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AUKTIONEN


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Weltkunst - epaper ⋅ Ausgabe 198/2022 vom 26.04.2022

MODERNE UND ZEITGENOSSEN

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Bildquelle: Weltkunst, Ausgabe 198/2022

1 Claude Monet, »Le Grand Canal et Santa Maria della Salute«, 1908, Sotheby?s, Taxe um 50 Mio. Dollar

Sotheby’s, New York, 16./17. und 19. Mai

Bei Sotheby’s bestimmt im Mai Monet die Schlagzeilen. Seine Venedigansicht »Le Grand Canal et Santa Maria della Salute«, gemalt auf seiner einzigen Reise in die Stadt im Jahr 1908, wird in der Moderne-Versteigerung auf einen Preis um 50 Millionen Dollar eingeschätzt.

Am selben Abend verstärkt Sotheby’s die internationale Aufmerksamkeit für Philip Guston, der gerade in Boston eine große Retrospektive hat. »Nile« (1958), ein wichtiges Werk aus Gustons früher abstrakter Periode, tritt mit 20 bis 30 Millionen Dollar an, der bisher höchsten Taxe für eines seiner Bilder. »Nile« befand sich 40 Jahre lang in der Sammlung des texanischen Investors Peter O’Donnell, der im vergangenen

Oktober im Alter von 97 Jahren verstarb. Dank noch zwei späterer figurativer Werke, die in der Contemporary-Auktion folgen, kann Sotheby’s einen guten Eindruck von ...

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... Gustons künstlerische Entwicklung bieten.

Zum zweiten und letzten Mal kommen Werke aus der aus Scheidungsgründen zerschlagenen Sammlung von Linda und Harry Macklowe zum Aufruf. Die erste Tranche hatte im Herbst mit 35 Losen über 676 Millionen Dollar eingespielt – von insgesamt erwarteten 700 Millionen. Linda Macklowe hatte viele Künstler in die Tiefe gesammelt, daher war ein Aufbrechen der Kollektion sinnvoll.

Am 16. Mai führt Rothkos düstere Komposition in Purpur, Rot und Blau aus dem Jahr 1960 mit 35 bis 50 Millionen Dollar die Offerte an. Bei der Nachkriegskunst stechen Sigmar Polkes muntere »Plastik-Wannen« aus dem Jahr 1964 zur Taxe von 3,5 bis 4,5 Millionen Dollar und Gerhard Richters »Seestück« von 1975 mit hellem Wolkenhimmel heraus, das auch 25 bis 35 Millionen Dollar einbringen könnte. Insgesamt werden für 30 Werke um 200 Mio. Dollar erwartet.

BARBARA KUTSCHER

20. UND 21. JAHRHUNDERT

Christie’s, New York, 9., 10. und 12. Mai

Wie hoch kann der Kunstmarkt noch fliegen? Die New Yorker Maiauktionen mit ihrem superlativen Angebot in Milliardenhöhe sind da äußerst zuversichtlich. Allein Andy Warhols legendäre »Shot Sage Blue Marilyn« von 1964 tritt mit 200 Millionen Dollar an, der bisher höchsten Erwartung für ein einzelnes Werk auf einer Auktion. Der gesamte Erlös des nach dem Tod von Doris Ammann im April 2021 nun im Auftrag der neugegründeten Thomas und Doris Ammann Stiftung zur Versteigerung eingelieferten Werks soll guten Zwecken zufließen. Die Geschwister hatten den großen Siebdruck in den frühen 1980er-Jahren dem New Yorker Verleger und Megasammler S. I. Newhouse abgekauft. Im Jahr 2017 hatte eine andere Version aus der insgesamt fünfteiligen Serie mit unterschiedlich farbigen Hintergründen für einen Kaufpreis um 200 Millionen Dollar privat die Hände gewechselt. »Jedes Mal, wenn solch ein Gemälde verkauft wird, dann verändert es den Markt, nicht nur für Warhol, sondern auch den Kunstmarkt selbst«, sagt Alex Rotter, Chairman of Christie’s 20/21 Art Departments.

