeszky ist jedoch, dass es für Fleischfresser höchst gefährlich ist. Bei Hunden und Katzen verläuft die Infektion mit dem AK-Virus immer tödlich. Um sie auszulösen, reicht es, wenn der Vierläufer rohes oder kaltgeräuchertes Wildbret von Schwarzwild oder dessem Aufbruch nascht.

Fast wie Tollwut

In einem realen Fall winselte am Morgen nach der Jagd der Hund ohne erkennbaren Grund laut und anhaltend. Dies war für den eher ruhigen und ausgeglichenen Vierläufer völlig untypisch. Er verweigerte sein Futter und rieb sich mit den Vorderpfoten den Fang, woraufhin vormittags die Lefzen schwollen. Im weiteren Tagesverlauf kratzte sich der Hund den Kopf und wurde immer unruhiger. Deshalb suchte der Halter nachmittags seinen Tierarzt auf. Der spritzte Antibiotikum und Antihistaminikum gegen den Juckreiz. Trotzdem verschlimmerte sich der Zustand des Hundes weiter. Auch ein Beruhigungsmittel zeigte keine Wirkung. Stattdessen begann der Vierläufer zu erbrechen.

Aufbruch und Sauenreste sollten nicht im Revier entsorgt werden.


Vorsichtsmaßnahme: Am besten hält man Hunde vom Streckenplatz fern. Nie sollten sie Blut lecken oder an Wildschwein- Aufbrüchen fressen.


Auch abends fand der Hund keine Ruhe. Er hatte sich den Kopf komplett blutig gekratzt, schaumiger Speichel floss aus dem Fang, und er winselte die ganze Nacht hindurch. Nach einer durchwachten Nacht suchte der Halter am frühen Morgen erneut den Tierarzt auf. Der legte den Hund in Narkose, die bis zum späten Nachmittag anhielt. Während der Hund künstlich schlief, steigerte sich plötzlich die Herzfrequenz. Parallel entwickelte er zunehmend starke Atembeschwerden, aus der Nase rann Blut. Das Krankheitsbild ähnelte mittlerweile dem der Tollwut, sodass sich der Verdacht auf die Aujeszkysche Krankheit ergab. Angesichts der aussichtslosen Therapie entschieden der Tierarzt und der Besitzer gegen Abend, den Vierläufer einzuschläfern. Es erfolgte die Meldung des Seuchenverdachts an das Veterinäramt und eine molekularbiologische Untersuchung einer Gewebeprobe, bei der das Virus der Aujeszkyschen Krankheit nachgewiesen werden konnte.

Besser vorbeugen

Wenn die Aujeszkysche Krankheit bei Wildschweinen festgestellt wird, muss sie aus rechtlicher Sicht weder angezeigt noch gemeldet werden. Im Gegensatz zu ihrer Feststellung bei Hausschweinen gilt sie beim Schwarzwild nicht als Tierseuchenausbruch. Gleichwohl bedroht ihr Vorkommen alle jagdlich geführten Hunde. Im Verhältnis zu ihrer Zahl ist eine Infektion zwar vergleichsweise selten. Wird ein Vierläufer aber so mitten aus dem Leben gerissen und muss eingeschläfert werden, ist das für den Halter und seine Familie meist ein großer Schock. Deshalb gilt es vorzubeugen.

Jagdhunde, die bei Bewegungsjagden im Wald eingesetzt werden, haben zwangsläufig irgendwann Kontakt zu Sauen. Die Übertragung auf den Hund erfolgt, indem der Vierläufer beim Kampf mit einer infizierten Sau deren Speichel, Tränen- oder Nasenflüssigkeit aufnimmt, sie aufleckt oder das rohe Fleisch frisst. Eine Übertragung über Schweiß erkrankter Tiere kann zwar nicht völlig ausgeschlossen werden, ist aber unwahrscheinlich. Dann müssten sich nämlich deutlich mehr Hunde an AK anstecken und eingehen. Insbesondere Hunde, die oft für Nachsuchen eingesetzt werden.

Vorsicht mit Aufbruch

Hunde sollten grundsätzlich nicht mit Innereien von Schwarzwild genossen gemacht werden oder an Aufbrüchen lecken oder fressen dürfen. Damit sich die Krankheit nicht weiter verbreitet, sollten Luderplätze und Kirrungen generell nicht mit Abfällen von Schwarzwild beschickt werden. Das gilt besonders in Gebieten, in denen die Aujeszkysche Krankheit bei Sauen nachgewiesen wurde. Dort wird der Kontakt des Jagdhundes zu den Sauen am besten auf das Notwendige reduziert. Das heißt, dass Hunde erlegte Stücke nicht unnötig beuteln sollen und vom Streckenplatz am besten ferngehalten werden. Sowohl dieser, als auch Anhänger, mit denen Sauen transportiert wurden, müssen danach gründlich gereinigt werden. Wenn unbedingt Fleisch vom Wildschwein verfüttert werden soll, dann nur vollständig durchgegart: Dabei muss der Kern für mehrere Minuten eine Temperatur von mehr als 80 °C erreichen.

Impfen ist zwecklos. Das Aujeszky-Virus breitet sich über Fang und Nase bis zum Gehirn aus. Der Weg ist extrem kurz.


An Hausschwein-Stallungen birgt das Aufbrechen durchaus Risiken.


Impfen nicht sinnvoll

Einen zugelassenen Impfstoff für Hunde gibt es nicht. Belgische Wissenschaftler haben zwar einen Impfstoff für Hausschweine an Hunden getestet und darüber Studien veröffentlicht, allerdings wirken die für Schweine verwendeten Totimpfstoffe bei Hunden nicht ausreichend. Mit solchen Impfstoffen geimpfte Vierläufer können zwar Antikörper ausbilden, die ihnen aber nichts nützen, weil sich das Virus über Fang und Nasenraum entlang der Nervenbahnen in der Nase schnell ausbreitet und der Weg bis zum Gehirn extrem kurz ist. Würde man einen Hund dagegen mit einem Lebend-Impfstoff impfen, so würde er erkranken und eingehen.

Insgesamt gilt also: Das Risiko kennen, richtig einschätzen und nicht leichtsinnig werden. Und dies gilt keineswegs nur für Hundeführer. Wenn die Aujeszkysche Krankheit bei Wildschweinen vorkommt, bedeutet dies bei Jägern – die selbst Schweine besitzen oder Kontakt zu Hausschweinen haben –, dass sie extrem vorsichtig sein sollten. Niemals sollten sie in ihrer im Revier bei der Jagd getragenen Kleidung einen Schweinestall betreten und erlegte Sauen auf keinen Fall auf dem Hof oder Betriebsgelände aufbrechen.

Absolutes No-go: Auch wenn man den Verpächter dringend sprechen muss – aus dem Revier direkt in den Schweinestall geht gar nicht!


@Fotos: Thomas Fuchs

@Fotos: Thomas Fuchs