In einer eigenen Versteigerung ruft Christie’s zwölf kapitale Werke des 19. und 20. Jahrhunderts aus dem Nachlass der New Yorker Investorin und Mäzenin Anne H. Bass auf. Sie sollten mindestens 250 Millionen Dollar einbringen. Allein drei Gemälde von Claude Monet sind dabei: »Le Parlement, soleil couchant«, um 1901, trägt die Erwartung von 40 bis 60 Millionen Dollar. Zwei Bilder von Mark Rothko in wunderbar lebhaften Rot-und Orangetönen vom Anfang der 1960er-Jahre könnten gemeinsam 105 bis 145 Millionen Dollar erzielen.

BARBARA KUTSCHER

ALTEKUNST

Dorotheum, Wien, 5. bis 12. Mai

Eine bedingungslose Liebhaberin der Künste, aber auch Unruhestifterin höchsten Ranges: Christina von Schweden war mit Sicherheit eine der schillerndsten Frauenfiguren des 17. Jahrhunderts. Ihr Eingreifen als Königin von Schweden beschleunigte den Westfälischen Frieden und somit das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Andererseits ließ sie, die bedingungslose Kunstliebhaberin, gegen Ende des Krieges Hunderte Bilder aus der Prager Burg rauben.

Das Dorotheum kündigt nun ein absolutes Spitzenwerk aus der Sammlung der unangepassten Regentin für die Auktionswoche im Mai an: eine büßende Magdalena von Tiziano Vecellio, genannt Tizian. Das Meisterwerk könnte eben aus der berühmten Sammlung Rudolfs II. stammen, wie die Experten des Auktionshauses recherchierten. Der Schätzwert wird zwischen einer und 1,5 Millionen Euro angegeben.

Eine büßende Magdalena eignet sich hervorragend als Vexierbild zu Christinas Leben, die nach ihrer kontroversen Abdankung zum Katholizismus konvertierte und in Rom verstarb. Auf jeden Fall mehr als Blumen-oder Brautsträuße: Sie verweigerte immer, ein Eheversprechen zu leisten.

Im Dorotheum hingegen kommen im Mai herrliche Blumenarrangements unter den Hammer. Etwa ein »Waldblumenstrauß« von Olga Wisinger- Florian (Taxe 20 000 bis 25 000 Euro), ein Rosenbeet von Alois Kalvoda (Schätzwert 5000 bis 7000 Euro) oder ein Stillleben mit Rosen und Weintrauben von Margaretha Roosenboom (Taxe 8000 bis 10 000 Euro). Das Highlight dieser floralen Serie ist der prachtvolle Früchtekorb mit Muscheln von Ambrosius Bosschaert II (Taxe 200 000 bis 300 000 Euro).

CHRISTOF HABRES

FRÜHJAHRSAUKTION

Dobiaschofsky, Bern, 4. bis 7. Mai

Das Berner Auktionshaus Dobiaschofsky gehört zu jenen Anlaufstellen professioneller Händler, versierter Sammler und scharfäugiger Museumskuratorinnen, über die diese ähnlich schweigen, wie eingefleischte Pilzsammlerinnn über ihre bevorzugten Sammelgründe. Regelmäßig finden sich in den Auktionsangeboten nämlich museumswürdige Raritäten mit auffällig tiefen Schätzungen. Dass diese in entsprechend regen Bietgefechten professioneller und privater Kenner immer wieder sensationell überboten werden, lockt naturgemäß neue Einlieferer an. Als interessantes Beispiel für eine solche Attraktion könnte sich in Dobiaschofskys Maiversteigerungen Emil Noldes klassisch museales Blumenaquarell »Rote Blüten« aus den 1930er-Jahren erweisen. Mit nur 65 000 Franken wirkt es für ein so schön erhaltenes Paradewerk eines farbstarken naturalistischen Expressionismus außerordentlich tief angesetzt. Aus ähnlicher Zeit stammt Paul Klees 1929 geschaffene und auf 12 000 Franken angesetzte Radierung »Rechnender Greis«. Unter den jüngeren Werken in Dobiaschofskys üblicherweise von Altmeistermalerei bis zur

MODERNE UND DESIGN

Bukowskis, Stockholm, 17./18. Mai

Eine kleine Sensation bietet Bukowskis: Es ist ein Mahagonikabinett von Josef Frank. Der 1885 in Baden bei Wien geborene Frank war der Wegbereiter der Wiener Schule der Architektur, emigrierte 1933 nach Stockholm und wurde 1939 schwedischer Staatsbürger. Dann begann er, für das Unternehmen Svenskt Tenn zu arbeiten, einige ikonische Entwürfe entstanden. Zu ihnen gehört auch der jetzt angebotene »Plan de Paris à vol d’oiseau«, dessen Front höchst dekorativ von einem Stadtplan aus dem Paris der 1920er-Jahre, gezeichnet von Georges Peltier, geziert wird. Für ein ähnliches bei Bukowskis angebotenes Möbel von Josef Frank bewilligte ein Sammler kürzlich gut 300 000 Euro und markierte damit den bisherigen Höchstpreis für Arbeiten von Frank. Verglichen damit ist die Taxe äußerst moderat: 60 000 bis 80 000 Euro. Ebenso dekorativ ist ein antikisierend gestaltetes Taburett von Axel Einar Hjorth, das 1928 für die ein Jahr später stattfindende Weltausstellung in Barcelona entworfen wurde und auf 30 000 Euro taxiert wird.

FRANK G. KURZHALS

ALTE KUNST UND PREUSSEN

Lempertz, Köln, 19. bis 21. Mai, Berlin, 7. Mai

Die Offerte mit alter Kunst ist reich bestückt, allen voran mit Niederländern des 16./17. Jahrhunderts. An der Spitze stehen in Köln mit einer Taxe von jeweils 200 000 bis 250 000 Euro eine »Bauernhochzeit« von Jan Miense Molenaer und eine erst jüngst durch Forschungen zuschreibbare manieristische Komposition Marten van Heemskercks. Auf dessen »Heiliger Dreifaltigkeit«, vermutlich aus den 1540er-Jahren, auf der Gottvater seinen toten Sohn auf dem Schoß hält, haben Infrarotuntersuchungen eine schwebende, später übermalte Taube des Heiligen Geistes kenntlich machen können.

In volkstümlichem Kontrast hierzu stehen eine weitere Bauernhochzeit von Hendrick Martensz Sorgh (Taxe 80 000 bis 120 000) und von Jan Brueghel d. J. das Werk »Tulpen, Iris, Rosen und Päonie in einer Vase« (Taxe 70 000 bis 80 000 Euro). Naturliebhaber können Jan van Goyens ruhige Flusslandschaft von 1642 (geschätzt auf 100 000 bis 130 000 Euro) mit einer felsigen Küstenlandschaft des dramatischer veranlagten Salvatore Rosa (Taxe 100 000 bis 120 000 Euro) vergleichen. In der Malerei des 19. Jahrhunderts sticht eine orientalische Szene von Attilio Simonetti heraus, der wie sein Bruder Ettore als Genremaler geschätzt wird. Lempertz taxiert das Bild auf 200 000 bis 250 000 Euro. Ein historisches Ereignis nimmt das Gemälde »Der erste Luftballon über Venedig« von Francesco Zanin zur Vorlage, das an die Gebrüder Zanchi erinnert, die 1784 einen »globo aerostatico ad aria infiammabile« für zwei Stunden über der Lagunenstadt schweben ließen (Taxe 40 000 bis 60 000 Euro). Der Hingucker im Kunstgewerbe ist die Meißener »Große Porzellangruppe Sultan und Afrikaner auf Elefant« aus dem Jahr 1784, die zu einem Schätzpreis von 40 000 bis 45 000 Euro aufgerufen wird.

Die Preußenauktion in Berlin ist in klassische Kunst und Designobjekte aufgeteilt. Besonders lässt »Das Herrenzimmer von Walter Gropius und Adolf Meyer für Georg und Ilse Hanstein« aufhorchen, das der Bauhausgründer 1920 anfertigen ließ. Das Ensemble umfasst als Möbel Schreibtisch, Schreibtischsessel, Bücherboard, einen runden Tisch und sechs Stühle, zusätzlich Briefe von Walter Gropius und Adolf Meyer sowie die originalen Aufrisspläne. Man darf gespannt sein, welche Architekturmuseen sich bei einer Taxe von 100 000 bis 150 000 Euro darum schlagen werden.

FRANK MAIER-SOLGK

CLASSIC WEEK

Van Ham, Köln, 18./19. Mai

Die Sektionen Fine Art, Juwelen und Decorative Arts bilden das Aktionstrio der Classic Week bei Van Ham im Mai. Einen Schwerpunkt der Fine- Art-Offerte liefert die Düsseldorfer Malerschule, von der rund 20 Gemälde aus einer nordrhein-westfälischen Privatsammlung zugunsten einer Stiftung verkauft werden sollen. Vertreten sind Landschaften der beiden Achenbach-Brüder, darunter von Oswald »Marktstände auf dem Strand vor Neapel« (geschätzt auf 25 000 bis 35 000 Euro). Die künstlerische Vita des Südtirolers Leo Putz reicht vom Jugendstil bis zum Expressionismus, von der Münchner Kunstakademie bis zu einer Professur in Rio de Janeiro. Am intensivsten leuchtet wohl seine impressionistische Phase, aus der Van Ham den Akt »Am Fenster« (1920) zu einer Taxe von 40 000 bis 60 000 Euro anbietet. Unter den alten Meistern sticht ein Altarretabel von Simone di Filippo aus Bologna aus der zweiten Hälfte des 14. Jh. mit der Darstellung der »Thronenden Madonna« hervor (Schätzpreis 20 000 bis 30 000 Euro). Die Spitze beim Schmuck nimmt unangefochten ein Solitaire-Ring mit einem stattlichen Diamanten ein (Schätzpreis 90 000 bis 120 000 Euro).

FRANK MAIER-SOLGK

ALTE MEISTER UND 19. JAHRHUNDERT

Karl & Faber, München, 18. Mai

Man blickt auf eine felsige Flusslandschaft. Maria mit Kind auf dem Esel und Josef laufen durch unwegsames Gelände. Im Hintergrund eine Holzbrücke und ein paar Häuser. Jan Brueghel d. J. schuf das kleine Gemälde mit der rau wirkenden Landschaft, das die Flucht nach Ägypten zeigt, Anfang der 1630er-Jahre. Es ist eines der Highlights, die Karl & Faber in seiner Auktion der alten Kunst versteigert, Schätzpreis 60 000 bis 80 000 Euro. Erst im Dezember wurde eine Landschaft mit Nymphen bei einer Auktion von Schloss Ahlden für 96 000 Euro zugeschlagen. Die Preise für Werke des produktiven Flamen sind nach wie vor hoch.

Die Kunst des 19. Jahrhunderts wird von einem typischen Werk Spitzwegs angeführt: »Der Philosoph im Walde«, entstanden um 1848, schätzt das Haus auf 35 000 bis 45 000 Euro. Ein Mann sitzt hier lesend unter Bäumen. In der Sparte Druckgrafik sind zwei Radierungen von Rembrandt Harmensz. van Rijn zu erwähnen: »Der Triumph des Mardochäus« (um 1641) und ein Selbstbildnis aus dem Jahr 1648, das Rembrandt, der den Betrachter unverwandt anblickt, zeichnend zeigt. Ersteres soll 25 000 bis 30 000 Euro einbringen, das Selbstbildnis 15 000 bis 20 000 Euro.

SUSANNE LUX

KUNST UND MILITARIA

Hermann Historica, München, 16. bis 20. Mai

An die 4000 Objekte kommen bei Hermann Historica im Mai zur Versteigerung. Überraschend stark besetzt ist der Sektor Kunst. Glanzstück unter den knapp 1000 Artefakten aus Orient und Okzident ist eine runde, reich bebilderte Silberschale aus der Endzeit des persischen Königreichs der Sassaniden, datiert auf Ende des 6. oder Anfang des 7. Jahrhunderts (Ausruf 250 000 Euro). In der Mitte der kunstvoll aus dem Metall herausgearbeiteten Szene sieht man den König im Lotussitz auf einem mit Widderköpfen geschmückten Sitz thronend, umgeben von seinen Dienerinnen, die ihm Speise und Trank reichen und ihn mit Musik unterhalten. Die beiden über der Szene schwebenden, geflügelten Genien, die den Herrscher bekränzen, sind der klassischen Antike entliehen und stehen stilistisch im Gegensatz zur orientalisch geprägten Erscheinung des Königs und der Dienerinnen.

Das Gros des Auktionsangebots bilden traditionell antike und moderne Blank-und Schusswaffen, Orden und Ehrenzeichen sowie Militaria aller Art wie der Bronzehelm eines griechischen Kriegers aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. (Ausruf 11 000 Euro). Das spektakulärste Objekt ist eine Chiffriermaschine vom Typ »Enigma«, mit der die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ihre Funksprüche verschlüsselte (Ausruf 65 000 Euro). Ein wenig aus dem Rahmen fällt unter all den martialischen Objekten ein zweiteiliges, lindgrünes Sommerkleid aus dem Besitz der österreichischen Kaiserin Elisabeth, ein Kultobjekt für »Sissi«-Verehrer (Schätzung 12 500 Euro).

Gespannt darf man sein, wie unter dem Eindruck des gegenwärtig in der Ukraine tobenden Krieges das Angebot an russischen Kunst-und Kultgegenständen aufgenommen wird.

HARTMUT KREUTZER

SOMMER-AUKTION

Kendzia, Hamburg, 20./21. Mai

Den Bogen spannt Kendzia im Mai vom Renaissance-Porträt bis zu einem bronzenen Terrier von Renée Sintenis. Die höchsten Erwartungen sind mit dem »Bildnis des kursächsischen Rates Georg Cracov« verbunden, das Lucas Cranach d.J. im Jahr 1563 mit Statussymbolen wie Goldkette und Pelzbesatz malte. Das Gemälde befand sich einst im Besitz der Fürstin Anna Luise von Schwarzburg- Sondershausen. Der Startpreis dafür beträgt 80 000 Euro.

Außerdem kann sich kaum sattsehen am Detailreichtum einer knapp einen Meter langen indischen »Lustbarke«: Elfenbeinplatten und florale Motive schmücken den Holzkorpus des Bootes, den Bug ziert ein stolzer Pfau und das Heck mündet in einen Elefantenkopf. Das Prunkstück stammt aus dem 18. Jahrhundert und wird neben weiteren Elfenbeinschnitzereien aus der Sammlung von Claus Virch, ehemals Kustos der Gemäldeabteilung am Metropolitan Museum, zur Taxe von 2200 Euro angeboten.

LISA-MARIE BERNDT

SCHMUCK UND KUNST

Stahl, Hamburg, 6./7. Mai

Mit weit geöffneten und erhobenen Armen streckt die junge Frau ihren ganzen Körper der Sonne entgegen. Tänzelnd, den linken Fuß nach hinten ausgestreckt, heißt sie die warme Jahreszeit willkommen. Die Bronzefigur von Hans Hubert Dietzsch-Sachsenhausen entstand 1919 und war im Jahr darauf auf der Großen Berliner Kunstausstellung zu sehen. Stahl bietet das lebensgroße Exemplar zu einem Limit von 12 000 Euro an.

Aris Kalaizis’ Ölgemälde »Der große Architekt« aus dem Jahr 2022 gehört zu den Toplosen der Auktion (Limit 26 000 Euro). In seinem großformatigen Werk präsentiert der Vertreter der Leipziger Schule eine imaginäre Industrieruine, durch ein Fenster blickt der Betrachter auf eine Landschaft. Zu den Highlights in der Sparte der Gemälde zählt eine Sammlung mit Werken der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Dazu gehört »Die Rote Blume« des österreichischen Universalkünstlers Arik Brauer (Limit 12 000 Euro). Mit gerümpfter Nase und hochgezogenen Augenbrauen sieht man den Maler Johannes Grützke auf seinem Selbstporträt »Das Gesicht auf nackter Schulter«, dessen Limit bei 9000 Euro liegt. Eindringlich ist Clemens Gröszers Porträt »A.P. VII«, auf dem uns eine feminin anmutende Person entgegenblickt (Limit 5000 Euro).

CLARA ZIMMERMANN

FRÜHJAHRSAUKTION

Schloss Ahlden, 7./8. und 14. Mai

Walter Spies war Maler, Bühnenbildner und Komponist. Schloss Ahlden versteigert ein Werk, das um 1920 in Berlin entstand, noch bevor Spies nach Bali zog: ein Geschenk an seinen Geliebten, den Nosferatu- Stummfilm-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau. Im »Transformationsakt« zeigt er im Stil des Magischen Realismus einen Orchestergraben mit musizierendem Orchester, darüber auf der Bühne eine Tänzerin als Carmen, dieselbe als Aktfigur beim Umziehen daneben. Eine Rarität auf dem Kunstmarkt –Spies produzierte nur wenig –, die nun auf 300 000 bis 500 000 Euro geschätzt ist.

Im Bereich der alten Kunst sticht ein Blumenstrauß um 1650 von Jan van Kessel d. Ä. hervor (Taxe 33 000 Euro). Erwähnenswert ist auch ein großes Schachspiel von Arman und George Boisgontier in Bronze und Marmor (Taxe 145 000 Euro).

SUSANNE LUX